LADA 4×4 Urban 5-Türer – Insane Mode im Off

Lada 4x4 Urban 5-Türer

Green Future, Sustainbility und E-Mobility sind aktuell in aller Munde, während der LADA 4×4 Urban 5-Türer als Ur-Offroader im Style der 70er ein Stück Mobilitätshistorie spür- und fahrbar macht.

Das Newcarz-Team testet hier den russischen Alltagspanzer für Familien, der seit jeher als das Familienauto der Sowjets galt. Hier nun als Fünftürer mit der LPG-Autogas-Nachrüstvariante der Firma Prins.

Der Dreitürer – bei uns bereits als Lada 4×4 Urban ausführlich getestet – weist in puncto Fahrstabilität und Geländegängigkeit auf dem Papier dieselben Facts auf, beeindruckt aber mit einem gänzlich anderen Handling. Dazu später mehr.

Die „Langversion“ mit zwei Fondtüren wird als Kleinserienfahrzeug nach Deutschland importiert und wirkt zwischen den hiesig vielfach zu sehenden, dreitürigen Artgenossen wie ein absoluter, extrem seltener Exot. Innerhalb der ländlichen und urbanen Gebiete Russlands ist der Fünftürer seit Beginn der Herstellung Mitte der 1970er-Jahre eher das Standardmodell im Familieneinsatz. Was der kompakte Geländeklassiker fürs ganz Grobe im Detail drauf hat, testeten wir auf dem Offroadgelände des Freizeitparkes Mammut in Stadtoldendorf im Weserbergland und auf asphaltiertem Grund.


Exterieur – LADA 4×4 Urban EWB

Den LADA 4×4 Urban 5-Türer als Langversion mit Extended Wheelbase – kurz EWB – zu nennen, trifft sicherlich den Humor der Offroader hinter dem Steuerrad. Der Geländepanzer gewinnt um einen halben Meter Länge hinzu indem dieser ganz klassisch in der Mitte zersägt und ein Mittelstück eingefügt wird. Nicht zu übersehen ist das brückenartige, erhöhte Dachstück, welches seit jeher unverändert erhalten blieb.


Lada 4x4 Urban 5-Türer schmutzig
Nach dem Geländeeinsatz ist vor dem Geländeeinsatz – Nirgends fühl sich dieser Lada so wohl.



Der Vorteil: Passagiere, die auf der Fondbank Platz nehmen, erklimmen das mit einer Bodenfreiheit von 220 mm ausgestattete Geländefossil leichtfüßiger.

Das Exterieur des LADA 4×4 Urban 5-Türer – in Österreich als LADA Taiga und international als LADA Niva bekannt – blieb seit der Erschaffung im russischen AwtoWAS-Werk in Togliatti Mitte der 70er Jahre im Grunde unverändert. Im Werk an der Wolga wird seit 50 Jahren das ikonische Design des Offroaders mit kurzen Überhängen, runden Leuchtelementen und der Rinne oberhalb der Fenster konsequent fortgeführt, ohne modernen Schickschnack zu integrieren.


Lada 4x4 Urban 5-Türer im Gelände
Alles Tradition oder alles stehengeblieben? Egal! Beim Lada 4×4 passt das und ist auch gut so.



Der fünftürige Lada 4×4 verfügt über eine Länge von 4,24 Metern und einen Radstand von 2,70 Metern, während der Dreitürer mit 3,64 Metern und einem Radstand von 2,20 Metern aufwartet. In puncto Kofferraumvolumen bietet der LADA 4×4 Urban mit fünf Türen 440 Liter sowie 730 Liter bei umgeklappter, nicht teilbarer Fondrückenlehne und der LADA 4×4 Dreitürer 263 sowie 504 Liter bei umgeklappten Sitzen. Somit ist trotz simpler Streckung mittels Zwischenstück die Proportion erhalten geblieben und das Kofferraumvolumen des verlängerten Kult-Kraxlers wurde um rund 180 Liter vergrößert.





Interieur – klassisch, pflegeleicht und geräumig

Wer den LADA 4×4 Urban als Fünftürer besteigt, kann sich vor dem dabei einsetzenden Nostalgieanfall kaum schützen: Hartplastik, Stockhebel am Lenkrad, eine Lüftung, welche von der Generation Z nur fragend angeblickt wird und ein blanker Metall-Schalthebel mit einer instabil darauf thronenden Kugel für zumindest suggerierten Grip beim Schalten.

Diese Kombination aus Oldschoolflair und Neuwagengeruch ist eine absolute Rarität und erklärt die Faszination einer stabilen Käuferschicht dieser Offroad-Legende in der Kompaktklasse.


