Jeep Cherokee – Indianer mit Muskeln

Ein starker Motor ist der Kern eines guten Autos. Der Jeep Cherokee wurde aufgerüstet und nun einen neuen Dieselmotor unter der Haube. NewCarz hat die Gelegenheit genutzt, um das kräftige SUV für eine ausführliche Ausfahrt zu entführen. Ein Blick in die technischen Daten verrät: nicht nur offenes Gelände, auch das Ziehen großer Lasten liegt ihm in den Genen.

Der Jeep Cherokee ist der große Bruder des Jeep Renegade. Beide wurden in den letzten Jahren neu aufgelegt und zeigen starke Einflüsse der Entwicklungen innerhalb des Fiat Chrysler Konzerns. Das Antlitz beider ist europäischer geworden.

Fahrzeugklasse & KonkurrenzFahrzeugklasse: SUV

Konkurrenz: , Mercedes-Benz GLC, BMW X3, Audi Q5

Design – der Wiederauferstandene

Made in USA – das lässt sich beim Design des Jeep Cherokee unterschreiben. Es finden sich einige typische Merkmale der amerikanischen Auto-Baukunst wieder. Nicht zuletzt das gesetzte und stolze Gesamtbild des SUV. Hinzu kommen deutliche Einflüsse aus der italienischen Baukunst von Fiat: runde Formen, fließende Linien.

Der Geländewagenspezialist möchte mit dem Jeep Cherokee verlorengegangene Kunden wieder für sich gewinnen, die sie fast allesamt abgesprungen waren, bevor die Modellreihe nach dreijähriger Pause in Europa 2014 wieder aufgelebt wurde. In Amerika befindet sich der „Wiederauferstandene“ schon auf gutem Kurs.

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Drei Lichtebenen erwarten uns an der Front. Beginnend mit Blinker und LED-Tagfahrlicht, in der Mitte die Bi-Xenon-Scheinwerfer und unten die Nebelschlussleuchten. Die Augen streiken etwas dabei, optisch die schmalen Leuchteinheiten in der oberen Lichtreihe zu akzeptieren. Für ein SUV dieser Größe wirken sie sehr reduziert. Die Praktikabilität der Xenon-Scheinwerfer konnte leider nicht getestet werden, da wir nur tagsüber fahren konnten. Der in vertikale Streben aufgeteilte Kühlergrill hebt sich von der breiten Masse ab und bildet das zentrale Element an der Front. Die einzelnen Elemente sind durch eine breite Chromumrandung in Szene gesetzt. Hinzu kommt ein weiterer Kühlergrill, in die Kunststoffbeplankung und die untere Lichtebene integriert.

Die Front wird übrigens heiß diskutiert und spaltet die Gemeinde auf. Für einige Jeep-Fans ist sie nicht dem Familiengesicht entsprechend gestaltet. Die NewCarz-Redaktion findet Gefallen und gesellt sich in die Reihe der Fürsprecher.

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Hinten lässt sich über die relativ hoch gezogene Gürtellinie streiten. Dabei treffen die Rückleuchten direkt auf die Heckscheibe, was einen etwas ungewöhnlichen Look schafft. Hinzu gesellt sich die Trennung der Nebelschlussleuchten von den eigentlichen Rückleuchten, was für einen Geländewagen aber nicht ungewöhnlich ist. Damit die dynamische Komponente nicht zu kurz kommt, spendierte man dem Jeep Cherokee einen modischen Dachspoiler.

Interieur – Zurückhaltung

Für etwas kürzer Geratene ist die Cockpitlinie insgesamt sehr hoch. Mit 1,80m greift man dennoch gerne zum Hebel, der den Sitz etwas in die Höhe pumpt. Dann entdeckt man in der Windschutzscheibe auch den kleinen Ur-Wrangler, der über die schwäre Umrandung fährt. Die Instrumente sind klassisch zweigeteilt in Drehzahl- und Geschwindigkeitsmesser. Das reduzierte Auftreten des Jeep Cherokee fällt hier positiv ins Auge.

