Porsche 718 Boxster S – Offenbarung eines Kurvenkillers

Wenn man bedenkt, dass der Porsche 718 Boxster S bereits die vierte Generation des Einstiegsmodells ist, fragt man sich, wo die letzten gut zwanzig Jahre geblieben sind.

Es scheint, als wäre es wie gestern, als der Roadster-Boom der Neunziger auch Porsche beflügelte und man sich in Zuffenhausen bereits zu Beginn dieses Pre-Millenium-Jahrzehnts ernsthafte Gedanken über ein neues Einstiegsmodell auf Basis eines Roadsters machte.

Erstmals ging der Traditionssportwagenhersteller im Jahr 1993 mit einem Prototypen an die Öffentlichkeit und sorgte damit für jede Menge Raunen und Staunen in der Fachwelt. Weitere drei Jahre vergingen, bis dann der erste Porsche Boxster in Serie auf dem Markt erschien.

Damals noch von den Fahrern eines 911 belächelt und als Stilbruch verunglimpft, konnte er recht bald eine exponentiell wachsende Fangemeinde vorweisen. Seither ist viel passiert und der kleine Boxster hat sich rasend schnell zu einem ernsthaften und in jedem Fall waschechten Porsche etabliert.

Wir fuhren den aktuellen Porsche Boxster mit der internen Modellbezeichnung 982 und möchten nachfolgend unsere Eindrücke zusammenfassen. Erstkontakt!

 

 

Exterieur – klein, kompakt und selbstsicher

Einen Vergleich mit dem ersten Modell des Boxsters – auch zu seinem Pendant mit den drei Zahlen, die auch der Notruf in den USA für sich beansprucht – zeigt, wie konsequent die Entwicklung des Roadsters voranschritt.

 

Porsche 718 Boxster S schräg oben
Nicht nur für Kenner erkennbar – der 718 Boxster ist als solcher klar definiert.

 

Nach Aussage von Porsche wurde die gesamte Karosserie des 718 gegenüber dem Vorgänger verändert. Nur die Fronthaube blieb identisch. Auf den ersten Blick sieht man all die Änderungen nicht, doch insgesamt lässt der aktuelle Boxster seine frisch-moderne Formgebung aus jeder Perspektive wirken. Im Graphitblau-Metallic des Testwagens, das ein bisschen an die Farbe eines Delphins erinnert, macht der Roadster eine dazu äußerst elegante Figur.

Die LED-Scheinwerfer pieken tagsüber mit jeweils vier LED-Tagfahr-Dots die Iris der Betrachter und transportieren nebenbei die markentypische Signatur – inklusive dem entsprechenden Überholprestige.

 

Porsche 718 Boxster S Scheinwerfer
Augenlasern nach Zuffenhausener Art – das LED-Tagfahrlicht des Roadsters (be)sticht die Augen des Betrachters.

 

Noch größere seitliche Lufteinlässe versorgen den atmungs- und kühlbedürftigen Turbomotor augenscheinlich mit ausreichend Frischluft und das im geschlossenen Zustand kuppelartig runde Stoffdach sieht so ganz nach Boxster-Manier aus. Dieses lässt sich bis 50 km/h öffnen und schließen, was übrigens extrem schnell vonstatten geht.

 

Porsche 718 Boxster S Lufteinlass
Atemwege freihalten – der Turbomotor benötigt viel Luft.

 

Am Heck grüßen die für das S-Modell typischen Doppelendrohre mit sportlicher Note und das zwischen den Heckleuchten durchgehende Band in Schwarz mit den Versalien des Markennamens obliegt ebenfalls die Vermittlung der designtypischen Markensprache.

 

Porsche 718 Boxster S Schriftzug Heck
Wie die Geschwister – das Band mit dem Porsche-Schriftzug ziert auch das Boxsterheck.

 

Rundum ein Porsche, rundum ein Boxster. Dazu moderner und eleganter als sein Vorgänger wirkend.

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Interieur – Besser als je zuvor

 Eines kann man mit Fug und Recht behaupten: Im neuen Porsche 718 herrscht die penible, akribisch exakte Verarbeitung und eine hochwertige Materialanmutung, welche man von einem Porsche auch erwartet. Einsparungen an Materialauswahl und nicht hundertprozentig exakte Verarbeitungen, wie sie in vergangenen Einstiegsmodellen vereinzelt zu finden waren, gehören definitiv der Vergangenheit an.

