Nissan Qashqai 4×4 – Der Geländetest

Nissan Qashqai 4x4

Wer den Qashqai mit Allrad fahren will, hat bei der aktuellen Baureihe J11 hierfür nur eine Möglichkeit: Der Nissan Qashqai 4×4 1.7 dCi.

Ausschließlich die Dieselvariante wird mit dem intelligenten Allradsystem ALL-MODE 4x4i angeboten. Ist der Qashqai damit genügend gerüstet, um ins Gelände zu fahren? Wir habe es ausprobiert.

 

 

Unterschiede zum Vorgänger

Wenn man in den Technischen Daten des aktuellen Modells schmökert, fällt sofort auf, dass es nun keine Angaben mehr über Böschungswinkel, Rampenwinkel, maximale Steigungen oder Wattiefen gibt. Diese wurden beim akuellen Modell weggelassen.

Einzige Vergleichsmöglichkeit zum Vorgänger bleibt hier die Bodenfreiheit – und hier hat der Neue von ehemals 200 auf nun 182 Millimeter, um exakt acht Millimeter nachgelassen. Das klingt wenig, doch im unwegsamen Terrain zählt jeder Millimeter. Zudem werden durch diese Verringerung der Bodenfreiheit besagte Winkel ebenfalls reduziert. Doch lassen wir nicht Zahlen, sondern Fakten sprechen.

 

 

Das Allradsystem

Mit dem ALL-MODE 4x4i verteilt der Qashqai seine Antriebskraft je nach Anforderung und misst dafür permanent den etwaig entstehenden Schlupf an jedem Rad. Wird Radschlupf festgestellt, lässt eine Haldexkupplung bis zu 50 Prozent der Kraft zusätzlich an die Hinterachse. Nissan schreibt hier bei der Modellbeschreibung in erster Linie vom Einsatz bei Schnee oder Regen.

 

Hinterachse Qashqai Allrad
Deutlich sichtbar: Die Hinterachse der Allradversion mit ihren Antriebselementen.

 

Dies bedeutet, dass das System hauptsächlich entwickelt und abgestimmt wurde, um bei ungünstigen Bedingungen auf befestigtem Untergrund, das bestmögliche Gripverhalten zu gewährleisten. Im Gelände klappt das zwar auch, allerdings mit klaren Grenzen.

Ein großer Vorteil ist hier, dass man per AWD-Lock-Taste das Allradsystem zur permanenten Arbeit überreden kann. Dabei bleibt die Kraftverteilung fix je zu 50 Prozent pro Achse verteilt. Vor allem beim Befahren etwas anspruchsvollerer Strecken empfiehlt es sich hier, diese Funktion bereits vor Antritt der Fahrt zu aktivieren.

 

AWD Lock Taste Qashqai
Einzige, aber wichtige Konkretisierung des Allradsystems: Die Längssperre.

 

Mindestens genauso nützlich ist die Möglichkeit, die Hinterachse durch Umschalten auf 2WD komplett zu entkoppeln. Das reduziert beispielsweise bei Autobahnfahrten die Anzahl an bewegten Teilen und spart somit Kraftstoff.

 

Der Nissan Qashqai 4×4 im Gelände

Über Feldwege, Wiesen oder trockene Felder kommt der Nissan Qashqai 4×4 problemlos und zeigt hier keinerlei Probleme bezüglich Schlupfverhalten. Das hat er in unserem Test mit unerschütterlicher Souveränität gezeigt. Vor allem im vorhin erwähnten Lock-Modus krabbelt das SUV auch brav durch Pfützenansammlungen und kleinere Spurrillen. Demzufolge hat der Japaner in jedem Fall das Zeug, durch leichtes bis teilweise mittleres Gelände problemlos zu kommen.

 

Nissan Qashqai 4x4 auf Schotterpiste
Auf Schotter macht der Qashqai 4×4 eine sehr gute Figur.

 

Wird es anspruchsvoller, sind die Grenzen allerdings klar gesetzt. Ohne entsprechende Bodenfreiheit läuft der Qashqai schnell Gefahr, aufzusetzen – er besitzt zudem keinerlei Schutz seines Unterbodens. Dies kann zum einen zu Beschädigungen führen und zum anderen kann man sich so recht schnell festfahren.

Da auch Achsdifferenzialsperren fehlen, nutzen einem dann im schlimmsten Falle nur ein angetriebenes Rad pro Achse nicht viel, um durch- beziehungsweise weiterzukommen. Weiterhin fehlt der Allradversion auch eine Bergabfahrhilfe, die vor allem bei großem Gefälle äußerst hilfreich das langsame Herunterbremsen automatisch erledigen könnte.

 

Offroad im Nissan Qashqai 4x4
Schlammige Durchfahrten – sofern nicht zu tief – meistert die 4×4-Version des SUV ohne Mühe.

 

Aus diesem Grunde haben wir gar nicht erst versucht, von LKWs verschlammte, spurrillenträchtige Wege zu bewältigen oder gar über felsige Abschnitte zu kraxeln. Auch eine 30 Zentimeter tiefe Bachdurchfahrt haben wir lieber nicht angetreten.

