Opel Adam – der kleine Cityflitzer

Mit dem Opel Adam zielt der deutsche Traditionshersteller auf eine vollkommen neue Zielgruppe ab, die das Unternehmen aus den Augen verloren zu haben schien: Junge Fahrer, die besonderen Wert auf drei Dinge legen: Aussehen, Stadttauglichkeit und natürlich des Pudels Kern – den Preis.

Der Adam zielt nun in genau diese Richtung ab. Das Fahrzeug soll einen jungen, frischen Eindruck hinterlassen und den Fahrer schnell und komfortabel überall hin bringen. Ob der Adam diesen Ansprüchen auch gerecht werden kann, untersuchen wir im Folgenden für Euch!

Exterieur

Ganz klar, dieser Opel hat wenig mit den bekannten Modellen des Rüsselsheimer Unternehmens zu tun. Er hinterlässt rundum einen völlig neuen Eindruck der erst einmal in Gänze erfasst werden will.

Als erstes sticht die originelle Farbwahl ins Auge – die gelbe Grundfarbe unseres Testwagens wird durch das Schwarz der Dachs und der Felgen geradezu eingerahmt. Die Farbgebung ist wohl die optimale Farbwahl für alle Fans des BVB, doch auch Fußballuninteressierte können sich an der Kombination ohne Weiteres erfreuen.

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Beginnend an der Front zeichnet sich designtechnisch bereits die Richtung ab, in die es gehen soll. Weit außen und recht stark oben positionierte Scheinwerfer ergeben in Kombination mit dem mittig positionierten, und dem nach unten hin schmaler zulaufende Kühlergrill ein breites Lächeln. Der Kühlergrill wird durch eine Chromleiste geteilt, in der mittig das Opel-Logo eingelassen ist und den Grill optisch in Ober- und Unterlippe teilt. Fehlt nur noch eine kleine Stupsnase und das grinsende Gesicht ist perfekt.

Besonders gefielen uns hierbei die LED-Tagfahrlichter, die die Form des Kleinwagens deutlich verschärfen und für eine bissigere Optik sorgen.

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Gehen wir nun weiter zur Flanke des Adam, huscht der Blick unwillkürlich zu den verbauten Felgen, die ein echter Hingucker sind. Nicht nur die Farbgebung – nämlich in Dachfarbe – sondern auch die Form weiß zu überzeugen. Ähnlich wie beim VW Scirocco, den wir neulich im Test hatten, weisen die Felgen eine Art Propeller-Design auf, das besonders während langsamer Fahr einen äußerst dynamischen Eindruck vermittelt.

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Weitere optische Highlights sind der leicht abgesetzte Schwellerbereich und die Implementierung der Türgriffe. Diese ziehen eine Linienführung nach sich, die sich, wie der Schweif eines Kometen, bis zum Heck durchzieht und am oberen Rand der Heckleuchten endet. Gut gefallen hat uns auch die Chromleiste oberhalb der Türlinie, diese zeichnet die Dachform nach und sticht aus dem schwarzen Dachdesign heraus.

Kurz bevor der Blick auch schon auf das Heck fällt, macht der Opel noch einmal deutlich, mit welchem Fahrzeug man es hier zu tun hat und so verkündet ein kleiner, verchromter Schriftzug , dass man es hier mit einem „Adam“ zu tun hat.

Das Design des Hecks wird hauptsächlich durch die Anordnung und Form der Heckleuchten geprägt – diese besitzen eine im Inneren geschwungene Form, die zusätzlich durch eine weitere Chromleiste definiert wird.

An dieser Stelle, nach der doch recht häufigen Benutzung des Worts „Chrom“ seit gesagt, dass Opel es mit dem silbrigen Metall – anders als vielleicht impliziert – keinesfalls übertreibt und nur gezielte, stimmige Highlights setzt.

Heck

Ein Bekannter identifizierte den Adam gleich mit „Hey, das ist ja ein Pikachu“! als Pokemon, was den Lesern unter 30 Jahren vielleicht noch ein Begriff sein dürfte. Ganz zu Unrecht war auch dieser Aussage nicht, denn mit den Rückleuchten, der Einfassung für die Nebelschlussleuchte und das Rückfahrlicht und dem Kennzeichen meint man erneut, ein Gesicht erkennen zu können.

Öffnet man die Heckklappe, für die man übrigens auf den unteren Teil des Opel-Logos drücken muss, offenbart sich der doch recht kleine Kofferraum. Gerade einmal 170 Liter passen hinein, mit umgeklappten Rücksitzen sind es immerhin 663 Liter. Im Normalzustand reicht das gerade einmal für eine Sporttasche und Tennisschläger, der Großeinkauf muss ohne das Umklappen definitiv draußen bleiben. Ärgerlich ist auch die sehr hohe Ladekante.

