Aston Martin Vanquish Volante – London Calling

Seit 2012 wird der Aston Martin Vanquish im britischen Gaydon von Hand gefertigt. Im Jahr 2014 erhielt der Engländer ein dezentes Facelift, welches ausschließlich die inneren Werte betraf.

Wir haben den neuen Aston Martin Vanquish Volante mit Achtgang-Automatik und neuem Infotainment AMi III einem ausführlichen Test unterzogen.

 

Exterieur – Beauty King

Es gibt Fahrzeuge, die polarisieren. Dann gibt es solche, die mit ihrer Erscheinung weit exponiert stehen und bei denen man sich nicht sicher ist, wo man sie einordnen kann. Und dann gibt es den Aston Martin Vanquish Volante. Sein Design zu beschreiben gleicht einer nahezu unlösbaren Aufgabe, derer wir uns dennoch annehmen. London ruft. Wir stehen in der New Bond Street, Ecke Clifford. Ein Hauch von Creed´s Aventus umgibt uns. Wir schauen auf. Da steht er.

 

Rollendes Kunstwerk – Der Aston Martin Vanquish Volante wirkt immer stilsicher

 

Das britische Cabrio wirkt schon auf den ersten Blick so stilecht wie ein von Tom Ford höchstpersönlich ausgestattetes Model im Nadelstreifenanzug, dazu Chelsea Boots – rahmengenäht, versteht sich.
Die Außenhaut des Vanquish Volante besteht zum überwiegenden Teil aus Karbon. Das zeigt er jedoch wohl dosiert: Frontsplitter, Seitenschweller oder Heckdiffusor verraten das hochwertige Material.

Das typische Aston Martin Gesicht bekommt im Vanquish eine ganz eigene Note. Die schmalen und weit nach hinten gezogenen Scheinwerfer verleihen dem Briten mehr Dynamik als noch beim Vorgängermodell, welches auf den Namen DBS hört.

 

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Kein Blender – Die Seitenschweller des Vanquish sind aus echtem Karbon gefertigt

 

Formvollendet im Profil, mit weichen Ecken, markant ausgestellten Radhäusern und einer superioren Note, welche ihm alleine in puncto Stilsicherheit eine völlig eigene Stellung einräumt.

Nahtlos und schwungvoll verläuft die Linienführung Richtung Heck, welches für sich alleine genommen schon einen Design Award verdient hätte. Sichelförmige LED-Rückleuchten sind formidabel integriert, die Spaltmaße stimmen auf´s Hundertstel. Die beiden üppig dimensionierten Endrohre sitzen recht weit unten im Heckdiffusor, wo sich auch die wirklich nützlichen Parksensoren befinden.

 

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Abtrieb gewährleistet – Der Heckspoiler des Briten ist nicht nur Show

 

Weiter oben gibt es die Modellbezeichnung, sowie das Aston Martin Logo. Unter letzterem lugt ein winzig kleiner Pin hervor, mit welchem die Heckklappe geöffnet wird.

 

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Oldschool, neu interpretiert – Über einen kleinen Pin wird die Heckklappe geöffnet

 

Der kleine Dachkantenspoiler wurde bereits oft kritisiert. Zu Unrecht, wie wir finden. Er besitzt unseres Erachtens einen nicht unerheblichen Accessoire-Charakter, ist quasi der Hermès-Gürtel des gesamten Outfits und forciert derweil eine Nuance Sportlichkeit, die den Charakter des charmanten Briten um eine Facette erweitert.

 

Interieur – Britischer Maßanzug

Und wie die Außenhaut vermuten lässt, glänzt auch der Innenraum mit nüchterner Eleganz. Es ist diese Form der Eleganz, die nicht jeder Mensch versteht – und das ist auch gut so. Einmal Platz genommen im noch geschlossenen Volante und der Duft von feinstem Leder schmeichelt der Nase. Ergänzt wird dieser Eindruck durch die Haptik des optionalen One-77-Lenkrades, welches bereits nach den ersten Metern uneingeschränkt zu empfehlen ist.

 

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Hochwertig & passgenau – Das Interieur des Vanquish gibt sich nüchtern-elegant

 

Mit Leder bezogen ist beinahe der komplette restliche Innenraum. Armaturenbrett, Mittelkonsole, Armauflagen – alles, was im Vanquish berührt wird, vermittelt einen hochwertigen Eindruck.

