Lexus RX 450h – Razorblade und Contenance

In nunmehr dritter Generation rollt der aktuelle Lexus RX 450h auf unser Testgelände und stellte sich als Hybrid-SUV unseren umfangreichen Prüfungen.

Diese Generation, welche seit 2015 auf dem Markt ist, zeigt sich optisch extrovertierter denn je und hat mit dem vor 21 Jahren als erstes erschienenen Modell der RX-Reihe außer diesen beiden Buchstaben rein gar nichts mehr gemein.

Bei Lexus steht nicht umsonst seit Anbeginn der Luxus – allein schon im Wortspiel zu spüren – und der Anspruch im Fokus. Wird das aktuelle Modell diesem auch gerecht? Der Fahrbericht.

 

Exterieur – facettenreiches Katana-Flair

Das Äußere des Lexus RX 450h besticht mit seiner skulptural-massiven Linienführung, die extrovertierte Menschen mit einer Vorliebe für eine aggressiv-dynamische Designsprache fesseln dürfte. Die Ästhetik verwöhnt das Auge derjenigen, die den martialischen Kampf der Linien zelebrieren und den Anblick von Ecken, Kanten und Sicken aus jeder Perspektive heraus faszinierend finden.

 

Lexus RX 450h Seitenansicht
Exakte Bügelfalten wohin man sieht – scharfkantiger Lexus RX 450h.

 

Diese Designenthusiasten würden ihren Lexus am liebsten in einem artgerechten Ambiente parken, wo die futuristisch-reduzierte Baukunst eines Architektenhauses, der penibel sauber gehaltene Hof und das grimmig-bullige Automobil in perfekter Symbiose zusammenwirken. Dieses Fahrzeug ist wahrlich eine Offenbarung für Fans eines ausdrucksstarken Designs, das geprägt ist von Dynamik, von technischer Präzision und einer geradezu fanatischen Fixierung auf die messerscharf gerade Linie.

 

Lexus RX 450h Front
Teuflisch – der riesige Diablo-Frontgrill nimmt den Großteil der Front ein.

 

So erscheint das SUV in einem Dress, als hätte Wolverine höchstpersönlich statt Zeichenstift seine Klingen benutzt und in einem Moment völliger Hingabe ein Auto skizziert, dass seine Kampfbereitschaft und Manneskraft unmissverständlich kommunizieren soll.

Doch Hand auf’s Herz: Dass es sich hier um einen Hybriden handelt, lässt die Optik des Lexus RX 450h dem Betrachter überhaupt nicht erschließen – sofern nicht der Blick auf entsprechende Plaketten fällt. Nur Kenner wissen sofort um die Antriebstechnik und einige Passanten haben uns gar gefragt, wie viel Hubraum dieser V8 denn hätte.

Die messerscharfe Optik des großen Japaners ist eines seiner USPs, vorne wie hinten fasziniert dieses SUV mit seinen Sicken und Kanten, den Einkerbungen und den integrierten Leuchten. Wirklich cool: Selbst die Scheinwerferreinigungsanlage ist so integriert, dass sie der scharfen Linienführung keinen Abbruch tut. Sie sitzt flach unter den Scheinwerfern und ist nur aus nächster Nähe sichtbar.

Hat man sich erstmal an der scharfen Optik der Front samt bullig-bösem Diabolo-Frontgrill gelabt, zeigt die Seitenpartie ebenfalls viele Anzeichen von Macht und Stärke. Kratertiefe Sicken im unteren Bereich weisen auf eine enthemmte Überzeichnung hin, die flachen Türgriffe sehen aus wie integrierte Rasierklingen, an denen man beinahe Angst hat, sich zu schneiden. Die schwarzen Außenspiegelkappen bieten derweil einen netten, farblichen Kontrast.

 

Lexus RX 450h Heck
Bulligkeit in der Heckansicht – auch von hinten zeigt der RX echte Größe.

 

Am Heck wird dann erst einmal die Höhe des großen SUV deutlich. Die formschönen Rückleuchten, die mit gestückelten LED-Segmenten ausgerüstet sind, fügen sich – wenn auch nicht so elegant wie erwartet – markant in die Linienführung ein.

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Interieur – Wohnzimmeratmosphäre trifft Kommandobrücke

Nachdem man auf den grandiosen Sitzen Platz genommen hat und diese ergonomische Anschmiegsamkeit für einige Sekunden wirken ließ, erstaunt einen als nächster Punkt das opulente Raumgefühl in diesem SUV.

