Corvette C7 Grand Sport – Carbon 65 Edition, go!

65 Jahre Corvette, das bedeutet über sechs Jahrzehnte Sportwagenfeeling der besonderen Art und mit der limitierten Carbon 65 Edition zelebriert die Corvette C7 Grand Sport dieses geschichtsträchtige Jubiläum.

Insgesamt finden 650 Fahrzeuge dieser strengen Limitierung den Weg auf den heißen Asphalt und nur 120 Stück werden davon bis nach Europa finden. Dabei bleibt diese Edition mit dem überaus großzügigen Einsatz von Sichtcarbon ausschließlich den Versionen Grand Sport und der Z06 vorbehalten.

Eine Rarität auf Rädern sozusagen, von der wir die Corvette als Grand Sport einem ausführlichen Test unterzogen und die Ergebnisse in diesem Fahrbericht natürlich nicht vorenthalten wollen.

 

 

Exterieur – Wenn Design fast hörbar wird…

…dann muss es wohl eine Carbon 65 Edition sein. Diese sieht nicht nur nach Rennstrecke aus, sondern man scheint bereits durch den Anblick des Sondermodells deren Einsatz auf der Rennstrecke hören zu können.

Insgesamt beobachteten wir bei dieser Corvette C7 Grand Sport als Carbon 65 Edition eine extrem ausgeprägte, nicht abreißende Neugier und Interesse bei Passanten und anderen Verkehrsteilnehmern. Kaum ein anderes Fahrzeug wurde während unserer Testfahrten derart häufig per Smartphone oder Fotoapparat festgehalten.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Seite
Extrem fotogen – Die Carbon 65 Edition musste sowohl mit abgenommenem Targadach…

 

Da warteten Leute sogar auf dem Parkplatz in ihrem Auto, bis man zurück zur Vette kam, um den Start des V8 aufs Smartphone zu bannen. An Fußgängerüberwegen, am Fahrbahnrand und im Rückspiegel sah man beim Halt an Ampeln und Vorfahrtsstraßen im nachfolgenden Auto stetig filmende oder fotografierende Leute.

…ich befürchte, ich bin samt Corvette aktuell öfter auf YouTube als Justin Bieber!

Eine diese Situationen sehr treffend beschreibende – natürlich nicht ganz ernstgemeinte – Aussage fanden wir im Bordbuch der Redakteure.

Die Corvette C7 Grand Sport als Carbon 65 Edition erregte jedoch genau so viel Aufsehen wie andere, teilweise ein Vielfaches dieses Exemplars kostende Exoten.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 geschlossen
…als auch in geschlossener Coupéform sehr oft als Motiv herhalten.

 

Die Zauberformel lautet kohlefaserverstärkter Kunststoff – besser bekannt als Carbon, mit dessen Hilfe diese Corvette C7 Grand Sport mit nachhaltiger Wirkung in Szene gesetzt wurde. Als sichtbares Carbon findet man das nur mit Klarlack versiegelte High-Tech-Material an jeder Ecke der auch ohne dieses sichtbar gewordene Highlight bereits omnipotente Karosserie des US-amerikanischen Boliden.

Vom Mittelteil der Motorhaube, den seitlichen hinteren Lufthutzen, über den Front- und den massiven Heckspoiler und dem – typisch für ein Corvette – herausnehmbaren Targadach, bis zu den Außenspiegelabdeckungen und den Schwellerspoilern. Überall zeigt sich der meisterhaft in Köpermuster gewobene, extrem leichte und widerstandsfähige Werkstoff.

 

 

Doch das allein ist noch längst nicht alles, was diese einzigartige Edition ausmacht. Denn die Kontrastierung mit der außergewöhnlichen Farbgebung in Ceramic Matrix Grey, einem je nach Lichteinfall zu einem leichten Hellblauton tendierenden Sonderlack setzt dem Gesamtpaket die Krönung auf.

