VW Scirocco GTS – Muskulöse Sonderedition

Seit 1974 hat er seinen Platz in der Volkswagen Modellpalette – der VW Scirocco. Damals als Kombi-Coupé bezeichnet, erschließt er heutzutage eine eigene Nische, die im Segment der sportlichen Kompakten angesiedelt ist.

 

Bei dem von uns getesteten Modell handelt es sich um die 220 PS starke GTS-Variante. Diese ist jedoch nicht völlig neu, bereits 1982 gab es vom Scirocco II ein Sondermodell mit diesem Namen. Damals polarisierte dieser vor allem durch seine auffälligen, seitlich angebrachten Dekorstreifen mit GTS-Schriftzug und den – für alle GTI-Modelle typischen – Schaltknauf im Golfball-Design.

 

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GTS – Diese drei Buchstaben waren bereits in den frühen 1980ern auf einem Scirocco zu finden

 

Die Neuauflage dieser Sonderedition greift diese Details auf und interpretiert sie auf moderne Art und Weise. Was der aktuelle VW Scirocco GTS noch zu bieten hat, zeigt der Fahrbericht.

 

 

Exterieur – Muskulöse Heckansicht

„Irgendwie wirkt der hinten viel breiter als vorne.“ Diesen Satz haben wir während unserer Testfahrten wirklich oft zu hören bekommen. Und diesen subjektiven Eindruck können wir bestätigen. Aber der Reihe nach.
Von vorne betrachtet, fällt in erster Linie die weit heruntergezogene Motorhaube ins Auge, welche schon im Stand andeutet, dass das Fahrzeug nicht gerade der friedfertigste im Modellprogramm ist.

 

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Strahlen um die Wette – Die Bi-Xenon-Scheinwerfer glänzen mit hervorragender Ausleuchtung

 

Auf selbiger findet – optional – ein matt abgesetzter Rennstreifen seinen Platz, der je nach Lichteinfall mal mehr und mal weniger ins Auge fällt und sich über das komplette Dach bis zur Heckklappe herunter erstreckt. Die markanten Scheinwerfer unterstreichen in Kombination mit dem winzigen Kühlergrill den sportlichen Charakter, während in der unteren Hälfte der Front diese Aufgabe von der Frontschürze im R-Design übernommen wird.

Auch von der Seite betrachtet, gibt sich der VW Scirocco keine Blöße. Die rot lackierten Bremssättel fallen sowohl durch die serienmäßigen 18-Zoll-Leichtmetallräder im „Norwich“-Design, wie auch durch die optionalen „Lugano“-Räder im 19-Zoll-Format auf. Die schmalen Fenster sind alles andere als praktisch, sehen aber schnittig aus und speziell geformten Seitenschweller lassen den GTS athletisch wirken.

 

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Schmale Scheiben, breite C-Säule – schmälern die Sicht nach hinten

 

Das Heck des Sondermodells bekommt serienmäßig einen Dachkantenspoiler spendiert, die Lichtsignatur sorgt vor allem bei Nacht für einen hohen Wiedererkennungswert. Um einen entsprechenden Abstand zum R zu wahren, muss der GTS mit einem links platzierten Doppelauspuff auskommen.

 

Darüber hinaus kommt auch hier eine Schürze im R-Design zum Einsatz. Besonders markant: Die Scharniere der Heckklappe sind absichtlich im Blech ausgeformt und wirken bei genauerem hinsehen wie stark trainierte Muskeln – eine ingenieurtechnisch tolle Leistung.

 

Interieur – Black ´n´red

Bereits beim Einstieg wird der Fahrer wiederholt daran erinnert, dass es sich um ein ganz besonderes Modell aus der Scirocco-Palette handelt. Einstiegsleisten mit GTS-Schriftzug weisen den Weg ins Fahrzeuginnere. Im Innenraum des Scirocco GTS ist vor allem eines im Überfluss vorhanden: die Farbe Schwarz.

 

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Rot und Schwarz – Diese Farben dominieren den Innenraum des Scirocco GTS

 

Ein dunkler Dachhimmel kommt hier ebenso zum Einsatz wie Zierelemente in Klavierlackoptik. Die ebenfalls dunklen Sportsitze tragen ebenfalls einen GTS-Schriftzug sowie einen mittig platzierten Rennstreifen. Um einen sportlichen Kontrast zu erzeugen, wurde an roten Ziernähten nicht gespart. Sitze, Fußmatten, Lenkrad und weitere Elemente wurden hier mit besagter Kontrastnaht bestickt.