 

Lexus RX 450h Armaturenbereich
Wie aus einem Guss – perfekte Inszenierung des Armaturenbereichs im SUV.

 

Beengt fühlt man sich im Lexus RX 450h wahrlich an keiner Stelle. Zudem verführen eine edle Materialauswahl sowie die tadellose Verarbeitung selbiger, Augen und Hände, welche sich gar nicht genug an diesem Ambiente laben möchten. Kleines Manko auf der Rücksitzbank: Die hinteren Gurtschlösser sind durch die versenkte Anordnung bei Nutzung von Kindersitzen schwer zu erreichen.

 

Lexus RX 450h Rücksitzbank
Backstage – gutes Platzangebot , weiches Leder und versenkte Gurtschlösser.

 

Das Lenkrad ist ein haptischer Hochgenuss. Neben der massiven Ausführung, der Griffigkeit und Größe zeigt der Einsatz von Holz samt ergonomischer Formgebungen einen einzigartigen Charakter, den man sonst wohl nur in Luxuskarossen oberster Güte erwarten darf. Oder in Oldtimern – und dieser Kontrast aus punktuell grundsolidem Vintage-Look samt Naturmaterialien und einem detailbezogen superfuturistisch gezeichneten Design macht den Charme und die Einzigartigkeit dieses Lexus aus.

 

Lexus RX 450h Lenkrad
Edle Liaison – Die Kombination aus Leder und Edelholz trifft auf Alu-Intarsien.

 

Klares Glanzlicht und blickfangendes Highlight ist der zentral angeordnete, riesige 12.3-Zoll-Bildschirm im XXL-Format. Fast schon TV-Allüren könnte man diesem Widescreen nachsagen, welches zudem mit einer gestochen scharfen Auflösung glänzt. Doch dazu später mehr.

 

Lexus RX 450h Touchscreen
Big Screen – Der gut ablesbare 12.3-Zoll-Bildschirm als Infotainmentzentrale.

 

Aufgrund der Hybridtechnologie und der damit verbundenen Notwendigkeit der Mitführung von Speicherelementen in Form von Akkus, wird der Laderaum etwas eingeschränkt. Dennoch reichen 539 Liter für vier Personen in jedem Fall für einen ausgiebigen Wochenendtrip. Klappt man die Rückenlehnen um, werden sogar 1.612 Liter offenbart.

 

 

Wenngleich die Rundumsicht auf den ersten Blick in Ordnung geht, zeigt sich die besondere Architektur der C-Säule als absoluter Sichtschutz. Die Sicht nach schräg hinten ist nahezu vollständig behindert, hier hilft beim Rangieren nur die Rückfahrkamera.

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Motorisierung & Fahreigenschaften – Hybrid-Power ohne Wow-Effekt

Mit einer Systemleistung von 313 PS, kombiniert gewonnen aus einem 3.5-Liter-V6-Benziner und zwei Elektromotoren – einer an der Vorder- der andere an der Hinterachse – suggeriert dem Leser ordentlich Power. Auch die 335 Newtonmeter des V6, die durch 335 weitere durch den vorderen und 139 durch den hinteren Elektroantrieb ergänzt werden, suggerieren bereits auf dem Papier uneingeschränkte Vehemenz im Vorwärtsdrang.

 

Lexus RX 450h Motorraum
Trotz hoher Technikdichte macht der Motorraum einen aufgeräumten Eindruck.

 

Bedenkt man, dass die grundsätzliche technische Basis der des Infiniti Q50S Hybrid AWD extrem ähnlich ist, so liegen zwischen den beiden dennoch Welten. Aber auch zwischen dem Lexus RX 450h und dem Lexus RX 200t gibt es markante Unterschiede in der Fahrcharakteristik.

Wo sich ein 200t eher für Wenigfahrer oder urbane Cruiser prädestiniert, zeigt sich der Lexus RX 450h dagegen zwar nicht gleich als ein Berserker, wohl aber erheblich langstreckentauglicher und darüber hinaus sparsamer, wenn man des Öfteren in höheren Geschwindigkeitsbereichen unterwegs ist. Nichtsdestotrotz fühlt sich der Lexus RX 450h auch in innerstädtischen Bereichen überraschend heimisch an.