Doch keine Krönung ohne einem i-Tüpfelchen: Dieser wird hier durch diverse Dekorfolien in Blau in Form von Fenderstreifen, inklusive dem Schriftzug CARBON 65 und Türdekorelementen realisiert. Als Ergebnis strotzt die Vette nur so vor optischer Präsenz, ohne dabei aufdringlich zu wirken, jedoch mit einer Art optischen Lautstärke, welche eine Endlosschleife an Respektwogen bei jedem Betrachter auszulösen vermochte.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Vorderrad
Karbon-Keramik-Pizza – Die riesigen Bremsscheiben der Brembo-Bremsanlage.

 

Die schwarz lackierten Grand-Sport-Cup-Felgen – vorne in 19- hinten in 20-Zoll –  sind Bestandteil der Carbon 65 Edition. Die spezielle Bereifung und die dahinter in blau gehaltenen Bremssättel der Karbon-Keramik-Bremsanlage sind typische Erkennungsmerkmale des gut 15.000 Euro teuren Z07-Performance-Pakets, zu dem wir später noch kommen.

Mit dem Einsatz all dieser Elemente wird die ohnehin bissig maskuline Erscheinung der Corvette C7 Grand Sport markant und einzigartig unterstrichen. Maskulin steht dabei in einer zum Lächeln verleitenden Renitenz zur geschlechtlichen Zuordnung der Corvette. Denn sie ist neben der legendären „Ente“ von Citroen das einzige Auto mit weiblicher Zuordnung. Die Corvette eben.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 offene Türen
Sesam, öffne dich – Rahmenlose Türen und eine große Klappe – Pardon, Heckklappe.

 

Die langgezogene Heckklappe mündet im bereits erwähnten Carbon-Heckspoiler und wird durch leichtes Anlehnen zum Schließen dank Soft-Close-Automatik leise ins Schloss gezogen.

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Interieur – Cool, edel und performanceorientiert

Nach dem etwas hakelig gelingenden Türöffnen des reinen Zweisitzers – dazu muss man mit dem Finger in eine Mulde fahren und einen Knopf zur elektrischen Betätigung zu ertasten – erwartet den Betrachter eine wahre Symphonie des Materialeinsatzes, bestehend aus den Protagonisten Nappaleder, Alcantara und – wie soll es anders sein – Sichtcarbon im Überfluss.

Für den beständigen Dualismus erfährt die Farbe Blau auch im Innenraum der Corvette C7 Grand Sport ihre Fortsetzung in Form von Kontrastnähten überall.

 

 

Vor allem die Sitzflächen der Competition-Sportsitze, die Armauflage der Mittelkonsole sowie die seitlichen Griffflächen des griffigen Lenkrades erhielten das sportliche Alcantara, welches der naturbedingten Erhöhung des Schweißtreibens durch Adrenalin wirkungsvoll entgegenwirken können.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Cockpit
Fahrerfokus – Die deutliche Neigung zum Piloten ist in der Corvette unübersehbar.

 

Der Seitenhalt dieser auch optisch erstklassigen Sitze entspricht dem einer hydraulischen Zange und die Sitzposition ist derart tief, dass man sich um den Hosenboden sorgt, falls es mal einen Aufsetzer geben sollte.

Ansonsten findet man einen überraschend ergonomischen, deutlich dem Fahrer zugeneigten und trotz aller Performance-Aspekte durchaus bequemen Arbeitsplatz vor. Der zentrale Touchscreen erinnert an andere GM-Modelle und verbirgt hier zusätzlich per Knopfdruck ein Staufach hinter dem Screen, der dabei elektrisch heruntergefahren wird.

 

 

Zugegeben, die Rundumsicht in der Corvette C7 Grand Sport ist nur mäßig, nach hinten gar fast skandalös beeinträchtigt – doch das ist bei allen Supersportlern mehr oder weniger der Fall. Glücklicherweise gibt es aber hier diverse Helferlein, auf die wir später noch genauer eingehen.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Kofferraum
Gar nicht mal so mickrig – Der Kofferraum ist für einen Sportwagen vollkommen okay.

