Nissan Micra – Style made in Japan

Nissan Micra Front

Die fünfte Generation des Nissan Micra ist mit wenigen Worten beschrieben:  dynamisch gezeichnet, gewachsen, knuffig. Doch er ist und kann so viel mehr.

Wir unterzogen den Nissan Micra in der höchsten Ausstattungslinie Tekna einem ausführlichen Test. Der Kleine kam mit der Topmotorisierung, einem 1,5-Liter-Turbodiesel, auf den Hof gerollt.

Der Neue macht dabei eine erstaunlich schnittige Figur und blinzelt uns auf dem Parkplatz mit einer geradezu freudigen Mimik entgegen. Dass die Designer ein kleines, kompaktes Lifestyle-Meisterwerk geschaffen haben, steht außer Frage.

Wie sich das neue Modell fährt, mit welchen Design-Highlights um die Sympathien der Betrachter geworben und welche technischen Raffinessen geboten werden – hier der Fahrbericht.

 

Exterieur – expressiv und dynamisch

Der Nissan Micra ist seit 1982 ein Dauerbrenner auf den Asphaltpisten der Städte. Der Kleinste präsentiert sich selbstbewusst, farbenfroh und extrovertiert der jungen Fangemeinde. Dabei sind die Parallelen zur Studie Sway, die 2015 auf dem Genfer Automobilsalon präsentiert wurde, sehr eindeutig.

 

Nissan Micra Heck
Scharfkantige Charakterlinien bespielen jeden Winkel des Micra

 

Ganz im Sway-Style wurde beim neuen Micra tief in die Designkiste voller dynamischer Linien gegriffen, sodass ein expressiver Look entstand. Wo sich der handelsübliche Wagen im B-Segment eher in Alltagstauglichkeit übt, fällt der Nissan Micra erstaunlich stark aus der Rolle. Innerhalb des Redaktionsteams war auch der Spitzname unseres knuffigen Gefährten schnell besiegelt: „Speedy“ kann man eine gewisse Ähnlichkeit zu einer kleinen, flinken Maus nachsagen.

Wenngleich die Leistungsentfaltung des 1,5-Liter-Diesels mit 90 PS ausgesprochen citytauglich ist, ist die Rennmaus in Wahrheit ein eher ausgeglichener Begleiter. Der Nissan Micra punktet mit mehr Verlässlichkeit und Ästhetik, als mit überschäumendem Temperament – aber dazu kommen wir später.

 

Nissan Micra Front
„Speedy“ trifft auf „die Maus“ aus der altbekannten Kindersendung

 

Die Kugeligkeit des Nissan Micra ist Geschichte. Die Micramorphose zeigt sich in der sportiv-geduckten Haltung, dem nun lang gezogenen, athlethischen Körper und der gewachsenen Breite, um die Präsenz des Kompakten im Rückspiegel des Vordermanns zu erhöhen.

Die Front wird von ausladenden Halogen-Augen dominiert, die weit in die Kotflügel gezogenen wurden und deren Linien im serienmäßigen LED-­Tagfahrlicht münden. Das Zentrum des Gesichts bildet der markentypische „V­-Motion“­ Kühlergrill.

 

Nissan Micra Front
Speedy sieht selbst im Stand aus, als sei er eine gedopte Performance-Rennmaus

 

Der Kleinste der Nissan-Riege bietet dank seiner neuen Linie viel Angriffsfläche für das designbewusste Auge. Die Kontur der langgestreckten Frontscheinwerfer wird vorne aufgefangen und bis zum dezenten Dachkantenspoiler fortgeführt. Währenddessen bahnt sich ein markanter Knick beim Außenspiegel seinen Weg zum Heck, steigt an und mündet schließlich in den Heckleuchten. Oberhalb dessen, in der C-Säule, werden die Türgriffe der Hintertüren gekonnt getarnt.

So entsteht die Illusion, dass der Nissan Micra ein Dreitürer sei. Und wo wir schon bei Spielen sind:

 

Nissan Micra Exterieur
Charakterlinien, extrovertierte Farbe, perfekt passende Felgen – ein rundes Bild

 

Das Heck präsentiert sich in markant-zackig gezeichneter Manier. Einige kleine Details wie der unten mittig platzierte Reflektor erinnern an den großen Über-Bruder Nissan GT-R. Dazu trägt auch der Heckstoßfänger bei, den eine Blende im Carbon­-Look ziert.

