Nissan 370Z Nismo – 16 Pferde für ein Halleluja

Er ist der wahrgewordene Traum der „Fast&Furious“-Gemeinde, das Track-Gerät für Otto-Normal und der Dorn im Auge der spießigen Nachbarn.

Doch reichen die 16 zusätzlichen PS für eine starke Strecken-Performance? Welche Teile nahm das Team von Nissans Haustuner „Nismo“ noch unter die Lupe und wie alltagstauglich bleibt der populäre Japaner dabei? All das klärt der ausführliche Fahrbericht.

 

Design – Aufgesetzte Sportlichkeit

Man sieht ihm sofort an, dass er nicht nur den sportlichen Alltagswagen mimen möchte. Zeichnet sich der 370Z ohne Nismo Namenszusatz durch seine dynamische Eleganz aus, brüllt dieser Nissan geradezu danach, Aufmerksamkeit zu erlangen.

An der Front deutet zunächst nicht all zu viel auf das Sondermodell hin – zumindest nichts, das jemand, der keine Affinität für Autos verspürt auf den ersten Blick erkennen würde. Der Fan hingegen sieht auf den ersten Blick, dass die Frontschürze getauscht wurde. Gegenüber der Serie wirkt sie gestreckter und länger. Zusätzlich ist der vordere Lufteinlass kleiner, als beim normalen 370Z. Ja, richtig gelesen: Die rot betonte Öffnung ist schmaler als das Serienpendent. Nichtsdestotrotz führt sie aber genug Frischluft zum Motor und den anderen zu kühlenden Aggregaten. Ansonsten befinden sich keine weiteren Lufteinlässe an der Front; anstelle von zwei weiteren Öffnungen setzt die Linienführung hin zur Seite ein.

 

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Seitlich betrachtet stechen zuerst die grauen Seitenschweller heraus, die die Linienführung des sportlichen Fronspoilers aufgreifen. Sie strecken die sonst recht stämmigen und muskulösen Proportionen des Japaners etwas. Eine weitere Besonderheit der Nismo-Variante sind die ebenfalls grauen Außenspiegelgehäuse, die den roten Nadelstreifen der Front aufgreifen. Auch die speziellen Alufelgen, mit ihren fünf schmalen Y-Speichen sind ausschließlich dem Nismo vorbehalten. Blickt man in Richtung Heck, fällt besonders der große Heckspoiler auf.

Er setzt der knackigen Heckansicht die Krone auf und greift erneut die karbon-graue Farbe der anderen Design-Elemente auf. Über die Schönheit diese Elements darf gestritten werden, jedoch nicht über das Design des Heckdiffusors: Erneut mit einer roten Akzentlinie ausgerüstet beherbergt er die Auspuffanlage. Die beiden armdicken Auspuffrohre rechts und links überzeugen mehr mit Optik als mit Sound. Leider dringt nur sanfter V6-Rock an die Ohren: Von einer Nismo-Version haben wir uns mehr erwartet, besonders, da keine Sound verschlingende Aufladung dem Motor die Sporen gibt.

 

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Interieur – Reduced to the max

Auch den Innenraum ließ die Nismo-Abteilung nicht unangetastet. Rote Zierstreifen und –Nähte soweit das Auge reicht. Doch das täuscht nicht über die nur befriedigende Materialanmutung und –Qualität hinweg. Die verbauten Materialien wirken wenig solide und haben teilweise etwas Spiel in ihren Fassungen. Soweit zu den schlechten Nachrichten. Die guten lauten: Die Elemente, die sich im direkten Blickkontakt befinden oder häufig berührt werden, glänzen mit einer tadellosen Optik und Haptik.

Das Lenkrad beispielsweise überzeugt mit einem großflächigen Alcantara-Bezug, der es satt und griffig in der Hand liegen lässt. Über die Sinnhaftigkeit einer roten 12-Uhr-Markierung haben wir schon im Bericht über den GT-R Nismo diskutiert: Auch im 370Z ist diese nicht wirklich von Nöten, schmeichelt aber dem Auge und gibt ein wenig Rennsport-Flair an den Fahrer weiter.

Auch die Sitze bekamen einen neuen Bezug und mussten sich des sonst sehr schönen Leders entledigen. Dafür gefallen sie mit einem großen Nismo-Schriftzug und roten Kontrast-Nähten, die im sonst recht dunklen Innenraum schön herausstechen. Leider behielten die Fauteuils ihr Konturierung bei: In schnellen Kurven lassen sie vor allem im Schulterbereich eine passende Unterstützung vermissen.

Auch von den Platzverhältnissen her gibt es Sportler, die etwas geräumiger sind. Reicht die Längsverstellung der Sitze noch gut aus, kneift es etwas bei der Innenhöhe, die auch durch eine komplizierte Bedienung über zwei Drehrädern, seitlich am Sitz, nur unzureichend justiert werden kann. Auch das Lenkrad ist nur horizontal einstellbar, womit eine optimale Sitzposition nicht schnell zustande kommt.

Ist man dann aber soweit, liegt alles gut zur Hand – und mit alles, meinen wir vor allem den Schaltknauf und das super-griffige Lenkrad. Es ist schon erstaunlich wie schnell, sauber und präzise sich die Gänge durch die Schaltgassen dirigieren lassen. Aber damit wären wir schon im nächsten Kapitel, der Fahrdynamik.