 

Lexus RX 450h Abgasanlage
Nur sekundär – Auf Endrohrführungen a la Eyecatcher wird beim Lexus verzichtet.

 

Das Zusammenspiel aus hubraumstarkem V6 und E-Motoren kann in der Theorie durchaus als etwas fragwürdig angesehen werden, erwies sich aber im ersten Praxistest als angenehme Symbiose. Dass hier der Fokus auf komfortables und sparsames Vorankommen liegt, zeigt die breite Spreizung zwischen dem Fahrmodus Eco und Sport. Die Spreizung zum Modus Sport+ fällt dagegen marginal aus. Bei gezügeltem Gasfuß erntet man im Lexus RX 450h in jedem Fall ein äußerst harmonisches Fahrverhalten.

 

 

Im Sportmodus wird alles in ein rotes Ambiente gehüllt und mit dem grünen Ökogewissen hat sich das dann trotz Liebe zu überdimensionierten Autos gänzlich erledigt – mit einer gleichmäßig entfaltenden Kraft sprintet das SUV im Razorblade-Look vorwärts und dreht zügig auch bis in den Begrenzer. Dabei wird keinesfalls zu wenig versprochen. Er schreit dabei, als sei es das letzte, was er tut, dennoch steigt dabei sowohl Spaßlevel als auch die Höhe der Mundwinkel dezent, sodass man mit dem Powerhybrid trotz Masse auch ein paar nette Manöver vollziehen kann.

All dies geschieht dabei allerdings so linear – dass man fast schon von ein bisschen Farblosigkeit sprechen möchte. Ein Wow-Effekt bleibt hier aus. Dies soll keineswegs negativ charakterisiert werden, denn es passt zu diesem SUV in jedem Fall besser als brachiale Kraftausbrüche mit unbändiger g-Force-Akrobatik für alle Insassen.

Der Eintrag eines Redakteurs im Bordtagebuch lautete: „Er fährt sich wie die Raubkatze auf samtweichen Pfoten und das erinnert irgendwie ein wenig an Jaguar…“

 

Lexus RX 450h schräg hinten
Wenn auch nur ein Soft-Allrad, hilft dieser doch beträchtlich bei entsprechendem Untergrund.

 

Der softe Allradantrieb und die ausgesprochen gut zum Fahrzeug passenden Bremsen regeln den Rest. Soft? Nun, weil allein der Elektromotor mit seinen 68 PS als treibende Kraft an der Hinterachse dient. Zudem schaltet sich dieser ausschließlich bei Bedarf zu, wodurch der Lexus RX 450h in den meisten Fällen als reiner Frontantriebler unterwegs ist.

Die stufenlose Automatik passt die Motordrehzahlen je nach Bedarf an, was für Fahrer herkömmlicher Abstufungsgetriebe zunächst ungewohnt und befremdlich wirkt, aber nach kurzer Eingewöhnungszeit einer vollständigen Akzeptanz weicht. Außerdem gestattet eine manuelle Schaltoption das Simulieren einzelner Fahrstufen, was im Praxistest allerdings wenig Freude bereiten konnte.

 

Lexus RX 450h Wahlhebel
Manuelle „Schaltmöglichkeit“ vorhanden – bringt aber nicht wirklich etwas.

 

Ein recht komfortorientiertes Fahrwerk ließ sich auch bei forcierter Gangart dank Wankstabilisierung nicht so leicht aus der Ruhe bringen. Dafür vermied die leichtgängige Lenkung insbesondere bei hohen Geschwindigkeiten entsprechendes Feedback, wodurch ein Hauch von Unruhe für den Fahrer omnipräsent war – wie gesagt, dies betraf ausschließlich hohe Geschwindigkeitsbereiche ab ungefähr 170 km/h.

 

Lexus RX 450h Kombiinstrument
Antriebsverteilung in Echtzeit – Beim starken Beschleunigen hilft der E-Motor an der Hinterachse.

 

Der Sprint auf die obligatorische Hundertermarke gelingt dem Lexus RX 450 h in 7,7 Sekunden und bei 200 km/h ist das SUV abgeregelt – der Tacho zeigt dabei stolze 216 km/h. All dies offenbart die allzeit dem SUV eigene Gelassenheit und Contenance.