Interieur Lada 4x4
Wer seine Erwartungen vorab entsprechend angleicht, kommt mit dem Innenleben des Lada klar.



Prinzipiell ist das Interieur des günstigsten allradgetriebenen Fahrzeugs auf dem deutschen Markt absolut zweckmäßig und nach klassischen Maximen gestaltet. Die Oberflächen und extrem robusten Teppiche sind sehr pflegeleicht und erlauben es auch schon mal, Schlammrückstände nach Tagen noch problemlos zu entfernen.




Der Dreitürer-4×4 ebnet den Weg in den Fond über umklappbare Vordersitze – dadurch ist die Besteigung ein anspruchsvolleres Unterfangen als in dieser Version. Der LADA 4×4 Urban 5-Türer bietet auf der Rückbank Platz für drei Personen, welche eine wahrlich beachtliche Beinfreiheit genießen.

Die Bank wurde etwas erhöht positioniert, sodass sich die Kopffreiheit für den Zweimeter-Club spürbar eingeschränkt darstellt. Für den LADA aller Varianten gibt es eine Reihe an optional bestellbaren Features wie Wildwannen, einen Bullfänger und Trittstufen, die den kleinen Offroader für Spezialisten und Berufsgruppen wie Jäger, Förster und Landwirte optimieren.


Motor & Fahreigenschaften – Fürs ganz Grobe

Den Antrieb im LADA 4×4 Urban 5-Türer übernimmt ein 1.7-Liter-Vierzylinder Benzinmotor mit 83 PS, gekoppelt an ein sehr klassisches, seit vielen Jahrzehnten unverändert verbautes 5-Gang-Schaltgetriebe. Letzteres bietet keine Spur Ergonomie oder gar Komfort, aber es erfordert Kraft bei der Bedienung und es kann gelegentlich passieren, dass der Gang „rausfliegt“, was bei Erreichen der Betriebstemperatur wieder besser wird. Einen Fan stört dies ohnehin nicht, denn diese urwüchsige Fahrcharakteristik ist Teil des Abenteuers.


Ganghebel Lada 4x4
Liegt in der Hand, wie ein Pürierstab und ähnelt dem auch in der Handhabe beim Schalten.



Beim Fahren surrt es die gesamte Tonleiter hoch und runter, es klirrt, es vibriert in allen Sphären und all das steigert sich mit zunehmender Geschwindigkeit. Im LADA 4×4 Urban 5-Türer fühlen sich 100 km/h wie mindestens 130 km/h an und wirken akustisch wie 300 km/h – immer. Besonders unsere jüngeren Redakteure hatten Sorge, dass es dem Fahrzeug nicht gut ginge. Doch dem ist nicht so.


Achsverschränkung Lada Niva
Achsverschränkung? Kann er. Es ächzt im Gebälk, hat aber keinen Einfluss auf die Fähigkeiten.



Im LADA 4×4 Urban Fünftürer regiert die grobgeschliffene Mechanik. Alle Arbeitstakte, die bei heutigen Fahrzeugen zugunsten des Fahrkomforts nicht mehr hörbar sind, können im Lada akribisch vernommen und bei entsprechender Fachkenntnis auch zugeordnet werden. Das mechanische Orchester ist ein Wohlklang für die automobilen Puristen, die entsprechend auch sofort Ungereimtheiten und technische Defekte aus dieser „Symphonie“ heraushören können – dass hier noch geschraubt wird, versteht sich von selbst.

In der City macht sich besonders der Wendekreis von rund 13 Metern bemerkbar, welcher beim Rangieren durch Tiefgaragen oftmals zur Geduldsprobe wird. Netter Nebeneffekt bei 220 Millimetern Bodenfreiheit und großem Reifenquerschnitt: Bordsteine jeglicher Höhe können ohne Beschädigung der Felge problemlos überrollt werden.


Lada 4x4 auf der Rampe
Über die Rampe – Solche Aufgaben schüttelt der Lada 4×4 unbeeindruckt aus dem Ärmel.



Apropos Stadt: Der LADA 4×4 Urban 5-Türer erregt mehr Aufsehen als man vermuten würde. Während man in einem Sportwagen von den meisten Passanten nicht mal mehr wahrgenommen wird, werden dem LADA reihenweise ihre nach oben gestreckten Daumen entgegengestreckt. Innerhalb der LADA-Communnuty grüßt man sich prinzipiell immer und man kommt auch sehr schnell ins Gespräch, denn der kompakte Kult-Kraxler genießt einen ungebrochenen Exotenstatus auf deutschen Straßen.

