Ford Edge – schneidig, eckig, scharf

Da steht er nun, der Ford EDGE Sport, als größtes in Europa verfügbares SUV der Marke präsentiert sich uns als Testwagen in Iridium Schwarz Mica Metallic.

Bereits 2006 rollte das erste Modell des Ford EDGE auf die öffentlichen Straßen – allerdings nicht für den europäischen Markt. Dies änderte man mit der zweiten Generation, welche seit 2016 in Europa erhältlich ist und als großer Bruder des Ford Kuga in den Gefilden von X3, Tiguan & Co. wildern möchte.

So gesehen könnte man Ford durchaus vorwerfen wollen, dass man hierfür einfach zu lange gewartet hat und es umso schwerer sein dürfte, die mittlerweile etablierten Platzhirsche zu verscheuchen.

Inwieweit er das Rüstzeug hierfür besitzt und neben einer selbsternannten Daseinsberechtigung auch mit anderen Dingen punkten kann, soll unser Fahrbericht klären.

 

 

Exterieur – Masse mit elegantem Federstrich gebändigt

Ein Designerstück made in USA mit einem Hauch Anachronismus und einer Prise Stilsicherheit – so präsentiert sich der Edge Sport dem Betrachter.

Eines kann man dem Ford Edge Sport keineswegs vorwerfen: Nämlich, dass seine Formgebung bieder oder nur durchschnittlich sei. Ganz im Gegenteil. Mit unverhohlener Eleganz kombiniert das Midsize-SUV dominante Größe und strahlt aus jedem Knick, jeder Karosseriefalte schwallweise Dynamik an die Augen des Betrachters.

 

Ford Edge Front
Big Boy – mit massivem Auftritt zeigt der Ford Edge seine SUV-Ambition.

 

Ein massiver Kühlergrill in Hexagonoptik dominiert die Front und wird von trapezförmigen Scheinwerfern flankiert. Die Motorhaube macht ihrem Namen alle Ehre und spannt sich wie ein blechgewordenes Dach über den Antriebsraum. Scharf gezeichnete Bügelfalten strecken die Seitenlinie und die speziellen Kunststoffschwellerspoiler der Sport-Variante ringsum setzen Offroad- und Sportakzente zugleich.

 

Ford Edge Seitenansicht
Stretching – mit gestreckter Seitenlinie für viel Platz und dynamischen Look.

 

Die 19-Zoll-Räder mit Winterbereifung wirken am massiven Blechkorpus fast filigran. Die mondäne Erscheinung eines Ford Edge würde optisch auch locker ein oder gar zwei Nummern größere Räder gut vertragen.

Eine leicht abfallende Dachkante mündet in einem dezent integrierten Dachspoiler und beginnt die Heckansicht zur schrägen Heckscheibe, welche darunter in den schön gezeichneten LED-Heckleuchten mit dem durchgehenden, aufmerksamkeitsstarken LED-Leuchtband ihr besonderes Highlight findet.

 

Ford Edge Heckansicht
Bastion auf Rädern – auch in seiner Heckansicht geizt das SUV nicht mit Maskulinität.

 

Darunter residiert ein Konglomerat aus Diffusor, Unterfahrschutz und verchromte Endrohrapplikationen für den stilechten SUV-Auftritt. Diese werden auch durch echte Endrohre genutzt, die allerdings deutlich kleiner ausfallen, als die Rahmen suggerieren und unglücklicherweise vom Hintermann auch noch zu sehen sind. Doch diese nicht ganz stimmige Umsetzung ist immer noch besser als nur peinlich angedeutete Endrohre ohne Funktion.

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Interieur – monumentale Attraktivität

Dezent beleuchtete Einstiegsleisten begrüßen Fahrer und Passagiere mit dem EDGE-Schriftzug. Adrett, fast diszipliniert aufgeräumt wirkt der Innenraum des Ford Edge, wodurch man sämtliche Bedien- und Anzeigeelemente innerhalb weniger Wimpernschläge erfasst, analysiert und zugeordnet hat. Trapezartige Umrandungen aus Aluminium von Lüftungsdüsen, Instrumenten und Intarsien wirken erfrischend und edel.

 

Ford Edge Armaturenbereich
Welcome to the Pleasuredome – Wohlfühlen bei intuitivem Bedienvergnügen.

