Tracktest: Nissan Juke Nismo RS auf dem Bilster Berg

Der Juke: Ein Crossover, wie er im Buche steht. Kompakt, etwas hochbeinig und bloß nicht angepasst.

So eroberte der – von seiner Optik her – etwas kontroverse Juke vor allem Frauenherzen. Damit sich das in Zukunft etwas ändert, unterzog Nissan den Juke einer Leistungskur und legte ihm 218 PS mit in die Wiege. Doch nicht nur unter der Haube herrscht Tumult, auch äußerlich packt der Crossover den Sportsdress aus und spannt die Muskeln an.

Design – Der kleine Muskelprotz

Dezent ist der Auftritt des Nissan Juke Nismo RS nun wahrlich nicht, aber das kann man vom zahmen Juke nun auch nicht behaupten. Doch dieser Crossover platzt förmlich aus allen Nähten, jedoch nicht, weil er Pfunde angesetzt hätte, sondern vor Kraft nur so strotzt.

Die Front macht allein schon mit ihrem markanten Familien-Grill viel her und wird von den Juke-typischen runden Hauptscheinwerfern charakterisiert. Doch zum Nismo RS wird der Crossover erst durch die prägnante Frontschürze. Das horizontal angebrachte Tagfahrlicht, der nicht überdimensionierte, mittige Lufteinlass und die Spoilerlippe tragen ebenso zum kraftvollen Look bei, wie die Farbgebung in weiß, rot  und grau. Hinzu gesellen sich Verbreiterungen an den Radhäusern, die die ohnehin schon bauchigen Radkästen nochmals betonen.

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Seitlich stechen die prägnanten 18“-Leichtmetallräder ins Auge, hinter deren Bi-Color-Lackierung sich eine um 30mm gewachsene Bremsanlage verbirgt. Sie stützt ebenso die sportliche Optik, wie in dynamischem Rot gehaltenen Bremssättel. Die in grau getauchten und mit einem roten Nadelsteifen betonten Seitenschweller bringen den Juke dabei dem Boden ein kleines Stück näher. Einen besonderen Akzent bietet jedoch der Dachspoiler: Nicht gerade unterdimensioniert, aber dennoch wohl in die Dachlinie integriert, stößt er auf Anklang beim Betrachter.

Natürlich blieb auch das Heck nicht unangetastet, bleibt aber etwas zurückhaltender. Neben bereits erwähntem Dachkantenspoiler fällt besonders das dicke Auspuffrohr auf. Neben dem eher zurückhaltenden Sound kann man sich darüber hinaus über die Heckschürze freuen. Auch sie lässt den Juke etwas kräftiger erscheinen und deutet mit ihrer Diffusor-Optik in Richtung Motorsport. Doch bevor wir zu den Rennstrecken-Talenten des Nismo RS kommen, wollen wir einen Blick in den Innenraum werfen.

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Interieur – Sportlichkeit in Etage zwei

Wie es sich für ein sportliches Modell gehört, ließen die Entwickler auch das Interieur nicht unangetastet. Grundsätzlich bleibt der Crossover zwar ein Juke, doch die Innenausstattung wurde mit vielen liebevollen Details aufgehübscht, die einen Hauch von Track-Atmosphäre Einzug halten lassen. Besonders die reichhaltige Verwendung von Alcantara darf sich hierfür verantwortlich fühlen.

Darüber hinaus gefallen Elemente, wie die „Zwölf-Uhr“-Markierung am Lenkrad, die jederzeit Aufschluss darüber liefert, wie die Vorderräder gerade positioniert sind, oder aber die stramm zupackenden Schalensitze. Besonders sie bestimmen den Look des Fahrgastraums mit ihrer schwarz-roten Polsterung. In schnellem Geläuf geben sie einen hervorragenden Seitenhalt, nerven im Alltag aber nicht mit Drücken oder Kneifen, obwohl der erste optische Eindruck Skepsis aufwarf. Doch letztendlich sind sie auch für beleibtere Naturen gut geschnitten und können mit einem überzeugenden Einstellbereich dienen. Gefallen haben uns auch die Alu-Pedale und der kurze, knackig rastende Schaltknauf.

