Infiniti Q60 – Von hier bis zur Unendlichkeit

Mit rassigem Coupécharakter steht der Infiniti Q60 auf unserem Testwagenparkplatz und bereits nach wenigen Minuten bleiben interessierte Passanten am Wagen stehen und schauen interessiert näher hin. Was ist denn da los?

Auch wir schauten uns das Coupé natürlich ganz genau an und nahmen den jüngsten Sprössling von Nissans als Edelmarke bezeichnete Tochter akribisch unter die Lupe.

Seit nunmehr fast 30 Jahren existiert die von Nissan ins Leben gerufene Luxusmarke mit Unternehmenssitz in Hong Kong und seit ungefähr neun Jahren werden Fahrzeuge der Unendlichkeit – so die Begriffsdefinition von Infiniti – auch auf dem europäischen Markt angeboten.

 

Infiniti Q60 schräg hinten
Das asiatische Coupé sorgte für manch neugierigen Blick bei Passanten.

 

Seit Anbeginn steht die Marke für Extravaganz, Luxus und Außerordentlichkeit. Ob dies auch beim Q60 zutrifft, klären wir im Fahrbericht.

 

 

Exterieur – Pretty Coupé

Die erste Besonderheit, die beim Betrachten des Infiniti Q60 auffällt ist die, dass es sich hier nicht um ein Kooperationsprojekt mit Mercedes-Benz handelt. Dies war bei Vorgängermodellen wie zum Beispiel dem Infiniti Q30 optisch sehr offensichtlich und fällt hier komplett weg.

Die begrüßenswerte Eigenständigkeit des Q60 resultiert in einem bildschönen Coupé, dessen Formen und Linien bereits auf den ersten Blick begeistern können.

Mit gestochen scharfem Blick „schauen“ die flachen Scheinwerfer in Fahrtrichtung, über denen die LED-Tagfahrlichtstreifen wie zusammengezogene Augenbrauen für eine ernste Miene sorgen. Ein massiver Frontgrill dazwischen scheint den Fahrtwind mit riesigen Lungenflügeln inhalieren zu wollen.

 

Infiniti Q60 Front
Unbestrittene Ernsthaftigkeit entnimmt man der obgleich sehr charmanten Mimik.

 

Die langgezogene, mit scharfen Konturen versehene Motorhaube endet mit einem äußerst eleganten Schwung an dem sehr flach gehaltenen Greenhouse, welches wiederum mit dynamischer Vehemenz nach hinten abfällt und mit einem kraftvoll, muskulös wirkenden Heck verschmelzt. Wow! Was für eine Eleganz.

Nicht minder elegant, vollführen gekonnt gearbeitete Kurven und Linien ein schon fast grandios gelungenes Finish, dem die beiden opulenten Endrohre im klavierlackschwarzen Diffusor und die deutliche Spoilerandeutung der Heckklappe das Krönchen aufsetzen. Alles wirkt stimmig und wie aus einem Guss.

 

Infiniti Q60 Heckansicht
Potenter Abschluss – das Q60-Heck vermittelt Power und Selbstbewusstsein.

 

So und nicht anders stellt man sich ein sportlich elegante Coupé vor – gedanklich und laut virtueller Wunschliste. Hier hat Infiniti ganze Arbeit geleistet. Das überaus attraktive Außenkleid zieht die Blicke Neugieriger an, wie ein offenes Glas Honig die schwarzgelb gestreiften, staatenbildenden Insekten.

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Interieur – Design top, Platzverhältnisse nope

Wir wollen gleich zum Anfang dieses Kapitels eines klarstellen: Ja, wir lassen die Kirche im Dorf. Wir sind uns vollkommen bewusst, dass es sich beim Infiniti Q60 um ein Coupé handelt und eichen unsere Erwartungen in puncto Platz und Raum entsprechend. Doch auch mit dieser vorbereitenden Maßnahme entpuppt sich das asiatische Coupé als überaus knausrig, was das Platzangebot auf Reihe zwei anbelangt.

 

Infiniti Q60 Interieur
Geradlinig ist einzig die Umsetzung von Kurven und Radien im Innenraum.