 

Fahrdynamik – Quer und mehr

Wie bereits erwähnt: Die Schaltung arbeitet extrem direkt. Zwar gibt sich nicht gerade leichtgängig, aber genau das ist der Charme, der den 370Z ausmacht: Er ist etwas hemdsärmlich und will kräftig angepackt werden. Den Gefallen wollen wir dem neuen Nismo natürlich tun: Motor starten, erster Gang, Kupplung fliegen lassen und ab geht es auf den kleinen Kurs von Silverstone.

 

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Zuerst fällt auf, dass an sich nichts auffällt. Der Motor läuft weich und leider zu leise für ein sportliches Derivat, die Lenkung braucht nur wenig Kraft und auch die Kupplung verlangt nicht nach stählernen Waden. Bevor man sich mit diesen Attributen arrangiert hat, naht auch schon die erste Kurve: eine Haarnadel. Hart anbremsen und sanft einlenken um bloß keinen Heckschwenk zu provozieren. Doch wer damit rechnet, wird erstaunt sein, wie lammfromm sich der Hecktriebler gibt.

 

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Also wieder früh aufs Gas und mit möglichst viel Speed über die lange Gerade. Leider wirkt der V6 auch im Nismo etwas zugeschnürt. Zwar gibt es an den objektiven Werten nichts auszusetzen, dennoch fehlt ihm der letzte richtige Punch, den man von 344 Pferden erwartet. Deshalb heißt es lange auf dem rechten Pedal zu bleiben und das Aggregat bis zur Drehzahlgrenze von fast 8.000 U/min zu ziehen. Bei etwas über 180km/h heißt es dann wieder hart zu Bremsen: Die Stopper machen einen guten Job und verzögern einwandfrei, mit einem satten Druckpunkt – wie es sich für einen Sportler gehört.

Mit etwas Mut und zu hoher Geschwindigkeit eingelenkt geht es auf den Curb: Das Fahrwerk stempelt die Perforation der Streckenbegrenzung hart in den Innenraum weiter, sodass man jederzeit weiß, wo man sich befindet. Zusätzlich drängt – aufgrund der zu hohen Kurveneingangsgeschwindigkeit – das Heck nach außen, was aber rigoros vom aktivierten ESP unterbunden wird.

 

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Auf ins nächste Kurvengetümmel: Links einordnen, auf dem Gas bleiben, scharf nach rechts ziehen, sich raustragen lassen, stark abbremsen, innen bleiben und die nächste Links mit sanftem Gaseinsatz durcheilen – ein Heidenspaß! Vollgas in Richtung Zielgerade: Ein kurzer Augenblick um die Fahreindrücke Revue passieren zu lassen. Die Lenkung dürfte etwas mehr Feedback geben und das ESP stört mit zunehmender Vertrautheit auch – da naht auch schon wieder die erste Kurve. Schnell das ESP deaktiviert, hart in die Eisen gestiegen und das dabei leicht gewordene Heck zum Einlenken genutzt, sodass beim Fahrer ein Grinsen entsteht. In der Haarnadel traut man sich mittlerweile früher wieder Schub zu geben und erntet ein unbeschreiblich gutmütig und vor allem stets berechenbares nach außen drängendes Heck.

Im sanften Drift geht es wieder auf die lange Zielgerade: Die Gänge fliegen durch die Gassen, der V6 brummt angenehm und das Kurvengeschlängel geht weiter. Dabei merkt man Schritt für Schritt, wie fahrsicher der 370Z eigentlich ist und wieviel Sicherheit und Gefühl er als Hecktriebler gibt. Die anfänglich kritisierte Lenkung ist längst in die Gewöhnung übergegangen und der gleichmäßige Druck des Motors ist optimal zu dosieren.

Viel zu schnell ist der Rennstrecken-Ausflug auch wieder vorbei und die Boxengasse wird angesteuert. Was aber bleibt, ist ein Strahlen: Die Optimierung durch die Nismo-Ingenieure zeigt ihre Wirkung.

 

Fazit – Ring-Tool VS. Daily Driver

 

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Wer einen stets berechenbaren Begleiter für die Ausflüge auf die Rennstrecke sucht, wird mit dem Nismo sehr glücklich, da er einfach Spaß macht. Der stramme Schaltung, das leicht drängende Heck, und das stramme Fahrwerk sind für die Rundstrecke nahezu optimal ausgelegt.

Im Alltag jedoch wünscht man sich eine weichere Abstimmung – weshalb sich der 370Z Nismo als Zweit- oder Drittfahrzeug anbietet. Wer also mit dem Einsatz auf der Piste also nichts anfangen kann, dem sei der 370Z ohne Nismo-Zusatz wärmstens empfohlen, da er ein runderes Setup bietet und auch optisch für weniger Aufsehen sorgt.

 

 

Technische Daten: Nissan 370 Z Nismo

Motor: V-Motor 6 Zylinder

Hubraum: 3.696 ccm

Emissionsklasse: EU5

Leistung: 253 KW / 344PS bei 7.000 U/min

Drehmoment: 371 Nm 5.200U/min

Getriebe: 6-Gang Handschaltung, vollsynchronisiert

Antrieb: Hinterrad

L / B / H: 4.410 / 1.870 / 1.310 mm

Radstand: 2.550 mm

Leergewicht (vollgetankt): 1.563 KG

Beschleunigung 0 – 100 km/h: 5,2 Sekunden

Elastizität 80 – 120 km/h: 5,7s (IV) / 7,5s (V) / 11,3s (VI)

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (abgeriegelt)

EU-Verbrauch kombiniert: 10,6 Liter

CO2-Emission: 248 g/km

Preis: ab 44.900 €

Bilder: Nissan

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