Hyundai i20 Coupé – das Designerstück aus Fernost

Der Hyundai i20 Coupé aus Korea ist das Pendant zu Opel Corsa, VW Polo und Co, hat jedoch einen entscheidenden Vorteil: seinen Preis. Er liegt ein gutes Stück unter den heimischen Mitstreitern, wenn auch nicht mehr so stark, wie zu den Anfängen der koreanischen Marke. Dafür wirkt der i20 sehr ausgereift und gefällt mit seinem europäischen Design. Was der Kleinwagen sonst noch kann, zeigt unser Test.

KonkurrenzOpel Corsa, VW Polo, Kia Rio, Renault Clio, Citroen DS3, Peugeot 208, Audi A, Suzuki Swift

Design – Aus Europa, für Europa

Die Gestaltung des Exterieurs wirkt beim neuen Hyundai i20 Coupé sehr sportlich. Die angeschrägten Scheinwerfer mit ihrer Linsenoptik fixieren ihre Beute, wie die Augen einer Raubkatze. Das integrierte LED-Tagfahrlicht gibt diesem Eindruck einen dramatischen und gleichzeitig technoiden Touch. So wirkt der i20 sehr klar und modern. Sein Selbstbewusstsein, konkurrenzfähige Autos zu bauen, demonstriert Hyundai mit dem stattlichen Kühlergrill. Die hexagonale Kühlluftöffnung kommt in einem großen Format daher und beherbergt, wie bei einem Ingolstädter Konkurrenten das Kennzeichen. Sein Bruder, der viertürige i20, vertraut auf ein viereckiges Pendant, das jedoch anders ausgerichtet ist. Hier läuft der Grill nach unten hin schmal zu, während beim Coupé die breiteste Stelle am unteren Ende der Front sitzt. Details, die den dynamischen Auftritt des Hyundai i20 Coupé ausmachen.

Von der Seite betrachtet, wirkt das Coupé recht kompakt und muskulös. Das rührt zum einen von der recht prägnanten und früh absinkenden C-Säule her, zum anderen von den strammen Linien, die die Seitenpartie ausformen. Erinnerungen an einen deutschen Konkurrenten erweckt eben jene C-Säule: die optische Trennung der unteren Fensterlinie von der eigentlichen Säule hat man in dieser Form schon beim Opel Adam gesehen. Nichts desto trotz ist „frei schwebende“ Säule ungewöhnlich und steht dem koreanischen Kleinwagen gut.

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Genauso verhält es sich mit den Alufelgen: ihr Turbinendesign schafft zusammen mit dem 17-Zoll-Format Sportlichkeit. Das tief sitzende Dach und das daraus resultierende Greenhouse – wie die Designer die immer kleiner werdenden Glasflächen nennen –, unterstützen diesen Eindruck obendrein.

Das Heck wirkt indes unauffällig. Die Heckscheibe ist sehr klein und macht eine Einparkhilfe damit fast unverzichtbar, während der hintere Stoßfänger mit seinem ausladenden Format auffällt. Der serienmäßige Dachspoiler steht dem Coupé gut und nimmt den roten Faden der Dynamik gekonnt auf. Die Familienzugehörigkeit demonstrieren die Rückleuchten, die denen des neu vorgestellten Hyundai Tucson sehr ähneln.

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Interieur – Guter Durchschnitt

Innen vertraut man bei Hyundai lieber wieder dem wohnlichen Charme, anstatt der Sportlichkeit zu sehr zu frönen. Das Cockpit gleicht dem des Viertürers. Das ändert jedoch nichts am ordentlichen Qualitätseindruck. Die Kunststoffe wirken hochwertig – besonders auf der Armaturenbrett-Oberseite – und solide eingepasst. Die geringen Spaltmaße sprechen ebenso für diesen Kleinwagen, wie die angenehme Farbwahl.

Die Oberseite des Instrumententrägers, die Türtafeln und die Sitzbezüge weisen einen Farbton auf, die als „Milchkaffee“ beschrieben werden kann. Man fühlt sich durch diese Farbgebung sofort wohl und vermisst die vermeintlich sportlichen Höhlen, mit ihrer meist dunklen Farbgebung keineswegs.

So geriet auch die Bedienung weitestgehend übersichtlich. Die Instrumente sind blendfrei ablesbar und stören nicht mit Spielereien und auch alle anderen Elemente sind gut erreichbar. Sowohl Radio- als auch Klimabedienung geben keine Rätsel auf, wobei unser Testfahrzeug nicht über ein ausuferndes Infotainment-System verfügte. Doch auch das können die Koreaner gut, wie unser Test des Hyundai i30 Turbo zeigte.

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Selbst mit dem Platzangebot knausert das Hyundai i20 Coupé nicht. Vorn sitzen zwei Erwachsene gut aufgehoben und haben keinen Grund zum Nörgeln. Es herrscht genügend Bewegungsfreiheit in alle Richtungen. Einzig der Seitenhalt der angenehm straff gepolsterten Sitze lässt etwas zu wünschen übrig. In Reihe zwei müssen Großgewachsene jedoch etwas die Köpfe einziehen. Dafür überzeugen die restlichen Platzverhältnisse. Sind die vorderen Passagiere gnädig, oder nutzen den gesamten Verstellbereich der Sitze nicht aus, kann man hinten auch Langstrecken kommod über sich ergehen lassen.