 

Porsche 718 Boxster S Interieur
VIP-Lounge – edel aber etwas eng für Großgewachsene.

 

Die breite aufsteigende Mittelkonsole hielt seit dem Einsatz im Porsche 918 Spyder sukzessive bei allen Modellen – und natürlich auch im Boxster – ihren Einzug. Das detailreiche GT-Sportlenkrad besitzt mit dicker Aufpolsterung des Lenkradkranzes nun auch das letzte Quäntchen sportiver Haptik.

 

Porsche 718 Boxster S GT-Lenkrad
Sportlenkrad ja – aber unten nicht abgeflacht. Dafür mit vielen Details versehen.

 

Störend wirkte bei den Testfahrten das klappernde Gurtschloss des unbesetzten Beifahrersitzes, welches permanent die Kunststoffverkleidung der Tür- und Rahmenverkleidung kontaktierte. Auch eine Umpositionierung der Metallklaue brachte nicht das erwünschte Ergebnis.

 

Porsche 718 Boxster S Gurtschloss
Störenfried – die Gurtklaue klapperte an der Kunststoffverkleidung.

 

Dafür passen die Sitze wie angegossen und umklammern den Fahrer und Beifahrer wie ein angepasster Sportschuh.

 

Porsche 718 Boxster S Sitze
Bequem und passgenau – die Sitze erlauben entspanntes und sportliches Fahren zugleich.

 

Platztechnisch geht es im reinen Zweisitzer ganz ordentlich zu, größere Personen – ungefähr ab 1,90 – können allerdings die Sitzschienen nicht immer ausreichend nach hinten schieben und müssen sich dem Mittelmotorprinzip und dem damit verbundenen Platzanspruch ab den Rücklehnen der Vordersitze unterordnen.

Der doppelt ausgeführte Überrollschutz übernimmt gleichzeitig die Aufgabe eines Windschotts und bewahrt beim Offenfahren die Insassen vor orkanartigen Fahrtwindattacken. Überraschend war, dass neben der Luftberuhigung auch die Geräuschentwicklung selbst bei Geschwindigkeiten jenseits der 200 km/h noch akzeptabel einzustufen ist.

 

Porsche 718 Boxster S Verdeck
Heute zu – Auch mit geschlossenem Verdeck macht er eine gute Figur.

 

Bei geschlossenem Verdeck werden Fahrtwindgeräusche zwar weiter gemindert, jedoch längst nicht so gut wie in einem dick gedämmten Verdeck anderer Oberklassecabriolets. Hier steht der sportliche Anspruch eben voll und ganz im Fokus.

Aufgrund des Mittelmotorprinzips besitzt der Boxster zwei Ladeabteile. Der vordere, sehr tiefreichende, fast quaderartige Laderaum schluckt 150 Liter, der flache, etwas zerklüftete Laderaum unter der Heckklappe bietet weitere 125 Liter zum Verstau der notwendigen alltäglichen Dinge.

 

Porsche 718 Boxster S Laderaum vorn
Grand Canyon im Miniaturformat – der vordere Laderaum mit 150 Liter Fassungsvermögen.

 

Porsche 718 Boxster S Laderaum hinten
Hinten warten weitere 125 Liter Ladevolumen auf deren Nutzung.

 

Einen Wocheneinkauf für die kleine Familie bekommt man da nur weg, wenn man amtierender Meister im Tetris ist, oder gerade eine eiserne Diät im Familienrat durchkämpft.

Aber das Transportieren von Ladung ist nun weiß Gott nicht die Kernkompetenz des Porsche 718 Boxster S.

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Motorisierung und Fahreigenschaften – anders und doch Porsche total

Fangen wir doch mit dem an, was beim aktuellen Porsche Boxster S die Fangemeinde am meisten polarisiert, ja fast zerreißt: Der Motor ist nun ein 2.5-Liter Vierzylinder mit Turbo anstatt eines Sechszylinder Saugmotors mit mehr als Drei Liter Hubraum.

Der Klang? Ganz ehrlich – im ersten Moment im Leerlauf enttäuschend. Aber! Wirklich nur im ersten Moment. Denn vor allem ist es die menschentypische Erwartungshaltung, welche nicht erfüllt wird. Man kennt nun mal den rasselnden und röhrenden Sechsender und nun hört man dem brabbelnden Vierender zu, der geräuschtechnisch allerdings recht eindeutig die typische Boxermanier an den Tag legt.