 

Ergonomisch getrimmte Sitze beherbergen vorne und hinten zusammen Platz für bis zu fünf Personen. Die Materialanmutung der Alcantara-Leder-Mixtur kann sich absolut sehen lassen und hinterließ bei allen Redakteuren einen durchgehend positiven Eindruck. Auch die Türverkleidungen zeigten mit Akzentnähten verzierte Absätze im Lederbezug – das wirkt hochwertig, haptisch angenehm und gar einen Hauch luxuriös.

 

Ford Edge Vordersitze
Einladend durch Platz und Ambiente – das Interieur schmeichelt den Insassen.

 

Das ganze Design ist auf Bulligkeit und auf die effektvolle Zurschaustellung von Maskulinität sowie einer stoischen Ruhe ausgelegt – dieses Auto zeigt seine kraftvolle Präsenz bereits im Stand, ohne mit Designexperimenten oder zu viel Show die angestrebte Klientel zu verschrecken.

Auch die Platzverhältnisse boten keinen Platz für Kritik. Dieser Umstand ist auch dem mit 2,85 Meter besonders langen Radstand gedankt. Selbst auf Reihe zwei fühlte man sich selbst bei mehr als 1,85 Gardemaß absolut wohl, ohne den Kopf oder die Beine einziehen zu müssen. Lediglich ein Quäntchen mehr Seitenhalt und etwas mehr ergonomische Konturen auf der Rückbank hätte das Gestühl in Gesamtheit perfekt abgerundet.

 

Ford Edge Rückbank
Spacewalk – auch hinten überzeugt der räumliche Eindruck die Insassen.

 

Auf dem Fahrersitz platzgenommen erstreckt sich der Armaturenträger fast plateauhaft vor und über die stark konturierte Motorhaube sowie den weit in die A-Säule ansteigenden Kotflügelkanten. Man schaut fast wie aus einer fahrenden Festung auf die Fahrbahn.

Das Multifunktionslederlenkrad wirkt in seiner Polsterung etwas dünn für ein SUV dieses „Kampfgewichts“ und hätte gut und gerne etwas mehr an Durchmesser des – vor allem oberen und unteren – Lenkradkranzes vertragen. Übrigens sind die große Anzahl und leicht verwirrende Anordnung der Multifunktionstasten an und auf Ebendiesem der einzige Ansatz für Kritik im ansonsten sehr übersichtlichen und leicht bedienbaren Instrumentenpamphlet des Ford Edge.

 

Ford Edge Lenkrad
Ungleich – die Lenkradpolsterung erwies sich nur an den Seiten als ausreichend dick.

 

Die gut ablesbaren klassischen Rundinstrumente teilen sich den Platz mit einem zweigeteilten dynamischen Anzeigedisplay, welche jeweils in Drehzahlmesser und Tacho hineinreichen.

Üppige Platzverhältnisse finden sich auch im Kofferraum. Hier erwartet ein 602 Liter großes Abteil gleich einen Monatseinkauf für die dreiköpfige Familienbande und hat on top noch Platz für zwei XL-Faszienrollen.

 

 

Soll es auch noch zum Baumarkt oder in das bekannte schwedische Möbelhaus gehen, lassen sich die Rückbänke geteilt umklappen und erweitern das Laderaumvolumen auf stattliche 1.847 Liter. In Anbetracht dieses Platzangebots stört man sich auch nicht mehr an dem bei umgeklappten Rückenlehnen nicht ganz ebenen Laderaumboden. Platzmangel? Im Ford Edge ein Fremdwort.

Selbst bei der Rundumsicht und Übersichtlichkeit punktet der Ford Edge in allen Belangen und erlaubt großzügige Observationen des unmittelbaren Umfelds um das SUV.

 

Ford Edge Panoramadach
Danke, sehr freundlich – viel Licht und Luft dank Panoramaglasdach.

 

Das Test-SUV besaß zudem ein Panoramadach – wen wundert es, dass auch dieses im XL-Format für eine satte Lichtdurchflutung des Innenraums sorgt und mittels Blick aus der Froschperspektive jede Menge Augenfutter bietet.

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Motorisierung und Fahreigenschaften – TDCi-Muskelspiel

Eine optionale Einstiegshilfe gestaltet durch ein Zurückfahren des Fahrersitzes den Zustieg besonders komfortabel. Aufgrund des manuellen Schaltgetriebes und dem notwendigen Betätigen der Kupplung in Verbindung mit dem Druck auf dem Startknopf, muss die elektrische Sitzverstellung während der Rückstellung in die vorherige Position nun gegen die Fußkraft des Kupplungsbeins arbeiten. Zugegeben nur ein kleiner aber aus unserer Sicht unschöner Nachteil bei Modellen mit manuell zu bedienendem Schaltgetriebe.

