Sicheres Fahren im Winter: Fahrphysikstunde und Reifenkunde

Winterzeit: Mit der Umstellung der Reifen sollte gleichzeitig auch eine veränderte Fahrweise erfolgen. Damit die Umstellung auf die Winterfahrweise erleichtert wird, haben wir ein paar Tipps zusammengestellt, worauf man achten sollte, wenn es um das Thema Fahren auf Schnee, Eis, überfrierende Nässe und rutschigem Laub geht.

REIFENWAHL

Ein Winterreifen bietet in der kalten Jahreszeit aufgrund der weicheren Reifenmischung und weicher geformten Flanke ein deutlich erhöhtes Haftreibungspotential gegenüber Sommerreifen. Zusätzlich zum Material weisen Winterreifen zahlreiche spezielle Profilrillen, Lamellen, Blöcke und Einschnitte auf, die bei Schnee, Matsch und Eis durch ihre zahlreichen Gripkanten eine hohe Bodenhaftung erreichen. Die speziellen Formen der Lamellen sind meist in unterschiedlichen Winkeln definiert ausgerichtet, um in jeder Fahrsituation – Beschleunigen Abbremsen, Geradeausfahrt oder in Kurvenoptimalen Grip zu erzeugen. Viele Profile sind aus diesem Grund laufrichtungsgebunden – den Hinweis dazu findet man auf der Reifenflanke.

Ein moderner Winterreifen ist heutzutage, besonders mit Abstimmungen für den europäischen Markt, stark auf milde Winter ausgerichtet: Das heißt neben Eis, Schnee und Schneematsch zählen auch Trockenheit, niedrige Temperaturen und vor allem Nässe zu seinen Paradedisziplinen. Dank der speziellen Gummimischungen und dem Profil mit hohem Negativanteil bieten Winterreifen bei diesen Bedingungen optimale Voraussetzungen, die ein Sommerreifen nicht bieten kann.

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Ganzjahresreifen hingegen bieten meist nur einen Kompromiss und sind dementsprechend für keine Jahreszeit perfekt geeignet. Meist beherrschen diese Pneus Nässe und trockene Verhältnisse recht passabel, sollten allerdings Schnee und Eis dazukommen, gerät dieser Reifentyp deutlich schneller an seine Grenzen, als ein reiner Winterreifen.

ÜBERRASCHUNGEN

Speziell im Winter sollte man stets darauf achten den aktuellen Wetterbericht vor Fahrtantritt zu prüfen – das  hilft, sich vor bösen Überraschung zu schützen. Wenn nun allerdings doch das Fahrzeug unverhofft ins Rutschen kommt gilt eines: Vor allem Ruhe bewahren und bestimmte, aber keine zu hektischen Reaktionen einleiten. Grundsätzlich helfen ein gutes Vorwissen über die technischen Merkmale des Fahrzeuges sowie ein solider Grundstock zur Fahrphysik. Aber was bedeutet dies im Einzelnen?

WELCHES ANTRIEBSKONZEPT BESITZT DAS FAHRZEUG?

Fahrzeuge mit Frontantrieb neigen grundsätzlich zum Untersteuern. Ein Fahrzeug untersteuert, wenn die mögliche übertragbare Seitenführungskraft überschritten wird, was in der Folge heißt, dass das Auto über die Vorderachse zum Kurvenaußenrand schiebt.

Um diesem Verhalten bei extremen Verhältnissen, wie einer geschlossenen Schneedecke oder Eis, entgegenzuwirken, wird die Kupplung getreten und der Lenkeinschlag leicht zurückgenommen. Durch das, in den meisten Fahrzeugen vorhandene Anti-Blockier-System (ABS) sollte die Bremse voll durchgetreten werden: Durch die in Sekundenbruchteilen eingeleiteten Bremsunterbrechungen bleibt der Wagen lenkbar und somit fahrsicher.

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Autos mit Heckantrieb neigen bei zu forschem Gaseinsatz auf glatter Oberfläche grundsätzlich zum Übersteuern. Hier verliert das Heck die nötige Seitenführungskraft und kann ausbrechen. Gasrücknahme, besser auch die Betätigung der Kupplung sowie ein Gegenlenken sollten erfolgen. Zur Verdeutlichung: Richtiges Gegenlenken funktioniert, in dem man das Lenkrad sachte in die Richtung einschlägt, in die auch das Heck ausbricht. Zusätzlich sollte man in diesen Fahrzeugtypen sicherheitshalber die Geschwindigkeit möglichst verringern, um weitere Gefahrensituationen oder den Worst Case zu verhindern.

Walter Röhrl pflegt zusagen:

„Wenn Du den Baum siehst, in den Du krachst, dann hast Du untersteuern. Wenn Du den Baum nur hörst in den Du krachst, dann hast Du übersteuern!“

Fahrzeuge mit Allradantrieb sind neutral bis untersteuernd und verhalten sich von allen  Antriebskonzepten am  spurstabilsten. Beachten sollte man allerding immer eines: Muss ein Bremsmanöver eingeleitet werden, kann der Allradantrieb nicht mehr helfen, da er vorwiegend für ein optimiertes Vorankommen und die besagte Stabilität sorgt. Ein großer Abstand zum Vordermann ist somit für jedes Antriebskonzept unerlässlich. Gefährliche Stellen sind schwer einsehbare Kurven, aber auch Brücken sowie stellenweise die Bereiche vor Ampeln, da diese besonders glatt sein können.

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BERGFAHRT

Wenn es im Winter in die Berge gehen soll, ist die Mitnahme von Schneeketten nicht nur Kür, sondern Pflicht. Bergab sollte ein niedriger Gang eingelegt sein, damit die Motorbremse den Fahrerfuß bei Bremsungen unterstützen kann. Wenn das Fahrzeug sich bergab nicht mehr bremsen lässt, sollte man nach einem Schneehaufen am Rand der Wegstrecke Ausschau halten, da dieser als absoluter Notanker dienen kann –vorzugsweise auf der Berg- und nicht der Talseite. Beim Anfahren sollte das Gas nur behutsam getreten werden, um auch ein mögliches Festfahren zu verhindern.

Der Winter kann also kommen, wenn man sich darauf vorbereitet. Gute Winterreifen mit ausreichend Profil gehören ebenso dazu, wie eine vorschriftsmäßige Beleuchtung, brauchbare Scheibenwischer-Blätter, genügend Frostschutz für die Scheiben-Waschanlage und den Kühler, sowie gegebenenfalls ein Türschloss-Enteiser. Vor allem aber gehört zum Winter eines: Eine angepasste Fahrweise. Man kann das beste Equipment und das passendste Auto haben, doch ohne eine vorsichtige und vorausschauende Fahrweise helfen diese Ausstattungen nicht mehr.

Text: Rene Beermann / Bilder: Mikhail Bievetskiy / NewCarz

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit Michelin entstanden.

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