Mit Sicherheit werden rein sportorientierte Fahrer ihre Augenbrauen weit in die Stirn hineinbewegen, denn ihnen wird so ziemlich alles fehlen, was sportive Charakterzüge in einem Auto ausmachen. Doch wer ebendiese Gelassenheit und einen dennoch so kräftigen wie würdigen Auftritt bevorzugt, wird mit dem Lexus 450h durchgehend belohnt.

 

Lexus RX 450h Energiemonitor
Auch auf dem Big-Screen lässt sich der aktuelle Energiefluss verfolgen.

 

Besonders auffällig dabei: die stoische Ruhe im Innenraum – nicht allein, aber doch herausstechend per excellence im EV-Modus, also wenn das SUV rein elektrisch unterwegs ist. Ein jeder plapperwütiger Mitfahrer ist sofort so fasziniert, dass während der gesamten E-Fahrt ehrfürchtiges Schweigen herrscht und ehrfürchtig den minimalistischen Abrollgeräuschen gelauscht wird. Doch ebendieser E-Modus und Eile stoßen sich ab wie gleichpolige Magnete, wodurch man bei Drangsalierung des Gaspedals nur jeweils kurzweilig im EV-Modus unterwegs ist.

Wirklich erstaunlich ist insgesamt die nur zaghaft sinkende Gesamtreichweite dieses Kolosses, dessen Durst trotz tankstellenaffiner Abmessungen angenehm überschaubar blieb. Bleibt er im ressourcenfressenden Stadtverkehr noch knapp im zweistelligen Bereich, lässt er sich auf Landstraßen oder Autobahnen durchaus auch mit sieben bis acht Litern auf 100 Kilometern abfertigen.

 

Lexus RX 450h Tankdeckel
Muss seltener geöffnet werden als erwartet – der Tankverschluss für Superbenzin.

 

Das sind immer noch mindestens knapp zwei Liter mehr als die Werksangabe suggeriert, doch in Anbetracht der Größe dieses SUV’s, darf man das als durchaus sparsam für diese Klasse bezeichnen.

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Ausstattung, Sicherheit und Komfort

Ausgerüstet mit der höchsten Ausstattungslinie „Luxury Line“ plus Assistenz-Plus-Paket, bietet der große Japaner nahezu alle erdenklichen Extras, die man sich wünschen könnte.

Bereits kurz angesprochen haben wir die formidablen Sitzmöbel im Lexus RX 450h, welche zudem eine automatische Sitzheizungsfunktion besitzen. Hierbei wird je nach Außen- und Innentemperatur die Sitzheizung in entsprechender Stärke automatisch zugeschaltet – im entsprechenden Untermenü feingranular anpassbar.

 

Lexus RX 450h Sitzheizung
Grandios – die Sitzheizungsautomatik arbeitete überaus exakt.

 

Das funktionierte während des gesamten Testzeitraumes derart perfekt und harmonisch, dass man sich Hals über Kopf in diese Ausstattungsoption verliebt und nie mehr missen möchte. Immer auf den Punkt, immer genau richtig temperiert – das bekommt man manuell geregelt nicht so exakt hin.

Dagegen erwärmt die Lenkradheizung leider nur die beiden Griffstellen links und rechts des Kranzes. Der obere und untere Bereich aus Edelholz bleibt dagegen kalt. Muss man im Winter viel Lenkbewegungen – beispielsweise in engen Passagen und beim Rangieren – absolvieren, wirkt dies unangenehm.

Der Joystick in der Mittelkonsole erlaubt das Nutzen eines Cursors auf dem riesigen Bildschirm und gibt dabei auch haptisches Feedback. So erfährt die Joystick führende Hand einen leichten Widerstand, wenn sie bestimmte Bereiche auf dem Bildschirm verlässt oder erreicht. Das dabei zu bewegende Fadenkreuz erinnert stark an Moorhuhnjagden aus vergangenen Smartphone-Spielepochen.

 

Lexus RX 450h Joystick
Exot – Die Joystickbedienung verlangt Fingerspitzengefühl und viel Übung.

 

Vibrierende Rückmeldungen erlauben so eine haptische Strukturwahrnehmung des Bildschirmmenüs. Diese Art der Bedienung verlangt vor allem anfangs einer ordentlichen Portion Übung und etwas Fingerspitzengefühl, bevor man sich an diese doch recht exotische Bedienung gewöhnt hat und nicht immer am Ziel vorbei oder darüber hinaus manövriert.