 

Auch den Kofferraum möchten wir nicht unerwähnt lassen. Dieser schluckt mindestens 287 Liter – bis zum Dach sind es gar 425 Liter – und damit das Gepäck der maximal zwei an Bord befindlichen Personen auch für ein verlängertes Wochenende. Die schräg abfallende Coupé-Linie beschränkt diesen Raum zwar auf individuell anpassbare Gegenstände und schließt sperrige Dinge von vornherein aus, dennoch ist der Platz absolut akzeptabel für solch einen Sportler.

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Motor & Fahreigenschaften – Konzert der V8-Posaunen

Das Herz der Corvette C7 Grand Sport bildet ein 6.2-Liter V8-Saugmotor, der nach wie vor auf Mehrventiltechnik pfeift und aus diesem Grund immer noch mit nur 91 Oktan auskommt. Da es diese Benzinsorte a la „Normal“ in Deutschland gar nicht mehr gibt, genügt dem 466 PS starken Antrieb hierzulande das herkömmliche „Super“.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Tankstutzen
In dieser Liga fast sensationell: Der Corvette genügen nur 91 Oktan.

 

Außerdem fallen bis zu 630 Newtonmeter über die Hinterachse her, welche mittels Sportpneus der Marke Michelin Pilot Sport Cup 2 in beeindruckender 335er Breite auf den Asphalt gebannt werden. Diese Reifen sind ebenso wie eine Karbon-Keramik-Bremsanlage von Brembo und eine Spurverbreiterung der Z06, von 33 Millimeter vorne beziehungsweise 43 Millimeter hinten, Bestandteil des optionalen Z07-Paket, mit dem man Querbeschleunigungen von bis zu 1,2 g erreichen soll. Soweit die Theorie.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Reifengröße
Fett, Vette, Corvette – Mit 335er Pneus am Heck wirkt die Grand Sport richtig satt und breit.

 

Wir betätigen den in Carbon gebetteten Aluminium-Startknopf und lassen einen Achtender zum Leben erwachen, der bereits im kalten Leerlauf durch sein überaus typisches V8-Bollern und Brabbeln Gänsehautwellen über die Arme der Anwesenden jagt.

Die Kraft aus acht Brennräumen erfährt nun, befehligt im Testfahrzeug per alcantarabezogenem Wahlhebel der Achtstufen-Automatik, die Verbindung zur Hinterachse – los geht’s. Selbst der kleinste Gasbefehl erfolgt blitzartig, ohne jeden Verzug und lässt bereits bei dieser zarten, ja zurückhaltenden Behandlung das Potenzial des Corvette C7 Grand Sport als Carbon 65 Edition erahnen.

Übrigens: Wer den Gangwechsel in seiner Corvette nicht dem Getriebe überlassen möchte, der erhält auf Wunsch ein Siebengang-Schaltgetriebe. Dieses wartet mit einem kurzen, mit Alcantara bezogenen Schaltstummel auf, der grandios in der Hand liegt und der dank sehr kurzer Schaltwege ein ordentliche Portion Spaß garantiert. Eine harte Kupplung mit sehr spitzem Schleifpunkt ergänzt die Arbeit, die verrichtet werden muss, um die Corvette zu dirigieren.

 

Corvette C7 Handschalter
Hier zu sehen der Schaltknauf in einem anderen Modell.

 

Wer sich in einem Handschalter über die vorhandenen Schaltwippen wundert, dem sei gesagt, dass es sich hierbei um die Aktivierung beziehungsweise Deaktivierung des sogenannten „Reverse Shift“ handelt. Diese Funktion ist eine automatische Drehzahlanpassung, die beim Herunterschalten automatisch Zwischengas gibt und die Drehzahl entsprechend anpasst. So kann der Fahrer die volle Leistung sofort abrufen, die Motorbremse entfällt bei der aktivierten Funktion.

