Aston Martin DB9 Volante – Im Namen Eurer Majestät

In London feierte gestern „Spectre“ seine königliche Weltpremiere. Selbst Prinz Harry ließ sich diese Feierlichkeit nicht entgehen. Natürlich war auch der Hauptdarsteller Daniel Craig mit von der Partie und dieser fährt selbstredend wieder einen britischen Dienstwagen.

Und zwar keinen geringeren als einen Aston Martin DB10, welcher exklusiv für den Film gebaut wurde. Passend hierzu stellen wir Euch eine ganz besondere Version des Aston Martin DB9 Volante vor. Wie es um den Charakter des Fahrzeugs steht und ob er auch eine gute Alternative für 007 wäre, zeigt der Fahrbericht.

Luxus ohne Grenzen - Der Volante brilliert durch seine Form
Luxus ohne Grenzen – Der Volante brilliert durch seine Form

Design – Unvergängliche Schönheit

Man betrachtet den Aston Martin DB9 Volante aus allen Perspektiven und möchte am liebsten auf die Knie fallen. Das Design des Cabriolets ist überragend schön – darüber kann man nicht streiten. Man mag ihn oder man mag ihn, Missfallen gibt es nicht.

Die flach stehenden mandelförmigen Scheinwerfer beherbergen zwar ein etwas plumpes Tagfahrlicht, das mit LED-Technik daher kommt, doch die Gesamtgestaltung gefällt auf Anhieb. Hinzu gesellt sich der typische Aston Martin-Kühlergrill. Mit seiner rechteckigen Vergitterung zeugt allein dieses Merkmal vom Sportsgeist des Briten. Eine Etage tiefer erwartet die neugierigen Betrachter ein Stoßfänger, der mit erstaunlich wenig Kühlluftöffnungen auskommt. Aber es war noch nie der Stil eines Aston mit ausufernden Schwellern oder Lüftungsöffnungen aufzufallen. Britisches Understatement ist die Liga des DB9 Volante.

Dazu passt auch die glattflächige Linienführung das Cabrios: harte Ecken und Kanten sucht man an diesem Fahrzeug vergebens. Weiche Linien fließen über die gesamte Karosserie und geben den Augen der Betrachter keinen Grund überhaupt an irgendeiner Stelle Anstoß zu finden. Prägnant bilden sich, betrachtet man die Seite, die Schweller-Verkleidungen heraus. Sie wirken ein klein wenig wie die seitlichen Flossen eines Fisches und nehmen die eingeleitete Linienführung der klassischen Luftauslässe im vorderen Kotflügel auf. Typisch Aston Martin: die bündigen Türgriffe, die erst beim Öffnen des Fahrzeugs über den Funkschlüssel geöffnet werden. Dieser ist ohnehin ein Kunstwerk für sich. Auf seiner Spitze prangt ein geschliffener Kristall, in den das Firmenlogo eingraviert wurde. Das wird sehr nobel und modern.

Kunstwerk - Der Kristallschlüssel des DB9 Volante
Kunstwerk – Der Kristallschlüssel des DB9 Volante

Doch zurück zur Karosserie: am Heck erwartet uns eine kleine Abrisskante am Kofferraumdeckel, der neben der dritten Bremsleuchte auch das formschöne Markenemblem beherbergt. Darunter fallen die markentypischen Rückleuchten sowohl mit ihrer C-Form, wie auch mit ihrer weißen Gestaltung auf. Den Abschluss bilden die beiden Endrohre, die für unseren Geschmack sogar etwas unterdimensioniert sind. Selbst mit der Philosophie des Understatements dürften sie ruhig ein, zwei Nummern größer ausfallen. Wer kann, der darf.

Interieur – Wie ein Anzug von James Bond

Der Innenraum zeigt sich auf den ersten Blick sehr edel – wie sollte es bei einem Aston Martin auch anders sein? Feinste Materialien, dickes Leder, das nicht gerade sparsam verarbeitet wurde und eine fließende Gestaltung geben sich ein Stelldichein. Auf den zweiten Blick fallen ein paar Oberflächen auf, die nicht so recht in das edle Ambiente passen wollen. So fällt speziell der Blick auf die Verkleidung der Bedienelemente der Mittelkonsole etwas kritischer aus. Der verwendete Kunststoff passt in seiner Anmutung nicht in das restliche Umfeld und wirkt etwas preiswert. Zwar glänzen die Drehregler, doch setzen sie sich mit ihrer metallischen Oberfläche stark vom darunter befindlichen Kunststoff ab und betonen diesen zusätzlich. Zudem ist die Bedienung des Infotainments alles andere als eingängig: die teils klein geratene Beschriftung der Tasten fördert zusammen mit der wirren Struktur nicht gerade den Bedienkomfort.

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Perfekt verarbeitet – Die Mittelkonsole ist mit Leder umrahmt

Schwamm drüber! Schließlich fährt man dieses Fahrzeug nicht, weil man ein Infotainment-System erwartet, das besser als das Smartphone funktioniert, sondern weil man den Stil liebt. Und davon hat der Aston Martin reichlich zu bieten. Das verwendete Leder ist nicht nur verschwenderisch verwendet worden, sondern lässt sich in einer Art und Weise anfassen, die man nur selten erlebt. Die Haptik ist derart schön, dass man schon fast von Erotik sprechen könnte – seine Weichheit ist nicht mit Worten zu umschreiben. Hinzu gesellen sich nahezu perfekt sitzende Nähte und eine Schaltkulisse, die ihresgleichen sucht. Mittig wartet der Kristallschlüssel nur darauf in seinem Schacht verankert zu werden, während die gläsernen Wahltasten des Getriebes an Übersichtlichkeit und Stil kaum zu überbieten sind.