Etwas Eingewöhnung benötigt das kleine Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser, das eine Menge an Informationen bietet, sobald man die Bedienung durchblickt hat. Davor platziert:das Lenkrad, welches einen guten Umgriff bietet und gerne in die Hand genommen wird. Von jeglichen auffälligen Ziernähten hat man jedoch Abstand genommen, was in das reduzierte Ambiente passt.

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Auf einem großzügigen Touchscreen – mit 8,4 Zoll – lassen sich per UConnect nicht nur Navigation, Telefon und Bordelektronik steuern, sondern auch das Smartphone verbinden. Wie bereits beim Fiat 500, der ebenfalls dem Fiat Chrysler Konzern entstammt, vorgestellt, kann hier ein Smartphone verbunden und dessen diverse Apps gespiegelt werden. Die Audioausgabe übernimmt in den höheren Ausstattungen ein Alpine Surround-Audiosystem. Die Lüftungskiemen der Klimaanlage schließen direkt an das Display an. Ein bisschen erinnern diese an die Schlitze des neuen Hyundai Tucson, den wir kürzlich vorgestellt haben.

Das Raumangebot ist reichlich und ausreichend. Die Rückbank kann sogar um 15 Zentimeter nach vorne bzw. hinten verschoben werden und nimmt somit Einfluss auf Beinfreiheit und Stauraum.

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Wer ordentlich ins Portmonee greift und sich einen vollausgestatteten Jeep Cherokee kauft, sollte nicht auf die elektrisch öffnende Heckklappe verzichten. Im SUV-Segment ist diese inzwischen zu Recht Gang und Gebe. Nur große Personen erreichen bei geöffneter Heckklappe noch das obere Ende um diese zu schließen. Älteren Käufern raten wir mit Nachdruck dazu.

Ist der Kofferraum erst einmal geöffnet, können Einkäufe auf die 412l Stauraum verteilt werden. Das ist kein Platz im Übermaß für einen geräumigen SUV, der sonst nicht mit Raum geizt. Mehr wird man im Alltag jedoch wahrscheinlich nicht benötigen. Zusätzlich können beispielsweise Harkenleisten in die seitlichen Ausbuchtungen eingesetzt werden.

Die Verarbeitungsqualität insgesamt ist in Ordnung. Möchte sich Jeep mit seinem SUV dauerhaft nicht nur bei Geländefreunden, sondern auch der Premiumkundschaft etablieren, sollten sie noch einen Tick drauflegen.

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Fahreindrücke – Komplett neustrukturierte Motorenpalette

Zusätzlich zum neuen Top-Diesel gibt es eine Neuerung beim Einstiegsmotor. Der 2.0l Multijet-Diesel bringt den Geländewagen nun mit140 PS voran und bildet den Einstiegsmotor des Jeep Cherokee. Zuvor hatte Jeep diese Motorisierung auch mit 170 PS angeboten – diese entfällt nun. Insgesamt gibt es zwei Motorisierungen mit drei Leistungsstufen. Der „Kleine“ wird nur in Kombination mit einer Sechsgang-Handschaltung und mit Frontantrieb angeboten.

Wer seinen Jeep Cherokee mit Allrad fahren möchte, bestellt künftig eine Version des 2.2 l Multijet. Hinzu kommt dann auch das neun-Gang-Doppelkupplungsgetriebe des Fiat Chrysler Konzerns. Der Diesel ist nun mit den 200 PS bestellbar. In der Spitze setzt er 440Nm um. Zum neuen 200 PS-Motor kommt eine fünfzehn PS schwächere Version. In Der Spitze bringt diese ein Drehmoment von ebenfalls 440 Newtonmetern. Diese liegen in beiden Fällen bei 2.500 Umdrehungen an.

Wer noch tiefer in die Materie einsteigen möchte, kann sich auch noch mit den zwei Allradvarianten beschäftigen. Die Einfachere benutzt eine variable Kraftaufteilung und elektronische Traktionskontrolle. Die deutlich geländefähigere Variante hat gerade für die Strecken abseits der Straße ein deutlich höheres Fahrwerk. Es ist um 25 mm höhergelegt und bietet eine elektrisch zuschaltbare Untersetzung. Verstellbar ist der Allradantrieb in vier Stufen: Auto, Snow, Sport, Sand/Mud.