 

Porsche 718 Boxster S Endrohre
Sehr empfehlenswert – die Sportabgasanlage für den Boxster S.

 

Doch wehe, wehe man lässt dem 350 PS starken Boxster S die Zügel lose und gibt ihm die Sporen. Unglaublich, wie der Boxer zum schlechtgelaunt scheinenden Schreihals mutiert. Dabei nimmt das Inferno mit zunehmender Drehzahl – ein ganzes Stück über 7.000 Touren reichend – Dezibel-Werte an, die ganz und gar aus dem Rennsport zu stammen scheinen. Das Pfeifen des Turboladers mit variablem Lüfterrad ist nicht so offensichtlich wie bei den aktuellen 911-Modellen, aber dennoch leicht vernehmbar.

 

Porsche 718 Boxster S hinten
Auf Knopfdruck erwacht das Biest – Sport Plus lässt den Boxster sein Feuer entfachen.

 

Vor allem im Sport Plus Programm zitiert der Sound der optionalen – übrigens sehr empfehlenswerten – Sportabgasanlage zusätzlich ein ganzes Ensemble an altbekannten Klangszenarien. Von lauten Fehlzündungen geschuldeten Knallen und Krachen während des Runterschaltens bis zum andauernden Blubbern und Poltern im Schubbetrieb umfasst das Klangportfolio der Sportabgasanlage alles, was den sportiven Fahrer beeindruckt und gefällt. Langweilig? Diesen Eindruck können wir nicht ansatzweise nachvollziehen. Schlechter als der Sechszylinder? Nein, aber eben anders, vollkommen anders.

Und wie fährt er sich? Recht unspektakulär – wenn man denn will. Einem narrensicheren Fahrwerk sei Dank, fährt man den aktuellen Porsche so kinderleicht ums Eck, dass dabei fast schon vorher besagte Langeweile aufkommen könnte.

 

Porsche 718 Boxster S Front
Er mag Kurven – um sie zu bezwingen. Und dies kann er meisterhaft.

 

Manche nennen dies auch komfortables Fahren. Ob man dies bei einem Mittelmotor-Roadster benötigt, muss jeder selbst für sich entscheiden. Aus unserer Sicht gewinnt der Porsche 718 Boxster S dadurch eine zusätzliche Portion Alltagstauglichkeit. Für die erlebnisorientierten Fahrer gibt es ja außerdem die Sport und Sport Plus Fahrprogramme.

Hier strafft sich das Fahrwerk signifikant und in Kombination mit einer ultradirekten Lenkung, welche ihre Exaktheit offenbar mittels Gaschromatographie erreicht und die gewünschte Lenkposition auf Molekularebene genau in den Straßenbelag ankert, geht der Roadster derart chirurgisch zur Sache, dass die eng geschlungenen Kurven einer Landstraße quasi exekutiert werden. Der 718 lenkt noch ein Quäntchen präziser ein als all seine Vorgänger und bleibt vor allem akkurater auf Kurs durch jede Kurve.

 

Porsche 718 Boxster S Sport Chrono
Dank Sport Chrono behält man die Rundenzeiten fest im Blick.

 

Im Zusammenspiel des turbolochfreien Motors, der sein Drehmoment von 420 Newtonmetern dank Aufladung bereits ab 1.900 Touren an das – übrigens äußerst exakt und vor allem schnell schaltende – Doppelkupplungsgetriebe PDK weiterreicht, überflutet das Belohnungszentrum im Gehirn den geneigten Fahrer mit einer Endorphinwelle, welche die Gesichtsmuskulatur unweigerlich zum Entblößen der Zahnreihen animiert.

 

Porsche 718 Boxster S G-Force
Beschleunigungswerte in Echtzeit – das G-Force-Meter mit hübsch animiertem Historienschweif.

 

Selbst im normalen Fahrmodus hält das PDK bei starker Beschleunigung den jeweiligen Gang und die damit verbundene hohe Drehzahl, um jederzeit dort weitermachen zu können, wo man soeben aufgehört hat. Ein sehr sportlicher Charakterzug.

 

Porsche 718 Boxster S Schaltkulisse
Der Rahmen der PDK-Schaltkulisse mit 718-Schriftzug.