 

Doch von vorne. Der Einstieg in den Infiniti Q60 erfolgt sehr tief – man fällt quasi in den Sportsitz, der übrigens derart prägnant konturiert wurde, dass man fast meinen möchte, auf dem Pilotensessel eines Kampfjets platzgenommen zu haben. Die Seitenwangen übertreffen mit ihrer ausgeprägten Form jeden antiken Ohrensessel um Längen. Dennoch sitzt man – einmal die entsprechende Position eingestellt – sehr angenehm auf dem straffen Gestühl.

 

Infiniti Q60 Sitze vorn
Wangen wie Zangen – die Sitzkonturen zeigen sich enorm ausgeprägt.

 

Die Armatureneinheit zieht einen definierten Horizont recht hoch vor den Insassen und besitzt – wie auch der Rest des Interieurs – keine einzige Gerade. Überall dominieren Kurven, auslaufende Linien und Radien. Das sieht nicht nur interessant aus, sondern gelingt den Innenraumdesignern von Infiniti in ebensolchem Maße wie am Außenkleid, überaus stimmig und gelungen.

Das Steuer sitzt ungewöhnlich hoch in Brusthöhe, liegt aber gut in den Händen und ermöglicht den einschränkungsfreien Blick auf die beiden großen analogen Rundinstrumente, welche mittig von einem großen Multifunktionsfarbdisplay verbunden werden. Ganz klar – diese Sitzposition zeugt von einem sportiven Charakter.

 

Infiniti Q60 Lenkrad
Vor der Brust – recht hochsitzendes Steuer für mehr Beherrschbarkeit und Sportivität.

 

 

Zentral gelegen findet der Betrachter gleich zwei übereinander platzierte Bildschirme, dessen vertikale Rahmung übergangslos in die breite Mittelkonsole verläuft. Mit den zusätzlichen Schaltern und virtuellen Buttons schleicht sich im ersten Augenblick ein Gefühl von Überfrachtung ein. Erst auf den zweiten und dritten Blick erkennt man das Gefüge und schleust sich langsam aber stetig durch die Bedienlogik.

 

Infiniti Q60 Touchscreens
Mengenkoller – nicht auf Anhieb zu überblicken, ist die Fülle an Bedienelementen.

 

Möchte man den als 2+2-Sitzer ausgeschriebenen Q60 auch als solchen nutzen, wird schnell klar, dass das nur unter Opfern stattfinden kann. Bereits der Zustieg nach hinten gestaltet sich als äußerstes Gehakel, bei der einmal der nicht allein nach vorn fahrende Vordersitz manuell per Knopfdruck bewegt werden muss, zum anderen auch der Gurtreicher mittels burschikoser Abknickbewegung nach unten geknickt werden muss, um auf die hinteren Sitzplätze zu gelangen.

 

 

Dort angekommen sucht man als großer Erwachsener schnell nach Platz für Beine und vor allem für den Kopf. Es gibt ihn zwar, doch man sollte nicht über Gardemaße von 1,70 und mehr verfügen. Selbst Kinder dürften aufgrund des eingeschränkten Platzangebots und der eingeschränkten Sicht nach draußen auf längeren Strecken recht schnell in den Nörgelmodus finden.

Dennoch – die zweite Sitzreihe nur als Notsitze zu deklarieren wäre unfair. Da geht es in anderen Coupés noch enger zu. Man muss sich halt darüber im Klaren sein, worauf man sich bei einem Platz in zweiter Reihe eines Coupés einlässt.

Wenig Glasflächen und die konstruktionsbedingt breiten C-Säulen fordern bei der Sicht nach Hinten ihren Tribut. Man sieht relativ eingeschränkt. Unterm Strich ist die Rundumsicht für ein Coupé aber überdurchschnittlich. Echte Raritäten mag man im Innenraum des Q60 etwaige Ablagen bezeichnen, welche man an diversen Stellen vermisst.