Insgesamt erwies sich die Bedienbarkeit als mitunter etwas umständlich. Einige Menüpunkte, wie das Einstellen der akustischen Routenführung, sind nur durch den tieferen Einstieg in die Menüebenen erreichbar.

 

Lexus RX 450h Navi
Geografie-Unterricht – die große Kartendarstellung erlaubt komfortable Übersichtlichkeit.

 

Die Sprachsteuerung der Navigation verdaut sowohl die gesamte Zieladresse in einem Satz, als auch die Einzelangabe von Ort, Straße und Hausnummer. Dabei muss man sich allerdings an die Vorgaben des Systems richten, die bei Aktivierung der Sprachsteuerung angezeigt werden. Zudem kommt zum Start der Routenführung auch noch die unabdingbare Nutzung des Joysticks, um den letztendlichen Startbefehl am Ende doch noch manuell geben zu müssen. Das alles ist zwar vielseitig, birgt aber auch Ablenkungsgefahr bei der Nutzung während der Fahrt.

Eine vorbildliche Ausleuchtung bescheinigen wir den Bi-LED-Scheinwerfern, welche dank Matrix-Funktion auch vorausfahrenden und Gegenverkehr zuverlässig und schnell ausblenden können. Die Reichweite und die Homogenität des Leuchtkegels bieten keinerlei Anlass zur Kritik. Lediglich die nicht abschaltbare Lichtfunktion konnten wir nicht verstehen. Es gibt nur „Licht an“ oder „Lichtautomatik“ – ein komplettes Abschalten des Lichtssystems ist nicht möglich.

 

 

Mark Levinson heißt die Marke des verbauten 7.1 Surround Soundsystem und konnte im Test bedingt überzeugen. Allerdings bedarf es hier vorab einiger Änderungen im Setup. Bei Übergabe waren alle Parameter auf Surround gestellt, was dazu führte, dass einige Musikstücke zwar gefühlt „von überall herkamen“, aber klanglich wenig reizvoll aufwarteten.

Dies änderte sich bei entsprechender Einstellung, sodass man diesem System mit seinen 15 Lautsprechern einen doch warmen und dynamischen Klang – mit Abstrichen bei den Feinheiten der Höhen – abverlangen kann. Nur kam trotz mittiger Fader/Balance-Einstellung der Sound gefühlt immer von vorn. Mit der High-End-Liga à la Bowers & Wilkins oder Burmester vermag dieses System nicht mitzuhalten.

 

 

Beim Thema Connectivity gab es nur eine Einschränkung: Beim Verbinden von Smartphones via Bluetooth gelang dies bei allen Geräten der Android- und Apple-Klasse mit Ausnahme eines Huawei-Smartphones P9, welches sich partout nicht mit dem System verbinden ließ.

Ein weiteres Komfortplus beinhaltet die elektrisch betätigte und auch per Fußbewegung steuerbare Heckklappe, welche jedoch viel zu langsam öffnet und schließt. Dazu kommt, dass das SUV während des Schließvorgangs nicht verriegelt werden kann. Man muss erst diesen abwarten, um das Fahrzeug abschließen zu können.

 

Lexus RX 450h Assistenzschalter
Lässt sich auch vom Fahrerplatz öffnen – die elektrische Heckklappe.

 

Eine Armada an Assistenzen sorgen im Lexus RX 450h für diverse Fahrunterstützungen und ein hohes Maß an Sicherheit.

Die Assistenzsysteme sind in der Praxis relativ ausgereift, insbesondere die Verkehrszeichenerkennung schien so etwas wie „Lernfähigkeit“ vorzuweisen: Nachdem diese mehrfach in einer – neu errichteten – 30er-Zone dennoch 50 anzeigte, so hatte sie beim fünften Durchfahren auch erkannt, dass 50 nicht mehr aktuell ist. An verschmutzten Kameras oder Sensoren kann dies nicht gelegen haben, da der Lexus RX 450h zu dem Zeitpunkt blitzsauber war.

 

Lexus RX 450h HUD
Zeigt auch Spurhaltehinweise an – das farbige Headup-Display.

 

Der Spurhalteassistent zeigte im Test eine leicht arbeitsscheue Charakteristik bis zur Überschreitung der identifizierten Linie. Sobald man den magischen, weißen Balken passiert hat, greift die Elektronik mit einer Vehemenz ein, dass es in einem Zweikampf Mensch gegen Maschine ausartet – jedoch mit Aussetzern.