 

Corvette C7 Reverse Match
Schaltwippen gibt es auch im Handschalter – Allerdings mit anderer Funktion.

 

Doch zurück zum Testobjekt. Nach nur einigen Metern stellt der V8 seinen Kaltstartbetrieb ein und wechselt vom schmutzig-grimmigen Brabbeln in die brummelnde Leerlaufdrehzahl, die wir während der ersten mehreren hundert Metern durch urbanes Gebiet kaum verlassen und auch in den weiteren Kilometern durch die Stadt nie die 2.000er Marke auf dem Drehzahlmesser touchieren.

 

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Motor
Hab Acht! – Der V8 Sauger ist leistungs- und klangtechnisch eine echte Wonne.

 

Eine gelb/rote Anzeige im Drehzahlmesser zeigt übrigens die maximal nutzbaren Drehzahlen bei kaltem Motor an und erhöht sich mit zunehmend wärmeren Aggregat. Wir finden das sehr gut, verlassen uns aber ganz und gar auf das Motorenölthermometer, weil wir vor einem forcierten Leistungsabruf das Öl immer die Betriebstemperatur erreichen lassen. Bevor dies der Fall ist, gibt es schon länger keine Drehzahleinschränkungen vom System der Corvette C7 Grand Sport mehr.

Es hat aber vor allem bei kalten Reifen auch kaum Zweck, die Leistungen des Boliden abzurufen, denn in der Aufwärmphase ist der Kampf um Traktion allgegenwärtig.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Reifentemperatur
Einige Kilometer Geduld – Erst wenn die Reifen warm sind, liefern sie Grip ohne Ende.

 

Erst knapp 20 Kilometer weiter fahren wir endlich auf die erste Schnellstraße und lassen erstmals das Gaspedal bei nun betriebswarmer Maschine näher gen Boden gleiten. Das Brummeln verwandelt sich sofort in aufmerksames Bollern, die Gasannahme zeigt sich so zackig, wie die Befehlsumsetzung einer militärischen Exerzierbrigade und untermalt die Beschleunigung satt und lässt unsere Mundwinkel nach oben gleiten.

Schluss mit lustig – die Autobahn ist erreicht und wir wechseln vom Fahrmodus Tour gleich mal über den Sportmodus hinweg zum Trackmodus und treten das Gaspedal der Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 voll durch.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Track-Modus
Im Trackmodus – Hier erhält man im multifunktionalen Display alle Werte im Überblick.

 

Auf der Beschleunigungsspur schaltet die Automatik gleich mal drei Stufen zurück und der V8 brüllt wie von der Tarantel gestochen einen infernalen Kampfschrei aus den vier aneinandergereihten Posaunen, die ab diesem Moment genau diesen Spitznamen erhielten.

Mit unnachgiebigem Druck peitscht der Achtender in lidschlagschneller Manier bis zum roten Drehzahlbereich und wirft dann – untermalt mit einem infernalen, explosionsartigen Knall – die jeweils nächste Fahrstufe hinein.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Endrohre
Posaunenquartett – Diese Endrohre schmettern per Gasbefehl V8-Sound vom Feinsten.

 

Die Beschleunigungseuphorie beginnt von Neuem und beim Ausdrehen der vierten Stufe haben wir bereits einen Speed erreicht, der weit über der empfohlenen Richtgeschwindigkeit liegt. Wir wollen es jedoch wissen, denn sowohl die leere Bahn als auch das trockene Wetter spielen mit und wir bleiben auf dem Gas und was auch immer jetzt kommt, kann uns nicht von diesem – in Worten schwerlich zu beschreibenden – Sammelsurium an Eindrücken ablenken.

Untermalt vom einzigartigen Klang des Sechskommazweiliters strebt die Corvette C7 Grand Sport nach vorne, als gäbe es kein Morgen. Grand Sport! Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Heck
Most seen sight – Diesen Anblick sehen die meisten Verkehrsteilnehmer am Häufigsten.