Abseits urbaner Gefilde auf Landstraßen verhält sich der 4×4 bis circa 80 km/h recht solide. Viel schneller muss es auch gar nicht sein, bei 100 km/h wird es im Innenraum signifikant lauter. Durch den verlängerten Radstand des gestreckten Lada liegt dieser allerdings merklich ruhiger, subjektiv sicherer und wesentlich satter auf dem Asphalt und auch Kurven können zügiger durchfahren werden als mit dem Dreitürer.


Getriebeuntersetzung Lada
Zwei Hebel für die Getriebereduktion und die Sperre. Zu viel? Kein Problem…



Für russische Verhältnisse halten sich Nick- und Wankbewegungen in Grenzen und Traktionsverluste sind aufgrund des permanenten Allradantriebs nahezu ausgeschlossen. Autobahnen sind hingegen erwartungsgemäß nicht das präferierte Metier für den Offroader. Ab 124 km/h dominieren Vibrationen im Innenraum, sodass man sich lieber hinter den nächsten LKW reiht und gemütlich die Kilometer zählt.


Hinweisschild Getriebe
…für diesen Fall gibt es klare Anweisungsschilder neben diesen Hebelchen.



Abseits der Straßen liegt die Heimat des LADA 4×4 – hier spielt er seine besten Karten aus. Matschige Feldwege und Steigungen respektive Gefälle, die man freiwillig nicht einmal zu Fuß bezwingen möchte, können seelenruhig passiert werden. Das sperrbare Mitteldifferenzial plus Getriebeuntersetzung verleiht dem LADA das Traktionspotenzial eines Panzers, der bei dieser Fortbewegungsart dann den Begriff der Freiheit auf vier Rädern neu definiert.

Dabei hat der Kompakte den Vorteil des geringen Leergewichtes auf seiner Seite: Der LADA Dreitürer wiegt leer 1.265 und der Fünftürer 1.425 Kilogramm und ist damit zwischen Geländefossilen wie dem Land Rover Defender oder der älteren Mercedes-Benz G-Klasse ein Leichtgewicht.


Tankanzeige
Die 42 Liter Tankvolumen des Lada 4×4 Urban reichen im Schnitt für gut 400 Kilometer.



In puncto Verbrauch kann man von kombiniert konsumierten 10 Litern Super ausgehen, wobei der LADA 4×4 auch E10 verträgt – und gelegentlich 100 Gramm Wodka. Zugegeben – das war ein Scherz. Unser Testkandidat verfügte über eine nachgerüstete LPG-Autogasanlage von Prins, welche annähernd die Hälfte an Kraftstoffkosten reduziert. Verbaut wird ein unterfluriger 6-Liter-Zylindertank, welcher unter dem Heckabschluss integriert wurde und beim Blick aufs Heck nicht weiter auffällt.

Im Testzeitraum war kein LPG-Nachtanken nötig, da ein voller Tank eine Reichweite von rund 400 bis 500 Kilometer offeriert. Durch die Anlage wird die Frequentierung herkömmlicher Tanksäulen beachtlich minimiert, aber dennoch bleibt die Tankstandanzeige immer nur ein grober Richtwert und sobald das Tanksymbol aufblinkt, sollte man die nächste Tankstelle aufsuchen. Angegeben ist der LADA 4×4 Urban mit einem Verbrauch von 12.7 Litern innerorts, 8,2 Litern außerorts und 9,8 Litern kombiniert. Wir haben im Test im Drittelmix 10,4 Liter pro 100 gefahrener Kilometer verbraucht.


Technik, Sicherheit & Assistenz – Urban mal anders

Wer LADA fährt, ist überzeugt von Oldtimer-Flair und der Markenname steht seit fast 50 Jahren international über alle denkbaren Klimazonen hinweg für einfache, aber robuste Technik, die für Unverwüstlichkeit und echte Offroadkompetenz steht. Wer sich diesen Kompaktpanzer ohne Urban-Trim auf den Hof stellt, kommt in den Genuss einer Servolenkung, einer Außentemperaturanzeige, eines seichten Tagfahrlichts und elektrischer Fensterheber – das war´s dann bereits mit dem Technikspektakel.


Fensterheber im Lada
Immerhin – Als Urban gibts im Offroad-Russen elektrische Spiegel und Fensterheber vorne.