Entsprechend uneins sind sich die Systeme, ob nach Verlassen der Spur mit der unbändigen Kraft eines Ninja-Kriegers oder gar nicht agiert wird. Rechts, links, zack – die Systeme versuchen zwanghaft, die Mitte auszuloten, was aber andere Systeme weitaus weniger mechanisch-stumpf verrichten.

 

Lexus RX 450h Totwinkelassistent
Entdeckt nicht nur große Brummer – der Totwinkelassistent arbeitete zuverlässig.

 

Langstrecken ist neben der satten, schweren Straßenlage und der Sicherheit vermittelnden Dimensionen auch der sehr verlässliche, adaptive Tempomat zuträglich. Neben der Präsentation aller relevanten Infos im HUD zeigte sich insbesondere die Bedienung über das Mini-Hebelchen rechts vom Lenkrad als ausgesprochen komfortabel.

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Varianten und Preise des Lexus 450h

Die Qual der Wahl fällt bei diesem SUV, der größentechnisch ungefähr auf Augenhöhe mit einem BMW X5 oder dem Audi Q7 steht, zwischen fünf verschiedenen Ausstattungsvarianten.

  • Lexus RX 450h: Das Einstiegsmodell besitzt unter anderem bereits LED-Scheinwerfer, 8-fach elektrische Sitze, adaptiven Tempomaten und Rückfahrkamera für ab 58.900 Euro.
  • Lexus RX 450h Business Edition: Ab einem Preis von 61.450 Euro erhält man bei dieser Ausstattung beispielsweise eine induktive Ladeschale für Smartphones, Verkehrszeichenerkennung, einen adaptiven Tempomaten und eine Rückfahrkamera.
  • Lexus RX 450h Executive Line: Für mindestens 65.850 Euro gibt es obendrauf serienmäßig Lederausstattung mit Sitzmemory und Sitzbelüftung, 20-Zoll-Räder, dynamische Blinker, elektrische Heckklappe mit Gestensteuerung und einiges mehr.
  • Lexus RX 450h F Sport: Neben exklusiven sportiven Merkmalen wie speziellen 20-Zoll-Rädern, kann bei diesem Modell die Rücksitzbank elektrisch umgeklappt werden, Sitzheizung gibt es auch hinten, ein adaptives Fahrwerk sowie ein Audiosystem mit 12 Lautsprechern und DAB-Radio sind für einen Startpreis ab 76.500 Euro ebenfalls an Bord.
  • Lexus RX 450h Luxury Line: Das Topmodell verbindet obendrein Sitzbezüge aus Semianilinleder, ein lederbezogenes und beheizbares Lenkrad sowie das 7.1 Surround Premium-Soundsystem von Mark Levinson mit 15 Lautsprechern für mindestens 76.550 Euro.

Rüstet man die Luxury Line des Lexus RX 450h noch mit den möglichen Optionen wie dem Assistenz Paket Plus, dem Panorama-Glasdach, der Anhängezugvorrichtung und einigen wenigen noch obendrein verfügbaren Features auf, kommt man auf einen Gesamtpreis von knapp 85.000 Euro.

 

Lexus RX 450h schräg vorne
Knapp über 80.000 Euro kostete unser Testwagen in Luxury Line Ausführung.

 

Die Hybridversion dieses SUV bietet Lexus ausschließlich mit der hier getesteten Motorisierung in der Kombination aus V6-Benziner und Elektroantrieb an.

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Garantie und Service

Jedes Lexus-Neufahrzeug erhält eine 3-Jahre-Neuwagengarantie, die bis maximal 100.000 Kilometer Laufleistung gilt – je nachdem was zuerst erreicht wird. Besonderheit hier: Im ersten Jahr der Garantielaufzeit gibt es keine Kilometerbegrenzung.

Auf den Lack gibt es eine 3-Jahre-Garantie, gegen Durchrostungen eine 12-Jahre-Garantie sowie im Falle des Lexus RX 450h eine 5-Jahre-Garantie auf alle Hybridkomponenten.

Die Mobilitätsgarantie Lexus Euro Assistance 24 gilt die ersten drei Jahre ohne Kilometerbegrenzung.

