Fahrbericht: Volvo V40 Cross Country – Der schwedische Crossover

Bereits seit Anfang 2013 bieten die Schweden den V40 in der Cross Country-Variante an. So geht man bei Volvo auf die Bedürfnisse der alternden Kundschaft ein, die ein Plus an Komfort sowie eine höhere Sitzposition benötigt. Welche Auswirkungen das auf die Fahreigenschaften und sportliche Note des Volvo V40 Cross Country hat, zeigt unser Fahrbericht über den Crossover.

Design – Der kühle Wanderstiefel

Die Gestaltung des V40 ist gekennzeichnet von weichen Linien – das ist auch beim Cross Country nicht anders. Allerdings wirkt gerade diese Version etwas rabaukiger, kecker als die Standard-Variante. Grund für diesen soliden Look sind die Anbauteile und die Höherlegung, die aus dem Kompakten einen Crossover machen.

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Der grobmaschige Kühlergrill mit seiner Wabenoptik gibt den V40 klar als Volvo zu erkennen. Das typische Emblem unterstreicht diesen Wiedererkennungswert. Hinzu gesellen sich mandelförmige Scheinwerfer, die mit ihren Xenon-Linsen wie verkniffene Augen wirken. Eine Etage darunter befinden sich die Tagfahrleuchten, die mit ihrer vertikalen Ausrichtung harmonisch in den neuen Frontstoßfänger integriert wurden. Dieser weist mit seiner Kunststoff-Beplankung in Anthrazit einen ausgesprochen robusten Charakter aus. Der angedeutete Unterfahrschutz bestätigt dies.

Seitlich gefällt der Volvo V40 Cross Country mit seiner ansteigenden Linienführung. Diese Ausrichtung ziert die gesamte Seitenpartie: sowohl die Sicke an der Unterseite der Türen, als auch der Volvo-typische Hüftschwung, wie auch die untere Fensterlinie steigen zum Heck an und verschaffen dieser Ansicht so einen dynamischen Touch. Dabei wirkt die Plastikbeplankung auch hier genauso robust, wie die Bügeltürgriffe oder die matt-chrome Dachreling. Dagegen bieten die zweifarbigen, sechsspeichigen 18-Zoll-Felgen einen angenehmen Kontrast.

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Am Heck warten die, für Volvo typischen, L-förmigen Rückleuchten auf den Betrachter. Sie ziehen sich vom Dach bis in die prägnante Hüfte. Hier wird auch der Bezug zum alten „Schneewittchen-Sarg“ wieder aufgegriffen: der V40 fällt mit seiner teils schwarz lackierten Heckklappe auf und stellt so eine Reminiszenz an den legendären Vorgänger dar. Doch diesen gab es nicht als Cross Country mit einem ausladenden Unterfahrschutz in Alu-Optik und mit zwei prägnanten Endrohren. Eben so wenig konnte man einen sportlichen Dachspoiler bekommen, über den der moderne Crossover jedoch verfügt. Zum Glück – bringt er doch noch mehr Dynamik in das Design.

Interieur – Klarheit als allgegenwärtiges Credo

Auch der Innenraum des Volvo V40 Cross Country folgt der Devise der Schlichtheit. Hochwertige Materialien, eine routinierte Verarbeitung und vor allem das kühle Design machen das Cockpit zum Wohlfühl-Bereich. Dabei wirkt der Infotainment-Bildschirm ebenso kühl wie die Instrumente, die sich in verschiedenen Farbschemen dem jeweiligen Fahrmodus anpassen lassen. Jedoch ist die Auswahl nicht gerade leicht, muss man schließlich über den Lenkstockhebel durch das Bordcomputer-Menü scrollen und mit verschiedenen Tasten auf ebenjenem Hebel hantieren. Function follows form…

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Doch dafür entschädigt die Bedienung des Infotainments fast auf Anhieb mit ihrer Leichtigkeit. Hat man erst den Drang überwunden, ständig auf dem Bildschirm herumdrücken zu wollen – Volvo verzichtet auf einen Touchscreen – kommt man bestens mit den Drehreglern auf der Mittelkonsole klar. Zwar sind die Klimaautomatik und die Bedienelemente für Radio, Navigation und Assistenzsystemen nicht sehr klar voneinander getrennt, doch gelingen die Handgriffe auf Anhieb. Einzig die Telefontastatur mit ihren kleinen Knöpfchen wirkt etwas überholt.

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Überzeugen konnten uns darüber hinaus viele kleine Details: mattes, sattes Aluminium am Lenkrad, Chromrädchen in der Mittelkonsole, ebensolche Umrandungen hier und dort, eine prägnante Zierleiste für den Beifahrer – Volvo weiß, wie man einen hochwertigen Innenraum gestaltet. Anteil daran haben natürlich auch die Sitze: sie gehören mit zu den optisch angenehmsten der Klasse. Ihre zweifarbige Gestaltung vermag ebenso zu gefallen, wie ihr Langstreckenkomfort. Die vorgestreckten Kopfstützen unterstützen diesen Eindruck ebenso wie die Sicherheit vor Schleudertraumata. Jedoch lassen sie etwas Seitenhalt vermissen. Vermisst haben wir auch die letzte Konsequenz beim Design: das Dekor der Mittelkonsole mit seinem künstlichen Kunststoff-Holz-Aufdruck mag nicht recht zum teuren Premium-Anspruch passen.

