BMW 2er und 4er Namensänderung: Berechtigt oder einfach nur ein Marketing Gag?

Die Frage nach dem Sinn der Namensänderung stellt sich bei der Sicht auf die neue Modellpalette von BMW, die nun von eins bis sieben komplettiert wurde.

Der neu vorgestellte 4er entspricht dem altbekannten 3er Coupé. Der neue 2er ist das alte BMW 1er Coupé. Beim 4er stand technisch der 3er, beim 2er der 1er Pate. Im Rahmen der Detroiter NAIAS unterhielten wir uns mit Carsten Pries (Leiter Produktmanagement BMW M GmbH), Armin Hildisch (Projektleiter BMW 2er Baureihe), Thomas Ebner (Produktmanager 2er Baureihe) sowie zwei Sprechern von BMW, um Fakten für unseren Kommentar zu sammeln.

Laut BMW soll der Namenswechsel eine Aufwertung der Modelle suggerieren und deren Individualität fördern. Allerdings gibt es beim 4er streng gesehen weniger Auto für mehr Geld. Rund 2000 Euro mehr Einstiegspreis für das 4er Coupé gegenüber der 3er Limousine sind ein Wort. Zudem 445 anstatt 480 Liter Kofferraum und etwas weniger Kopffreiheit durch die nach hinten abfallende Dachlinie. Aber darum geht es ja schließlich nicht, wenn man sich ein Coupé kauft, oder?

Vielmehr interessieren das Extravagante, das individuelle Etwas sowie die Sportlichkeit. Davon haben beide Modelle zumindest optisch mehr zu bieten als ihre Limousinen-Pendants. Ein Beispiel sind die beim 4er verbauten Air Breather. Diese Luftschlitze hinter den vorderen Radläufen sollen Kraftstoff, aufgrund der Verringerung des Luftwiderstandes, sparen.

Reinkarnation alter BMW-Tugenden

Der 2er soll den klassischen fahraktiven „Freude am Fahren“ BMW-Fahrer ansprechen. Mit der deutlichen Hommage an den früheren 2002 TI möchte BMW ein pures „Drivers-Car“ den Kunden anbieten. Vor allem junge und dynamische Kunden sollen sich vom 326 PS und 450 Nm starken Coupé angezogen fühlen. Um elf Zentimeter überragt der 2er die 1er Limousine in der Länge. Dem alten 1er Coupé ist er um 72 Millimeter in der Länge und rund 30 Millimeter in Breite und Radstand überlegen.

Highlight der neuen 2er Serie sollen die Symbiose aus Motor, Getriebe und Fahrwerk sein, die dem Fahrer ein Grinsen ins Gesicht zaubern sollen. Wir dürfen gespannt bleiben, wie sich das neue „Dynamik-Ass“ fährt und werden dies ausgiebig testen. Vor allem ob sich wirklich deutliche Unterschiede zur BMW 1er Limousine auftun, die rein von der Faktenlage zunächst marginal scheinen.

Kein Zylinder weniger

Ein Drei-Zylinder-Aggregat werde wohl keinen Einzug in die 2er sowie 4er Reihe finden. In München wolle man den Markt beobachten, aber nicht daran glauben, dass in Zukunft in diesem Segment drei Zylinder gefragt sein werden.

BMW 235i Racing

Für die Saison 2014 steht der für den Kundensport vorgesehne M235i Racing in den Startlöchern. Angetrieben wird der BMW 235i Racing von einem Drei-Liter-Reihensechszylinder und 333 PS. Vom neuen BMW Renner verspricht sich BMW viel. Bereits 40 verkaufte Exemplare unterstreichen dies.

Ist es BMW gelungen zwei eigenständige Modelle auf den Markt zu bringen?

Wir denken, der Ästhet spricht sich für die neue Modellbezeichnung aus. Die reinen Technik-Enthusiasten werden skeptisch bleiben und den Unterschied erst erfahren wollen und prüfen, ob das neue eigenständigere Blechkleid zum Fahrgefühl passen. Im Großen und Ganzen kann man sagen, dass der BMW-Truppe zwei auf den ersten Blick eingeständige Modelle gelungen sind.

Mit wenig Kostenumfang für den Hersteller haben die zwei Modelle ihren neuen Namen verdient. Vor allem mit dem 2er ist den Münchenern seit langen mal wieder ein richtiges Spaßauto auf die Räder gestellt, welches wir in Zeiten von C02 Grenzbestimmungen, als durchaus nette Abwechslung wahrnehmen dürfen. Auch ist es nicht abwegig, dass sich in Zukunft ein M2 zum M3 und M4 gesellen könnte. Die Außenmaße und Leistung hätte er allemal dazu.

Text: Rene Beermann

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