Für etwas Verwirrung im, ansonsten aufgeräumt wirkenden Cockpit, sorgte die Unterbringung der Tasten „Eco“, „Sport“ und „Normal“. Sie sollen das Ansprechverhalten des Motors und der Fahrdynamikregelung verändern, müssen inmitten der Klimaautomatik-Steuerung aber erst gefunden werden.

Zwar wird es den rein sportlich interessierten Fahrer kaum interessieren, doch wollen wir noch ein paar Worte zum Platzangebot verlieren: In Sitzreihe eins fühlen sich selbst Großgewachsene wohl. Man hat nie das Gefühl in einem Kleinwagen zu sitzen. In Sitzreihe Nummer zwei wird es da schon wesentlich intimer: Der Beinraum ist recht knapp und das nach hinten abfallende Dach limitiert die Kopffreiheit spürbar. Andererseits steht ein passabel großer Kofferraum zu Verfügung, der den Transport von Helmen, Rennanzügen oder großen Sporttaschen spielend über sich ergehen lässt. Einzig die hohe Ladekante stört ein wenig. Doch genug der grauen Theorie, rauf auf die Piste: Den Bilster Berg!

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Fahreindrücke – Druckvoll geradeaus

Gerade der Bilster Berg gilt als eine der anspruchsvolleren Rennstrecken in Deutschland. In seiner Topographie soll der Track der Nürburgring Nordschleife nachempfunden sein und deckt mit seinen teils nicht einsehbaren Kurven, Kuppen und Gefällen von bis zu 26° die Stärken und Schwächen von Fahrzeugen gnadenlos auf. Wir starten also aus der Boxengasse in die erste Kurve und stellen sofort fest, dass es der Nismo RS ernst meint. Er hängt gut am Gas und prescht druckvoll voran.

Die erste Rechts-Links-Kombination naht und das erste vorsichtige Anbremsen gibt Aufschluss über die Verzögerungseigenschaften der Bremsanlage. Der Pedaldruck bleibt konstant, auch nach der gefühlt tausendsten Belastung gibt der Juke nicht nach, was ein sehr sicheres Gefühl mit sich bringt. Es folgt ein sanftes Einlenken, von dem sich der Nissan unbeeindruckt zeigt.

Auf dem kurzen, darauf folgenden gerade Stück, schiebt der Eins-Sechser-Turbo kraftvoll nach vorne, bevor es dann heißt hart zu ankern. Die sich anschließende Rechtskurve verlangt ein starkes Einlenken bei einer recht niedrigen Geschwindigkeit: Hier zeigt sich das ESP zum ersten Mal aufgerufen einzugreifen. Der Fronttriebler schiebt sachte über die Vorderräder zum Kurvenaußenrand und baut so überschüssige Geschwindigkeit ab. Dabei wird jeder noch so vorsichtige Gasstoß von der Elektronik geschluckt, obwohl man ihn für ein dynamisches Vorankommen durchaus gebrauchen könnte. Das mag am hohen Schwerpunkt der nicht eben niedrigen Karosserie liegen. Selbst mit einem vermeintlich deaktivierten Schleuderschutz meldet sich das System im Ernstfall wieder zu Wort und entmündigt den Fahrer.