 

 

Der Laderaum fasst mäßige 342 Liter und die unebenen Seitenwände plus hoher Ladekante vermindern zusätzlich große Reisegepäckplanungen. Zwar lassen sich die Rückenlehnen sogar geteilt umklappen, wodurch man zumindest zu zweit etwas mehr Gepäck verstauen kann, aber zusammenfassend wird der Infiniti Q60 in diesem Kapitel ganz einem klassischen Coupé gerecht.

 

Infiniti Q60 Intarsien
Qualität, Verarbeitung, Materialauswahl – alles top.

 

Durch die Verwendung von ausnahmslos hochwertigen Materialien und einer zudem tadellosen Verarbeitung derselben, wirkt das gesamte Interieur sehr edel und exquisit, ja fast distinguiert. In dem Punkt reicht dem Coupé mit japanischen Wurzeln kaum ein Europäer das Wasser – zumindest nicht in dieser Preisklasse.

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Motorisierung und Fahreigenschaften – Turbopower vs. Gewicht

Nach dem Platznehmen, Anschnallen und Betätigen der Zündung, werden Fahrer und Beifahrer zunächst einmal über das automatische Gurtstraffersystem deutlich in den jeweiligen Sitz gezogen, um danach sogleich wieder locker zu lassen. Dies irritiert Erstbesteiger des Q60 durchweg, doch man gewöhnt sich schnell an diese zusätzliche Sicherungsmaßnahme, bei der diese Automatik dafür sorgt, dass der Gurt ohne Spiel am Körper des Insassen verläuft. Nur so arbeitet das Rückhaltesystem überhaupt effizient.

Der 2.0-Liter-Turbovierzylinder wurde von Infiniti bei Mercedes eingekauft. Das ist so gesehen keine schlechte Entscheidung und die Leistungsdaten klingen erst einmal vielversprechend.

 

Infiniti Q60 Motorraum
211 Pferde aus Stuttgart machen dem Coupé Beine.

 

211 PS und 350 Newtonmeter sind schon kein Pappenstiel, will man meinen. Nur treffen sie im Fernost-Coupé auf reichlich 1,7 Tonnen Fahrzeuggewicht. Und dieses Gewicht spürt man. Der Motor hängt zwar gut am Gas und setzt Befehle ohne Murren sehr zeitnah um, doch dabei hat er stetig gut zu tun. Überfordert fühlt er sich nicht an – gefordert aber schon.

Sehr angenehm fiel die Arbeit der 7-Stufen-Automatik auf, welche sämtliche Gangwechsel mit einer bespielhaften Sänfte durchführte. Diese behielt sie auch im Sportmodus bei – hier hätte sie die unbestritten sehr angenehme Komfortnote jedoch besser gegen etwas mehr Zackigkeit eintauschen dürfen.

 

Infiniti Q60 Schaltknauf
Meister der Sänfte – die 7-Stufen-Automatik.

 

Das Fahrwerk zeigt sich in seiner Charakteristik trotz sportivem Anspruch eines Coupés eher komfortorientiert. Dem Fahrspaß wirkt dies jedoch nicht so stark entgegen, wie befürchtet. Trotz einem sehr passablen Abfederns lässt sich das Coupé ordentlich durch Biegen und Kurven führen – auch wenn man dabei jederzeit das Eigengewicht des Fahrzeugs spürt.

Am Ende des Grenzbereichs schieben die reichlich 1,7 Tonnen den Q60 dann untersteuernd aber unspektakulär leicht über die Vorderräder. Doch das grundsätzlich sehr zeitig eingreifende ESP greift bereits im Ansatz zu dieser Unart mit Bestimmtheit ein und leitet das Ende der Fahnenstange ein.

Die Lenkung lässt eine für ein Coupé erwartende Direktheit nicht vermissen, aber sie fühlt sich nicht schneidescharf an, wie es sein sollte. Dies resultiert auf die Lenkübertragung ohne mechanische Verbindungen.

Diese Steer-by-Wire Technologie – bei Infiniti nennt man dies ‚DAS – Direct Adaptive Steering’ – übernimmt eine Steuerungsart, bei der die Lenkübertragung durch Sensorik rein elektronisch übertragen wird. Deutlich irritierend wird es, wenn dazu der Assistent Active Lane Control aktiviert wird. Dazu später mehr.