 

Nissan Micra Heck
Nur nicht zimperlich mit Ecken und Kanten – der „Mini-GT-R“

 

Apropos Heck – der Kompakte bietet ein Kofferraumvolumen von 300 Litern respektive von 1.004 Litern bei umgeklappten Rückenlehnen. Sofern die Besorgungen eingeladen sind, können wir uns auch im Innenraum umsehen.

 

Interieur – Bi-Color und sportive Linie

Der Nissan Micra hadert auch innen nicht mit fließenden Linien und einer Prise Dynamik. So werden Elemente des Interieurs, beispielsweise die Instrumententafel, mit leichten Schwüngen gezeichnet und mit Kontrastnähten veredelt. Das Ergebnis ist, dass auch das Interieur eine optisch anregende Wirkung versprüht. Außenkleid und Innenraum präsentieren sich in einer bemerkenswerten Harmonie, welche die designaffine Kundschaft lange binden dürfte.

Nissan Micra Interieur
Perfekt platziert – darunter die Hebel für Motorhaube und Kraftstofftank

Den Tastsinn stimuliert die Soft­-Touch­-Struktur der Oberflächen, die den wertigen Gesamteindruck des Kompakten untermauern. Ein lohnenswertes Highlight stellt das Leder-Innenraumpaket unseres Testwagens dar, welches mit 1.000 Euro zu Buche schlägt und perfekt mit der optionalen Lackfarbe „Passion Red“ harmoniert.

Wer gerne bei der Serie bleibt, erhält einen ausgesprochen schönen Off-White-Farbton namens „Ivory“, der nur zu empfehlen ist.

Nissan Micra Interieur
Ein gefälliger, dezent dynamisch gezeichneter Innenraum

 

Neben dem bequemen Gestühl und dem stimulierenden Ambiente ist das Bose Personal Sound ­System ein Highlight des neuen Nissan Micra. Einzigartig in dieser Fahrzeugklasse wurden die Lautsprecher in die Kopfstützen integriert und motivieren zusammen mit den Lautsprechern in den Vordertüren sowie den Hochtönern in den A­-Säulen zu der ein oder anderen Privatparty hinterm Steuer.

An digitalen Informations- und Schnittstellen soll es dank im Tekna und N-Connecta serienmäßigem NissanConnect Navigationssystem nicht mangeln. Das Paket umfasst ein sehr gutes Navigationssystem mit 7-Zoll-Farbdisplay als Touchscreen inkl. Traffic Message Channel und dreijähriger Aktualisierung, eine Radio-CD Kombination mit MP3-Wiedergabe, DAB Digitalradio, einen AUX- und einen USB-Eingang, einen iPod-Gateway und eine Bluetooth-Schnittstelle für die Streamingdienste, die man mit dem Smartphone nutzt.

Aus welcher Quelle die Musik auch ans Ohr dringen mag – Bose garantiert für den Bass.

 

Nissan Micra Interieur

 

Das farbige TFT-­Display im Cockpit ist fünf Zoll groß und zeigt unter anderem die Geschwindigkeit, den Verbrauch, die Audioinhalte sowie die gesparte Co2-Menge an, sofern die Start-Stopp-Automatik aktiviert ist. Das Blättern durch die Infolandschaft erfolgt dank der Knöpfe am Sport-Lederlenkrad, welches bei der Variante Tekna Serie ist.

 

Nissan Micra Klimaanlage
Serien-Klimaautomatik für N-­Connecta und Tekna, optional für Acenta

 

Sicherheit und Assistenz

Der getestete Nissan Micra in der höchsten Ausstattungsvariante Tekna überzeugte mit einer Vielfalt an Helferlein, die die Sicherheit beim Alltag auf den Straßen erhöhen sollen – und können.

­Der intelligente Spurhalte­assistent straft einen Spurwechsel ohne Nutzen des Blinkers mit einer visuellen Warnung und einem intensiven Vibrieren des Lenkrads. Falls keine Lenkkorrektur durch den Fahrer erfolgt, wird das Fahrzeug durch einen selektiven Bremseingriff in die Fahrspur zurückgeführt.

 

Nissan Micra Interieur
Vibrationsalarm – der Spurhalteassistent warnt auch haptisch

 

­Für den Schutz vor drohenden Zusammenstößen ist der intelligente Notbrems­assistent mit Fußgängererkennung verbaut. Dieser soll einen Crash verhindern oder die Aufprallintensität zumindest deutlich reduzieren.