Dabei muss man noch nicht einmal mit dem Gepäck geizen. Der kleine Hyundai bietet ein Stauvolumen von 326 Litern und damit fast schon Kompaktklasse-Format. Zwar hat ein VW Golf mehr zu bieten, ein Volvo V40 etwa bietet andererseits zwei Liter weniger Volumen als das i20 Coupé. Erstaunlich.

Fahreindrücke – Unaufgeregte Fortbewegung

Was das sportliche Äußere verspricht, vermag das Fahrerische nicht zu halten. Das i20 Coupé fährt sich unaufgeregt. Härte und Dynamik sind nicht sein Metier, dafür jedoch das komfortable Erledigen jeglicher Alltagssituationen.

So bietet die 1,4 Liter Motor 100 PS und ist für einen Kleinwagen eigentlich recht potent. Doch das Sauger-Prinzip veranlasst den Fahrer dazu, das Drehzahlband weit auszuschöpfen, um an etwas Leistung zu kommen. Natürlich ist man mit diesem Aggregat nicht untermotorisiert, schließlich bringt es der Kleinwagen auf bis zu 184 km/h Spitzengeschwindigkeit, doch wirklich sportlich wird es auch nicht. Würde man auf, wie es mittlerweile auch in der Kleinwagen-Klasse en vogue ist, auf einen turbo-aufgeladenen Motor vertrauen, würde auch etwas mehr Dynamik aufkommen. So aber schwimmt man gut im Alltagsverkehr mit, schnippt die sechs Gänge leichtgängig durch ihre Gassen und freut sich über einen geringen Alltagverbrauch, der vom Hersteller mit 5,5 Litern auf 100 Kilometer angegeben wird. Unter realen Bedingungen dürfte aber wohl ein Liter dazukommen.

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Auf Sportlichkeit verzichtet die Lenkung des Hyundai i20 Coupé. Sie fällt vor allem mit ihrer Leichtgängigkeit auf, was auf den Zweck dieses Fahrzeugs schließen lässt. Der Kleinwagen ist vor allem für den urbanen Gebrauch konstruiert und dort kommt es nicht auf das letzte Quäntchen Präzision an. Wichtig sind hier Wendigkeit und Komfort, schließlich will man beim Rückwärtseinparken nicht die Schwarzenegger-Oberarme auspacken müssen.

In dieses Bild passt auch die Federung des Coupés. Auf kurzen Unebenheiten noch minimal trocken reagierend, gibt sich die Feder-Dämpfer-Abstimmung auf langen Wellen sehr angenehm. Störende Stöße oder Straffheit glänzen durch Abwesenheit. Auch bei höheren Geschwindigkeiten bügelt der Koreaner störende Wellen oder Schlaglöcher gekonnt weg. Diese Auslegung minimiert den Stresslevel des baustellengeplagten Fahrers ungemein und ist in Zeiten immer härter abgestimmter Fahrzeuge eine kleine Wohltat. Sogar die Seitenneigung bei flott angefahrenen Kurven hält sich in Grenzen. Zwar legt sich das Coupé durchaus in Kurven, für die sanfte Auslegung des Fahrzeugs aber absolut im Rahmen. Für mehr Kurvendynamik bräuchte es ohnehin stärker ausgeformte Sitze.

Fazit – Der Alltags-Charmeur

Sportlich außen, wohnlich innen und komfortabel beim Fahren – was wünscht man sich eigentlich noch? Wenn man es recht überlegt, bildet das Hyundai i20 Coupé einen idealen Zweitwagen ab, der alle Alltagsaufgaben nach Vorschrift verrichtet.

Vielleicht würde dem dynamischen Äußeren ein etwas quirligerer Motor gut stehen, der bereits bei niedrigen Drehzahlen mehr Schub bereithält. In diesem Zuge könnte Sitze mit mehr Seitenhalt installiert werden. Doch zum einen muss man sich noch etwas Spielraum für ein Facelift lassen und zum anderen fallen diese kleinen Kritikpunkte kaum ins Gewicht. Schließlich spart man mit dem kleinen Koreaner gegenüber der deutschen Konkurrenz und bekommt einen sehr erwachsenen Kleinwagen, der ebenfalls zum Erstfahrzeug taugt und nach europäischen Bedürfnissen entwickelt wurde. Für die Sportlichkeit könnte der Hersteller aber bald etwas Brauchbares in petto haben: einen Hyundai i20 Turbo.

Technische Daten: Hyundai i20 CoupéLänge x Breite x Höhe (m): 4,035 x 1,734 x 1,474

Motor: Reihen-Vierzylinder Benziner

Leistung:  74 KW (100PS)

Hubraum: 1.368 ccm

Max. Drehmoment:  134 Nm 3.500U/min

Getriebe: 6-Gang-Handschaltung

Antrieb: Front

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm):   5,5 L/100 km

CO2-Emissionen: 127 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 184 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 11,6 Sekunden

Leergewicht: 1.135 – 1.250 KG

Kofferraumvolumen: 326 l

Fotos: NewCarz

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