Neben dem bereits erwähnten Fahrmodus Sport, findet man unter den insgesamt vier Fahrmodi auch das Programm ‘Snow’, bei dem die Regelung des ESP und vom Antischlupfsystem noch früher einsetzt und das Vorankommen bei winterlichen Gegebenheiten deutlich verbessern soll.

Den Modus ‚Personal’ kann der Fahrer komplett nach eigenen Vorstellungen konfigurieren und beispielsweise ein sportlich eingestellten Antrieb mit einem komfortabel arbeitenden Fahrwerk kombinieren.

 

Infiniti Q60 Fahrmodusschalter
Schieberegler – den gewünschten Fahrmodus wählt man auf der Mittelkonsole…
Infiniti Q60 Touchscreen.
…und landet sogleich im entsprechenden Menü.

 

Die Unterschiede sind insgesamt – bis auf ‚Snow’, welches wir nicht unter entsprechenden Gegebenheiten testen konnten – deutlich und man spürt die jeweiligen Änderungen in jedem Modus. Vor allem im Sportmodus macht der Q60 mit einer sehr direkten Lenkung, einer zackigen Gasannahme und strafferer Abstimmung richtig Spaß, wogegen er im aktivierten Standardmodus fast sogar ein bisschen träge wirkt, bei dem das Fahrzeuggewicht stärker in den Vordergrund tritt.

Beim Thema Kraftstoffverbrauch erlebten wir erneut eine sich in Luft auflösende Herstellerangabe. Die vorgegebenen 6,9 Liter im Drittelmix erreicht man mit dem Infiniti Q60 selbst bei ausgesprochen zurückhaltender Fahrweise und gelebter Antipathie zum Gasfuß nicht.

 

Infiniti Q60 Verbrauch
Alle Neune – so in etwa pegelt sich der Alltagsverbrauch ein.

 

Im Test erreichten wir bei ebensolchem Streckenmix einen Durchschnitt von 8,5 bis 9,5 Litern auf 100 Kilometer. Lässt man dem Gasfuß ungezügelte Trittmanieren durchgehen, steigen die Verbrauchswerte weit in den zweistelligen Bereich. Zwischen 14 und 15 Liter genehmigt sich dann der Zweiliter-Turbo – für die bereitgestellte Leistung recht viel.

Fast schon entschädigend hält sich die Geräuschentwicklung im Infiniti Q60 extrem im Hintergrund. Ein Zeichen für eine hervorragende Dämmung, bei der sowohl Antriebs- als auch Fahrgeräusche mit Bravour ausgesperrt werden.

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Assistenz, Technik, Sicherheit

Im Infiniti Q60 gab es eine gut sortierte Sammlung an Assistenten, wovon sich einige als überaus hilfreich, andere dagegen als durchaus irritierend zeigten.

Fangen wir bei den Erstgenannten an. Die üblichen Verdächtigen, wie Verkehrszeichenerkennung oder dem adaptiven Tempomat ‚ICC – Intelligent Cruise Control’ mit Abstandsregelsystem werden ihren Anforderungen gerecht.

Anzumerken wäre an dieser Stelle, dass dieser adaptive Tempomat zwar bis zum Stillstand abbremsen kann, aber die erneute Aufnahme der Fahrt leider nicht beherrscht. Er lässt sich erst wieder nach Erreichen von mindestens 30 km/h reaktivieren. Aktiver Stop-and-Go-Bettieb ist damit nicht möglich.

 

Infiniti Q60 Totwinkel-Assistent
Warnleuchte für den Totwinkelwarner im Inneren der Spiegelverkleidung.

 

Das Toter-Winkel-Warnsystem ‚BSW – Blind Spot Warning’ arbeitete stets zuverlässig, ebenso wie der Tote-Winkel- Assistent ‚BSI – Blind Spot Intervention’, der allerdings eine Spur früher vor überholenden Fahrzeugen warnen könnte.