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Ein besonderes Schmankerl hingegen stellt der Fahrzeugschlüssel da, der die Wagenfarbe aufnimmt – jeweils individuell und genau auf das Auto zugeschnitten.

Insgesamt gefällt uns das Außendesign des Adam recht gut – besonders da dieses beinahe beliebig konfigurierbar ist. Opel stellt für den Körper, das Dach und die Felgen eine Vielzahl von Farben und Kombinationsmöglichkeiten zur Verfügung, sodass für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte. Auch die allgemeine Form weiß zu überzeugen – klein, fein und handlich sind hier die Adjektive der Wahl.

Interieur

Gelb. Moment, war das nicht die Außenfarbe? Ja klar, und genau diese zieht sich auch durch den Innenraum – sei es auf den bequemen Teilledersitzen, im Armaturenbrett oder im unteren Teil der Mittelkonsole. Diese Farbtupfer hellen zwar das Gesamtbild auf und verleihen eine extravagante Note, sind aber sicherlich auch Geschmackssache.

Der Fahrer nimmt, wie schon erwähnt, in Teilledersitzen Platz. Während die eigentliche Sitzfläche aus Stoff besteht, sind die Lippen und Kopfstützen in Leder gehalten. Die Sitze machen insgesamt einen guten Eindruck, der Seitenhalt ist ordentlich und auch längere Fahrten sind problemlos zu meistern.

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Während das Armaturenbrett von gelb lackierten Elementen dominiert wird, zeichnet sich die Mittelkonsole besonders durch den großen Touchscreen aus. Rechts und links davon befinden sich verschieden Schalter zur Bedienung von Fahrzeugfunktionen wie Start-Stopp-Automatik, Sitzheizung und Parksensoren, die es übrigens bei unserem Testwagen nur an der Fahrzeugrückseite gibt.

Unter dem Touchscreen befindet sich die Steuerung der Klimafunktionen, und ein Ablagefach, in dem auch der USB und AUX-Anschluss sowie der Zigarettenanzünder zu finden sind.

Runde, typisch und praktisch platzierte Luftdüsen verteilen auf Wunsch angenehm warme oder kühle Luft im Innenraum.

Mit dem Lenkrad des Adam ist den Designern ein guter Wurf gelungen. Dieses liegt nicht nur gut in der Hand, sondern trägt auch Multifunktionstasten, über die sich verschiedene Fahrzeugfunktionen schnell und einfach steuern lassen.

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Zwischen Tacho und Drehzahlmesser – beide übrigens in recht auffälligem, sportlichem Design – befindet sich die obligatorische, einfarbige Multifunktionsanzeige, die auf Wunsch verschiedene Fahrzeugdaten anzeigt.

Während das Platzangebot vorne auch für größere Menschen um 1,90 Meter vollkommen ausreichend ist, wird der Platz im Fond mehr als knapp. Auch wenn man bauformbedingt keine Wunder erwarten darf, fallen die Sitzplätze hinten wirklich extrem klein aus. Beinfreiheit sucht man hier vergebens und besonders der Kopf weiß unter dem niedrigen Dach nicht wohin. Der Suzuki Swift, den wir Euch demnächst präsentieren, löst das Platzproblem bei ungefähr gleichen Maßen deutlich besser.

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Leider müssen wir zum Innenraum ein zweigeteiltes Fazit ziehen. Auf der einen Seiten stehen ein Lederlenkrad, sauber verarbeitete Ziernähte und ebenfalls in Leder gehaltene Türverkleidungen. Auf der anderen Seite finden sich leider aber auch eher lieblose Plastikflächen, wie der Bereich direkt unter den Fenstern. Dies ist eigentlich unverständlich, die Disparität zwischen hochwertig und weniger hochwertig gestalteten Flächen können wir uns nicht erklären, zumal die Designer an vielen Stellen bewiesen haben, dass sie wissen, wie es geht. Dies trübt den guten Gesamteindruck, der aber trotzdem immer noch mit „gut“ bewertet werden kann.

Infotainment

Das Herzstück des Infotainment-Systems ist der große, resistive Touchscreen, der in unserem Test stets zügig reagierte und keine Aussetzer hatte.

Die Menüführung ist denkbar einfach gehalten, vom Startbildschirm aus sind alle Funktionen einfach und leicht zugänglich. Erst, wenn man sehr tief in die Oberfläche vordringt und z.B. neue Radiosender suchen und einspeichern möchte, wird es etwas komplizierter.