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Das schaffen eher die Platzverhältnisse. Während man vorne sehr kommod untergebracht ist, muss man im Fond leiden. Beinfreiheit ist Mangelware. Großgewachsene sollten es gar nicht erst versuchen im Fond Platz zu nehmen, da schlicht kein Raum zur Verfügung steht. Weder genug Luft über dem Kopf noch für die Knie oder Füße steht bereit. Ähnlich sieht es auch für Großgewachsene in der ersten Reihe aus. Wählt man das attraktive Panorama-Dach als Option, erhält man durch den elektrisch einfahrbaren Innenhimmel ein Plus an Kopffreiheit. Ohne diese Sonderausstattung könnte es für die Köpfe der vorn Sitzenden knapp werden. Knapp ist auch das Kofferraumvolumen des Volvo V40 Cross Country. Lediglich 324 Liter stehen für den Transportbedarf bereit. Das sind gut 50 Liter weniger, als mittlerweile klassenüblich. Doch wer schön und lifestylig sein will, der muss leiden. Und bei all den positiven Eindrücken, fallen die wenigen Abstriche nicht stark ins Gewicht.

Fahreindrücke – Der Alltagsdynamiker

Leiden muss man jedoch nicht mit dem Antrieb des Volvo V40 Cross Country T4. Ist die Gedenksekunde der Automatik erst einmal überwunden, schießt der kleine Schwede hurtig davon, sodass dem ein oder anderen Mitfahrer der Magen flattert. Alle anderen genießen einfach den angenehmen Druck des Turbomotors mit zwei Litern Hubraum. So wirkt besonders die Beschleunigung vom Stillstand bis zur Stadtgeschwindigkeit recht sportlich, da das Drehmoment des Vierzylinders früh anliegt und die Automatik eine kurze Übersetzung aufweist. Selbst bei geringem Druck auf das rechte Pedal schnellt der Volvo im Stadtverkehr ordentlich davon.

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Einzig das Automatikgetriebe zeigt sich etwas verschlafen. Befehle des Gaspedals werden etwas träge umgesetzt, bevor der Crossover dann seine Motorleistung von 190PS auskosten kann. Die Beschleunigung endet bei abgeriegelten 210 km/h. Eine Volvo-Eigenheit für Cross Country-Modelle, die im dichten Autobahn-Verkehr aber leicht zu verschmerzen sein dürfte. Der Weg zur Höchstgeschwindigkeit gestaltet sich jedoch ruhig und mit Nachdruck.

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Den braucht man für die Lenkung jedoch nicht. Sie ist recht leichtgängig, lässt dabei etwas Rückmeldung vermissen und vermittelt somit etwas wenig Kontakt zur Straße. Ganz anders sieht es jedoch mit dem Fahrwerk des V40 aus: der Cross Country ist recht straff abgestimmt und quittiert beispielsweise Bahnschienen oder Kopfsteinpflaster mit deutlich vernehmbaren Schlägen. Bei höheren Tempi verliert sich dieser Eindruck, im Stadtverkehr kann diese Auslegung jedoch etwas anstrengend sein. Andererseits lässt dieser Charakter aber auch hohe Geschwindigkeiten bei der schnellen Landstraßen-Partie oder beim Autobahnritt mit Topspeed zu und generiert somit Fahrspaß.

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Doch was wäre ein Volvo ohne eine ganze Armada an Sicherheitssystemen? Genau: kein Volvo. Und so verfügt der Volvo V40 Cross Country serienmäßig, wie übrigens jeder andere neue Volvo auch, über die City-Safety-Funktion. Diese verhindert Auffahrunfälle und Kollisionen mit Fußgängern bei Tempi bis zu 50 km/h. Ebenso serienmäßig ist eine vollständige Liste an Airbags, die neben den Standard-Kissen, auch einen Fußgänger-Luftsack bieten. Dieser springt in Sekundenbruchteilen vor der Wundschutzscheibe auf und schützt so das Leben der Passanten.

Darüber hinaus soll die „Roll Stability Control“ das Überschlagen des Fahrzeugs verhindern, während das aktive Abstands-Kontrollsystem namens ACC stets die richtige Distanz zum Vordermann wahrt. So stellt auch der V40 als Cross Country eine „sichere Sache“ dar.

Fazit – Zu viel Dynamik?

Es ist, wie so oft bei Crossovern: man weiß nicht so recht, woran man ist. Im Grunde ist der Volvo V40 Cross Country ein Kompaktklasse-PKW, der etwas höher gelegt wurde, damit die alternde Kundschaft bequem einsteigen kann. Doch eben diese Klientel fragt nach Komfort. Diesen kann der V40 Cross Country aber nicht auf ganzer Linie bieten. Gefällt er innen, wie außen mit seinem unaufgeregten Design, mag er mit seinem strammen Fahrwerk und dem trinkfreudigen Motor auch zu missfallen. Ob die angepeilte Kundschaft, die zudem recht solvent sein sollte, das auch in Zukunft annimmt, vermag das Kraftfahrtbundesamt (KBA) mit seinen Zulassungszahlen zu beurteilen.

[alert alert_type=“info“ ]Technische Daten: Volvo V40 Cross Country

Länge x Breite x Höhe (m): 4,370 x 1,857 x 1,458

Motor: Reihen-Vierzylinder Otto-Motor

Leistung: 140KW (190PS)

Hubraum: 1.969 ccm

Max. Drehmoment:  320Nm  bei 1.500 bis 4.000 U/min

Getriebe: 8-Gang-Automatik

Antrieb: Allrad

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 6,4 L/100 km

CO2-Emissionen:  149g/km

Schadstoffeinstufung: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 210 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 8,0

Kofferraumvolumen: 324 Liter

Leergewicht: 1.643 KG

Preis: ab 23.850€[/alert]

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