Der Frontkollisionswarner mit Fußgängererkennung entschied sich während unseres Test zweimal falsch und dazu zu spät. In beiden Fällen handelte es sich um ein halb auf der befahrenen Fahrspur geparktes Auto als Hindernis. Der Alarm inklusive kurzem Bremsimpuls erfolgte jedoch erst, als wir den Parkenden bereits passierten.

Ein besonders hervorzuhebender Assistent stellt die Umgebungsüberwachung dar, bei der das Umfeld des Q60 permanent auf Hindernisse überwacht wird und bei auftretenden Gefahren – auch bei zu dichtem Auffahren auf den Vordermann – aktiv in das Fahren in Form von Gaswegnehmen – ja, das Gaspedal drückt dabei deutlich spürbar gegen den Gasfuß – und dem Einleiten eines Bremsvorganges.

 

Infiniti Q60 Multifunktion
Rechte Seite, unten mittig – der Knopf für das „Schutzschild“.
Infiniti Q60 Multiinfodisplay
Das aktive „Schutzschild“ erkennt man an den grünen Symbolen rund um das Fahrzeug.

 

Das funktioniert quasi wie ein Schutzschild für allen Seiten des Infiniti. Sogar beim Einparken bewahrt dieses System das Coupé vor unbeabsichtigten Remplern. Dieses „Schutzschild“ lässt sich zudem einfach per Knopfdruck am Multifunktionslenkrad ein- und ausschalten.

Soweit die wichtigsten positiv aufgefallenen Systeme. Sichtlich verunsichert hat uns hingegen das aktivierte Active Lane Control ALC, durch welches der Q60 permanent versucht, optimal auf der aktuell befahrenen Fahrspur zu bleiben.

Zitat Hersteller:

„Die aktive Fahrspurüberwachung (…) arbeitet mit der direkt-adaptiven Lenkung (…) zusammen und bewertet die Straße vor Ihnen. Sie kann automatisch kleine Veränderungen am Lenkwinkel vornehmen, falls Ihr neuer Q60 aufgrund unebener Fahrbahnoberfläche oder Seitenwindeinwirkung seine Richtung geringfügig ändert. Für Sie bedeutet dies eine höhere Stabilität und zugleich weniger Vibrationen im Lenkrad“

Zitat Ende

Wir registrierten entgegen dieser Beschreibung einen durchgängig spürbaren Eingriff in die Lenkung, der das Fahrzeug als überaus nervös und unruhig erschienen ließ. Bei höheren Geschwindigkeiten – jenseits der 200 km/h – wird das Coupé dadurch fast unfahrbar. Auch bei herzhaften Bremsvorgängen aus diesen Geschwindigkeiten hat man permanent das Gefühl, das Auto möchte die Strecke umgehend verlassen. Eine höhere Stabilität konnten wir zu keinem Zeitpunkt bestätigen.

 

Infiniti Q60 ALC
Konte nicht überzeugen – die Active Lane Control.

 

Verwundert über diese überaus widerspenstige Fahreigenschaft während unseres Tests, begingen wir uns auf die Suche im Assistenzsammelsurium und arbeiteten dabei nach dem Ausschlussprinzip – bis wir fündig wurden. Nach der Deaktivierung dieses Assistenten ALC war der Q60 nicht wiederzuerkennen und machte endlich das, was man wollte. An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich dieser Fahreindruck nicht nur einen Fahrer unserer Redaktion manifestierte, sondern bei insgesamt vier verschiedenen Fahrern trat diese Eigenschaft auf.

Dafür gab es bei den LED-Hauptscheinwerfern keinerlei Grund zur Kritik. In Verbindung mit dem adaptiven Kurvenlicht konnte es auch auf kurvigen Serpentinen durchweg überzeugen. Ein flächendeckender Lichtteppich breitet sich vor dem Infiniti aus und folgt durch perfekte Synchronisation mit den Lenkbewegungen der Fahrbahn auch an Spitzkehren in einem solchen Maße, dass immer genügend Licht für eine vorausschauende Fahrweise verfügbar ist.

 

Infiniti Q60 Scheinwerfer
Über jeden Zweifel erhaben – das LED-Licht schafft jederzeit Durchblick.