Die Verkehrszeichen­erkennung ist praktischer Helfer, der während des Testzeitraums mit einer guten Trefferquote das Gewissen beruhigen konnte, wenn man sich mal nicht ganz sicher war.

Der Fernlicht­assistent blendet auf Landstraßen beim Passieren von Gegenverkehr automatisch ab.

­Eines der absoluten Highlights ist der intelligente Around View Monitor, der im Kleinwagensegment selten Serie ist. Im Nissan Micra in der Version Tekna kommt man tagtäglich in den Genuss des 360­-Grad­-Rundumblicks. Ergänzt wird das System durch eine Bewegungserkennung, die vor Objekten oder Menschen hinter dem Fahrzeug warnt.

 

­

 

Ein Totwinkel­assistent senkt die Unfallgefahr beim Spurwechsel. Für das gute Gewissen sei gesagt: Der Nissan Micra verfügt serienmäßig über sechs Airbags, eine Sitzbelegungskontrolle vorn und hinten sowie eine praktische Höhenverstellung des Sicherheitsgurt­es vorn.

Die Isofix-Kindersitzsysteme sind neben den beiden äußeren Rücksitzen ­auch auf dem Beifahrersitz nutzbar.

Zu den elektronischen Sicherheitssystemen zählt neben den Standards wie ESP und ABS auch eine verlässliche Berganfahrhilfe. Serienmäßig ist bei allen Versionen ein intelligenter Notbremsassistent, ein Geschwindigkeitsbegrenzer, ein Regensensor, das automatische Fahrlicht und der automatische Warnblinker für Notbremsungen mit an Bord.

Die Außenspiegel klappten sich während des Testzeitraums gelegentlich nicht selbstständig auf, wenn man losfuhr. Das hatte zur Folge, dass man erst bei der ersten Ampel bemerkte, dass man mit brav geschützten, eng am Körper liegenden Lauschern unterwegs war. Mit einem Knopfdruck ist das Problem schnell behoben. Dennoch bleibt die Frage, warum die Außenspiegel nicht immerzu nach dem Verriegeln automatisch ausgeklappt wurden.

 

Motorisierung und Fahreigenschaften

Der Nissan Micra ist, wenn man ihm einen menschlichen Wesenszug geben möchte, ein treuer und eher sanftmütiger Begleiter. Er zeigt ein ausgewogenes Fahrwerk, welches eine komfortable Charakteristik an den Tag legt. Mannigfaltige Unebenheiten des Untergrundes werden sanft weggefedert, was seine Qualitäten als Langstrecken-Cruiser untermauert. Dabei ziert sich der Turbo des Dieselaggregates nicht, uns sein Tun akustisch darzubieten, indem er vernehmbar pfeift.

Mit ausladenden Proportionen präsentiert sich die C-Säule samt integriertem Türgriff. Dass die formschöne Linienführung nach hinten so hoch emporragt, wirkt der Übersichtlichkeit entgegen. Glasfläche fällt hier dem schnittigen Design zum Opfer.

Die Lenkung ist recht direkt und man kann sich dessen Feedback sicher sein, sodass man keine Kurbelaktionen im Citygewühl befürchten muss. Das unten abgeflachte Steuer setzt einen gewissen sportiven Habitus in den Fokus, ohne zu dick aufzutragen.

Apropos dick auftragen: Die riesigen, fast schon im mangaartigen Style designten Äuglein hätten eine modernere Lichtkulisse ganz gut vertragen. Das Halogenlicht erwies sich im Test als alltagstauglich und in Ordnung, zaubert aber mit seiner doch recht gelblichen Farbcharakteristik nicht die bestmögliche Ausleuchtung in die nächtlichen Kulissen. Zur Option stehen Voll-LED-Schweinwerfer, die mit 550 Euro zu Buche schlagen und dem Blick des Micras eine gehörige Portion Bissigkeit verleihen.

 

Nissan Micra Interieur
Geschaltet wird knackig und mit einem angenehmen Kraftaufwand

 

Die Start-Stop-Automatik erwies sich ab und an als etwas träge beim Wiederbeleben des Dieselherzens. Dies zeigte sich gelegentlich, wenn man nach dem Heranrollen an die Ampel, welche in diesem Moment auf Grün schaltet, einen flotten Start hinlegen wollte. In solchen Situationen verhaspelte sich das System gelegentlich, fing sich aber durch erneutes Treten der Kupplung wieder.