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In unserem Test stand uns die Top-Motorisierung zur Verfügung. Die Masse des knapp zwei Tonnen schweren SUV schiebt der Motor in der Spitze auf 204 km/h. Dann bleiben aber auch die 5,7 Liter NEFZ-Verbrauch utopisch. Im Alltag liegt man zwei bis drei Liter über dem Wert – bei uns waren es bei regulärer Fahrweise 8,2l.

Etwas höher wird der Verbrauch noch bei Fahrten mit Anhänger werden, dafür ist die maximale Anhängelast defintiv sehenswert. Fast zweieinhalb Tonnen können von dem SUV gezogen werden – mehr wird in einem Privathaushalt wahrscheinlich nicht anfallen. Zwei große Pferde sind so zum Beispiel gut und gerne möglich und für den Jeep Cherokee keine Hürde.

Die Lenkung ist für einen Alltags-Auto sehr gut abgestimmt, vielleicht etwas teigig. Das SUV lässt sich zielgerichtet durch den Verkehr steuern, egal bei welcher Geschwindigkeit. Dazu passt das Fahrwerk, das einiges abfedert, aber den Fahrer dennoch nicht alleine lässt und das Gefühl vom Fliegen vermittelt. Die Realität bleibt nah und vermittelt Fahrspaß. Der Jeep Cherokee war übrigens das erste SUV, das eine Fiat-Plattform als Grundlage verwendet.

Kurven sorgen für relativ geringe Seitenneigung. Der Jeep Cherokee ist ein sicheres Schiff und lädt zu langen Fahrten ein. Im ersten Anzug fällt es dem Jeep Cherokee auch mit dem starken Motor etwas schwer seine Masse in Bewegung umzusetzen. Insgesamt bietet der Motor aber eine gute Symbiose mit der Automatik. Anders als beim Jeep Renegrade.

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Fazit – Ecken und Kanten vermisst

Äußerlich verschwindet der Jeep Cherokee leider etwas in der Masse der zahlreichen SUV. Trotz typischem Jeep-Kühlergrill ist er insgesamt etwas zu rund geraten. Mehr Ecken und Kanten gerne gewünscht. Sein Können als Geländewagen stellt er bei den Testfahrten unter beweis. Auch größere Bodenlöcher können mit Bedacht bewältigt werden. Unebene Kieswege machen ihm erst recht nichts aus. Die erhöhte Sitzposition verschafft zudem Übersicht. Im Innenraum ist er elegant und zurückhaltend gestaltet. Elemente sind schlüssig und nutzbringend bedacht und dabei in klarer Linie in das Gesamtbild integriert.

Wer den neuen Top-Diesel mit seinem Jeep Cherokee bestellen möchte, steigt preislich bei 45.900 Euro ein. Unser Testwagen, so wie er uns zur Verfügung stand, kostete samt Assistenzsystem-Paket und dem einfachen Allradantrieb, 49.130 Euro. Der Einstiegsmotor mit 140 PS, manueller Schaltung und ohne Allrad beginnt deutlich günstiger bei 31.900 Euro. Wer nicht den täglichen oder wöchentlichen Gang ins schwere Gelände sucht, der ist schon mit dem Einstiegsmotor sehr gut ausgerüstet. Jeep bietet mit dem Jeep Cherokee ein rundes Paket für ein SUV.

Technische Daten: Jeep Cherokee Limited 2.2 MultijetLänge x Breite x Höhe (m): 4,62 x 1,85 x 1,67

Motor: Reihen-Vierzylinder-Turbo-Diesel

Leistung:  147 KW (200 PS)

Hubraum: 2184 ccm

Max. Drehmoment:  440 Nm

Getriebe: 9-Gang-Automatik

Antrieb: Front/ Allrad

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm):  5,7 L/100 km

CO2-Emissionen: 150 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 204 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 8,5 Sekunden

Leergewicht: 1.953 kg

Kofferraumvolumen: 412 l

Foto: NewCarz

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