Bezüglich Sicherheit bietet das Geländefossil aus russischem Hoheitsgebiet ABS mitsamt Bremsassistent, eine Gurtanschnallanzeige, ISOFIX für die Sicherheit des ganz hartgesottenen Nachwuchses und den permanenten Allradantrieb inklusive Untersetzungsgetriebe. Richtig, Airbags bietet der LADA 4×4 ebenso wenig wie Kopfstützen für Passagiere auf der Rückbank.




Das heimliche Highlight eines jeden Millenials ist die dem Diebstahlschutz dienende Wegfahrsperre, welche mittels Transponder deaktiviert wird. Diese piept zweimal lautstark und verkündet unüberhörbar, dass die Maschine bereit ist, um gestartet zu werden – wie bei einem Porsche auf der linken Seite vom Steuer.


Varianten und Preise des LADA 4×4 Urban Fünftürer

Der Allradklassiker aus Russland wird vornehmlich in zwei Versionen angeboten: Als 4×4 Urban und als 4×4. Die Variante Urban bietet eine Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer, sie offeriert eine Trittschutzfolie, in Wagenfarbe lackierte Stoßfänger und elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, während der 4×4 hier keine Elektrik anbietet. Der Urban rollt auf Leichtmetallfelgen, während der 4×4 mit Stahlfelgen Vorlieb nimmt. Die unteren, seitlichen Schutzleisten bietet nur der Fünftürer.

Der Dreitürer:

  • LADA 4×4 Urban 3-Türer ab 13.290 Euro

Die Fünftürer:

  • LADA 4×4 ab 14.790 Euro
  • LADA 4×4 Urban ab 15.790 Euro

LADA will nach eignenen Aussagen seinen Vertrieb auf dem europäischen Markt in diesem Jahr einstellen, worüber wir bereits hier berichteten. Es bleibt allerdings weiterhin unklar, ab wann genau dies erfolgen soll und ob dieser Schritt endgültig sein wird. Da heißt es wohl nur abwarten und 4×4 fahren.


Fazit – LADA on the Rocks

Er ist eine rollende Legende – so paradox es klingen mag, ein „neuer Oldtimer“. Der Lada 4×4 Urban Fünftürer zeigte sich in unserem Test als ein Überbleibsel aus vergangenen Tagen, für heutige Fahranfänger eine Tortur, im Gelände unschlagbar. Seine Konkurrenten heißen im schlammigen Metier Defender und G-Klasse und sein Preis ist eine Kampfansage für alle Offroad-Protagonisten.


Lada Offroad
Urban klingt halt besser als Mud – Doch ein 4×4 ohne Schlamm? Da fehlt doch irgendwas.



Der Namenszusatz „Urban“ ist fast schon ein bisschen ironisch, wenn man bedenkt, dass 13 Meter Wendekreis im Zusammenspiel mit einem durchaus infernalen Soundspektakel des russischen Mechanikorchesters und einer fehlenden Zentralverriegelung doch alles andere als städtisch-praktisch sind.

Doch das alles ist LADA-Fans wahrlich gleichgültig. Mit Oldschool-Flair über Stock und Stein, das ist das, was der rollende Russe am besten kann. Und zwar noch heute, im Jahr 2020, rund 45 Jahre nachdem der erste 4×4 in Togliatti das Band verließ.




Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

Technische Daten: LADA 4×4 Urban 5-Türer

  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,24 x 1,68 x 1,64
  • Radstand (mm): 2.700
  • Antrieb: Reihenvierzylinder Ottomotor mit Saugrohreinspritzung
  • Leistung: 63 kW (83 PS) bei 5.000 rpm
  • Hubraum: 1.690 ccm
  • Max. Drehmoment: 129 Nm bei 4.000 rpm
  • Getriebe: 5-Gang-Handschaltung
  • Antrieb: Allrad permanent mit mechanischem Hinterachsdifferenzial
  • Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 9,5 L/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 10,1 L/100 km
  • CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 228 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-Temp
  • Höchstgeschwindigkeit: 137 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 17 Sekunden
  • Wendekreis (m): 13
  • Max. Bodenfreiheit (mm): 220
  • Leergewicht (kg): 1.425
  • Wattiefe (mm): 650
  • Kofferraumvolumen (l): 420 bis 780 (bis Fensterunterkante)
  • Anhängelast ungebremst/gebremst bis 12 % (kg): 300/600
  • Böschungswinkel vorn/hinten: 48°/42°
  • Rampenwinkel: 28°
  • Kraftstofftank (l): 42
  • Kraftstoffart: Super E5/E10
  • Neupreis des Testwagens: 17.640 Euro (Einstiegspreis 15.790 Euro)

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