 

Dabei bleibt der Boxster jederzeit gut beherrschbar, was auch dem hoch angesiedelten Grenzbereich geschuldet ist. Erreicht man diesen, versucht sich das Heck im sich nur sehr kurz vorher anbahnenden Ausbruchversuch. Doch dies alles geschieht weitaus weniger überraschend als man dies von einem Mittelmotorsportwagen erwarten würde. Diese Charaktereigenschaft hat der 718 fast komplett abgelegt.

Die Vorgänger 981 und vor allem der 987 fühlten sich da spürbar aggressiver, im direkten Vergleich etwas zickiger an – ganz in Mittelmotormanier. Dem einen oder anderen mag das mehr gefallen, doch wir meinen, dass dies reine Geschmackssache ist. Schneller ist man mit dem 718 jedenfalls eindeutig. Und darauf kommt es in einem Sportwagen ja grundsätzlich an.

 

Porsche 718 Boxster S Cockpit
Klassisch – die Instrumentenanordnung im Porsche-Style.

 

Zusammenfassend lässt sich der 718 also etwas einfacher als seine Vorgänger beherrschen. Weniger Spaß muss man deswegen aber keinesfalls haben – mehr Schnelligkeit und Sicherheit erhält man on top. So ähnlich kann man diese Entwicklung auch bei den 911-Modellen beobachten, welche vor 20 oder 30 Jahren noch bedeutend mehr Sportwagenexpertise im Umgang verlangten als heutzutage.

Auch die Bremsen sind ganz und gar Porsche-like und verzögern bei Bedarf derart, dass der Mitfahrer schon aufmerksam und konzentriert bleiben muss, um nicht eine eventuell vorab eingenommene Mahlzeit auf Retoure zu schicken.

 

Kompromisslosigkeit in Reinkultur - die Bremsanlage des 718 Roadsters. Bremssattel
Kompromisslosigkeit in Reinkultur – die Bremsanlage des 718 Roadsters.

 

Als Höchstgeschwindigkeit gibt Porsche für den Boxster S 285 km/h an. Dies konnten wir im Test aufgrund verkehrsbedingter Situationen nicht validieren, jedoch eine sehr muntere und leichtspielige Beschleunigung bis gut 240 km/h bescheinigen. Im Sprint vergehen aus dem Stand gerade einmal gut vier Sekunden bis Tempo 100 anliegt – der angegebene Herstellerwert passt also.

 

Porsche 718 Boxster S schräg vorn links
Offen für High Speed – auch mit geöffneten Verdeck wirken mehr als Tempo 200 unangestrengt.

 

Verbrauchstechnisch können wir uns nur ein begrenzt diskutables Ergebnis leisten, da der Testzeitraum nicht lang genug war, um valide Aussagen hierfür zu treffen. Die Herstellerangabe von 7,3 Liter übertrafen wir mit 11,8 Liter deutlich, müssen aber an der Stelle dem Roadster zugute stellen, dass wir während unserem Test öfter die Leistung des Boxers abfragten – Sport Plus lässt grüßen – als es im herkömmlichen Drittelmix der Fall gewesen wäre.

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Komfort und Sicherheit

Zunächst wollen wir uns einem Sicherheitsaspekt widmen, der bei Cabriolets eines der höchsten Prioritäten tragen dürfte: der Überrollschutz. Im 718 kombiniert man einen fest integrierten, zweigeteilten Überrollschutz hinter den Sitzen mit dem aus höherfesten Stahl konstruierten Fensterrahmen, die im Zusammenspiel im Fall der Fälle für den erforderlichen Überlebensraum sorgen.

 

Porsche 718 Boxster S Überrollbügel
Survival-Pack – Der Überrollschutz sieht nebenbei auch noch richtig gut aus.

 

Das Rückhaltesystem besteht aus dem Porsche Side Impact Protection System mit einem Seitenaufprallschutz in der Tür sowie einem Kopf-Airbag und einem Thorax-Airbag – jeweils pro Seite. Fahrer- und Beifahrerairbag zünden je nach Bedarf in zwei Stärkestufen.

Für den Durchblick per excellence sorgen bei Dunkelheit die PDLS Plus – Porsche Dynamic Light System Plus – mit Voll-LED-Scheinwerfer. Im Test erfreute uns eine taghelle und zudem homogene Lichtausbeute, die im Zusammenspiel mit dem exakt agierenden Fernlichtassistenten ein hohes Plus an Komfort und Sicherheit beisteuerte.