Dazu gesellen sich symmetrische Kontrastnähte, welche dezent darauf hinweisen, dass Handarbeit in Gaydon großgeschrieben wird.

Wir schließen die Tür. Der Blick fällt auf die vier Rundinstrumente, welche ebenfalls mit klassischem Charme verwöhnen, niemals möchte der Aston Martin Vanquish Volante den Eindruck aufkommen lassen, er sei verspielt.

 

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Verspielt? Nicht im geringsten. – Der Blick des Fahrers fällt auf klassische Rundinstrumente

 

Die Mittelkonsole hört auf den Namen Wasserfall und neben der Bedienung des Infotainments und der Klimaanlage, werden hier auch die Fahrstufen per Knopfdruck gewählt. Direkt darüber befindet sich das `Zündschloss´.

Da die Bezeichnung Zündschloss eher irreführend wäre, nennen wir es Glastunnel. In selbigen wird der Schlüssel – Pardon, die Emotion Control Unit – eingeführt.

 

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With compliments – Das LCD-Display grüßt den Fahrer mit Logo und Typenbezeichnung

 

Kurz darauf klappt der 6,5 Zoll große Bildschirm auf und kann bedient werden. Parallel hierzu fahren die beiden Hochtöner der Bang & Olufsen Anlage hoch. Was für ein Schauspiel!

 

Technik & Assistenz – Weniger ist mehr

Wer nun ein Feuerwerk an Assistenzsystem erwartet, den müssen wir an dieser Stelle enttäuschen. Der Aston Martin Vanquish Volante gibt sich von seiner puristischen Seite – durch und durch.
Natürlich sind serienmäßig ABS und ESP an Bord. Auch gibt es Dinge, die das Leben erleichtern. Dazu zählen unter anderem beheizte und belüftete Sitze, Parksensoren samt Rückfahrkamera und ein Navigationssystem. Dennoch möchte der Vanquish kein technisches Wunderwerk, sondern vielmehr puristische Fahrmaschine sein. Wir wollen es dem gut gekleideten Briten nicht verübeln.

 

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AMi III – Das neue Infotainment bietet ein ausreichendes Gesamtpaket

 

In puncto Infotainment hält der Aston Martin Vanquish Volante trotzdem die ein oder andere Überraschung bereit. So kann Musik über einen USB-Eingang gespeist werden, auf Wunsch kann der Fahrer von FM auf DAB Radio wechseln.

Das bereits angesprochene Navigationssystem ist tatsächlich etwas in die Jahre gekommen. Das ist für Technikfans vielleicht ein Debakel, in unserem Test hat es uns jederzeit an den gewünschten Ort dirigiert, die Rechenleistung ist nicht die allerschnellste, liegt jedoch in einem akzeptablen Rahmen. Mit dem neuen Aston Martin DB11 soll sich dies jedoch ohnehin ändern.

 

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The English way – Der Sitzverstellung ist im Tunnel der Mittelkonsole integriert

 

Der Klang des Bang & Olufsen BeoSound Audiosystems kommt wider Erwarten recht ausgeglichen daher. Wenig Bässe, dafür beinahe zierliche Höhen zeichnen das System aus, dass auch bei jenseits der 250 km/h stets zur Geltung kam. Vor allem Fans von klassischer Musik dürften an dieser Audioanlage ihre helle Freude haben.

 

Bei derart hohen Geschwindigkeiten ist vor allem bei Dunkelheit eines wichtig: das Licht. Der Aston Martin Vanquish Volante verfügt serienmäßig über Bi-Xenon-Scheinwerfer samt LED-Blinker. Ursprünglich dachten wir, dass die wunderschön integrierte LED-Leiste gleichzeitig auch für das Tagfahrlicht zuständig ist. Dem ist jedoch nicht so, spezielles Tagfahrlicht gibt es im Vanquish nicht, das Abblendlicht verrichtet diese Aufgabe – wenn notwendig.

 

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Lupenrein – Die Bi-Xenon-Scheinwerfer glänzen mit großflächiger Ausleuchtung

 

Selbiges überzeugte im Test auf ganzer Linie. Trotz der recht niedrigen Anbauhöhe gelang es den Ingenieuren einen breiten Lichtteppich auf die Straße zu bringen, der auch in der Länge vollkommen ausreichend ist. Allenfalls die Lichtleistung könnte etwas höher sein, allerdings wird sich das in der Praxis und unter normalen Bedingungen kaum bemerkbar machen.