 

Ford Edge Motorraum
Nageleisen alter Schule? Keineswegs. Der Selbstzünder erwies sich als recht leise.

 

Nach Betätigen des Startknopfs erwacht der 2.0-Liter Turbodiesel TDCi mit leichtem Selbstzündergeräusch im Kaltstart, welches bei zunehmender Annäherung an die Betriebstemperaturen stetig zurückhaltender erscheint und das man eher außerhalb des SUV vernimmt. Im Innenraum bleibt glücklicherweise nicht viel davon für das Gehör der Insassen übrig.

 

Ford Edge Endrohre
180 Pferde atmen durch zwei echte Endrohre im abgesetzten Rahmen aus.

 

Mit 180 PS und pfundigen 400 Newtonmetern Drehmoment zwischen 2.000 und 2.500 Touren zeigt der Vierzylinder einen kräftigen Vortrieb sowie einen deutlichen Turbopunch ab entsprechendem Drehmomentplateau. Dazu fehlt erfreulicherweise eine Anfahrschwäche vollends und das optimal gespreizte Sechsgang-Schaltgetriebe erweist sich als perfekter Verteiler dieser Kraft.

Satt und sicher rasten die einzelnen Gänge ein und die Kupplung ermöglicht dank einem narrensicheren Schleifpunkt ein verschluckfreies Anfahren. Dreht man den Diesel über sein Drehmomentmaximum, lässt dieser ab 3.000 Touren akustische Kritik an derartigen Forderungen laut werden. Dadurch schaltet man automatisch früh und belässt es beim ohnehin kräftigen Auftritt in den niedrigeren Touren.

 

Ford Edge Schalthebel
Zack und Klack – das Schaltgetriebe lässt die Gänge sauber und exakt durchschalten.

 

Der getestete Ford Edge Sport verfügte über ein sportlich abgestimmtes Fahrwerk, was man auch deutlich spüren konnte. Die straffe Abstimmung ließ das SUV stramm auch durch schnell gefahrene Kehren fahren, ohne dabei durch Wank- und Schaukeleinheiten die Seekrankheit zu fördern. Sicher auch ein Vorteil der serienmäßigen Torque-Vectoring und Wankstabilisierung. Dafür versagte bei kurzen Verwerfungen der Fahrbahn die Filterung mitunter deutlich und ließ Querfugen auch mal überdeutlich an die Bandscheiben der Insassen.

Erstaunlich dagegen war das Federungsverhalten im Offroadbetrieb: Ging es über Stock und Stein – oder besser gesagt über unbefestigte Feld und Waldwege – ließ sich bei omnipräsenten Unregelmäßigkeiten des Untergrunds weder Federung noch Fahrwerk aus dem Konzept bringen. Souverän hielt das große SUV den Kurs und schaufelte sich mit seinem intelligenten Allradantrieb selbst durch schlammige Passagen ohne Probleme.

 

Ford Edge vorn schräg schmutzig
Leichtes Offroad gehört zu den Wohlfühlgefilden dieses SUV.

 

Durch fehlende mechanische Sperren und begrenzte Böschungs- und Rampenwinkel sollte man es dennoch nicht übertreiben. Doch für moderate Offroadverhältnisse ist der Ford Edge mehr als gut gewappnet – kann hier sogar eine ordentliche Portion Fahrspaß generieren.

Mit einer sehr leichtgängigen Lenkung dirigiert man das groß wirkende SUV erstaunlich leicht über Wald und Feld – aber auch durch enge Kurven und Gassen. Leider vermittelt sie „Onroad“ – vor allem bei höheren Geschwindigkeiten – eine Spur zu wenig Gefühl. Dies erstaunte uns besonders, da der getestete Ford Edge die optionale adaptive Lenkung besaß. Insbesondere beim etwas undefiniert anmutenden Geradeauslauf wünscht man sich einfach mehr Rückmeldung und sucht andauernd die optimale Lenkradstellung. Bei längeren Autobahnfahrten wirkt dies etwas nervend und auch ermüdend.

 

Ford Edge schräg hinten
Seidenweicher Lenkvorgang – der Edge lässt sich kinderleicht um Kurven manövrieren.

