Chevrolet Camaro – Echter Ami für wenig Geld

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Dieses Auto ist schon fast eine Legende: Der Chevrolet Camaro ist wohl eines der populärsten Muscle-Cars in Deutschland und erfreut sich besonderer Beliebtheit bei Autoliebhabern. Frisch nach der IAA durften wir für euch nun das Chevrolet Camaro Cabrio fahren und schauen, ob dieses Kraftpaket auch mehr zu bieten hat, als einen starken Motor.

 

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Von Außen: Hingucker

Der Chevrolet Camaro ist zweifelsohne ein Hingucker. Egal ob das Verdeck offen oder geschlossen ist, man zieht die Blicken der Außenstehenden auf sich. Das schöne Rot, gepaart mit den schwarzen Racing-Streifen auf der Motorhaube unseres Testwagens haben auch noch ihren Anteil daran. Besonders die markanten runden Scheinwerfer mit ihrem LED-Ring um den eigentlichen Scheinwerfer, kombiniert mit dem Kühlergrill sind ein Blickfang. Insgesamt kann am Äußeren des Chevrolet Camaro Cabrio nicht viel gemeckert werden.

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Als Dachkonstruktion kommt ein Stoffverdeck zum Einsatz. Egal ob das Verdeck offen oder geschlossen ist, bleibt für den Fahrer noch genügend Kopffreiheit. So bleibt einem auch bei offenem Verdeck der Fahrtwind am Kopfende erspart. Dabei kann auch eben schnell an der Ampel entschieden werden, ob nicht doch das Verdeck geschlossen werden soll. Das öffnet und schließt in gut 20 Sekunden, wenn der Wagen steht oder maximal Schrittgeschwindigkeit fährt. Schade bei offenem Verdeck ist, dass das eingeklappte Stoffdach ungeschützt vorliegt. Auch die Führungsschienen aus Metall liegen offen vor, sodass dort auch leicht Gegenstände reinfallen können, welche den Schließvorgang behindern oder auch Gegenstände, die beim Öffnen des Stoffverdecks eingeklemmt werden können.

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Auch am Heck kommen LED-Leuchten bei den typischen Rückleuchten des Chevrolet Camaro zum Einsatz und zwei große Endrohre mit angedeutetem Diffusor deuten schon an, auf was sich der Fahrer gefasst machen kann. Ein wenig Ernüchternd wird der Blick in den Kofferraum. Dieser lässt sich nur per Schlüssel oder Knopf im Innenraum öffnen und bietet nicht gerade viel Platz. Ein Einkauf für zwei Personen wird da noch reinpassen, viel mehr aber auch nicht. Zusätzlich hat der Kofferraum eine enorm hohe Ladekante, welche aber dem außerordentlich schönen Designs des Hecks geschuldet ist.

Von Innen: Solide

Rein in den Wagen und erstmal setzen. Die komfortablen Ledersitze, welche sich elektrisch einstellen lassen, geben dabei einen guten Halt und lassen Fahrer und Beifahrer bequem sitzen. Ein Blick über das Interieur und es wird klar: Bei einem Preis von rund 40.000 Euro muss sich der Chevrolet Camaro nicht vor der Konkurrenz wie z.B. Porsche verstecken. Der Kunde kriegt was geboten.

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Das 7 Zoll große Display in der Mittelkonsole ist die Schaltzentrale des Wagens, mit dem das gesamte Infotainment des Chevrolet Camaro gesteuert werden kann. Per Touch kann kinderleicht alles eingestellt und erreicht werden, sei es das Radio, die Rückfahrkamera beim Einparken, die Verbindung zum Smartphone und die eingebaute Freisprecheinrichtung. Ein integriertes Navigationssystem haben wir in unserem Testwagen leider nicht vorgefunden. Des Weiteren können per Touchdisplay noch Soundeinstellungen vorgenommen werden. Apropos Sound, mit an Bord ist auch ein Soundsystem von „Boston“. Dessen erzeugter Sound gehört nicht unbedingt zur Oberklasse und klingt ein wenig blechern. Auf der anderen Seite wird während der Fahrt eher der Sound des monströsen Motors genossen als die Anlage hochzudrehen, um den Motor zu übertönen.