 

Der Fernassistent ließ sich ganz vereinzelt vielleicht eine Idee zu lange Zeit, um auf Abblendlicht zu wechseln, jedoch veranlasste dies den Gegenverkehr noch nicht zu entsprechenden Maßnahmen wie das Nutzen der Lichthupe.

Parkmuffel werden sich zusätzlich über den mit vier Kameras arbeitenden Arround-View-Monitor freuen, mit dem das Rangieren in jedem Detail per Echtzeitbild auf dem Touchscreen überwachbar bleibt.

 

Infiniti Q60 Rückfahrkamera
Alles im Blick – dank Kameras ringsum.

 

Das Navigationssystem gehört zum INFINITI INTOUCH System, welches aus zwei übereinander angebrachten Touchscreens besteht. Der untere Monitor übernimmt dabei überwiegend die Anzeige aller Steuerungselemente, Buttons und Regler, wobei der obere Bildschirm hauptsächlich als visuelle Schnittstelle dient.

 

Infiniti Q60 Navi
Überzeugte auf ganzer Linie – das Navigationssystem war schnell, effizient und klar in der Routenführung.

 

So wird auch die Navigationskarte auf dem oberen Bildschirm dargestellt. Hilfreich – und auch abschaltbar – empfanden wir den kleinen dezenten Signalton, den die Routenführung vor jeder erforderlichen Aktion abgab. Dieser bliebt auch beim Abstellen der akustischen Routenführung erhalten und bewährte sich im Praxistest als idealer Helfer beim Navigieren.

Dafür sind die virtuellen Buttons und Tasten auf dem Touchscreen ziemlich klein gehalten. Bei dicken Fingern wird es schwierig, den richtigen Button zu treffen – vor allem während der Fahrt – wodurch es schnell zu Fehlbedienungen kommen kann.

 

Infiniti Q60 Außenspiegel
Kameras auch in den Spiegeln – für die 360° Rundumsicht.

 

Einem NCAP Euro Crashtest wurde der Infiniti Q60 bislang noch nicht unterzogen. Sein Bruder, die Limousine Q50, erreichte bereits 2013 mit fünf Sternen die volle Punktzahl.

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Ausstattung und Komfort – gelebte Unternehmensphilosophie

Wer sich schon einmal mit der Marke Infiniti beschäftigt hat, kennt das Bestreben nach einer möglichst hohen Komfortnote für alle Fahrzeuge. Auch der Q60 macht hier keine Ausnahme.

Doch wo Licht ist, fällt auch Schatten. Die Bedienelemente der ausgezeichnet arbeitenden Klimaautomatik beispielsweise, wirken links und rechts neben dem unteren Bildschirm etwas deplatziert, da den Bedienenden die fokussierende Wirkung der beiden Touchscreens diese Bedienelemente einfach übersehen lassen. In der Gesamtheit gehen sie quasi einfach unter, wodurch sich die Bedienung etwas umständlich gestaltet – vor allem während der Fahrt sucht man die Bedienungselemente einfach zu lange.

 

Infiniti Q60 Klima
Where are you? Die Steuerung der Klimaautomatik wird anfangs oft gesucht.

 

Für eine wohlige akustische Untermalung steht den Ohren der Insassen eine Bose-Performance-Series zur Verfügung. Diese beinhaltet insgesamt 13 Hochleistungslautsprecher, inklusive einem Woofer für eine kraftvolle Basswiedergabe.

Das System ist deutlich auf Performance getrimmt und es ist ein Genuss, darüber entsprechend bass- und rhythmusorientiere Musik – insbesondere Livemitschnitte – abzuspielen. Sehr dynamisch und ausgesprochen trocken, ohne seine Lebendigkeit einzubüßen – so kann man den Klang dieses Systems bezeichnen. Eine der bestklingenden Bosesysteme der letzten Monate.

 

Infiniti Q60 Bose
Ohrenschmaus – diese Bose war die Beste im Test seit Langem.

