Nissan GT Academy: Von der Playstation in den Schalensitz

Nissan macht es möglich, vom Videospieler zum Rennfahrer zu werden, indem vor sechs Jahren die Nissan GT Academy ins Leben gerufen wurde. Hier können sich Teilnehmer über unterschiedliche Videospiele qualifizieren, eine Rennfahrerausbildung zu bekommen. Wir waren für Sie in Silverstone, wo das finale Race Camp stattfand, und erlebten live, als es mit Schweiß und Tränen um das Weiterkommen ging.

Das diesjährige deutsche Finale der Nissan GT – einem Rennfahrercasting von Nissan – fand im britischen Silverstone statt und brachte acht Finalisten zum Vorschein. Die jungen Rennfahrer, im Alter zwischen 18 und 30, fielen nicht nur durch ihre Rennanzüge auf, sondern vor allem damit, dass ihnen jegliche Starallüren fehlten. Sie gaben sich sympathisch, aufgeschlossen und jederzeit bereit, Auskunft über den Wettbewerb und ihr fahrerisches Talent zu geben.

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Dabei hatten es die acht jungen Kandidaten nicht gerade leicht: Sie mussten sich immerhin gegen 60.000 andere Teilnehmer bis ins Finale durchbeißen. Außerdem herrschen im Camp nicht gerade opulente Bedingungen: Die Kombattanten schlafen zusammen in einem großen Raum mitten auf dem Gelände des Grand-Prix-Kurses auf spartanischen Feldbetten. Ihre Notdurften verrichten sie draußen in einem zugigen Toilettenwagen, geduscht wird in einem ebenso spartanischen Duschwagen.

Doch was nimmt man nicht alles in Kauf, um im viertägigen Finale der 2008 ins Leben gerufenen Nissan GT Academy zu sehen? Sie nehmen zum Beispiel verschiedene Wettbewerbe unterschiedlichster Art auf sich: Eines der Events gestaltete sich als Rally mit Dirt-Buggies, mit denen die Teilnehmer über Stock und Stein ein Rennen absolvierten.

Aber nicht nur Einschnitte hinsichtlich des Komforts nehmen die Kandidaten in Kauf; die Teilnahme in Silverstone bedingt auch Einschnitte für die Zukunftsplanung, sodass Studium, Ausbildung oder Beruf zurückgestellt werden müssen. Der Gewinner bekommt immerhin eine dreimonatige Rennfahrer-Ausbildung in Silverstone, die kurz nach Ende des Race Camps beginnt. So erging es auch dem letztjährigen Sieger, dem 29-Jährigen Florian Strauss, der mittlerweile aber als vollwertiger Rennfahrer gelten darf.

So durchlief auch er eine Ausbildung, die etwa einem Gegenwert von einer Million Dollar entspricht. Allein der Einsatz beim 24h-Rennen auf Nürburgring 2015 im Werks-Nissan GT-R GT3 sowie die Chance auf eine Rennfahrer-Karriere sind jeden Cent wert. Nissan will noch mehr und plant einen Fahrer über GT Academy in die Königsklasse, die Formel 1 zu bringen.

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Doch es kann auch anders laufen: Lucas Ordonez, Gewinner der ersten GT Academy, ist bereits im sechsten Jahr Rennfahrer für Nissan dabei, doch seine Karriere ist in diesem Rennstall fürs Erste vorbei: Die Academy produziert fast unaufhörlich Nachwuchs und bringt immer neue Talente zum Vorschein, welche es den angestammten Fahrern schwer machen, da der Kader nur begrenzt ist.

Jann Mardenborough ist aber einer der Rennfahrer, die es geschafft haben: Er fährt für Nissan in der GP 3 und ist im Nachwuchskader von Red Bull Racing. Er wird zukünftiger LMP1-Stammfahrer für Nissan und der erste Absolvent der Academy, der es bis in die F1 schaffen kann. Jedoch sollte auch er auf der Hut sein, denn von 12 Academy-Siegern stehen noch acht beim japanischen Automobilhersteller unter Vertrag.