 

Hinzu kam beim Testwagen eine sporadische, aber immer wieder auftretende Unruhe in Form von Vibrationen und leichtem Zittern. Eventuell lag dies auch an der Winterbereifung.

Das Verbrauchsverhalten des Ford Edge schwankte im Test über ein breites Spektrum. Exotische Fahrweisen beiseite gelassen, verlangten die vier Brennräume während unserer Testszenarien im Drittelmix knapp über acht Liter auf 100 Kilometer. Dies kann man mit entsprechend forcierter oder zurückhaltender Fahrweise leicht zwei Liter nach oben oder einen nach unten korrigieren. Die Werksangabe von 5,9 Liter schafft man allerdings nur mit großer Zurückhaltung und dem Verlust jeglicher Fahrfreude.

 

Ford Edge Verbrauch
Mit reichlich 8 Litern ist man mit dem Edge überall flott dabei.

 

Auffallend war während unserer Testfahrten das bei höheren Geschwindigkeiten schnell ansteigende Fahrgeräuschniveau, was vor allem durch Windgeräusche dominiert wird. Spätestens ab 130 km/h werden diese besonders aus Richtung Panoramadach überdeutlich und verstärken sich mit zunehmender Geschwindigkeit auch weiter.

 

Ford Edge Panoramadach offen
Offen für alles? Auch geschlossen sorgt das Panoramadach bei hohem Speed für Geräusche.

 

Als Grund für diese zunächst sehr zurückhaltende Geräuschkulisse, welche bei zunehmender Geschwindigkeit eher plötzlich präsenter wird, scheint die Geräuschkompensation „Active Noise Control“ kurz ANC genannt in Frage zu kommen. Mittels drei Mikrofonen analysiert dieses System alle Geräusche im Innenraum und eliminiert mittels Gegenschall über die Soundanlage ebendiese.

Ab einem bestimmten Geräuschaufkommen scheint diese Kompensation jedoch nicht mehr ihre Wirkung entfalten zu können. Doch wie gesagt, tritt dieses Nachlassen erst ab mindestens 130 km/h auf.

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Ausstattung, Sicherheit und Komfort

Als Zentrum für Infotainment und Bedienungsmenüs steht der zentral und weit oben platzierte 8.1-Zoll-Touchscreen des Sony Navigationssystems mit Ford SYNC 3 und AppLink. Hochaufgelöst und auch bei starkem Sonnenlicht sehr gut ablesbar, beherbergt er gut bedienbare, verständlich strukturierte Bedienmenüs.

 

Ford Edge Bildschirm
Rahm(en)stufe – der Bildschirm mit zu dick auftragender Kunststoffumrahmung

 

Nur der dicke Kunststoffrahmen passt nicht so recht zum Bildschirm und könnte an dieser Stelle etwas mehr optische Zurückhaltung gut vertragen. Ein weiterer Nachteil ergibt sich bei der Bedienung des Bildschirms während der Fahrt, wobei man zur zielsicheren Bedienung dazu neigt, sich mit dem Handballen am unteren Rahmenrand abzustützen. Doch genau an dieser Position befindet sich die Taste für die Warnblinkanlage, welche man hier immer wieder unbeabsichtigter Weise bedient.

 

Ford Edge Kollisionswarnung
Wenn es eng wird – eine LED-Kette wie aus einem 80er-Radiorecorder warnt bei Kollisionsgefahr.

 

In puncto Assistenzsysteme kennt man bei Ford im Falle des Edge keine Kompromisse. Abstands- und Kollisionswarner zugleich stellt der bei Ford Pre-Collision-Assist genannte Assistent dar: Eine LED-Kette im Armaturenbereich des Fahrers projiziert bei Gefahr ihr Licht auf die Frontscheibe des Ford Edge. Unterschreitet man den Abstand im Übermaß, greift dieser Assistent auch per Bremsmanöver ein.

 

Ford Edge Außenspiegel
Totwinkelwarner und Querverkehrassistent in einem.

 

Neben dem Totwinkelassistenten warnt dieses System auch vor Querverkehr bei Rückwärtsfahrten. Licht- und Regensensoren funktionierten ebenso zuverlässig.