 

Beachten sollte man allerdings, dass die Corvette C7 Grand Sport eine nicht zu verachtende Aufmerksamkeit bei extrem hohen Geschwindigkeiten verlangt. Jenseits der Tempo 200 gehört das Lenkrad grundsätzlich beiden Händen und der Fahrer achtet auf jede Reaktion des Fahrzeugs. Ganz so seelenruhig wie beispielsweise ein Panamera oder ein GT-R vermag die Vette in diesen Bereichen nicht abzurollen.

Nach gut 100 Kilometern geht es runter von der Autobahn, rauf auf eine kurvenreiche Landstraße. Auch hier zeigt die Corvette C7 Grand Sport, wozu sie gebaut wurde. Kurven und selbst enge Kehren durchschneidet die Vette, wie ein heißes Messer, das durch ein Stück Butter fährt.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Fahrmodi
Dreh-Momente – Den gewünschten Fahrmodus wählt man per Drehregler.

 

Dank des optionalen Z07-Performance-Pakets, was auch das Magnetic Selective Ride Control Fahrwerk beinhaltet, klebt die Carbon 65 Edition bei betriebswarmen Pneus praktisch auf der Straße, lässt nur bei allzu ungezügelten Umgang mit dem Gaspedal das Heck – auch jetzt noch erstaunlich kontrollierbar – schwänzeln.

Der Grenzbereich wird deutlich angekündigt und ein Spiel mit den physikalischen Grenzen gelingt bereits nach kurzer Zeit mit der Vette erstaunlich gut. Im Vergleich zum Camaro beispielsweise, lässt das ESP hier – vor allem in den Sportmodi – noch mehr Driftwinkel zu, bevor sie mit kräftig eingreifender Hand das Ende der Fahnenstange markiert.

Die Corvette macht einen riesen Spaß und vermittelt in jeder Situation ein immenses Maß an Sicherheit.

Immer wieder finden wir derartige Einträge im Bordbuch unserer Testfahrer.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Brembozange
Massenvernichtungsmittel – Zumindest wenn es um kinetische Energie geht: Brembo.

 

Nicht ganz unbeteiligt daran sind die recht giftig reagierenden, bei Bedarf unbarmherzig Energie vernichtenden Karbon-Keramikbremsen von Brembo, mit denen die Negativbeschleunigung nicht nur glasklar dosierbar, sondern bei hundertprozentigem Abruf auch bei Tempi nahe der 300er-Marke kompromisslos standfest bleiben – gleichgültig, wie oft man dies hintereinander benötigt.

Das Überholprestige der Corvette C7 Grand Sport ist hervorragend – Alles was aktiv am Straßenverkehr teilnimmt, macht der Corvette Platz. Besitzer von Tombola-Führerscheinen, denen die Funktion eines Rückspiegels ein immerwährendes Geheimnis bleibt, ignorieren diese natürlich auch, würden dies aber wahrscheinlich selbst bei einem von hinten herannahenden Kampfpanzer tun.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Front
Knock knock! – Wer dieses Antlitz im Rückspiegel erblickt, macht freiwillig Platz.

 

Das knochenharte Fahrwerk passt perfekt auf der Rennstrecke und zu allen gut ausgebauten Straßen, fordert bei schlechter Asphaltpflege allerdings ihren Tribut und schüttelt die Insassen gehörig durch. Hinzu kommt die extrem übersichtliche Bodenfreiheit, die jeden noch so flachen Bordstein zum Public Enemy Number One erklärt.

Jede Tankstelleneinfahrt und vor allem Ein- und Ausfahrten von Tiefgaragen sollten vor deren Nutzung auf ihre Tauglichkeit inspiziert werden. Sonst läuft man schnell Gefahr, mit dem wunderschönen wie aerodynamisch vorteilhaften Frontspoiler oder den Seitenschwellern aufzusetzen.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Bereifung
No rain please – Mit dieser Bereifung ist bei Nässe der Spaß vorbei.