Angenehm gestalten sich auch die Sessel des Briten: man nimmt auf ebenso geschmeidiger Kuhhaut Platz, wie sie schon am Armaturenbrett und an den Türtafeln Verwendung findet. Die integrierten Kopfstützen mögen dabei nicht jeder Statur passen, wohl aber die Sitze an sich. Sie bieten einen schönen Kompromiss auf Komfort und Halt und passen somit zum gediegen-sportlichen Anspruch der Marke. Nicht nach unserem Geschmack fällt jedoch das Lenkrad des Cabriolets aus. Zwar fällt es nicht überbordend groß aus und verkneift sich neumodischen Schnickschnack, wie einen abgeflachten Lenkradkranz im Unteren Bereich, doch missfällt etwas an seiner Optik. Der Pralltopf des Volant(e)s fällt ungewöhnlich groß aus und passt nicht recht zum sonst edlen Ambiente. Die Schaltwippen, die sich eine Ebene weiter hinten befinden, passen aber sehr wohl in die Umgebung. Sie wirken wie aus den Vollen gefräst und bieten eine optimale Platzierung wie Erreichbarkeit.

Fahreindrücke – Satt, satter, V12

Von Zurückhaltung, wie man sie beim Design durchaus erkennen kann, ist beim Antrieb keine Spur zu spüren. 517 vornehme britische Pferde massieren die Brustkörbe der Insassen bei vollem Schub. Dabei wird man von der Leistung des Aston Martin DB9 Volante nicht überrannt, sie kommt elegant. Das heißt, dass man keinen Turbopunch bei niedrigen Drehzahlen erwarten darf, da das Cabrio einen klassischen Saug-Motor als Antrieb nutzt. Über die Drehzahl kommt das volle Drehmoment von 620 Nm spürbar steigend bei den Passagieren an, ohne jedoch eine Art Wow-Effekt zu erzeugen. Dem großen Hubraum sei Dank ist man aber jederzeit souverän unterwegs – ganz gleich ob nieder- oder hochtourig.

Die Lenkung gibt sich dabei recht leichtgängig, passt in ihrer etwas indirekten Ausrichtung aber zum Gesamtcharakter des Fahrzeugs. Dazu kommt die Auslegung des Fahrwerks. Es pariert grobe Stöße gut, zeigt sich in seinen Grundzügen aber doch sportlich. Seitenneigung wird dabei ebenso zugelassen, wie ein etwas steifbeiniger Abrollkomfort, der den großen Felgen im 20-Zoll-Format geschuldet ist.Über alle dem thront der Gänsehaut erzeugende V12-Klang. In jedem Drehzahlbereich ist es eine wahre Freude dem 6.0-Liter-Aggregat bei seiner Arbeitsverrichtung zuzuhören. Von bassig im unteren, bis zum leichten Kreischen im oberen Drehzahlbereich beherrscht das Cabriolet jede Stimmlage. Jedoch immer dezent, wie es sich für einen Gentleman gehört.

Mit geöffnetem Dach hört sich der V12 noch brachialer an.
Mit geöffnetem Dach hört sich der V12 noch brachialer an.

Diese Ausprägung zeigen auch die Fahrleistungen. Mit 4,6 Sekunden für den Sprint von null auf einhundert Stundenkilometern, sowie einer Höchstgeschwindigkeit von 295 km/h darf der Aston zu den schnellen Zeitgenossen gezählt werden. Im High-End-Bereich liegt der DB9 damit aber nicht. Das mag auch am nicht gerade niedrigen Gewicht von knapp 1,8 Tonnen liegen. Spaß macht eine zügige Tour in diesem Traumwagen aber genauso wie das Flanieren über die Shoppingmeilen.

Imposante Auftritte sind damit garantiert - egal, ob mit oder ohne Anzug
Imposante Auftritte sind damit garantiert – egal, ob mit oder ohne Anzug

Fazit – Stil und Charakter

Er macht nicht alles perfekt, er ist nicht bis ins kleinste Details durchdacht und er ist sündhaft teuer. Geschenkt! Schließlich weiß man sowas bei einem Aston Martin DB9 Volante schon vor der Fahrt. Womit der Brite aber immer wieder überzeugen kann, ist sein Komfort, sowie der ungeschlagene Stil der Marke Aston Martin. Nur sollte man sich stets im Klaren darüber sein, wer denn das Glück unter freiem Himmel mit einem teilen darf. Zwar stehen insgesamt vier Plätze parat, doch zuzumuten sind die hinteren Sitzgelegenheiten niemandem. Also sollte man wohl bedenken, wen man am liebsten neben sich sitzen haben möchte…

Text: NewCarz / Fotos: Babis-Fotoart für NewCarz

Technische Daten: Aston Martin DB9 Volante

Länge x Breite x Höhe (m): 4,72 x 2,06 x 1,28

Motor: V12-Sauger

Leistung: 380 KW (517 PS)

Hubraum: 5.935 ccm

Max. Drehmoment:  620 Nm bei 5.500 U/min

Getriebe: 6-Gang-Automatik

Antrieb: Heck

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm):   14,9 L/100 km

CO2-Emissionen: 333  g/km

Abgasnorm: Euro 5

Leergewicht: 1.785 KG

Kofferraumvolumen: 187 Liter

Höchstgeschwindigkeit: 295 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 4,6 Sekunden

 

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