Die Scheibenwischer arbeiten übrigens zueinander, bewegen sich beim Wischen also auf sich zu – dabei läuft der linke Wischerarm eine Millisekunde eher los als der rechte. Das scheint zunächst nur eine optische Ungewohntheit, doch bei hohen Geschwindigkeiten kann es vorkommen, dass sich die Wischerblätter in ihrem mittleren Totpunkt leicht berühren. Wenig überzeugend erwies sich die Scheibenwaschanlage, deren Leistung insbesondere bei winterlichen Verhältnissen mit Streumitteln und viel Schmutz weit unter den Erwartungen blieb.

 

Ford Edge Assistenzsysteme
Die Assistenten lassen sich bequem über den Bordcomputer steuern.

 

Die Funktionalität des adaptiven Tempomaten ließ keinerlei Beanstandungen zu. Abstände sowie Beschleunigungs- und Bremsmanöver funktionierten allesamt flüssig und zuverlässig. Eine Stop-and-Go-Funktion konnte dieses System allerdings nicht vorweisen. Kommt man zum Stillstand, deaktiviert sich der Tempomat, was bei einem manuellen Schaltgetriebe auch vollkommen okay ist. In Verbindung mit einem Automatikgetriebe bleibt – so die Aussage des Herstellers – die voreingestellte Geschwindigkeit aktiv und wird bei Wiederaufnahme der Fahrt automatisch übernommen.

Eine zuverlässige Verkehrszeichenerkennung, ein dezent gegenlenkender Spurhalteassistent und der Müdigkeitswarner bemühen sich zusätzlich um einen hohen Sicherheitsfaktor im SUV.

 

 

Parkprobleme minimiert der optionale Parkassistent, welcher während unserer Tests zuverlässig Parkräume erkannte und auch exakt mit dem bulligen SUV befüllte. Eine Rundumsicht garantieren zudem vier Kameras, von denen – Achtung, jetzt kommt’s – die Front- und Heckkamera eine jeweils eigene Waschdüse besitzen. Somit ist jederzeit für genügend Durchblick gesorgt.

Durchaus einen Löwenanteil an positiver Resonanz beim Thema Sicherheit verdienen die LED-Scheinwerfer, deren Ausleuchtung extrem hell, bei Fernlicht weitreichend und insgesamt sehr homogen ausfällt. Dank Matrix-Licht wird der Gegenverkehr zuverlässig und Vorausfahrende fast immer zielsicher ausgeblendet. Vorteilhaft an dieser Stelle wäre eine zusätzliche Ausblendung von großflächigen Verkehrsschildern. Deren Reflektoren geben das massive Fernlicht derart ungefiltert zurück, dass der Fahrer nicht selten dazu genötigt wird, manuell abzublenden.

Großes Lob verdient die Bedienung per Gestensteuerung der Heckklappe, die in jedem Fall und ohne Ausnahme absolut zuverlässig funktionierte und uns vollständig überzeugen konnte. Kein einbeiniger Tanz am Fahrzeugheck um den Sensor doch zu einer Reaktion hinreißen zu lassen, kein unbeabsichtigtes Öffnen beim langsamen Vorbeischlängeln am Heck im Parkhaus.

 

Ford Edge Klimasteuerung
Manuell – kann man, muss man nicht. Im Automatikmodus arbeitete die Klimatisierung hervorragend.

 

Nur die geringe Kopffreiheit unter der geöffneten Heckklappe stieß bei unseren Testern von mehr als 1,80 Körperhöhe im wahrsten Sinne des Wortes an ihre Grenzen. Auch könnte das Prozedere des Öffnens und Schließens eine Idee schneller ablaufen. Glücklicherweise kann das Fahrzeug aber bereits verriegelt werden, wenn der Schließvorgang noch nicht abgeschlossen ist.

Ebenso löblich erwiesen sich die schnellen Reaktionszeiten der dreistufigen Sitzheizungen, mit denen trotz Alcantara & Co. innerhalb weniger Sekundendekaden wohlige Wärme an die Insassen abgegeben wurde.

Sehr gern in Kombination nutzten wir während unserer Tests die ausgesprochen wirkungsvolle Lenkradheizung, mit der man den Lenkradkranz binnen weniger Sekunden zur Zimmersonnenkorona umfunktionieren konnte. Die Heizleistung erwies sich als phänomenal und dies mit angenehmer Homogenität über den gesamten Lenkradkranz.

Auch die Sitzbelüftung erfüllt zuverlässig ihren Dienst, jedoch nicht gerade geräuscharm. Vor allem in höchster Stufe verkünden die in den Sitzen integrierten Lüfter ihre Arbeit überaus deutlich in akustischer Form.