Trotz alledem lässt sich Nissan die GT Academy einiges kosten: Allein sieben Vollzeit-Mitarbeiter werden beschäftigt und die nötige mediale Aufmerksamkeit wird mit 4 TV-Episoden auf RTL supportet. Der Wettbewerb an sich stellt dementsprechend eine Mischung aus Fahrprüfung und öffentlichkeitswirksamer Werbung dar: Überholtrainings, Rundenzeitrennen, Boxenstopptrainings sprechen die eindeutige Sprache einer Rennfahrerausbildung, doch eine Rallye in der die Academy-Teilnehmer von Paintball-Schützen beschossen werden und Panzern ausweichen müssen dient eher der TV-Wirksamkeit.

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Das Ende des vier Tage langen Finales gestaltet sich in einem Rennen auf dem Silverstone Grand-Prix-Kurs: In den ersten drei Tagen scheiden vier Kandidaten der insgesamt acht Kandidaten aus – hier schlagen die harten KO-Wettbewerbe gnadenlos zu und sieben nochmal aus. Wobei man klar sagen muss, dass keiner der Finalisten wirklich schlecht wäre – was entscheidet ist die mentale Stärke, kaum noch das fahrerische Können. Die restlichen vier Teilnehmer kämpfen dann am letzten Tag um Sieg: In einem Rennen treten die zukünftigen Rennfahrer mit identischen Nissan 370Z Nismo gegeneinander an. Doch der Gewinner dieses finalen Rennens ist nicht zwangsläufig auch der Gewinner des gesamten Contests: Die unterschiedlichen Wettbewerbe werden unterschiedlich gepunktet und gewichtet; doch, so stellte es die Vergangenheit heraus, der Sieger der letzten Challenge ist oft auch der Gewinner der GT Academy.

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Doch was ist überhaupt die größte Besonderheit der Academy? Nick Heidfeld, neben Jean Pierre Krämer, Juror bringt es auf den Punkt: Er finde, dass das aus motorsport-unerfahrenen tolle Fahrer mache und damit bestens funktioniere. Was jedoch besonders beachtlich sei, ist, dass es Jugendlichen oder auch Erwachsenen ermöglicht werde, ohne viel Geld von Sponsoren oder von Hause in den Rennsport einzusteigen. Rennsport sei nie günstig gewesen, werde aber immer teurer. Bei der GT Academy könne aber jemand, der nicht mit viel Geld gesegnet ist, seinen Weg bis ganz nach oben bestreiten. Das begeistere den ehemaligen Formel 1-Profi sehr.

Doch der Gewinner muss nicht nur gegen seine Gegner antreten, sondern auch eine harte innerliche Prüfung nach Abschluss des Wettbewerbs auf sich nehmen: Bis zur Ausstrahlung des Finales am 20.09. im Privatfernsehen darf er nicht verraten, dass er gewonnen hat.

Im Folgenden finden Sie die Sendetermine zu den Ausstrahlungen TV:

26.07. – 13:20 Uhr,
vor dem Qualifying zum GP von Ungarn
23.08. – 13:20 Uhr, vor dem Qualifying  zum GP von Belgien
06.09. – 13:20 Uhr, vor dem Qualifying zum GP von Italien
20.09. – 14:20 Uhr, vor dem Qualifying zum GP von Singapur

Wir wünschen viel Spaß beim Schauen, hoffen, dass Sie die pure Rennatmosphäre, wie wir sie vor Ort einatmen durften, auch über Ihren Fernsehbildschirm aufnehmen können und laden Sie herzlich ein, nicht nur die Bericht zu den exklusiv in Silverstone getesteten Nissan GT-R Nismo und Nissan 370Z Nismo zu lesen, sondern sich auch für die nächste Nissan GT Academy im nächsten Jahr zu bewerben.

 

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