 

Porsche 718 Boxster S Scheinwerferlicht
Hell yeah! Die LED-Scheinwerfer tauchen die Nacht in Tageslicht.

 

Das optionale GT-Sportlenkrad besitzt auch eine Heizung, welche man mit einem recht versteckt und leicht ungünstig angeordneten Schalter aktiviert: Dieser sitzt am Übergang der vertikalen Strebe zum Lenkradkranz. Mitunter bedient man an dieser Stelle den Schalter ungewollt und wundert sich kurz darauf über das sich erhitzende Lenkrad.

 

Porsche 718 Boxster S Lenkrad Detail
Bis ins Detail verliebt – das GT-Sportlenkrad.

 

Diverse Helfer und Assistenten unterstützen den Fahrer beim Parken, beim Geschwindigkeit und Spurhalten.

Optional ist das PASM – das dynamische Fahrwerk von Porsche – als Sportfahrwerk mit 20 Millimeter tieferem Fahrwerk  oder als „normales“ PASM mit 10 Millimeter Absenkung nun auch im Boxster zu haben.

Um den beiden Insassen das Wohlbefinden auf hohem Level zu ermöglichen, besitzt der getestete 718 Roadster neben der Sitzheizung auch eine Sitzbelüftung – vor allem bei sommerlichen Temperaturen eine willkommene Ausstattung, die dem verschwitzten Sitzapparat erfolgreich den Kampf ansagt. In höchster Stufe erfrischt die kühle Brise derart stark, dass man bereits nach kurzer Zeit freiwillig die Intensität auf eine geringere Stufe vermindert.

Das bereits aus anderen Modellen bekannte PCM mit dem –übrigens auch bei offenem Verdeck blendarmen – kapazitiven Touchscreen und Annäherungssensor sorgte für keine Überraschungen und lies sich überwiegend intuitiv bedienen – man benötigt keine Bedienungsanleitung.

 

Porsche 718 Boxster S Touchscreen
Hochauflösend und strukturiert zeigt sich der Touchscreen des PCM…

 

Porsche 718 Boxster S PCM
…und reagiert auch bei Annäherung durch Öffnen eines Untermenüs.

 

Musikgenuss kam im Testfahrzeug auch nicht zu kurz. Ein Bose Surround Sound-System mit zehn Lautsprechern – über zehn Verstärkerkanäle angesteuert – bringt mit 505 Watt Gesamtleistung ordentlich was auf die Ohren. Im Test überzeugte das System mit kraftvollen, tiefen und satten Bässen sowie klaren und detailgetreuen Höhen. Fakt ist: So eine gute Bose hörten wir schon länger nicht.

 

Porsche 718 Boxster S Bose
Mit Nachdruck – Die Bose macht im Boxster ordentlich Rabatz.

 

Digitales Radio DAB+ gibt es im Roadster optional und zeigte in empfangsschwachen Gebieten deutlich mehr Aussetzer als viele andere Fahrzeuge.

In puncto Konnektivität erfüllte der Porsche 718 Boxster S alle Erforderlichkeiten und Vernetzungsmöglichkeiten – im Testfahrzeug mithilfe des optionalen Connect Plus. Eine LTE-fähige SIM findet Platz im Telefonmodul und lässt den Porsche unter anderem auch zum WLAN-Hotspot werden. Darüber hinaus besteht jederzeit Verbindung zu den Porsche Connect Diensten mit Zugriff auf über zwei Millionen Musiktitel und vieles mehr.

 

Porsche 718 Boxster S Rückfahrkamera
Easy Parking – trotz geringer Abmessungen helfen Sensoren und Rückfahrkamera beim Rangieren ungemein.

 

Mit entsprechender App auf dem Smartphone lassen sich Fahrzeugdaten abrufen oder Fahrzeugfunktionen fernbedienen.

Das Navigationssystem arbeitete schnell und gründlich, die integrierte Stauumfahrung reagierte ebenso schnell und warnte während des Tests vor Verkehrsbeeinträchtigungen rechtzeitig.

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Varianten, Preise, Garantie

Auch in der vierten Generation gibt es den Porsche Boxster traditionell in zwei Varianten.