Wenngleich der Nissan Micra als effizientes Dieselchen nicht der begnadete Kurvenkünstler ist, kann er mit Verlässlichkeit, Ausgewogenheit und gutmütigen Charakterzügen punkten und in den Testszenarios überzeugen. Hier zaubert die Optik eine leichte Illusion von überschäumender Dynamik, welche nur in die Realität umgesetzt werden kann, wenn man das Gaspedal mit einer Art Herzlosigkeit drangsaliert. Wer den Diesel immer schön im hohen Drehzahlbereich hält, kann sich dennoch nicht über mangelnde Bewegungsfreude beklagen.

Und wie wirkt sich das auf den Verbrauch aus? Vollgetankt zeigt der Bildschirm im Cockpit eine Restreichweite von 700 Kilometern an. Sein Dieseldurst pendelte sich im Testzeitraum bei 4,7 Litern ein, was nur rund einen Liter über der Angabe des Herstellers liegt und den Kleinen als Sparfuchs in Rennmausoptik enttarnt.

Nachdem die neue Modellgeneration die Micramorphose erfolgreich durchlaufen hat, präsentiert sich der neue Mini-GT-R als ein gelungenes Gesamtpaket. Zeit, ein Fazit zu ziehen.

 

Fazit – Speedy lässt Frauenherzen schmelzen

Nun, man konnte regelmäßig beobachten, dass sich geneigte Damen zum kleinen Japaner umdrehen, ihn ausgiebig betrachteten und auch mal den einen oder anderen Blick hineinwarfen. Warum? Weil der rote Flitzer Dynamik ausstrahlt, dabei eine gehörige Portion des „Knuffigkeits-Faktors“ mitbringt und so vollkommen anders als sein kugeliger Vorgänger erscheint. Den Herren der Schöpfung kann in diesem Sinne angeraten werden, ihren Nissan Micra mit Außendesignpaketen zu individualisieren und dadurch noch stylisher zu machen.

Die Dieselvariante passt gut zum Citycruiser, sofern man den Kleinen brav in seinem präferierten Drehzahlbereich agieren lässt. Dass im Nissan Micra als Tekna-Version viele Assistenzsysteme und praktische Features wie das Bose-Audisystem und das Nissan Connect Navigationssystem samt Rückfahrkamera serienmäßig an Bord befinden, erlaubt ihm einen guten Startplatz in der Riege der Kompakten.

Der Gesamtpreis des Micra als Tekna mit dem 1.5 dCi-Motor mit 90 PS liegt bei 21.900 Euro, wobei der Testwagen dank gewisser Sonderausstattung mit 24.340 Euro zu Buche schlägt. Der Basis-Micra in der Visia-Ausstattungslinie mit einem 1.0-Liter Benzinmotor mit 73 PS kostet 12.990 Euro.

Das Team von NewCarz testete genau diese Motorisierung bereits im Gewimmel von Paris und im Ambiente idyllischer Dörfer, wobei der Micra seine Affinität zur Stadt und seine schillernde Farbenpracht präsentieren konnte.

 

 

Text/Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

Konkurrenz: Mazda 2, VW Polo, Opel Corsa, Kia Rio, Honda Jazz, Ford Fiesta, Hyundai i20

 

Technische Daten: Nissan Micra 1.5 dCi 66 kW (90 PS)
Länge x Breite (mit Spiegeln) x Höhe (mm): 3.999 x 1.935 x 1455
Radstand in mm: 2525
Motor: 1.5 Liter-Turbodiesel mit vier Zylindern in Reihe
Maximale Leistung: 66 kW (90 PS) bei 4.000 rpm
Hubraum: 1.461 ccm
Max. Drehmoment: 220 Nm bei 2.000 rpm
Getriebe: manuelles Fünfgang-Schaltgetriebe mit Start-Stopp-System
Antrieb: Vorderradantrieb
Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm, kombiniert): 3,5 L/100 km
Durchschnittsverbrauch (NewCarz): rund 4,7 L/100 km
CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 92 g/km
Abgasnorm: Euro 6b
Höchstgeschwindigkeit: 179 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 11,9 Sekunden
Leergewicht: 1.140 kg
Laderaumvolumen: 300-1.004 Liter
Neupreis: ab 12.990 Euro (Basisausstattung Visia)
Testwagenpreis: 24.340 Euro

Schreibe einen Kommentar