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Zurück auf null geht es stets unkompliziert per „Homebutton“ in Form eines berührungsempfindlichen Buttons unterhalb des Screens. Hier lässt sich auch die Lautstärke verändern und das Infotainment komplett abschalten.

Doch wer möchte schon noch Radio hören, bei der schieren Menge an Schnittstellen, die der Adam dem Fahrer bietet? Die eigene Musik kann über gleich drei, im Test tadellos funktionierende Anschlüsse abgespielt werden: USB, AUX und Bluetooth, letztere Funktion bindet das Mobiltelefon auch gleich an die Freisprechanlage an.

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Der Sound des Audiosystems ist überraschend kräftig, die zahlreichen im Fahrzeug verteilten Lautsprecher heizen den Mitfahrern ordentliche in – solange man den eingebauten Equalizer nutzt, um die Soundeinstellungen zu verfeinern.

Fast alle Funktionen lassen sich auch über das Multifunktionslenkrad ansteuern, nachdem die Funktion aller Tasten erst mal erfasst ist, geht die Bedienung leicht von der Hand.

Was uns wirklich gefehlt hat, eigentlich erstaunlich in Anbetracht des großen Touchscreen, war eine Navigationsfunktion. Diese lässt sich zwar in Verbindung mit einem Smartphone und der kostenpflichtigen Zusatzapp „BringGo“ nachrüsten, wir hätten und natürlich lieber eine native Einbindung gewünscht.

Motor

Der Motor unseres Testwagens leistet aus seinen 1,4 Litern Hubraum 64 kw, das sind umgerechnet 87 PS: Damit beschleunigt der Adam dank 130 Nm in gemütlichen 12,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 176 km/h.

Doch genug der Fakten, die bei einem Auto, das hauptsächlich in der Stadt betrieben wird, sowieso höchstens die halbe Miete sind.

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Viel alltäglicher als der Sprint auf 100 km/h ist das Beschleunigen von der Ampel – die natürlich mal wieder Rot zeigt – auf 50 km/ h. Und hier Hinterlässt der Opel einen ordentlichen Eindruck.

Der Durchzug ist besonders im unteren Drehzahlbereich erstaunlich. Statt gemütlich in die Gänge zu kommen entfaltet der Motor seine Kraft schon bei sehr Niedrigen Drehzahlen, legt dafür aber nach oben nicht mehr allzu viel zu. Für die Stadt ist dieses Verhalten natürlich optimal, da somit aus jeder Lebenslage heraus beschleunigt werden kann.

Dabei ist der Motor ein echter Leisetreter, allein bei der Beschleunigung ist er hörbar, beim dahingleiten verstummt er durch die gute Geräuschisolierung des Innenraums hingegen weitestgehend. Allgemeine herrscht im Innenraum eine sehr ruhige Atmosphäre, die Geräuschdämpfung befindet sich fast auf dem Niveau des Golf VI. Auch die Vibrationen sind auch niedrigen Level, auch das Beschleunigen aus niedrigen Drehzahlen heraus bringt den Motor nicht aus der Ruhe.

Das Handling des Gaspedals birgt hingegen eine kleine Überraschung: Zwischen einem halb durchgetretenen Gaspedal und der maximalen Gasabnahme liegt gefühlt keine Leistungsveränderung – soll heißen, dass der Motor bereits bei einer der vorderen Pedalstellungen den Großteil seiner Kraft an die Räder liefert.

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Die Start-Stopp-Funktion arbeitete in unserem Test durchweg sauber und zuverlässig. Sie wird durch das Herausnehmen des Ganges und Loslassen der Kupplung aktiviert. Tritt man die Kupplung nun, springt der Motor wieder an. Dies passierte in unserem Test Verzögerungen, sodass der Adam schnell wieder zur Abfahrt bereit ist.

Trotz Start-Stopp-Funktion könnte uns der Verbrauch des Adam nicht wirklich überzeugen. Während unserer Probephase, in der wir mit dem Gasfuß Maß hielten und die Start-Stopp-Funktion ausgiebig nutzen, genehmigte sich der Adam knapp unter 8 Litern. Zwar wurde der reine Stadtbetrieb getestet, doch der Unterschied zu 5,1 l Normverbrauch (kombiniert) ist trotzdem erstaunlich.

Dynamik

Allzu sportliches Fahrverhalten darf man von einem kleinen Stadtauto sowieso nicht erwarten, deswegen haben wir unseren Fokus von vornherein auf die Alltagstauglichkeit gelegt.

