Peugeot RCZ – Des Franzosen schöne Kleider

Peugeot? Ist das nicht der Hersteller mit den schnöde durchnummerierten Autos? Fast!

Der Ausreißer in der Palette, der auf den verheißungsvollen Namen RCZ hört, sticht nicht nur aufgrund seiner Bezeichnung heraus. Nein, Peugeot packt bei diesem Auto gleich die große Sportwagen-Designfeder aus und kitzelt damit die eingefleischten Herstellern an besonders empfindlichen Stellen.

Exterieur – Das soll ein Peugeot sein?

Welch optischer Leckerbissen da in Frankreich entwickelt und in Österreich zusammengebaut wurde, lässt sich eigentlich erst bei dem Anblick der Seitenlinie so richtig erfassen. Während die Front noch beinah unauffällig ist und die aktuelle Firmen-DNA trägt, läuft dem eingefleischten Automobilfan bei den Kurven der Silhouette das Wasser im Munde zusammen.

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Das dynamische Zusammenspiel aus flacher Dachlinie, kurzen Überhängen und dynamischer Linienführung ergibt einen – echten Sportwagen! Auch wenn man dem 2009 vorgestellten Peugeot RCZ durchaus eine gewisse optische Nähe zum Audi TT bescheinigen kann, wirkt das Coupé keinesfalls nachgemacht.

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Damit auch der Abgang schön knackig ist, setzt Peugeot auf zwei dicke Endrohre und einen kleinen, aber feinen Heckspoiler und liegt auch hier mit der Designsprache goldrichtig.

Unter der ausladenden Heckklappe verbergen sich übrigens 321 Liter Kofferraumvolumen, für einen Sportwagen ein mehr als ordentlicher Wert, der sich nur knapp hinter dem aktuellen Golf 7 mit 380 Litern einordnet.

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Interieur – Mit kleinen Schwächen

Fällt der Blick zuerst auf die Sitze, staunt der Betrachter erst einmal nicht schlecht: Sportliche Konturen, feinste Materialien und sogar Ziernähte finden sich an der Bestuhlung des RCZ wieder. Die Sitze, die einen wunderbaren Seitenhalt bieten sind dafür nur das Vorspiel für einen Innenraum, in dem mit viel Leder gearbeitet wurde. In den Türen, auf dem Armaturenbrett, am Lenkrad – überall lässt sich das edle und gut verarbeitete Material wiederfinden.

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Umso überraschender ist es, dass der Übergang zu Hartplastik ebenso abrupt wie schade ist. Besonders die Mittelkonsole mit der vollkommen überdimensionierten Handbremse und haptisch verbesserungswürdigem Schaltknüppel trübt den eigentlich so angenehmen Eindruck. Auch wer einen Blick auf die Verkleidung hinter dem Lenkrad oder des Handschuhfachs wirft, wird ein wenig enttäuscht sein.

Leider findet die Misere der Mittelkonsole auch nach der missglückten Materialauswahl kein Ende, auch die gedrungene Anordnung der Schalter, der Hohlraum zwischen Klima- und Infotainmentsteuerung und die doch etwas überambitionierte Uhr  wirken fehl am Platze.

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Das Infotainment ist aufgrund des fehlenden Touchscreens und der etwas mühsamen Bedienung über Dreh- und Drückschalter nur noch durch die Faktoren „Sound“ (der aus im Test guten JBL-Lautsprechern generiert wird) und der „Versenkbarkeit“ des Displays zu kompensieren. Besonders letzerer Punkt unterstreicht die Bemühungen von Peugeot, sportlich ambitionierten Fahrern die freie Sicht aus der Frontscheibe ohne störende Elemente zu ermöglichen.

Während die Raumsituation vorne komfortabel ist, können wir den Fond höchstens für Kurz- bis Mittelstrecken empfehlen. Zwar ist die Situation bei mittelgroßen Menschen nicht unbedingt als prekär zu beschreiben, ein Erholungsurlaub ist aber in dieser Fahrzeugklasse wie bei der Konkurrenz auch nicht zu erwarten.