 

Damit nicht genug, besitzen auch die bei trockener Witterung und entsprechenden Betriebstemperaturen hoch performanten Reifen eine zweite Medaillenseite. Diese zeigt sich dann ebenso eindrucksvoll bei Nässe, denn jetzt ist spätestens Schluss mit Lustig und die Haftung schwindet mit jedem weiteren Regentropfen.

Bei echtem Platzregen lässt sich die Vette nur noch in einer Reihe mit den Vierzigtonnern auf der rechten Spur bewegen. Wird es unwetterartig, ist nicht mal mehr Tempo 70 drin, denn Aquaplaning hat bei dermaßen geringen Profiltiefen leichtes Spiel.

Glücklicherweise bietet der sogenannte Drive Mode Selector fünf verschiedene Fahrmodi an und bei dieser Art von meteorologischen Kapriolen bietet sich der Modus „Weather“ an, der Drehmoment- und Leistungskurve gehörig reduziert und so die Vette brav über die Wasserbahn rollen lässt.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Radschlupf
Wenig bis keinen – Das gilt immer noch als Optimum für den Radschlupf.

 

Doch auch bei besten Witterungsverhältnissen kann man mit der Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Edition bestens das Cruisen zelebrieren. Bei Tempo 100 liegen gerade einmal 1.400 Touren an und selbst bei 200 km/h dreht der Motor im 8. Gang nur mit 2.700 Umdrehungen pro Minute.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Verbrauch
Etwas über zehn Liter als Bestwert ist für diesen Performancler echt in Ordnung.

 

Das Thema Verbrauch beginnt mit einer Eco-Testfahrt, bei der wir mit der Vette artfremd mit Tempo 80+ über eine Landstraße kullern und den Verbrauch bei knapp über zehn Liter manifestieren können. Bei High Speed Orgien waren es dann mehr als 18 Liter und im Durchschnitt fuhren wir die Corvette C7 Grand Sport mit gut 14 Liter auf 100 Kilometer. Das entspricht ungefähr zwei Liter mehr, als die Werksangabe verspricht.

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Ausstattung, Komfort, Sicherheit der Corvette C7 Grand Sport

Im Grunde mangelt es in der Corvette C7 Grand Sport an nichts, was man von einem Sportwagen so alles erwarten könnte. Es geht sogar noch um einiges darüber hinaus. Angefangen vom herausnehmbaren Targadach, was durchaus für cabrio-ähnliche Fahrgefühle sorgen kann, bis hin zur ganz entzückend klingenden Bose-Soundanlage, welche mit einem überaus soliden Bassfundament und einem ansonsten ausgewogenen Klangfeld ordentlich punkten konnte.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Bose
Happy Listening – Das Bose-System klingt in der Corvette richtig gut.

 

Als besonderes Highlight empfanden wir das Headup-Display, welches sich als einziges aus allen bisherigen Tests auch mit einer Sonnenbrille mit polarisierten Gläsern vollkommen einschränkungsfrei ablesen lies. Brillant! Zudem zeigte es in verschiedenen Modi von der Routenführung über Geschwindigkeit, Motordrehzahl und g-Kräften, alles sehr ansprechend animiert an – hier bleiben keine Wünsche offen.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 HUD
Das beste, je von uns getestete Headup-Display in Bezug auf Ablesbarkeit und Infodichte.

 

Für kühle Köpfe sorgt die Zweizonen-Klimaautomatik, deren Bedieneinheit für den Beifahrer sich – ganz in Corvette-Manier – auf der äußeren rechten Seite der Instrumententafel befindet. Darüber hinaus lassen sich die Competition-Sportsitze sowohl beheizen als auch belüften. Beides funktioniert zuverlässig, schnell und äußerst wirksam. Nur die sich nach ungefähr zehn Minuten selbstständig deaktivierende Sitzlüftung muss dann zunächst ab- und wieder angeschaltet werden, um sie wieder in Betrieb zu nehmen.