Das 5-Gang-Getriebe des Adam ist sehr weich abgestimmt, der Kupplungsweg ist recht lang. Dies hat zur Folge, dass sich der kleine Opel sehr gemütlich und ohne Ruckler durch die Stadt bewegen lässt. Selbst beim Herunterschalten, das typischerweise ohne sensiblen Kupplungsfuß zu einigen Turbulenzen führt, schluckt das Getriebe viel Unzulänglichkeiten des Fahrers und kuppelt butterweich ein.

Passend hierzu hat Opel recht lange Schaltwege für die Shift Box gewählt. Dies verhindert zwar, dass der Fahrer allzu leicht in die falsche Schaltgasse gerät, insbesondere der horizontale Abstand der Gänge ist aber recht groß. Dies verhindert das einfach „hochschieben“ des Schaltknaufs zum Beispiel aus dem zweiten in den dritten Gang.

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In der Stadt darf natürlich auch eine präzise, aber leichtgängige Lenkung nicht fehlen. Der Adam macht in dieser Disziplin einen zwiespältigen Eindruck: Die Lenkung ist wunderbar leichtgängig, dafür aber auch sehr indirekt. Dadurch geht einiges an Präzision verloren, in einigen Situationen, zum Beispiel der Fahrt auf Straßenbahnschienen, fühlt man sich beinahe unsicher.

Wozu Opel darüber hinaus eine Cityfunktion verbaut hat, die das Lenkrad noch einmal erheblich leichtgängiger macht, ist eher unverständlich. Diese hätte entweder weglassen oder zu Gunsten einer strafferen Normallenkung gehen lassen können.

In puncto Federung spielt der Adam in der oberen Liga mit. Das Fahrwerk dämpft viele Unebenheiten, und obwohl das Fahrzeug zum Teil durchaus in Schaukeln gerät, sind auch bei anspruchsvollen Straßenverhältnissen kaum harte Schläge spürbar. Trotz der weichen Federung ist die Kurvenlage des kleinen Flitzers gut, zu große Seitenneigungen treten nicht auf.

Abschließend kann man sagen, dass der Opel Adam im Stadtverkehr eindeutig seine Stärken ausspielt. Alle Faktoren sind darauf ausgerichtet, unaufgeregt und sicher von A nach B zu kommen und erfüllen diese Funktion auch souverän.

Fazit

Die phänomenale Stärke des Opel Adam ist seine Konfigurierbarkeit. Der Katalog weist alleine 30 verschiedene Felgen aus, das dürfte ein Rekord sein. Somit lässt sich für jeden ein Adam zusammenstellen, der den individuellen Geschmack trifft. Bei der Wahl unterstützen die drei Ausstattungslinie Jam, Glam und Slam, die jeweils mehr Ausstattung beinhalten.

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Und obwohl zum Beispiel der VW up! noch unter der 10.000 Euro-Marke zu haben ist, glänzt der kleine Opel, der ab 11.500 Euro startet, mit üppiger Serienausstattung, wie elektrische Fensterheber, Radio, Tagfahrlicht, Zentralverriegelung, Servolenkung mit City-Funktion, elektrisch verstellbare Außenspiegel und ESP, an die im up! zum Teil nicht einmal im Entferntesten zu denken ist.

Der Adam eignet sich also als perfektes Stadtauto für jüngere Fahrer, die ein Fahrzeug mit hohem Lifestyle-Faktor suchen und Mini & Co als zu teuer empfinden.

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Anzahl Zylinder: 4

Hubraum: 1398 cm³

Antriebsart: Frontantrieb

Leistung: 64 kw, 87 PS

Drehmoment: 130 Nm

Beschleunigung 0-100 km/h: 12,5 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 176 km/h

Abgasnorm: Euro 5

Kraftstoffart;: Super

Tankinhalt: 35 Liter

Verbrauch innerorts: 6,6 l/100 km

Verbrauch außerorts: 4,2 l/100 km

Verbrauch kombiniert: 5,1 l/100 km

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Bilder: Mikhail Bievetskiy

 

About Lars Schwethelm

Auch Lars ist der Passion "Automobil" verfallen und schreibt für NewCarz über neue technische Entwicklungen und Autos.

6 comments

Ehm ich habe es nur überflogen, da ich doch schon einige Adam Artikel kenne.

Aber:“…und Parksensoren, die es übrigens nur für die Fahrzeugrückseite gibt.“, stimmt einfach nicht. Es gibt auch Sensoren für Vorne und der Adam parkt für 580Euro sogar ganz selbst ein.

Wenn sie fragen zum Adam haben kann ich die gerne beanworten da ich den Adam 6 Monate ausgiebig getestet habe.

Das ist natürlich richtig. Ich wollte eigentlich zum Ausdruck bringen, dass es diese nicht an unserem Exemplar zu finden gab und habe die entsprechende Textstelle nun geändert!

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