Dafür befuhren wir über ungefähr 80 Kilometer staubige Wege, sandige, mit Wurzeln durchzogene Waldwege, nasse Wiesen auf ebenem und teils hügeligem Grund sowie Schotterpisten mit teils größeren Schlaglöchern. Hier machte der Qashqai 4×4 eine sehr gute Figur. Auch wenn sicherlich mehr als zwei Drittel davon auch mit dem Frontantrieb bewältigt werden könnte, gab uns das Allradsystem in der einen oder anderen Situation doch ein Mehrgefühl an Sicherheit.

 

Der Nissan Qashqai auf der Straße

Das klassische Fahrverhalten des Japaners haben wir bereits in unserem Vergleichstest analysiert, in dem wir Benziner und Diesel – also Front- gegen Allradantrieb – gegenübergestellt hatten.

Hier wollen wir speziell noch einmal auf die Eigenschaften des Allradsystems eingehen. Denn sobald es rutschig auf der Straße wird, kommen die Vorteile dieses 4×4 deutlich zur Geltung. Wer kennt es nicht, wenn im Sommer nach längerer Trockenheit ein Schauer den Blütenpollen und Straßenschmutz zu einem schmierseifenähnlichen Film auf den Straßen verwandelt? Diese Situationen sind vereinzelt sogar durchaus mit winterlichen Verhältnissen vergleichbar.

 

Qashqai Diesel auf Straße
Macht auch auf Asphalt eine gute Figur, ist bei Nässe und Glätte besser als der Fronttriebler.

 

Hier sicherte sich die Allradvariante eindeutige Vorteile im Kurvenhandling und auch beim Lastwechsel, bei dem in entsprechenden Situationen beide Achsen vom Schleppmoment des Motors profitierten. An rutschigen Steigungen gelang vor allem das Anfahren viel besser, da die Hinterachse ordentlich mithalf und der 4×4 locker an dem Fronttriebler vorbeizog, der mit einer Vorderachse im Antischlupfregelungs-Würgegriff das Nachsehen hatte.

 

Der Vergleich zum Wettbewerb

Machen wir es kurz: Auch die Konkurrenz kocht nur mit Wasser. Der Großteil aller SUVs in diesem Segment ist mit Allradsystemen ausgestattet, welche vor allem performanceorientiert den Einsatz auf befestigtem Untergrund optimieren sollen. Doch es gibt wie bei allen Regeln auch Ausnahmen. Diese Fahrzeuge sind dann allerdings meist in vollkommen anderen Preisklassen zu finden und deswegen wäre ein direkter Vergleich nicht fair.

 

Vorderrad Qashqai
Optisch ein Highlight, im Gelände aber zu anfällig – Die glanzgedrehten 18-Zoll-Felgen.

 

 

Fazit – Ausgewogener Begleiter mit leichter Geländetauglichkeit

Unterm Strich ist der Nissan Qashqai 4×4 die erste Wahl für alle, die nicht ausschließlich im besiedelten Bereich unterwegs sind und stattdessen auch den einen oder anderen Feldweg bewältigen müssen, oder auch dann, wenn die Heimatadresse im Bergland oder bergigem Vorland liegt. Denn vor allem für höhere Lagen, in denen es des Öfteren zu witterungsbedingten Unzulänglichkeiten kommt, ist der Allrad-Qashqai eine Empfehlung.

Allen anderen sei der Qashqai als Frontantriebler empfohlen. Er steht bei normalen Straßenverhältnissen dem 4×4 kaum nach. Vor allem im innerstädtischen Bereich ist der Unterschied zwischen den Antriebskonzepten auf homöopathische Dosen zu reduzieren.

 

Nissan Qashqai 4x4 auf Aroniafeld
Nicht allein für Bauer, Förster und Landei empfehlenswert – Der Nissan Qashqai 4×4.

 

Wer ins echte Gelände will und den Ruf des Abenteuers permanent in den Ohren hat, sollte sich jedoch nach Alternativen umschauen und dabei auf Dinge wie Bergabfahrhilfe, Getriebereduzierung, Differenzialsperre und nicht zu vergessen – eine entsprechende Bodenfreiheit achten.

 

 

Text / Fotos: NewCarz

 

Technische Daten: Nissan Qashqai 4×4 1.7 dCi Tekna X-Tronic
Farbe: Silver Metallic
Länge x Breite x Höhe (m): 4,39 x 1,81 x 1,59
Radstand in mm: 2.646
Antrieb: Reihenvierzylinder Commonrail-Turbodiesel
Leistung: 110 kW (150 PS) bei 3.500 rpm
Hubraum: 1.749 ccm
Max. Drehmoment: 340 Nm bei 1.750 rpm
Getriebe: stufenlose Automatik X-Tronic
Antrieb: Allrad ALL-MODE 4x4i
Verbrauch kombiniert (NEFZ- Norm): 5,8 L/100 km
Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 8,9 L/100 km (nur Gelände 10.8 Liter)
CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 154 g/km
Abgasnorm: Euro 6d-TEMP
Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h
Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 11,2 sec
Kofferraum: 430 bis 1.598 Liter
Leergewicht: 1.655 kg
Bodenfreiheit: 182 mm
Anhängelast ungebremst/gebremst: 750/2.000 kg
Wendekreis: 10,72 m
Kraftstofftank: 55 Liter
AdBlue-Tank: 17 Liter
Kraftstoffart: Diesel
Neupreis des Testwagens: 40.470 Euro (Einstiegspreis ab 42.850 Euro)

 

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