Eine Zusatzgarantie namens Lexus Select ermöglicht eine kostenpflichtige Garantieverlängerung bis zu einem Fahrzeugalter von maximal acht Jahren beziehungsweise einer Laufleistung von 1.000.000 Kilometern. Dabei werden Arbeitslöhne und Teilekosten zu 100 Prozent abgedeckt. Sogar Gebrauchtwagen können in den Genuss dieser interessanten Garantie kommen, sofern sie nicht älter als fünf Jahre sind und ein 125-Punkte-Checkprogramm absolviert haben. Die Mobilitätsgarantie ist in dieser Zusatzgarantie inkludiert.

 

Lexus RX 450h schräg hinten links
Garantieverlängerungen bis zu 1 Mio Kilometer Laufleistung ist eine Ansage.

 

Das Thema Service wird bei Lexus extrem ernst genommen. Daher gibt es für jeden Lexusbesitzer ein umfangreiches Serviceportfolio, welches unter anderem einen Hol- und Bringdienst im Radius von einer Stunde Fahrzeit beinhaltet. Zudem gibt es einen Shuttleservice, jeder Lexus wird bei jedem Service außen und innen gereinigt und ein Schnellservice für eilige Kunden spart Zeit und Nerven. Diese Punkte sind nur eine kleine Auswahl des facettenreichen Serviceangebots von Lexus.

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Fazit – Gelassenheit mit Luxusbonus

Neben einem polarisierenden und äußerst interessanten Außenkleid besitzt der Lexus RX 450h im Innenraum all das, was man für einen ausgeprägten Wohlfühlfaktor benötigt. Wie in einer geräumigen Lounge aktiviert sich mit der ersten Sekunde ein innerer Relaxmodus, welcher auch mit jedem gefahrenen Meter in diesem SUV bestätigt und gehalten wird.

Weder Fahrsportler, noch Hektiker werden dieses Auto mögen, wobei letzteren diese Art der erdenden Fortbewegung fast schon wieder als Therapie auferlegt werden könnte. Mit der Devise Zurücklehnen sowie entspanntes und dennoch kraftvolles Vorankommen bleibt der Alltag draußen und die Contenance im Innenraum des Lexus.

 

Lexus RX 450h Posing
Toplevel der Gelassenheit – Der Lexus RX 450h ist komplett anders als andere – das macht ihn aus.

 

Insgesamt zeigt sich der Lexus RX 450h als ein grundsolides, aber doch recht kostspieliges Hybrid-SUV mit einer scharfen Optik, einer umfangreichen Sicherheits- und üppigen Luxusausstattung. Eine extrovertierte Klientel ist hier ebenso angesprochen, wie der Kleinunternehmer, der auf ein überdurchschnittliches Platzangebot und eine hohe Sitzposition nicht verzichten, wohl aber auch etwas für das ökologische Gewissen tun möchte.

 

Text/Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

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Konkurrenz:
Volvo XC90, BMW X5, Audi Q7, VW Touareg, Mercedes GLE

 

 

Technische Daten: Lexus RX 450h Luxury Line

Farbe: Platinum Silber Metallic

Länge x Breite x Höhe (m): 4,89 x 1,90 x 1,69

Radstand in mm: 2.790

Verbrennungsmotor: V6 Benzinmotor

Leistung Benzinmotor: 193 kW (262 PS) bei 6.000 rpm

Hubraum: 3.456 ccm

Max. Drehmoment: 335 Nm bei 4.600 rpm

Leistung Elektromotoren: vorn: 123 kW (167 PS); hinten: 50 kW (68 PS)

Drehmoment Elektromotoren: vorn: 335 Nm; hinten: 139 Nm

Systemleistung: 230 kW (313 PS)

Elektrischer Speicher: Nickel-Metallhydrid Akku 288 Volt

Getriebe: Stufenlose Automatik CVT

Antrieb: E-FOUR Allrad (vorn: kombiniert V6 + E-Motor No. 1; hinten E-Motor No. 2)

Verbrauch kombiniert (NEFZ-Norm): 5,2 L/100 km

Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 8,1 L/100 km

CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 120 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 200 km/h (abgeregelt)

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 7,7 Sekunden
Leergewicht: 2.155 kg
Laderaumvolumen: 539 Liter (1.612 Liter bei umgeklappten Rücksitzlehnen)

Kraftstofftank: 65 Liter

Neupreis des Testwagens: 80.350 Euro

 

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