 

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Alt und neu – Der GTS bekommt Teile des neuen Infotainment-Baukastens

 

In puncto Platzangebot lässt der Scirocco zumindest in der ersten Reihe keine Wünsche offen. Auch groß gewachsene Menschen mit über 1,90 Meter können sich nicht über zu wenig Kopf- oder gar Beinfreiheit beschweren. Auf den hinteren Plätzen sollte man jedoch mindestens so sportlich sein wie der GTS selbst. Das Ein- und Aussteigen erfordert aufgrund der abfallenden Dachlinie gewisse athletische Fähigkeiten. Aber sei´s drum – der Scirocco ist ein Sportcoupé und kein Familienfahrzeug.
Diese Tatsache wir von den 292 Litern Kofferraumvolumen bestätigt, dennoch: Gepäck für zwei Personen findet ausreichend Platz und wird es doch mal mehr, so kann die Rückbank umgeklappt werden, sodass das Gepäckabteil auf über 1.000 Liter wächst.

 

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Sportanzeigen – Ladedruck, Öltemperatur und Rundenmesser im Sportdress

 

Technik & Assistenz – Weniger ist mehr

Erstmals können Kunden im VW Scirocco GTS Segmente des neuen VW-Infotainments bestellen. Was dem einen kaum auffällt, sorgt bei dem anderen auf Anhieb für Verzückung. So verfügt der mittig platzierte Touchscreen beispielsweise über einen Annäherungssensor, Digitalradio ist ebenfalls verfügbar und CarNet sorgt für eine optimale Vernetzung.

 

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Vorn dabei – Die Navigation leistete sich auch außerhalb Deutschlands keine Schwächen

 

Die Freisprecheinrichtung ist als sehr gut einzustufen, eine klare Stimmwiedergabe auf beiden Seiten sorgt auch bei längeren Gespräche nicht für Ärger. Apropos Klang: Liebhaber guter Musikanlagen sollten unbedingt ein Kreuz bei dem kaufpreispflichtigen Dynaudio Soundsystem setzen. Angenehm bassig, aber nicht basslastig spuckt die Anlage Musikstücke aus, die Höhen sind seidig, klirren selten und die Mitten werden mehr als neutral wiedergegeben.

Ebenfalls sehr praktisch ist das schlüssellose Zugangssystem samt Startknopf in Höhe des Zündschlosses. Der Schlüssel kann somit stets in der Hosentasche mitgeführt werden, ent- und verriegelt wird über einen nahezu unsichtbaren Sensor in den Türgriffen.

 

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Keyless Access – Das schlüssellose Zugangs- und Startsystem ist empfehlenswert

 

Unabdingbar sind aus unserer Sicht die Bi-Xenon-Scheinwerfer des VW Scirocco GTS. Trotz verhältnismäßig geringer Anbauhöhe überzeugen sie mit einer Leuchtkraft, welche sich vor allem in der homogenen Ausleuchtung der Fahrbahn zeigt. Ein breiter Lichtteppich sorgt dafür, dass auch Autobahnetappen von mehreren hundert Kilometern derart stark illuminiert werden, dass eine Ermüdung nahezu ausgeschlossen ist.

Sollte diese doch einmal eintreten – ob bei Tag oder Nacht – rät der Müdigkeitsassistent im GTS dafür, dass auch ambitionierte Piloten hin und wieder mal einen Stopp einlegen – eine kleine Tasse mit heißem Inhalt macht Lust auf einen frischen Kaffee.

Ansonsten gibt sich der Wolfsburger in puncto Assistenzsysteme relativ reserviert. Ein Fernlichtassistent kümmert sich noch um die Regulierung der Scheinwerfer – das war´s. Was man an dieser Stelle kritisieren könnte, kann man jedoch auch als Vorteil verstehen. Der VW Scirocco GTS ist ein Fahrerauto. In Zeiten unzähliger Assistenz- und Unterstützungsfunktionen besinnt sich das Sportcoupé auf das, was es wirklich kann – fahren.

 

 

Motor und Antrieb – Sportliche Harmonie

Angetrieben wird der VW Scirocco GTS von einem zwei Liter großen Vierzylinder samt Turboaufladung. Dieses Aggregat kennen wir bereits aus dem VW Golf 7 GTI. Es leistet im GTS ebenso 220 PS und stellt ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmeter zur Verfügung. Zudem kann der Kunde zwischen einem Sechsgang-Schalt- und einem Doppelkupplungsgetriebe mit ebenfalls sechs Fahrstufen wählen.

 

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TSI – Aus zwei Litern schöpft der VW Scirocco GTS 220 PS

 

Ungeachtet der Wahl des Getriebes reicht das für eine Beschleunigung von null auf Landstraßentempo in 6,5 Sekunden – Schluss mit Vortrieb ist erst bei 246 km/h. Lediglich hier büßt der GTS mit DSG zwei km/h ein.

 

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Durst mit Grenzen – Rund sieben Liter benötigt das sportliche Sondermodell durchschnittlich

 

Der Kraftstoffkonsum ist mit 6,1 Liter respektive 6,4 Litern beim DSG angegeben. In der Praxis erweist sich dieser Verbrauch als nicht unbedingt unrealistisch. Bei kommoder Fahrweise ist ein Konsumverhalten von rund sieben Litern möglich.