 

Motor & Fahreigenschaften – Souveränität in zwölf Zylindern

Das Herzstück des Aston Martin Vanquish Volante sitzt unter der Motorhaube aus Karbon. 6.0 V12 strahlt uns entgegen – eine magische Bezeichnung, welche jeder versierte Mensch unweigerlich und unmittelbar mit höchster Souveränität verbindet. Streng genommen handelt es sich bei dem Aggregat um einen 5,9 Liter starken Zwölfzylinder, aber wir möchten an dieser Stelle nicht kleinlich sein sondern einfach nur einsteigen und den glamourösen Glasschlüssel in den dafür vorgesehen Schacht schieben.

 

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Souveränes Kraftwerk – Der V12 leistet 576 PS und liefert maximal 630 Newtonmeter

 

Bereits das Anlassen des Motors gleicht einem Crescendo erster Klasse. Der Anlasser belebt alle Kolben, die Arbeitsbereitschaft wird mit einem markanten, unverkennbaren Sound quittiert.

 

Acht Gänge - Die Automatik ist lernfähig und passt sich dem Stil des Fahrers an
Acht Gänge – Die Automatik ist lernfähig und passt sich dem Stil des Fahrers an

 

Ebenso unverkennbar sind die ersten Meter durch die Tiefgarage. Nachdem der Gang über den `D´-Knopf auf der Mittelkonsole eingelegt wurde, rollen wir los. Sonor – das beschreibt den Klang des Motors in den untersten Drehzahlbereichen wohl am besten. Stets präsent, aber nie aufdringlich. Markant, aber nicht übertrieben.

 

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Gleiten statt rasen – Das kommode Cruisen beherrscht der Vanquish Volante

 

Das ändert sich auch nicht, sofern man nicht in Versuchung gerät, die `S´-Taste am Lenkrad zu betätigen. Aber dazu später mehr.

Der Weg führt uns zunächst über die Landstraße. An der ersten Ampel öffnen wir das Dach, welches bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h innerhalb von 14 Sekunden im Heck verschwindet. Jeder Cabriolet-Fahrer wird es uns bestätigen: Es gibt wohl nicht nichts schöneres als den Wind zu spüren, den direkten Kontakt zur Außenwelt innezuhaben und zu genießen.

 

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Contrast stitching – Auf Wunsch wird das Aston Martin-Logo auf die Kopfstützen gestickt

 

Im Aston Martin Vanquish Volante erfährt man diese Verbundenheit auf einer neuen Ebene: „Eine Symbiose entsteht erst dort, wo alle Faktoren miteinander verschmelzen.“ Diese Aussage basiert nicht etwa auf einer empirischen Studie, sondern ausschließlich auf unseren Fahreindrücken.

Wenns es etwas ist, das uns Aston Martin mit dem offenen Vanquish erzählt hat, dann die Verpflichtung zu höchster Qualität in Form eines V12-Cabriolets, handgebaut in England.

 

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Große Fußstapfen – Der Vanquish Volante rollt auf 20 Zoll großen Leichtmetallrädern

 

Wir genießen die letzen Kilometer der Landstraße und bemerken in jeder Kurve das hervorragend ausbalancierte Gewicht. Dank transaxler Bauweise gelingt Aston Martin im Vanquish eine Achslastverteilung von 51:49. In Kombination mit der hervorragenden Achtgang-Automatik, welche sich an das Fahrverhalten des Fahrers anpasst, wird jede Fahrt zu einem individuellen Erlebnis – immer und immer wieder.

 

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Maßanzug – Die Ecken und Kanten stehen dem Briten wie ein Designer-Anzug

 

Bevor wir die Autobahn ansteuern, wechseln wir in den Sportmodus. Der einst so zurückhaltende Klang weicht nun einem omnipräsenten Sound, welcher die Ausfahrt in Abhängigkeit der Drehzahl wahlweise kernig brabbelnd oder heiser bellend untermalt.

