Peugeot Onyx: Außergewöhnliches Concept zur IAA

Als ich gestern bisschen fern gesehen hab, kam auch der neue Peugeot-Werbespot. Eigentlich nichts besonderes, wieder mal eine Auto-Werbung. Doch das Fahrzeug am Ende hatte es mir angetan: Das Peugeot Onyx Concept. Eine kompromisslose Optik, die einen sofort in den Bann zieht. Die sehr schlichte und äußerst wuchtige Karosserie besticht durch ihre Werkstoff- und Farbkontraste.

So wurden die Kotflügel und die Türen in Handarbeit aus einem dünnen Blech aus reinem Kupfer hergestellt. Das hochglanzpolierte Metall ist unversiegelt und somit völlig ungeschützt. Deshalb hat es sich im Lauf der Zeit verändert und Patina angesetzt. Der Onyx lebt, zumindest gewissermaßen. Die Kupferteile heben sich von der graphitschwarzen, onyxfarbigen Karosseriefarbe ab, die die Carbonteile überzieht.

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Die feine, windschnittige Front des Onyx wird durch einen senkrecht stehenden Kühlergrill und lang gezogene Full-LED-Scheinwerfer hervorgehoben. Der auf die Front treffende Luftstrom wird dabei sogar geteilt: Ein Teil der Luft wird durch die Karosserie zum Motor geführt, der Rest umströmt die Flanken des Fahrzeugs und das Dach mit seiner doppelten Wölbung. Geschickt!

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Die Leuchten am Heck sind in der typischen Peugeot-Optik und weißen die drei Löwenkrallen auf. Damit wird das Außendesign perfekt abgerundet. Die Heckleuchten sind zudem mit kleinen Finnen versehen,durch die die Luftströme von Dach und Flanken erst weit hinter der Karosserie zusammengeführt werden, so dass weniger Verwirbelungen entstehen.

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Der Onyx übernimmt einige Elemente früherer Automobile der französischen Marke, zum Beispiel das an den RCZ angelehnte doppelt gewölbte Dach mit seinen Aluminiumbögen. Das Dach und die Fensterflächen, die den Blick auf die Carbonstruktur und die Fahrgastzelle freigeben, sind aus Polymethylmethakrylat, kurz PMMA. Sie legen sich wie eine Schutzhülle um den Innenraum und bieten den Insassen dank ihrer extrem widerstandsfähigen Nanostruktur optimale Sicherheit.

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Die zentrale Carbonstruktur besteht aus nur zwölf Teilen, welche durch Ideen aus der Entwicklung des Motorsports gebaut wurde. Sie umfasst die vorderen und hinteren Längsträger, so dass keine weiteren Halteelemente eingesetzt werden müssen. Die Struktur bringt gerade einmal 100 kg auf die Waage, welches somit als extrem leicht gilt.

Der mit der Carbonstruktur verschraubte 3,7 Liter große V8-HDi-Hybridmotor mit Rußpartikelfiltersystem bringt seine 600 PS über ein Sechsgang-Getriebe mit den Hiterrädern auf den Asphalt. Kombiniert mit der kompakten Größe von nur 4,65 m Länge, 2,20 m Breite, 1,13 m Höhe und nur 1.100 kg Gewicht insgesamt entspricht das Leistungsgewicht knapp 2 Kilogramm pro PS. Die 20-Zoll-Felgen mit eigens von Michelin entwickelten Reifen (für die, die es interessiert: Vorne sind es 275/30, hinten 345/30) werden an Vorder- und Hinterachse über zwei Dreiecksquerlenker und eine so genannte In-Board-Aufhängung mit der Karosserie verbunden.

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Ein besonderes Highlight ist die neue HYbrid4-Technologie. Diese gewinnt die Bewegungsenergie zurück, die normalerweise beim Bremsen verloren geht. Die wiedergewonnene Energie wird in Lithium-Ionen-Batterien gespeichert und bei Beschleunigungsvorgängen automatisch freigesetzt, wodurch kurzfristig 80 PS zusätzliche Leistung zur Verfügung stehen. Der Fahrer wird von diesem System nichts merken, da es perfekt eingestellt wurde, ohne dabei irgendetwas mitzubekommen. Und dies war eins der größten Herausforderungen für die Motorenspezialisten von Peugeot, denn sie mussten einen Motor, der auf der Rennstrecke in extremen Betriebsbereichen arbeitet, fit für den normalen Straßeneinsatz machen.