 

Auch der Vernetzung wurde beim Infiniti Q60 ein nicht unbeträchtlicher Teil des Pflichtenhefts beigemessen. Sämtliche Schnittstellen, ob per Bluetooth, W-LAN oder physischer Natur via USB oder AUX-In, sind es all diese Möglichkeiten vorhanden und lassen sich problemlos nutzen.

 

Infiniti Q60 unterer Touchscreen
Spielt alles von überall – dank aller gängigen Schnittstellen an Bord.

 

Aufgefallen ist bei der gleichzeitigen Nutzung von zwei USB-Speicher mit Musikdateien, dass das System nach dem Neustart – also beim erneuten Starten des Q60 – vollkommen sporadisch jeweils einen davon als Musikquelle auswählt – nicht immer den, der vor dem Abstellen genutzt wurde.

Die Kopplung mit mobilen Endgeräten gelingt innerhalb von Sekunden. Der sprachgesteuerte SMS-Assistent erlaubt das Abhören und Versenden von SMS, ohne das Smartphone bedienen zu müssen – alles rein per Sprachbefehle.

 

Infiniti Q60 Memory
Memoryfunktion für den Fahrersitz – auch ein Komfortgewinn.

 

Dank Infiniti-InTouch-Services besteht die Synchronisationsmöglichkeit mit dem eigenen Google-Kalender und mit der passenden App erhält man unter anderem einen monatlichen Zustandsbericht zu seinem Q60 aufs Smartphone. Hat man in einem monströsen Parkhaus die Orientierung verloren, hilft My-Car-Finder seinen geliebten Untersatz wiederzufinden. Selbstverständlich kann man darüber im Fall der Fälle auch jederzeit die Infiniti-Assistance kontaktieren.

Ebenfalls sehr komfortabel ist die Möglichkeit, bereits per Smartphone das nächste Ziel an das Navigationssystem zu senden, bevor man im Auto sitzt. Bei all diesen Smartphone-orientierten Funktionen vermissten wir allerdings eine Möglichkeit des induktiven Ladens, welche man in diesem Coupé vergeblich sucht.

In kälteren Tagen genießt man als Insasse eine dreistufige Sitzheizung, welche als Besonderheit auch eine Automatikfunktion beinhaltet. Diese schlug in unserem Test allerdings auch bei Außentemperaturen von noch recht passablen 18 Grad Celsius an und erwärmte unerwünschter Weise unser Hinterteil und Rücken.

 

 

Der Wohlfühlfaktor im Infiniti Q60 ist insgesamt sehr hoch und auch nachhaltig, was auch längere Fahrten in diesem Coupé ohne Komforteinbußen ermöglicht – sofern man nicht hinten sitzen muss.

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Varianten und Preise des Infiniti Q60

Das schnittige, seit letztem Jahr auf dem Markt erschienene Coupé wird in zwei verschiedenen Motorisierungen angeboten.

Einmal als Q60 2.0t mit 2.0-Liter-Turbovierzylinder wie unser Testwagen und den Q60S 3.0t mit einem 3.0-Liter-V6 mit Bi-Turboaufladung, 405 PS, 475 Newtonmetern Drehmoment und grundsätzlich als Allradvariante.

 

Zusätzlich existieren vier Ausstattungslinien:

  • Premium als Basismodell, nur mit dem 2.0-Motor kombinierbar; LED-Scheinwerfer, 19-Zoll-Räder und Rückfahrkamera sind einige der serienmäßigen Ausstattungen; ab 44.500 Euro
  • Premium Tech mit zusätzlich Navigationssystem, dem Bose-Soundsystem und vielen Assistenzsystemen ab 51.000 Euro
  • Sport verfügt über Magnesiumschaltwippen, Sportbremssystem, die direkt-adaptive Lenkung und vieles mehr ab 46.500 Euro.
  • Sport Tech bezeichnet die Topvariante; zusätzlich der adaptive Tempomat uns vieles mehr bekommt man zum Ab-Preis von 53.000 Euro.

 

Infiniti Q60 Front schräg
Wir testeten die Premium Tech Version des 2.0t

 

Der Q60 3.0t ist ausschließlich in den beiden Sport-Ausstattungslinien erhältlich und kostet da ab 56.990 Euro als Sport und ab 63.490 Euro als Sport Tech.