Motor & Fahreindruck – Diesel? Diesel!

Privaten Hobbyrennfahrern platzt die Hutschnur gerne schon bei Erwähnung des angeblichen Unworts Diesel. Unser Testmodell, das den 2.0 Liter HDi-Diesel mit 163 PS verbaut hat, beweist ein Stück weit, dass dieses Vorurteil nicht wirklich angebracht ist. Das Aggregat macht im Test eine gute Figur, besonders die Durchzugsstärke des Motors aus dem unteren Drehzahlbereich verpasst dem knapp 1,5 Tonnen schweren RCZ einen ordentlichen Antritt. Und wenn dann der Drehzahlmesser dank 340 Nm fix in Richtung Begrenzer geht, kann sich der Fahrer über kurze und präzise Schaltwege freuen.

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Insgesamt reicht das übrigens für einen Spurt von 0 auf 100 km/h in 8,7 Sekunden. Wer sich ein paar Sekunden mehr Zeit nimmt, kann den RCZ auch bis zu einer Geschwindigkeit von 225 km/h zur Beschleunigung überreden.

Sportwagen! Kurvenfahrt? Fahrwerk! Hart? Jein! Auch wenn der RCZ über eine Kurvenlage verfügt, die so manchem Fahrer die Freudentränen in die Augen treiben dürfte, ist er nicht bretthart abgestimmt. Peugeot beweist gottseidank, dass Kurvenlage und Bandscheibenvorfälle nicht unbedingt positiv korreliert sein müssen und kombiniert über das Fahrwerk die sportlichen Eigenschaften mit einer gehörigen Prise Restkomfort.

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An der Tankstelle kommt dann die Stunde der Wahrheit – hier zahlt sich der Diesel gegenüber seinen Benziner-Kollegen im Portemonnaie aus. Auch wenn die Werksangabe von kombinierten 5,3 Litern auf 100 km/h bei spaßbringender Fahrweise natürlich nicht zu erreichen ist, kommt man doch mit unter 7 Litern aus, ohne sich großartig einschränken zu müssen.

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Fazit

Ganz klar – die Stärken des Peugeot RCZ liegen in den äußeren Werten. Die Außenhülle des Peugeot ist ein echter Hingucker, von der Idee bis zu den Details ist das Design stimmig und ansprechend sportlich. Das Interieur bedarf hingegen noch einer kleinen Überarbeitung – jedoch kein Kriterium, das nicht in kommenden Baureihen überarbeitet werden könnte.

Der 2.0 Liter Diesel-RCZ lässt sich aber einem Preis von 31.100€ erwerben, für einige Extras können zwar noch ein paar Tausend Euro fällig werden, doch selbst bei ausgeprägter Ankreuzwut des Käufers nimmt der Endpreis keine ungeahnten Dimensionen an. Insgesamt ergibt sich so zwar ein stolzer Preis, der aber durch das gebotene Gesamtpaket aus Optik, Fahrdynamik und gehobener Ausstattung durchaus gerechtfertigt wird.

 Bilder: Mikhail Bievetskiy / Canon EOS 1D-X mit 24-70 ƒ/2.8

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Fahrzeugschein: Peugeot RCZ

Motor: 2,0 Liter Turbodiesel

Hubraum: 1997 cm3

Max. Leistung: 163 PS bei 3.750 U/Min

Max. Drehmoment: 340 Nm bei 2.000 U/Min

Beschleunigung 0-100 km/h: 8,7 s

Höchstgeschwindigkeit: 225 km/h

Tankvolumen: 55 Liter

Kofferraumvolumen: 321/639

Leergewicht: 1486 kg

Verbrauch innerorts/außerorts/kombiniert: 6,8/4,5/5,3  l/100 km

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About Lars Schwethelm

Auch Lars ist der Passion "Automobil" verfallen und schreibt für NewCarz über neue technische Entwicklungen und Autos.

7 comments

Ich finde ihn von außen gar nicht so schön. Aber das Preisleistungsverhältnis und der Verbrauch könnten ihn durchaus zu einem Auto machen, mit dem ich öfters fahren würde.

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