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Was das Touchdisplay angeht, ist die Bedienung zwar selbsterklärend, doch könnte es ein wenig schneller reagieren. Insgesamt zeigt sich im Innenraum jedoch eine solide Verarbeitung. Deutsche Qualitätsansprüche darf man hier nicht haben. Viel Plastik wird verarbeitet, was aber nicht weiter negativ ins Auge fällt. Weitaus erstaunlicher ist es, dass sich beispielsweise kleinere Abdeckungen teilweise abnehmen lassen, wobei man sich nicht sicher ist, ob das wirklich so sein sollte. Ist das Verdeck oben, so bietet die Rückscheibe nicht gerade einen optimalen Überblick über die Straßenlage hinter einem. Doch seien wir ganz ehrlich: Dieser Wagen muss einfach offen gefahren werden!

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Ein bisschen versteckt und nicht sofort zu sehen sind am unteren Ende der Mittelkonsole noch 4 kleine Messgeräte. Diese zeigen den Insassen den Öldruck und die Öltemperatur sowie die Temperatur des Getriebeöls und den Status der Batterie an. Bei dem Wagen dieser Klasse keine schlechte Idee, aber vielleicht auch oberhalb des Touchdisplays besser platziert.

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Das Multifunktionslenkrad bietet alle wichtigen Knöpfe. So kann damit die Freisprecheinrichtung gesteuert werden, aber auch Tempomat und Lautstärkeregelung des Soundsystems können darüber eingestellt werden. Positiv erwähnt werden muss noch der Platz im Fond. Auch mit 4 Person im Wagen haben alle Insassen genug Platz.

Insgesamt zeigt sich der Camaro von Innen sehr übersichtlich, solide verarbeitet und bietet für sein Geld ein gutes Programm. Gerade solche Kleinigkeiten wie Ziernähte an den Ledersitzen und dem Schaltknauf runden das gute Gesamtbild ab.

Der Motor: Jetzt geht’s ans Eingemachte

Nun zum Motor, zweifelsohne das Herzstück des Chevrolet Camaro. Alleine die blanken Zahlen lassen einem Autofreund das Herz höher schlagen: 6.2 Liter, 8 Zylinder und satte 432 Pferdchen sitzen unter der Motorhaube. Wird der Wagen gestartet, kriegen die Insassen direkt du spüren, was für eine Kraft unter der Haube schlummert. Und dem Fahrer wird beim Blick aufs Tacho ein Lächeln entzogen: bis 300 km/h kann die Tachonadel steigen, der Wagen ist aber (leider) bei 250 km/h abgeriegelt.

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Während der Fahrt zeigt der Motor, was in ihm steckt. Mal eben ein Überholmanöver, noch schnell eine grüne Ampel schaffen oder einfach nur mit dem Fuß auf dem Gas auf der linken Spur fahren – alles kein Problem. Stetig begleitet wird das ganze durch das satte Motorengeräusch, man hört, wie der Motor arbeitet. Auf der anderen Seite ist die Lautstärke auch nicht zu laut, sodass sich Fahrer und Beifahrer noch problemlos unterhalten können. Erst bei Geschwindigkeiten jenseits der 150 km/h wird es dann doch laut.

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Solange der Motor noch kalt ist, kann es vorkommen, dass er etwas unruhig wird. Das fällt besonders auf, wenn man an der Ampel steht und die Drehzahl zwischen 450-700 Umdrehungen pro Minute schwankt, obwohl man nur auf der Bremse steht. Dieser Effekt verringert sich jedoch, je länger die Fahrt dauert.

Was die Schaltwege angeht, wird der sportliche Charakter nochmals deutlich. Extrem kurze Schaltwege bei dem manuellen Sechsganggetriebe kommen sportlich ambitionierten Fahrern entgegen. Alles in allem macht der Chevrolet Camaro mit diesem Setup die teilweise „amerikanische“ Verarbeitung im Innenraum wieder gut und spielt seine Stärken aus. Das Fahrerlebnis steht hierbei im Vordergrund und wird eindeutig erfüllt.