 

Ford Edge Sitzklimatisierung
Hot or Cold? Auf den Vordersitzen entscheidet man per Knopfdruck.

 

Eindeutig genussvoller erweist sich dagegen die akustische Beschallung durch das Sony-Soundsystem. Besonders basslastige Musikstücke können in diesem SUV vorzüglich genossen werden, denn die Ausmaße des Fahrzeugs dienen scheinbar in Gänze – neben der Panzerung für die City – auch als musikalischer Resonanzkörper für die kleine Privatparty auf dem Nachhauseweg.

 

Ford Edge Woofer
Woofer im Laderaum – sauber agierende Tiefgangunterstützung im SUV.

 

Prinzipiell scheint das akustische Entertainmentprogramm im Fokus zu stehen. Man erblickt blickfangsicher als Plakatierung schlechthin – gemeinsam mit dem Sony Logo – das Rädchen für die Lautstärkeregelung im Format eines Röhrenverstärkers alter Schule, der im Edge wie das Steuerrad des sowjetischen Segelschiffs Sedov wirkt. Perfekt um die Menge an Dezibel in homöopathischer Dosis anpassen zu können. Jeder Klangfetischist und Akustikvirtuose meint dazu: So sollte es immer sein.

 

Ford Edge Drehregler Lautstärke
Optimale Feinfühligkeit dank großem Drehregler für die Lautstärke.

 

Ausgewogen und mit solidem Fundament in den Bassbereichen sorgen 12 Lautsprecher und ein Woofer für das ehrliche, warme Klangspektrum. Die Lautstärke des Systems reicht nicht bis in Regionen anderer Systeme, bleibt dafür aber jederzeit frei von Verzerrungen und Klirrfaktoren.

Auffallend fix berechnete das Navigationssystem Routen und erfreute durch eine exakte und vorbildliche – optional splittbare – Kartendarstellung, welche durch eine ebenso klare und exakte Sprachführung akustisch unterstützt wird. Den Hattrick für volle Punktzahlen heimste die ausgezeichnete Sprachführung für den Ford Edge ein. Kurzgehaltene, klare Dialoge und ein überaus gutes Verstehen des Systems ließ uns öfter zur Sprachsteuerung greifen, als in anderen Testwagen.

 

Ford Edge Navi
Ohne Schnickschnack – einfache, übersichtliche Kartendarstellung im Edge.

 

Sehr gefallen hat uns zudem der zuschaltbare Gong, welcher bei jeder bevorstehenden Fahraktion ertönt und direkt vor der erforderlichen Aktion mit einem Doppelgong finalisiert. Hierbei kann man sogar die Sprachführung deaktivieren und sich allein durch diese Gongs führen lassen, was einwandfrei funktionierte.

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Varianten und Preise des Ford Edge

Gleich zu Beginn müssen wir feststellen, dass es den von uns getesteten Ford Edge Sport so nicht mehr gibt. Dieser wurde 2017 durch die ST-Line ersetzt. Damit bleiben vier Ausstattungslinien und zwei Dieselvarianten – mit 180 und 210 PS – als Antrieb für den Ford Edge verfügbar.

  • Trend benennt Ford den Basisausstattungslevel, den man nur mit dem 180 PS starken 2.0 TDCi kombinieren kann. Los geht es bei 41.900 Euro
  • Titanium heißt die nächsthöhere Variante mit etwas besserer Serienausstattung ab 46.000 Euro
  • ST-Line ist der Nachfolger des Edge Sport und ruft als sportive Variante mindestens 49.100 Euro auf
  • Vignale als Topausstattung mit umfangreichem Portfolio an bereits serienmäßiger Ausstattung für mindestens 52.700 Euro. Aktuell läuft eine Sonderpreisaktion, bei welcher der Einstiegspreis bei 46.750 Euro liegt.

 

Ford Edge Sport
Das getestete Modell „Sport“ wurde 2017 durch die „ST-Line“ ersetzt.

 

Alle Modelle besitzen Allradantrieb. Wer ein Automatikgetriebe in Form eines Doppelkupplungsgetriebes wünscht, muss den stärkeren Diesel wählen. Der Kleine ist nur mit dem manuellen Getriebe kombinierbar.

Ein Schnäppchen ist der Ford Edge nicht, doch man bekommt auch einiges für das Geld. Das Flaggschiff in voller Ausstattungsmontur ruft trotz aktueller Sonderpreisaktion einen Preis von stolzen 57.500 Euro auf. Ohne diese wäre man bei zirka 63.500 Euro.