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Individualität und Garantie

Die Neuwagengarantie beläuft sich bei Infiniti über 3 Jahre nach dem Kauf oder für die ersten 100.000 gefahrenen Kilometer, je nachdem, was zuerst eintritt. Eine Garantieverlängerung ist auch möglich, unterscheidet sich jedoch von der Herstellergarantie und wird von den Infiniti Zentren angeboten. Maximal bis zu zwei weitere Jahre.

Diese Verlängerung ist kostenpflichtig und abhängig von den bereits gefahrenen Kilometern des jeweiligen Fahrzeugs.

Ein hohes Maß an Individualität erlebt der Infinitibesitzer beim Service. Das jeweilige Infiniti-Zentrum ist grundsätzlich sehr luxuriös angelegt und man erhält einen festen persönlichen Berater und Techniker. Auch bestimmte VIP-Events sollen die Kundenbindung  fördern und ermöglichen Einblicke in die Philosophie der Marke.

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Fazit – unendlich reizvoll

Mit einem erfrischend glanzvollem Charme vermag der Infiniti Q60 sämtliche Grenzen der konventionellen Traditionen zu durchstoßen und bringt eine gehörige Portion Eleganz und Extravaganz in die Riege der Mittelklassecoupé Europas.

Aktuell kann in dieser Klasse kein anderes Modell mehr an Augenschmaus bieten. Brillanz, Anmut und Sportlichkeit schießen aus jeder Pore – Verzeihung, aus jeder Kante, jedem Bogen und jedem Detail des Q60. Mögen sich konservative Zeitgenossen an der Summe an Klüften, Bögen und Schwüngen auch stören – der dadurch frische Wind im Segment ist nicht wegzudiskutieren.

 

Infiniti Q60 schräg seitlich
Echter Schönling – der Infiniti Q60 gehört zu den aktuell schönsten Coupés.

 

Ebenso funktioniert dies auch nicht mit dem selbst auferlegten Ansporn und Anspruch, technologisch ganz vorne mitzuspielen. Dies gelingt in den meisten Fällen auch, in einigen wenigen ist noch Nachbesserung erforderlich. Doch wir sind zuversichtlich. Innovationen verlangen auch Learnings, wenn diese auch möglichst unentdeckt für den Endverbraucher bleiben sollten.

 

Infiniti Q60 Heck
On my way – der Q60 macht Appetit auf’s Fahren und auf mehr. Weiter so, Infiniti!

 

Das Gesamtpaket wirkt stimmig und dieses Coupé macht Spaß. Fahrspaß, Fahrfreude und obendrein fällt man mit dem Infiniti Q60 auf.

Die Resonanz bei Passanten und anderen Verkehrsteilnehmern war auffällig stark und durchweg positiv. So etwas erlebt man mit einem herkömmlichen 911 längst nicht mehr.

 

 

Text/Bilder: NewCarz

 

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Konkurrenz:
BMW 4er, Mercedes-Benz C Coupé, Audi A5, Toyota GT86, Cadillac ATS Coupé

 

 

Technische Daten: Infiniti Q60 2.0t Premium Tech

Farbe: Dynamic Sunstone Red

Länge x Breite x Höhe (m): 4,69 x 2,05 x 1,39

Radstand in mm: 2.850

Motor: Vierzylinder Benzinmotor mit Turboaufladung und Direkteinspritzung sowie Start-Stopp-Automatik

Leistung: 155 kW (211 PS) bei 5.500 rpm

Hubraum: 1.991 ccm

Max. Drehmoment: 350 Nm bei 1.250 – 3.500 rpm

Getriebe: 7-Stufen-Automatik

Antrieb: Heck

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 6,8 L/100 km

Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 9,7 L/100 km

CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 156 g/km

Abgasnorm: Euro 6b

Höchstgeschwindigkeit: 235 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 7,3 Sekunden

Leergewicht: 1.753 kg

Laderaumvolumen: 342 Liter

Kraftstofftank: 80 Liter

Neupreis des Testwagens: 53.260 Euro

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