 

 

Einen Totwinkelwarner gibt es in der Corvette nicht – wozu auch? Man ist eh der Schnellste. Doch Spaß beiseite. Da die Außenspiegel recht weit abstehen, hält sich der tote Winkel recht spitz und die Sicht durch ebendiese Spiegel gestaltet sich zudem sehr gut. Ein Regensensor ist ebenfalls nicht an Bord, was wir dagegen ein wenig bedauerten.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Frontkameras
Blick frei geradeaus – Die Spitze des Frontspoilers dank Kameras sicher im Blick.

 

Das Parken und Rangieren wird glücklicherweise durch drei Kameras unterstützt. Dabei überwachen gleich zwei Frontkameras die für den Fahrer vollkommen unsichtbare Frontspoilerlippe, welche die am weitesten nach vorne und unten reichende Grenze der Fahrzeugfront bildet.

Eine zusammengestellte Vogelperspektive zeigt hier inklusive Hilfslinien den noch vorhandenen Platz zum Bordstein und anderen Hindernissen. Dieses Hilfsmittel ist in der Corvette Gold wert und schützt zuverlässig vor etwaigen Kaltverformungen.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Frontcam
Eine der Frontkameras, versteckt im Frontgrill und im Sommer ständig unter Insektenbeschuss.

 

Dass Performance an der Corvette überall im Fokus stand, zeigen auch die Bi-Xenon-Scheinwerfer mit ihrem sehr hellen und homogenen Lichtteppich. Die Reichweite ermöglicht auch schnelle Fahrt bei Dunkelheit und erweitert diese bei aktivem Fernlicht deutlich. Der Lichtsensor reagierte im Test sehr spät, was zur längeren Lebensdauer der Xenonbrenner beitragen dürfte, die dadurch nicht bei jeder kurzen Unterführung gezündet werden.

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Varianten und Preise der Corvette C7

Nach 65 Jahren stellt die getestete Jubiläumsedition nicht nur ein einzigartiges Sondermodell dar, sondern zeigt eindrucksvoll, dass die Corvette seit Anbeginn ein stetiges Wachstum in puncto Performance, Sicherheit und Technologie vorweisen kann.

Und so gibt es das aktuelle Modell in drei Varianten – jeweils als Coupé oder Cabriolet:

  • Corvette Stingray – Der Einstieg in die mondäne Eightball-Zunft kostet mindestens 91.450 Euro, wofür man die ungezähmte Power von 466 PS aus dem großen 6.2-Liter V8-Sauger erhält.
  • Corvette Grand Sport – Die Reinkarnation des Modells, welches es bereits in den Sechzigern einmal gab, bedeutet die Kombination aus Leichtbau und verbesserter Aerodynamik, einem Chevrolet Performance Data Recorder mit HD-Cam zur Aufnahme der Fahrten inklusive Performancewerte sowie der Maschengrill der Z06 an der Front für mindestens 101.550 Euro.
  • Corvette Z06 – Nach wie vor der Berserker der Corvetten, legt leistungstechnisch noch einen drauf und liefert 659 PS sowie 881 Newtonmeter für ab 129.100 Euro.

Carbon 65 Edition – Das Sondermodell wird 650 Mal gebaut und ist als Grand Sport oder Z06 zu haben. Die Preise beginnen ab knapp 115.000 Euro für die Grand Sport und knapp 139.000 Euro als Z06.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 schräg vorne
Als offener Targa besitzt die Grand Sport Carbon 65 Edition sogar feine Cabrio-Züge.

 

Corvette ZR1 – Das Monster unter den Corvetten leistet sagenhafte 765 PS und 969 Newtonmeter und ist bis zu 340 km/h schnell. Der große Haken: Die Über-Vette ist aktuell nicht in Deutschland erhältlich und wird es wohl auch zukünftig nicht sein. So bleibt hartnäckigen Interessenten mit Habenwill-Syndrom nur der aufwändige und teure Import aus den Staaten. Nicht zu vergessen die dann noch fällige Einzelabnahme durch hiesige Behörden.