  • Porsche 718 Boxster kennzeichnet den Einstieg in die automobile Welt des Zuffenhausener Sportwagenherstellers. Ein 2.0-Liter-Turbo-Vierzylinder mit 300 PS und 380 Newtonmeter Drehmoment treibt den kleinsten erhältlichen Porsche an. Die Basis kostet ab 54.717 Euro.
  • Porsche 718 Boxster S bezeichnet die von uns getestete, sportlichere Variante, welche ab 67.212 Euro beim Händler steht.

Ein komplett ausgestatteter Porsche 718 Boxster S kommt auf über 126.700 Euro. Der Preis für die Zusatzausstattung würde also auch für einen weiteren Boxster ohne „S“ausreichen. Ein stolzer Preis für das Einsteigermodell.

Das Pendant zum Roadster ist das geschlossene Coupé Porsche 718 Cayman, von dem es ebenso auch eine S-Version gibt. 52.694 beziehungsweise 65.198 Euro kosten die beiden Cayman mindestens.

Damit ist das Coupé nicht mehr teurer als das Cabriolet, was früher einmal beim Porsche Boxster/Cayman der Fall war und in der gesamten Automobilwelt als exotisch galt.

 

Porsche 718 Boxster S schräg hinten
Nicht günstig in der Anschaffung – im Unterhalt für ein solches Modell dagegen schon.

 

Bei Porsche gibt es eine zweijährige Garantie inklusive Mobilitätssicherung. Darüber hinaus kann man über die Porsche Approved Garantie den Porsche bis zu zehn Jahre oder maximal 200.000 Kilometer Laufleistung absichern. Ist der Porsche unter acht Jahre alt, gilt die Garantieverlängerung immer zwei Jahre – darüber jeweils ein Jahr.

Speziell bei Porsche: Selbst nach Garantieablauf oder Privatkauf ohne Garantie, kann man nachträglich diese Approved Garantie vereinbaren. Dafür muss der Porsche zur technischen und optischen Prüfung und Aufbereitung in ein Porschezentrum – natürlich für entsprechende Kosten.

Auch wenn im Vorfeld dafür mitunter eine nicht unbeträchtliche Investition anstehen könnte, sorgt die anschließende Garantie dann über einen nicht unbeträchtlichen Zeitrahmen für ein beruhigtes Gemüt. Bei einem Fahrzeug der Premiumklasse eine Investition, die man ernsthaft in Erwägung ziehen sollte, um sich vor unerwarteten Folgekosten abzusichern.

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Was sagen die Kunden?

Diese nachfolgende Zusammenfassung bezieht sich ausschließlich auf den Porsche 718 Boxster – Stand August 2017 – und darf wie immer als nicht repräsentative Stimmungsanalyse in deutschsprachigen Netzwerken verstanden werden. Nur Mehrfachbenennungen werden aufgeführt. Es besteht kein Anspruch auf Vollständigkeit.

Es war zu erwarten. Das Hauptdiskussionsfeld zum aktuellen Boxster dreht sich um das Abwenden vom klassischen Sechszylinder-Saugmotor und zur Entscheidung, kleinere Vierzylinder mit Aufladung zu verwenden. Dabei polarisiert in erster Linie der Klang, nicht die Leistung. Diese wird dem neuen Antrieb nicht abgesprochen.

 

Porsche 718 Boxster S Armaturenbereich
Kritikpunkt Aufpreispolitik – das beanstanden Kunden und Interessenten des öfteren.

 

Weiterhin diskutiert man auch die Haltbarkeit der Turbomotoren, wobei der mögliche Trend zur höheren Anfälligkeit durch mehr bewegte Teile am und im Motor als Hauptargument geführt wird.

Großes Lob erfährt die für ein solches Auto hohe Alltags- und Langstreckentauglichkeit.

Das allgemeine Fahrgefühl mit dem aktuellen 982 wird sehr gelobt. Die Schaltcharakteristik des PDK wird ab und an thematisiert, wobei das eine Lager ein gegenüber dem Vorgänger leicht nervöseres Schaltverhalten beobachtet haben will, was das andere Lager eher exakter als nervös bezeichnet.

Beim Porsche 718 Boxster mit und ohne S werden vor allem bei den laufenden Kosten wie Inspektions-, Versicherungs- und Betriebskosten in den höchsten Tönen gelobt. Kritisiert wird hingegen der weiter gestiegene Anschaffungspreis und vor allem die intensive Aufpreispolitik.

