Volkswagen Golf GTE – Der Bestseller macht blau

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Der Wolfsburger Dauererbrenner möchte als Golf GTE die sportliche Kompaktklasse neu aufmischen.

Doch dies möchte er nicht mit einem großen Turbo-Benziner, sondern als Hybrid mit einer Systemleistung von 204 Pferdestärken.

 

Nach EU-Verbrauch soll dieser leistungsstarke Gran Turismo aber nur 1,5 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Welches sportliche Potenzial in der neuen Golf-Variante steckt, haben wir auf die Probe gestellt.

 

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Design – Ein sportlicher Kompakter mit dem gewissen Etwas

Blau. Nach Rot und Silber zieht jetzt ein sattes, sportliches Blau in den Kühlergrill und die Scheinwerfer des neuen Hybriden. Hinzu gesellt sich an der Front ein sehr eigenständiges LED-Tagfahrlicht, das dem GTE ein prägnantes Äußeres gibt und ihm einen hohen Wiederkennungswert gibt.

 

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So entsteht schon an der Front ein sportliches Design, das ein erstaunliches Überholprestige abgibt. Allein die dunklen, scharf angeschnittenen Scheinwerfer mit ihren LED-Leuchten zeigen auf den ersten Blick, dass es hier um Sportlichkeit geht. Kann diese Optik mit dem Sparwillen und der grünen Idee mithalten?

Auch seitlich zeigt sich der Golf von seiner sportlichen Seite – wenn auch etwas dezenter und unauffälliger. Dezente Seitenschweller, der große Dachspoiler aus dem GTI und attraktive 18-Zoll-Alufelgen, symbolisieren auch hier das zügige Vorankommen. Erneut stellt sich die Frage: Wie schafft Volkswagen es einen kombinierten Verbrauch von nur 1,5 Liter/100km mit diesem dynamischen Habitus zu kombinieren?

 

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Rückseitig bleibt der Volkswagen Golf GTE der Grundidee des Dynamikers treu: Der bereits genannte Dachspoiler gibt den ersten Hinweis auf das Sportstalent. Zusätzlich kommen die abgedunkelten Rückleuchten, die bereits von den dynamischen Speerspitzen, wie Golf GTI und Golf R, bekannt sind. Den krönenden Abschluss gibt der linksseitige Doppelauspuff, der dem des GTD ähnelt.

Allesamt sportliche Insignien, die den aggressiven Sportlern des Hauses gut zu Gesicht stehen – sei es den Benzinern oder aber dem großen Diesel. Aber passt das auch zum Hybrid? Wir sagen ja, schließlich fährt der GTE mit 204 PS und maximal 350 Nm vor. Warum sollte er also mit sportlichen Reizen geizen?

Interieur – Man kennt sich

Wer einmal im Golf 7 gesessen hat – egal in welchem Modell – wird sich auch im GTE zurecht finden. Die Verarbeitung ist gewohnt hochwertig und wird durch schöne Gimmicks, wie dem neuen „Drehzahlmesser“ und Bedienelementen mit Chromringen unterstrichen.

 

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Hinzu kommt auch die bekannte gute Bedienbarkeit. Alles sitzt am rechten Fleck, kein Element verwirrt mit seiner Platzierung oder Erreichbarkeit. Selbst das große Multimedia-System lässt sich von vornherein intuitiv bedienen und gefällt mit klaren Menü-Strukturen. Etwas Gewöhnung erfordert nur die Anwahl der Fahrmodi: Die fünf verschiedenen Einstellungen lassen sich entweder über ein Untermenü im zentralen Bildschirm bedienen oder aber über eine Taste in der Mittelkonsole. Doch über diesen Taster sind nur zwei der Auswahlmöglichkeiten erreichbar. Schöner wäre die bekannte Methode über den Druckknopf ein Pop-Up-Menü (DCC) zu aktivieren, über das sich die Selektion bedienen lässt. Doch dies ist Klagen auf hohem Niveau, schließlich sitzt man in einem Golf, der seinem Ruf als Alleskönner gerecht wird.

 

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Bettet man sich in die Vordersitze, möchte man gar nicht mehr aussteigen, geschweige denn in ein anderes Auto wechseln. Die Sitzgelegenheiten verwöhnen mit einem kräftigen Halt, ohne aber störend eng zu sein oder mit einer übertriebenen Härte zu nerven. Man hat das Gefühl, klaglos hunderte Kilometer ohne Pause abspulen zu können. Dies geht auch problemlos mit mehreren Passagieren, da auch der GTE ein typischer Golf ist und einen angenehm großzügigen Fond parat hält.

Selbst der Kofferraum überzeugt mit einem brauchbaren Maß, da der in der Reserveradmulde verbaute Akku enorm klein ist und das Volumen kaum einschränkt. Da fällt das Ladevolumen des „R“ spürbar kleiner aus. Selbst die Umklappmöglichkeit der Rücksitze bleibt erhalten: Ein vollwertiger und alltagstauglicher Golf also.

 

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Fahreindrücke – Eine gelungene Symbiose

Verweilen wir also auf den karierten Sportsitzen und bereiten uns auf das Fahren vor. Zündschlüssel stecken? Überflüssig. Kupplung treten? Ebenfalls überflüssig! Startknopf gedrückt und … Stille! Nicht nur im „E-Mode“, der den GTE fast permanent elektrisch fahren lässt, startet das Aggregat ohne Geräusche. Wir legen die Fahrstufe „D“ des Doppelkupplungsgetriebes ein und rollen geräuschlos dahin, was für einen Hybrid soweit nichts Besonderes ist.