 

Fahreindrücke – Sportlich on demand

Wir fuhren den VW Scirocco GTS mit manuellem Sechsgang-Schaltgetriebe. Bereits auf den ersten Metern fiel die knackige Schaltung mit ihren relativ kurzen Schaltwegen positiv auf. Die Schaltbox ist so abgestimmt, dass auch weniger versierte Fahrer sich auf Anhieb zurechtfinden, ein Verschalten ist nahezu ausgeschlossen.

Ein wirklich großer Spaßfaktor ist zudem die frühzeitig abrufbare Leistung. Ungeachtet in welchem Gang man sich gerade befindet, ein beherzter Tritt aufs Gaspedal sorgt für einen gewaltigen Schub nach vorne, sobald sich der Drehzahlmesser oberhalb der 1.500 Umdrehungen befindet.

 

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Überholprestige – Der GTS liebt die Autobahn. Und zeigt das auch.

 

Das wohl bevorzugte Revier des VW Scirocco GTS ist – wenig überraschend – die Autobahn. Hier können die Gänge hoch ausgedreht werden, die klangliche Untermalung ist dabei zwar präsent, aber nie zu aufdringlich.

Wirklich überraschend ist hingegen die Tatsache, dass dank optionalem DCC der Fahrkomfort weitaus besser ist, als man zunächst vermutet. Mit der entsprechenden Taste den Modus „Comfort“ wählen und schon kann die große Reise losgehen. Bitte nicht falsch verstehen: ein Komfortlevel á la Business-Limousine darf hier nicht erwartet werden, aber für ein Sportcoupé mit entsprechendem Fahrwerk und 18-Zoll-Rädern durchaus überzeugend.
An diesem Punkt stellt sich dann natürlich die Frage, ob es unbedingt die aufpreispflichtigen 19-Zöller sein müssen. Wir sagen nein. Zwar sind sie der Optik zuträglich, aber die Einschränkung im Fahrkomfort relativieren dies doch recht schnell.

Wir fahren von der Autobahn herunter und auf die nächste Landstraße. Nun muss die Einstellung „Sport“ zeigen, was sie kann. Eine wesentlich straffere Lenkung und deutlich härteres Abrollen sind die ersten Veränderungen, die wir spüren. In der ersten langgezogenen Kurve macht sich dann bemerkbar, weshalb der GTS seinen Namen zurecht trägt. Für einen Fronttriebler untypisch zieht der Wolfsburger in jede Kurve, verschlingt sie nahezu. Schieben über die Vorderräder? Ja, aber wirklich nur im Grenzbereich.

Zurück in die Stadt. Hier belassen wir es in der Normalstellung des DCC und suchen zunächst einen Parkplatz. Durch die relativ kompakten Ausmaße lässt sich der Scirocco auch recht simpel durch enge Gassen zirkeln, lediglich die Kupplung wirkt bei innerstädtischem Stop&Go-Verkehr auf Dauer recht hart.

Eine Parklücke erspäht, manövrieren wir den GTS hinein – und sind sehr dankbar über die im Testwagen verbaute Rückfahrkamera. Die 295 Euro für das „Rear View“ genannte Rückfahrsystem sind jeden Cent wert, ist die Sicht nach hinten nicht zuletzt durch die breite C-Säule miserabel.

 

Fazit – Es muss nicht immer der R sein

Wir blicken zurück auf eine lange Strecke und auf einen treuen – motorisierten – Begleiter. Wenngleich er nicht die Ansprüche einer Business-Limousine erfüllt und auch kein Rassesportler ist, so erschließt er eine Zielgruppe, welche vor allem Wert auf den Spagat zwischen spritzigem Alltagsspaß und komfortablen Wochenendtrip legt.
Der VW Scirocco GTS ist nicht bretthart, nicht kompromisslos, nicht übermäßig laut – und das ist auch gut so.

Besitzer werden sein markant-muskulöses Äußeres ebenso schätzen, wie seine nicht zu unterschätzenden Alltagsqualitäten – alles bei stets ausreichender Leistungsbereitstellung.

 

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Matte Mitte – Der Doppel-Rennstreifen ist matt abgesetzt

 

Bedenkt man den erheblichen Aufpreis von knapp 6.000 Euro zum Scirocco R, so sollten potentielle Kunden den GTS definitiv mit in die engere Wahl einbeziehen. Zumal auch der R im Vergleich zum Golf-Pendant keinen Allradantrieb bietet.

Text/Fotos: NewCarz

Konkurrenz: Peugeot 308 GT, Renault Megane GT, Audi TT

Technische Daten: VW Scirocco GTS

Länge x Breite x Höhe (m): 4,26 x 1,81 x 1,41

Motor: Reihen-Vierzylinder-Turbo-Motor

Leistung: 162 KW (220 PS)

Hubraum: 1.984 ccm

Max. Drehmoment: 350 Nm

Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe

Antrieb: Frontantrieb

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 6,1 L/100 km

CO2-Emissionen: 142 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 246 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 6,5 Sekunden

Leergewicht: 1.369 kg

Kofferraumvolumen: 292 – 1.006 l

Kraftstofftank: ca. 55 Liter

 

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