Ein Griff zu den Iridium-Schaltwippen, welche partiell mit Leder bezogen sind, lässt uns zum Dirigenten über ein Sinfonieorchester allerhöchster Güte werden. Die Gasannahme wird direkter, die Lenkung präziser, die Dämpfer straffer. Dennoch – und das macht abermals die Sympathie zum Vanquish aus – zeigt sich das Fahrwerk stets gutmütig, verzeiht etwaige Fahrfehler und macht nur im absoluten Grenzbereich deutlich, dass zwölf Zylinder bei entsprechender Fahrweise eine gewisse Führungskompetenz erwarten.

 

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Sichelförmig – Die LED-Rückleuchten sind harmonisch in das Heck integriert

 

Wir setzen den Blinker links, die Autobahn ruft. Wir wollten eigentlich wieder in den Automatikmodus wechseln, aber es bereitet einfach zu viel Spaß, dem V12 über die Drehzahl immer so viel Leistung abzuverlangen, wie man gerade meint zu benötigen. Kompressor oder Turbo? Braucht der Vanquish nicht. Im noch immer geöffneten Briten haben wir rasch die 200 km/h-Marke passiert.

Es wird zwar windiger, aber als unangenehm zugig empfinden wir die Verwirbelungen nicht. Ab 250 km/h werden Unterhaltungen schwieriger und die Konzentration des Fahrer steigt von Stundenkilometer zu Stundenkilometer. 300 km/h, offen. Wie fühlt sich das an? Nun ja, es ist laut und windig, den Aston Martin stört das hingegen wenig. Auch bei Geschwindigkeiten jenseits der 300 büßt der Vanquish nicht einen Deut seiner Souveränität ein.

 

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Brachiale Verzögerung – Die Keramikbremsen sind im Vanquish serienmäßig

 

Besonders deutlich wird dies bei geschlossenem Verdeck und deaktiviertem Sportmodus. Dann verbleibt der Geräuschpegel stets im erträglichen Bereich und wer möchte, kann Vivaldi in BeoSound-Qualität genießen.

 

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Ehre wem Ehre gebührt – Eine Plakette verrät, wer die finale Abnahme durchgeführt hat

 

Dass der Kraftstoffkonsum eines Zwölfzylinders nicht mit dem einer Zweiliter-Maschine konkurrieren kann, dürfte jedem klar sein. Wir haben in unserem Testverbrauch ein Mittel von 13,9 Litern erreicht. In Anbetracht der gebotenen Leistung – und der Zielgruppe – ist dies jedoch vollkommen akzeptabel.

 

Fazit – Englisches Kunstwerk

Der Aston Martin Vanquish Volante ist ein Traumwagen, keine Frage. Der bärenstarke Zwölfzylinder bietet Leistung im Überfluss, das Design wirkt skulptural, formschön, zeitlos.

 

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Besiegen oder bezwingen? – Beide Übersetzungen sind für den Vanquish denkbar

 

Exzentriker sind an dieser Stelle ebenso angesprochen wie rastlose Workaholics. Trotz 576 PS besitzt der Vanquish Volante die Fähigkeit zu entschleunigen. Nicht nur mit seiner stilvollen Silhouette, sondern auch mit seiner erhabenen Laufkultur animiert der Brite nie zu Höchstleistungen, ist stets stilsicher und wohl eines der wenigen Fahrzeuge auf der Welt, von denen sein potentieller Besitzer noch etwas lernen kann.

 

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Manufaktur – Eine Plakette zeigt, dass der Vanquish in England von Hand gebaut wird

 

Kritikpunkte sind einzig das in die Jahre gekommene Infotainment und natürlich der hohe Anschaffungspreis. Die entsprechende Zielgruppe wird insbesondere Letzteres jedoch wohl wenig stören.

Text / Fotos: NewCarz

Konkurrenz: Bentley Continental GTC W12, Mercedes-AMG SL 65 Roadster

Technische Daten: Aston Martin Vanquish Volante

Länge x Breite x Höhe (m): 4,69 x 1,91 x 1,29

Motor: Zwölfzylinder-V-Motor

Leistung: 424 kW (576 PS)

Hubraum: 5.935 ccm

Max. Drehmoment: 630 Nm

Getriebe: 8-Gang-Automatikgetriebe Touchtronic III

Antrieb: Heckantrieb

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 12,8 L/100 km

CO2-Emissionen: 298 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 317 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 4,0 Sekunden

Leergewicht: 1.844 kg

Kofferraumvolumen: ca. 279 l

Kraftstofftank: ca. 78 Liter

 

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