NewCarz-Juke-Nismo-RS-Fahrbericht-_6490Weiter geht es mit der ersten blind zu fahrenden Kurvenkombination, die in einem kleinen Gefälle mündet. Das Fahrwerk gibt sich wankstabil und gibt ein gutes Gefühl für den Untergrund der Strecke. Die Lenkung zeigt sich, besonders um die Mittellage jedoch von ihrer indirekten Seit. Das Gefühl ist recht taub und kommt erst mit größeren Lenkwinkeln zum Tragen. Vor Erreichen des Gefälles heißt es erneut scharf zu bremsen, da man in den fast blinden, sanften Kurven viel Geschwindigkeit aufbauen konnte – hier überzeugt der Juke auf ganzer Linie. Man lenkt sanft in die lange Links ein, lässt sich auf das Curb hinaustragen, bleibt dabei etwas auf dem Gas, nimmt das nächste Curb in eine leichte Rechsbiegung und tritt wieder auf das rutschfeste Bremspedal. Was folgt, ist die sogenannte Mausefalle.

Diese, über 90° fassende, langgezogene Kurve hat es wahrlich in sich. Man erreicht diese Biegung über ein 26° starkes Gefälle und muss sich überdies im Klaren sein, dass die Kurve nach außen hin abfällt, bevor man den eindrucksvollen Anstieg erklimmen kann. Hier werden jegliche Fahrwerksschwächen gnadenlos aufgedeckt – sofern es die Regelelektronik zulässt. Der Juke Nismo RS schlägt sich hier recht wacker, hangelt man sich an der Regelgrenze entlang und öffnet die Lenkung frühzeitig.

So kann man dem Aggregat wieder früh die Sporen geben und die wellige Steigung emporschießen. An ihrem Ende erwartet den Fahrer eine gänzlich uneinsehbare Rechtsbiegung, die durchaus Courage erfordert, da man sie voll fahren kann, wenn man die richtige Linie erwischt.

Die, im weiteren Verlauf, auftretende Links-Rechts-Schikane ruft, nach einem satten Bremsen, erneut Untersteuern auf den Plan. Wäre die Strecke trocken gewesen, hätten die Pneus vielleicht ein leichteres Spiel gehabt, den Juke auf Kurs zu halten, doch die Nässe machte einer präzisen Runde einen Strich durch die Rechnung. In der sich anschließenden langen Gegengeraden konnte man dann das Potential des Turbo-Motors ausloten und die Tachonadel nahezu die 180km/h-Marke touchieren lassen, bevor es in die schnelle Mutkurve ging. Die langgezogene Linksbiegung will präzise gefahren werden, bevor man wieder voll aufs Gas steigen kann und den nächsten Hochgeschwindigkeitsabschnitt befährt. An dessen Ende befindet sich eine nicht zu unterschätzende Links-Rechs-Kombination: Man kommt mit etwa 170 Stundenkilometern an, steigt hart in die Eisen und erlebt ein leicht werdendes Heck, das mit leichten, aber bestimmten Kurskorrekturen im Zaum gehalten werden will. Grund dafür ist nicht etwa der Juke, sondern der Wechsel aus einer Senke in eine anschließende Steigung.

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Diese letzte Kurvenkombination führt dann auf die Start-Ziel-Gerade und läutet Runde zwei ein. Hat man sich über mehrere Runden mit der Strecke vertraut gemacht, bietet der Juke Nismo durchaus das Potential für Fahrspaß, solange man es vermeidet ihn mit dem Messer zwischen den Zähnen zu fahren. Die Komponenten, wie etwa die knackige Sechsgangschaltung oder die vielfach lobend erwähnte Bremse schlagen sich wacker und geben viel Vertauen zum Bonsai-Racer.

Fazit – Die Nische in der Nische

Der Juke ist kein Rennwagen, auch wenn seine aufgewertete Optik das suggerieren möchte. Doch ganz ohne sportliches Talent kommt der Crossover auch nicht daher. Zusammenfassend lässt sich sagen: Druckvoller Vortrieb, ein solides Fahrwerk, eine knackige Schaltung – wir empfehlen das Schaltgetriebe – und eine standfeste Bremse. Was fehlt sind eine zielgenaue Lenkung und ein etwas legerer agierendes ESP. So weiß der Juke Nismo RS am besten im zügigen Alltag zu gefallen.

Bilder: Babis-Fotoart für NewCarz und Nissan (2)

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