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Im Innenraum herrscht vom Fußraum bis zum Dach eine helle Atmosphäre, in der die neuen Werkstoffe erneut Verwendung finden. Es wurde genau so viel Material verwendet, wie für Form und Funktion eines Bauteils nötig. Hieraus ergibt sich ein funktionales und eng anliegendes Interieur. Der Innenraum aus ohne Nähte gepresstem Filz erscheint wie aus einem Guss. Er stellt sogar die Schalldämmung sicher und bildet den Boden, die obere Konsole, den Dachhimmel und die Schalensitze. Dafür wurden normal verschiedenste Bauteile verwendet, doch nicht im Onyx. Für Komfort sorgen Schaumteile, die den Filz an den Kontaktstellen mit dem Körper unterfüttern.

An Bord findet der Fahrer jedes Bedienelement, ohne dabei den Blick von der Straße zu nehmen. Das kleine Lenkrad, welches mit Filz verkleidet wurde, liegt perfekt in der Hand und vermittelt sofort ein Gefühl von Sportlichkeit und Agilität. Der Fahrer des Onyx steuert die Funktionen über die Bedienelemente aus Aluminium auf der Carbon-Nabe und schaltet die Gänge des Getriebes über Paddles, wie man es von anderen Sportwagen schon gewohnt ist.

Die Armaturentafel besteht aus einem neuartigen „Holz“, dem so genannten Newspaper Wood. Es besteht aus alten Zeitungen, die zu Blöcken gepresst werden, aus denen dann die Bauteile hergestellt werden. Durch die Maserung auf der Oberfläche wird die Illusion perfekt. Erst bei genauerem Hinsehen verraten Druckbuchstaben die Herkunft des Materials. Ich finde solche recycelten Produkte und Ideen sehr gut, und gefallen mir besonders in einem Fahrzeug.

Das Kombiinstrument in der Armaturentafel ist hochgelegt, die für den Hybridantrieb relevanten Informationen werden über die Digitalbildschirme angezeigt.
Im Dachhimmel befindet sich eine Konsole mit Kippschaltern aus Aluminium, unter anderem zum Start des Motors. Kennt man zum Beispiel von einem Flugzeug, schönes Gadget! Direkt dahinter werden die Bilder der Heckkameras – zwei in den Außenrückspiegeln und eine Panoramakamera im Heck – auf eine kleine Scheibe projiziert.

Die Mittelkonsole, die ebenfalls mit Filz verziert wurde, kommt mit einem von einem Glasbläser gefertigten Kristallelement für die Tankanzeige. Feinste Markierungen an seiner Oberseite zeigen den Kraftstoffstand an. Sein Inneres birgt zudem den Spirit dieses Supercars in Form eines Parfums, das über die Belüftungsdüsen ins Interieur abgegeben wird. Klingt verwunderlich, aber wir sind gespannt, was dann auf der IAA so darüber berichtet wird.

Auf der Mittelkonsole sind auch die Bedienelemente für die 2-Zonen-Klimaautomatik angeordnet. Sie bestehen aus einem Aluminiumstab, der gedreht, gefräst und dann wieder zusammengesetzt wurde.

Die Schönheit dieses Interieurs und der draußen vorbeiziehenden Landschaft wird durch eine Kamera zwischen den Kopfstützen eingefangen. Die Aufnahme wird auf einem Tablet-PC angezeigt, der in der Armaturentafel gegenüber dem Beifahrer eingelassen ist und als Benutzeroberfläche für das Infotainmentsystem dient.

Sachen gibt’s, aber ich finde, dass dies eins der schönsten Concept-Cars ist, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Ich liebe die Idee mit dem Filz und der kompletten Einheit, aber auch das gesamte Exterior ist genial gemacht. Hut ab, Peugeot!

Quelle: Peugeot

About Tobias Platzer

Tobias ist leidenschaftlicher Blogger und ist auch bei einigen anderen Blogs tätig, unter anderem asapps.de. Er schreibt hier über aktuelle News von neuen Fahrzeugen. Auf Twitter erzählt er unter dem Benutzernamen @toblr aus seinem Leben, hauptsächlich hat das aber mit Technik zu tun.

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