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Fazit – Fahrspaßgarant mit Expresszuschlag

Er ist so schnell wie nie zuvor, er ist so schön wie nie zuvor, er ist so teuer wie nie zuvor. Mit dem Porsche 718 Boxster S legt Porsche dazu eine zur Tradition gewordene Besonderheit – den Sechszylinder-Boxersaugmotor – zu den Akten. Stilbruch oder Besinnung zu alten Werten, Zwangsmaßnahme für den Flottenverbrauch oder Effizienzgewinnung – oder von allem ein bisschen? Das spielt keine Rolle mehr, denn die Umsetzung ist da und der geneigte Porschefan konfrontiert.

Unser Fazit dazu ist, dass man mit dem Ergebnis mehr als nur leben kann. Der Vierzylinder Turboboxer klingt anders, dies aber weder weniger giftig noch leiser. Anders eben. Das Leben ist stetige Veränderung und der muss man sich eben auch bei einem Porsche stellen. Uns hat er an dieser Stelle mehr Spaß gemacht als es unsere von Skepsis getränkte Erwartungshaltung vorgaukeln konnte.

 

Porsche 718 Boxster S onroad
Narrensicher, schnell und bildschön – der Porsche 718 Boxster S bekommt eine klare Empfehlung.

 

Der Roadster ist eine kleine Fahrmaschine, die an Leichtfüßigkeit und Leistung jeden Vorgänger locker aussticht. Fahrspaß pur, ohne dass dabei die – unerwartet hohe – Komfortnote zu kurz käme. Der 718 ist so vielseitig wie die Strukturen in einem Kaleidoskop – er kann gemächlich gleiten, im Verkehrsfluss mitschwimmen und dabei fast untertauchen, forsch vorankommen und aber auch die Kuh so richtig fliegen lassen.

Dazu lässt die Verarbeitung und auch die Materialauswahl keinerlei Kritik aufkommen – alles im Premiumbereich, wie es sich gehört. Vor allem auch für den saftigen Preis, den Porsche für deren Einstiegsmodell verlangt. Auch wenn es das S-Modell ist, aber mit ein bisschen Ausstattung locker die 90.000 Euro-Marke zu durchbrechen ist schon eine Ansage.

Keine Frage, dafür erhält man ein deliziöses Stück sportlicher Fahrkultur, mit dem das „Roadstern“ in einer Liga stattfindet, in der man für diesen Preis fast wieder allein unterwegs ist – oder alternativ eben weitaus mehr bezahlt, oder eben auf einiges verzichtet und weitaus günstiger wegkommt.

 

Porsche 718 Boxster S Parking Position
Good bye und vielen Dank für einen fahrspaßdurchtränkten Test. Wir vermissen dich schon jetzt.

 

Der 718 Roadster hat den vor reichlich zwanzig Jahren erschaffenen Boxster-Nerv wieder genau getroffen und seine Daseinsberechtigung unterstreicht allein die Reflektionen der Kunden und Fahrer. Auch die Interesse nicht weniger 911-Besitzer. Markeninterner Kannibalismus kann so schön sein.

 

Text/Bilder: NewCarz

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Konkurrenz:
Audi TT RS, Alfa Romeo 4C, BMW M4 Cabrio

 

 

Technische Daten: Porsche Boxster S 718

Farbe: Graphitblau-Metallic

Länge x Breite x Höhe (m): 4,38 x 1,80 x 1,28

Radstand in mm: 2.475

Motor: Vierzylinder Reihenmotor mit Abgasturbolader und variabler Turbinen-Geometrie

Leistung: 257 kW (350 PS) bei 6.500 rpm

Hubraum: 2.497 ccm

Max. Drehmoment: 420 Nm bei 1.900 – 4.500 rpm

Getriebe: 7-Stufen-Doppelkupplungsgetriebe PDK

Antrieb: Heck

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 7,3 L/100 km

Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 11,8 L/100 km

CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 167 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 285 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 4,2 Sekunden (im Sport-Plus-Programm)

Leergewicht: 1.385 kg

Laderaumvolumen: 275 Liter (150 vorn, 125 hinten)

Kraftstofftank: 64 Liter

Neupreis des Testwagens: 96.117 Euro

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