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Fahrverhalten: Sportlich, Sportlich

Die 432 PS des Chevrolet Camaro sorgen in Kombination mit dem maximalen Drehmoment von 569 Newtonmetern und dem Hinterradantrieb dafür, dass er sich sehr stabil und souverän auf der Straße bewegen lässt. Dabei sorgt auch eine sehr direkte  und leichtgängige Lenkung für ein sicheres Auftreten auf dem Asphalt. Jede kleine Bewegung am Multifunktionslenkrad wird direkt an die Vorderräder weitergeleitet und sorgt damit für enormen Fahrspaß. Kurzfristige Überholmanöver machen bei diesem kraftvollen Motor, den kurzen Schaltwegen und der guten Lenkung besonders Spaß.

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Das Tacho bietet alle notwendigen Informationen und wirkt auch nicht überladen. Doch dahin fällt der Blick im Normalfall gar nicht, denn im Chevrolet Camaro ist serienmäßig ein Heads-Up Display (HUD) verbaut. Dieses projiziert dem Fahrer alle wichtigen Informationen in die Blickrichtung. Das HUD kann je nach Bedarf in der Intensität angepasst werden oder auch komplett abgeschaltet werden. Das erhöht den Fahrkomfort nochmal um ein gutes Stück. Insgesamt lässt sich mit dem Chevrolet Camaro kaum „normal“ fahren. Der bei jedem Start aufheulende Motor bettelt quasi darum, auch mal unvernünftig zu sein. Und dann spiel der Wagen auch seine volle stärke aus. So viel Fahrspaß für so wenig Geld gibt es nicht oft.

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Was den Spritverbrauch angeht, befinden wir uns hier natürlich nicht in „normalen“ Regionen. Laut Herstellerangaben liegt dieser bei ca. 14-15 Litern auf 100 km. Bei unserem Test lag der Verbrauch im Schnitt bei 16,5 Litern. Aber – wenn man ehrlich ist – spielt das bei diesem Wagen keine große Rolle. Bei dem verbauten Motor wird quasi nichts anderes erwartet. Außerdem haben wir es hier mit einem echten Amerikaner zu tun, da drückt man doch schonmal ein Auge zu, wenn es um den Verbrauch geht.

Fazit

Für den Grundpreis von gerade einmal 39.990 Euro, für die Cabrio-Version des Chevrolet Camaro nochmals  5.000 Euro mehr, bekommt der Auto-Liebhaber hier eine Perle, einen echten Hingucker. Wer beim Autokauf auf Vernunft setzt, ist hier falsch, denn bei diesem Musclecar steht die Vernunft an letzter Stelle. Als Erstwagen ist der Chevrolet Camaro Cabrio aufgrund des hohen Verbrauchs nicht unbedingt zu empfehlen. Doch als Zweitwagen, für Ausflüge und schöne Sommertage gibt es fast nichts besseres für diesen Preis. Wird beim Verbrauch ein Auge zugedrückt bleibt ein echter Amerikaner: großer Motor, ein Sound, von dem Autoliebhaber nicht genug bekommen können, eine solide Verarbeitung und die wichtigsten Assistenzsysteme. Und das alles für wenig Geld. Hut ab, Chevrolet!

Bilder: Mikhail Bievetskiy / Canon EOS 1D-X mit 24-70 ƒ/2.8

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Technische Daten: Chevrolet Camaro Cabrio

Motor: 6,2 Liter V8 LS3 MT

Antriebsart: Heckantrieb

Getriebeart: 6-Gang Schaltgetriebe

Hubraum: 6.162 ccm

Leistung in kW/PS: 318/432

Max. Drehmoment: 569 Nm

Länge/Breite/Höhe: 4.837/1.917/1.379 (Verdeck offen: 1.319)

Leergewicht: 1.890 kg

Zul. Gesamtgewicht: 2.200 kg

Kofferrauminhalt: 308 L (Verdeck geschlossen) / 267 L (Verdeck offen)

Bereifung: 245/45 ZR20 (Vorne), 275/40 ZR20 (Hinten)

Felgen: 20″ Leichtmetallfelgen

Beschleunigung: 5,4 Sekunden

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Tankinhalt: 71,9 l

Kraftstoffverbrauch innerorts: 20,9 l auf 100 km

Kraftstoffverbrauch außerorts:  10,2 l auf 100 km

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 14,1 l auf 100 km

Preis: 39.990 Euro inkl. MwSt. in der Grundausstattung für das Coupé, für das Cabrio 44.990 Euro inkl. MwSt. in der Grundausstattung

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About Markus Stempel

Markus ist Gastautor auf NewCarz und schreibt über das automobile Leben.

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