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Garantie und Service

Neben der zweijährigen Herstellergarantie von Ford, besteht die Möglichkeit beim Kauf einen sogenannten Ford Protect Garantie-Schutzbrief zu erwerben. Dieser verlängert den Garantieschutz um bis zu fünf Jahre auf bis zu sieben Jahre. Staffeln lässt sich diese kostenpflichtige Zusatzgarantie auf drei oder fünf Jahre.

Die Ford Assistance Mobilitätsgarantie ist in diesem Schutzbrief inkludiert. Ohne Schutzbrief gilt die Mobilitätsgarantie jeweils 12 Monate nach der Inspektion und kann durch die dann fällige Inspektion wieder um diesen Zeitraum verlängert werden.

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Fazit – mit Ecken und Kanten weit nach vorn

Zugegeben, er kam erst spät. Zugegeben, die Konkurrenz in diesem Umfeld ist mit eine der Stärksten im SUV-Segment. Allein aus diesem Grund wird es schwer, entsprechende Absatzmärkte zu erschließen. Denn dies geht fast nur noch durch das Abwerben potenzieller Käufer. Jetzt kommt das Aber: Der Ford Edge hat durchaus das Zeug hierfür.

Mit wuchtigem und sehr gefälligem Antlitz und souveräner Motorisierung erweist sich der Ford Edge als angenehmer Begleiter mit ausgeglichenem Charakter und einer gewissen Reife, die bei einigen Konkurrenten noch dem jugendlichen Leichtsinn weichen sollte.

 

Ford Edge schräg vorne
Überzeugungstäter – der Ford Edge erwies sich im Test als Vollblut-SUV.

 

Seine mondänen Platzverhältnisse in Verbindung mit intuitiver Bedienungspolitik und dem Faible für einen hohen Wohlfühlfaktor konnten Pluspunkte en masse einfahren. Der getestete Diesel zeigte sich standesgemäß und ohne Schwächen. Die schmale Motorisierungspalette sollte Ford in jedem Fall noch einmal überdenken. Dies gilt nicht nur für fehlende Benziner, sondern auch für Hybridlösungen, welche vor allem bei SUV-Modellen sich immer mehr Beliebtheit erfreuen.

Zusammengefasst beweist der Ford Edge seine Daseinsberechtigung mit fast brachialer Souveränität. Ohne Zweifel kann er vielen nicht nur das Wasser reichen, sondern sie sogar darin baden lassen gehen – nur einmal das Platzangebot als Beispiel hierfür benannt.

 

Ford Edge Sport onroad
On your way – Platzwunder mit Dieselherz: Ford Edge

 

Neben der enormen Verspätung seines Auftritts sorgt auch der selbstbewusste Preis für leichtes Naserümpfen. Doch nur auf den ersten Blick. Hat man sich mit dem Ausstattungsportfolio auseinandergesetzt, wirkt der Ford Edge immer noch nicht als Schnäppchen, rechtfertigt allerdings die Preispolitik zumindest im Großen und Ganzen.

Der Ford Edge ist ein Vollblut-SUV und konnte im Test keine signifikanten Mängel offenbaren. Die stimmige Mischung aus Technik, Design und Vielseitigkeit macht ihn sympathisch und begehrenswert zugleich.

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Text / Bilder: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

 

 

 

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Technische Daten: Ford Edge Sport 2.0 TDCi 4×4

Farbe: Iridium-Schwarz Mica

Länge x Breite x Höhe (m): 4,81 x 1,93 (2,18 mit Außenspiegeln) x 1,71

Radstand in mm: 2.849

Motor: Vierzylinder Common-Rail Turbodiesel Reihenmotor mit Intercooler

Leistung: 132 kW (180 PS) bei 3.500 rpm

Hubraum: 1.997 ccm

Max. Drehmoment: 400 Nm bei 2.000 – 2.500 rpm

Getriebe: 6-Gang manuell

Antrieb: Allrad

Verbrauch kombiniert (NEFZ-Norm): 5,9 L/100 km

Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 8,2 L/100 km

CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 149 – 152 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 9,9 Sekunden
Leergewicht: 1.838 kg
Laderaumvolumen: 602 – 1.847 Liter

Kraftstofftank: 69 Liter

Neupreis des Testwagens: 56.910 Euro

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