Ratgeber: die Top 5 – Wie bunt es Ihre Werkstatt treibt

Man(n) kennt es: der liebste Freund, sicherheitshalber nochmal mit „Auto“ betitelt, muss zur turnusmäßigen Wartung. In der Werkstatt des „Vertrauens“ kommt dann nicht selten der große Schreck, eine hohe Rechnung wartet. Grund dafür sind vorher nicht absehbare Reparaturen, die aber angeblich dringend nötig waren. Ob das stimmt und welche Maschen in den Werkstätten sonst noch gefahren werden, zeigt unsere Reportage. Ein Ausflug in den Wartungsalltag.

DAS BERECHNEN UNNÖTIGER REPARATUREN

Oft kommt es vor, dass der Mechatroniker ein Problem diagnostiziert, es augenscheinlich repariert und nach nur wenigen Kilometern ist es schon wieder da. Die Folge-Diagnose bringt ein gänzlich anderes Problem zutage, dass dann natürlich neu berechnet werden kann. Dieses Spiel kann die Werkstatt beliebig oft spielen – man selbst ist als Laie zumeist ahnungslos.

Möglicherweise repariert die Werkstatt irgendwann den tatsächlichen Mangel, der, von Anfang an und die ganze Zeit über, verantwortlich für Beanstandungen war. Oftmals werden unterschiedliche Reparaturen berechnet, obwohl nur eine tatsächliche stattgefunden hat und nötig gewesen wäre. Dieses „Mängelfinden“ ist zwar illegal, wird aber leider häufig angewendet. Bei solchen Praktiken ist der Kunde leider oft hilflos. Dennoch kann es manchmal nicht schaden, sich auf sein Bauchgefühl zu verlassen.

FEHLDIAGNOSEN: FEHLER FINDEN, WO GAR KEINE SIND

Es gibt Fälle, in denen die Mechaniker ihren Kunden erzählen, dass Teile defekt seien, die es gar nicht sind. Ein Austausch sei essentiell, aber tatsächlich gar nicht nötig. Ihre Bremsbelege müssen erneuert werden?

„Am besten gleich die Scheiben mit tauschen“,

so lautet die Empfehlung des fadenscheinigen Experten. Ebenso, wie unnötige Reparaturen ist auch der Verkauf von unnötigen Teilen strafbar, sollte er nachgewiesen werden können.

SPASSFAHRTEN MIT DEM KUNDENFAHRZEUg

Öfter, als es der Kunde denkt, veranstalten Werkstätten Fahrten mit dem geliebt, gehegt und gepflegten Wagen aus reinem Jux. Unfälle bei solchen „Jux-Touren“ mit den Fahrzeugen der Kunden, die oftmals nach Feierabend stattfinden, stellen keine Einzelfälle dar. Stellt sich die Frage, unternimmt jeder Mechaniker solche Fahren? Natürlich nicht! Doch in Zeiten von „Dash-Kameras“ kommen Spritztouren immer häufiger ans Tageslicht. Problematisch ist nur, dass man der Werkstatt herzlich wenig anhaben kann, sollte man einen Angestellten dabei erwischen, mit seinem Liebling eine Runde zu drehen.

ÜBERTEUERTE PREISE FÜR TEILE UND ARBEITSLOHN

Die meisten Werkstätten erheben leichte Aufschläge für Ersatzteile. Das ist in Ordnung, schließlich sollen sie auch leben und ihr Auskommen haben. Das Problem ist nur, dass die wenigsten Kunden wissen, was die Teile tatsächlich kosten und welch horrenden Aufschläge sie teilweise zahlen müssen.

So kann es vorkommen, dass man in die Werkstatt fährt um beispielsweise seine Stoßdämpfer wechseln zu lassen. Verkauft werden die teuersten und besten Exemplare, verbaut aber die billigsten – keine Seltenheit. Schließlich muss man der Werkstatt vertrauen und merkt den Unterschied in der Regel nicht. Mit dem Internet ist natürlich auch die Vergleichbarkeit der Preise besser geworden, sodass man Preise für ein und dasselbe Teil, die stark voneinander abweichen, schnell googeln kann. Doch was im Endeffekt tatsächlich verbaut wird, kann man nicht wissen.

Ähnlich sieht es bei den Arbeitszeiten aus. Es gibt Listen, die ausweisen, wie viel Zeit für den Einbau eines Teils benötigt wird – von einem kompetenten Mechatroniker. Aber hier ist es so, wie beim Einbau von Ersatzteilen: der Laie hat selten Ahnung von diesen Zeiten. Wenn das Papier sagt, dass die Reparatur für gewöhnlich 2,5 Stunden verlangt, aber fünf Stunden abgerechnet werden, hat man oft keine andere Wahl, als das zu akzeptieren.

Aber nun wissen Sie, verehrter Leser, dass es solche Tabellen gibt. Dass man sich vorher über die Preise von Ersatzteilen im Internet erkundigen kann. Fragen Sie also, bevor Sie den Auftrag zur Reparatur erteilen, wie lange die Arbeiten dauern werden. Fragen Sie nach einem Kostenvoranschlag.

BESCHÄDIGEN DES AUTOS, WÄHREND ES IN DER WERKSTATT STEHT

Neben Unfällen bei Spritztouren, gibt es weitere „Missgeschicke“, die mit Kundenfahrzeugen passieren können, während sie in der Obhut der Werkstatt sind. Öl in den Sitzpolstern, mysteriöse Beulen in der Karosserie, abgebrochene Teile, vergessenes Werkzeug im Fahrzeug. Letzteres stellt zwar keinen Schaden dar, gibt aber Aufschluss über die Arbeitsweise des Mechanikers. Grundsätzlich gilt: wenn einer dieser Mängel auftritt, solange das Fahrzeug in den Händen der Werkstatt ist, haftet diese. Einzig die Beweislast liegt beim Kläger. Denn in Deutschland gilt die Unschuldsvermutung – in dubio pro reo.

ADD-ON: DIEBSTAHL

Verluste von Dingen, die währen einer Reparatur in der Werkstatt auftreten, sind nicht selten. Alles, vom Wechselgeld bis zum Aschenbecher, vom Portemonnaie bis zur simplen CD wurde schon dokumentiert. Teilweise wurden sogar Tuning-Teile von Motoren von Kundenfahrzeugen abmontiert oder attraktive Felgen entwendet. Oft bitten die Werkstätten in solchen Fällen, dass der Kunde seine Versicherung verständigen möge, aber das ist nicht der übliche Weg. Die Werkstatt ist verantwortlich solange sich das Fahrzeug zur Tat in ihrem Verantwortungsbereich befand.

FAZIT

Sollte Ihnen einer dieser Fälle bekannt vorkommen oder zukünftig passieren, suchen Sie einen Anwalt auf. Wir wollen hier nicht alle Werkstätten und Service-Partner schlechtreden. Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche und sie sollten die Ausnahme sein. Doch etwas Hintergrundwissen, beispielsweise durch Internetrecherche auf Basis eines Kostenvoranschlags und dem anschließenden Neuaushandeln, kann manchmal bares Geld sparen. Und etwas Hintergrundwissen hat schließlich noch niemandem geschadet.

Foto: Newcarz

Quelle: Jalopnik

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