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Fazit – Einst geächtet, heute Supersportwagen

Was hat man in der Vergangenheit nicht alles über die Corvette hören müssen. Plastikbomber, unfahrbares Glasfasermonstrum aus Übersee, Zuhältertaxi und diverse weitere unschöne Spitznamen ernteten ältere Generationen des amerikanischen Sportwagens. Doch die Kehrtwende setzte mit der C4 langsam ein, beschleunigte sich über die C5 wie auch die C6 und bügelte jeglichen Ansatz von Klischees und Kritikerstimmen mit der C7 vollends weg. Die Corvette ist ein erwachsener, edler und gleichzeitig hochperformanter Supersportler geworden.

Die Corvette C7 Grand Sport zeigt als Carbon 65 Edition eindrucksvoll, wie eine anerkennenswerte Evolution aussehen sollte. Jede Corvette stellte ihre Vorgängerin leistungs- wie verarbeitungstechnisch in den Schatten. Mit dem aktuellen Modell ist die Corvette mehr konkurrenzfähig als je zuvor und dürfte auch den Platzhirschen so manche Stirnfalte bescheren.

 

Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 schräg vorne links
Extrovertiert hoch V8 – Überall, wo die Carbon 65 Edition auftauchte, war sie der Star.

 

In Kombination mit der einzigartigen Editionsausstattung Carbon 65 und dem enorm performancetreibenden Z07-Paket, wird die Grand Sport zu einem überaus schönen und nicht minder ernstzunehmenden Supersportler, der nicht nur auf den Tracks dieser Welt für manch heißen Reifen sorgen kann.

Fans, Besitzer und Interessenten wissen um die Leidenschaft und Emotion, die mit dem V8-Boliden im Überfluss einhergehen und schätzen die Beherrschbarkeit und die Leistung ebenso wie das charakteristische und ansprechende Design der Corvette.

Kleine ausstattungsrelevante Ähnlichkeiten zu einfacheren GM-Modellen übergeht man alleine schon aufgrund des attraktiven Anschaffungspreises. Denn für das Geld ist anderswo ein Supersportler noch nicht einmal auf den Rädern, geschweige denn auf der Straße.

 

Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

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Konkurrenz:
Porsche 911 Targa 4GTS, Audi R8, Nissan GT-R Track Edition, Dodge Challenger SRT 392

 

 

Technische Daten: Corvette C7 Grand Sport Carbon 65 Edition

Farbe: Ceramic Matrix Grey

Länge x Breite x Höhe (m): 4,49 x 1,87 x 1,24

Radstand in mm: 2.710

Motor: V8 Achtzylinder Otto-Saugmotor mit 2 Ventilen pro Zylinder

Leistung: 343 kW (466 PS) bei 6.000 rpm

Hubraum: 6.162 ccm

Max. Drehmoment: 630 Nm bei 4.600 rpm

Getriebe: 8-Stufen-Automatik

Antrieb: Heck

Verbrauch kombiniert (NEFZ-Norm): 12,4 L/100 km

Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 14,3 L/100 km

CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 282 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 290 km/h (280 mit Z07-Paket)

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 4,2 Sekunden (3,9 mit Z07-Paket)

Bereifung (v/h): Michelin Pilot Super Sport Cup 2 Run-Flat, nur Sommerreifen, P285-30ZR19/P335-25ZR20

Leergewicht: 1.614 kg

Laderaumvolumen: 287 Liter (425 Liter bis zum Dach)

Kraftstofftank: ca. 70 Liter

Kraftstoffart: Super (mindestens 91 Oktan)

Neupreis des Testwagens: ca. 134.950 Euro (Grand Sport ohne Ausstattungsoptionen ab 101.550 Euro)

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