 

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Auffällig ist aber, dass man das „Gaspedal“ im E-Mode aber stark durchtreten kann, ohne den Benziner zu aktivieren. Der Vortrieb nimmt überzeugend schnell zu – immerhin leistet der E-Motor 102 PS – sodass man bis maximal 130km/h seines Weges ziehen kann. Erst mit Überwinden des Kickdown-Punkts aktiviert sich der 1,4-Liter-Direkteinspritzer und gewährleistet damit ordentlichen Schub. Eine gute Eigenschaft, wenn man zum Beispiel an den Überholvorgang auf der Landstraße denkt, für den man die gesamte Systemleistung von 204 PS benötigt.

Aktiviert man den GTE-Modus, fährt der Golf allerdings nur selten elektrisch, dafür aber mit der gesamten Vehemenz, die der Antrieb bietet. Selbst, wenn man das rechte Pedal nur vorsichtig herunterdrückt wird der Otto-Motor aktiviert. So können dann auch die angegebenen Fahrleistungen von 7,6 Sekunden für den Standardsprint und die Höchstgeschwindigkeit von 222 km/h erreicht werden. Werte, mit denen man bei einem Hybrid nicht unbedingt rechnet, vor allem, da der Soundgenerator eine Geräuschkulisse bietet, die sich nicht zu verstecken braucht und auch echte GTI-Fans befriedigen dürfte, wie auch Autogefühl findet. Dies passt auch zum eingangs Erwähnten: Das dynamische Äußere ist keine plumpe Verkleidung; sie sollte ernst genommen werden.

 

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Gibt man dem Hybrid allerdings auf diese Art und Weise die Sporen, sinkt der Teil des rein elektrischen Fahrens natürlich und das Sparpotenzial damit auch. Allerdings rekuperiert der GTE während dieser sportlichen Gangart, sodass der Akku geladen werden kann und er nicht zwingend mit der heimischen Steckdose verbunden werden muss. Der Hybrid ist sogar dazu in der Lage, den Akku allein über den Fahrbetrieb zur Gänze zu laden.

 

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Beeindruckend ist auch, wie reibungslos die Verbindung mit dem DSG-Getriebe abläuft: Die Schaltvorgänge bleiben, wie gewohnt, extrem schnell und fast unbemerkt. Selbst im elektrischen Modus schaltet das Getriebe durch die Stufen, was zwar diejenigen verwundert, die schon einen Hybriden bewegen durften, aber den Fahrer eines Verbrenners kaum verwundern dürfte. Hinzu kommt, dass die Übergänge zwischen Elektroantrieb und Verbrennungsmotor enorm verschliffen sind und von den Passagieren kaum registriert werden – ein bisher unbekanntes Phänomen.

 

Fazit – Was lange währt, wird endlich gut

Ja, Volkswagen hat sich wieder etwas Zeit mit der Einführung einer Neuheit gelassen. Aber wie es schon bei der Einführung des Touran oder aber des Tiguan war: Die Endprodukte überzeugen auf ganzer Linie und machen das späte Erscheinen mit überragenden Verkaufszahlen wieder wett.

 

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So sehen wir es auch beim GTE: Zwar haben andere den Einstand in das Hybrid-Dasein gegeben, können aber nicht so wie dieses Auto überzeugen – typisch Golf also. Man findet sich gut zurecht und kann den GTE wie einen gewöhnlichen PKW fahren. Dass er bei seinem Sparwillen – wir haben ihn im hektischen Zürich recht sportlich bewegt und konnten einen Verbrauch von etwa 2,4L/100 km erreichen – auch die Dynamik, die in Richtung GTI tendiert, nicht vergisst, ist aller Ehren wert.

 

Wir sagen: GTE, der GTI mit Nachhaltigkeit.

 

Redaktion: Adam Meyer / Bilder: Mikhail Bievetskiy Photography

 

Technische Daten: VW Golf GTE

Motor: 4-Zylinder-Benziner + Elektromotor

Hubraum: 1.395 ccm

Leistung: Otto-Motor – 110KW / 150 PS + Elektromotor – 75KW / 102PS, Systemleistung: 150 KW / 204 PS

Drehmoment: Max. 350Nm

Getriebe: 6-Gang-DSG

Antrieb: Front

Leergewicht: 1.530 Kg

L/B/H: 4.276/1.790/1.436mm

Beschleunigung: 0 – 100 km/h: 7,6s

Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h

ECE-Verbrauch: 1,5 L/100km

Basispreis: etwa 35.000€

5 comments

Die Frage die nie beantwortet wird:
Ihr sagt, ihr habt 2,4 L / 100km verhaucht, und wieviel kWh an der Ladesäule oder zu Hause? Die 2,4L sind ja eine Energieverbrauchsangabe in die bei solchen Fahrzeugen unbedingt auch die elektrische Energie eingerechnet werden muss um realistisch zu bleieb n(gerade hier ist der Norm-EU-Verbrauch der blanke Hohn!!!)

Lieber Jan,

vielen Dank für den Kommentar.

Die Verbrauchsangabe kann nicht auf den realistischen Fahrzyklus eines Verbrauches abgebildet werden, weshalb eine EU-Angabe für Vergleiche recht sinnvoll ist.

Dennoch versuchen wir nach Fahrveranstaltungen eine Tendenz zu geben, wohin die Reise gehen könnte. Sobald wir das Fahrzeug einem längeren Test unterzogen haben, können wir eine realistische Verbrauchsangabe mitteilen.

Viele Grüße

Mikhail Bievetskiy
-Chefredakteur NewCarz-

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