Skoda Karoq Sportline – Ein bisschen RS

Skoda Karoq Sportline

Er gilt gemeinhin als Pendant zu einer RS-Variante, der Skoda Karoq Sportline und zeigt dies in jedem Fall auch optisch.

Inwieweit diese optischen Appetizer auch technisch, oder besser leistungstechnisch bedient werden, soll ein Test klären.

Wir fuhren hierfür den Skoda Karoq Sportline mit dem stärksten in diesem Modell verfügbaren 2.0 TSI, der dem SUV 190 PS beschert.


Exterieur und Interieur – Geschwisterliebe

Wir spoilern gleich mal vorweg: Die Sportline-Optik erinnert ein wenig an die RS-Variante des Kodiaq. Diese steht dem Karoq ausgesprochen gut und lässt ihn richtig fesch dastehen. Tiefschwarzer Frontgrill, Privacy-Verglasung und große schwarze 18-Zoll-Räder machen was her und unterscheiden dieses Modell neben den Sportline-Plaketten auf den vorderen Kotflügeln vom herkömmlichen Karoq zwar insgesamt zurückhaltend, aber dennoch auffallend.


Skoda Karoq Sportline Front
Black Celebration – Schwarzer Frontgrill und modifizierte Frontschürze am Sportline.



Dabei verzichtet man auch bewusst auf Überzeichnungen, die erstens einem Skoda nicht wirklich zu Gesicht stehen würden und zweitens die Erwartungshaltung derart überspannen würde, weil diese durch die Motorenpalette nicht ansatzweise bedient werden könnte. Weniger ist in diesem Falle mehr.


Skoda Karoq Sportline Heck
Am Heck gibt es bis auf die angedeuteten Endrohrblenden keine Hinweise auf die Motorisierung.



Weiter geht es auch im Innenraum mit sportiven Elementen. Da wären zum Beispiel Designelemente in Carbon-Optik und silberfarbene Kontrastnähte überall, auch auf den Integralsportsitzen mit den ausgeprägten Seitenwangen. Diese halten Fahrer und Passagier daneben in zügig gefahrenen Kurven zuverlässig auf ihrer Position. Die Sitze wirken trotz klar definierter Straffheit recht bequem, auch wenn sie einen Hauch mehr Polstermaterial verdient hätten.




Angenehm fiel uns auch der schwarze Dachhimmel und die LED-Innenbeleuchtung auf. Die Platzverhältnisse im Innenraum sind wie im konventionellen Karoq mit einem Daumen nach oben zu beschreiben. Auch beim Kofferraum gibt es keinerlei Beanstandungen, dessen Ladevolumen mit einer ausgeprägten Variabilität einhergeht.




Motor und Fahreigenschaften – Die Kluft zwischen Theorie und Praxis

Der Zweiliter Turbobenziner leistet auf dem Papier 190 PS und beeindruckend klingende 320 Newtonmeter, konnte im Praxistest diese Kraft allerdings nicht überzeugend entfalten. Ständig wirkte er eine Idee zu träge, hatte man doch eher das Gefühl mit 150 PS unterwegs zu sein. Das liegt mit Sicherheit auch an dem bei dieser Motorisierung stets serienmäßigen DSG. Das Doppelkupplungsgetriebe besitzt nämlich eine kleine Anfahrschwäche, wodurch der Skoda Karoq Sportline immer zu einer Gedenksekunde neigt, bevor er sich ins Zeug legt.


Motor Karoq Sportline
2.0 TSI – Wirkt kräftig, aber nicht so kräftig, wie die Leistungsangaben vermuten lassen.



Diese Charaktereigenschaft lässt sich durch das Aufrufen des Fahrprogramms „Sport“ etwas entschärfen, bleibt aber auch hier weiterhin bestehen. Auch die Kraftentfaltung selbst ist nicht die spontane Agilität, die man von einem sportlich angehauchten Fahrzeug erwartet, sondern beschreibt sich eher als gelassen kraftvoll.

Von Schwächeln kann dennoch keineswegs die Rede sein, doch fühlt sich das SUV in allen Situationen recht gesetzt und unaufgeregt an. Und so fällt man recht schnell in genau diese Fahrweise mit dem Tschechen, da es an mehr Spontanität und Bissigkeit eh fehlt. Das ist zusammenfassend zwar kein negativer Aspekt, wird aber der sportiven Erwartungshaltung nur bedingt gerecht.


DCC Fahrmodi
Neben den sechs Fahrprogrammen besitzt der Karoq Sportline auch…



Dass im Fahrmodus Sport ein Soundgenerator mit synthetischem Brummen eine sportive Soundnote imitieren soll, erntete bei unseren Testfahrern nur hochgezogene Augenbrauen. Sportlich klingt das nicht wirklich, wir würden dies eher weglassen. Zumal der Motor ohnehin akustisch recht präsent wirkt.


Offroad-Programm Skoda
…ein Offrodaprogramm, mit entsprechenden Parametern, die in Echtzeit dargestellt werden.



Punkten kann der Tscheche hingegen mit seinem Allradantrieb, der im Test eine schnelle Verteilung der Antriebskräfte aufzeigte und dadurch jederzeit ein Höchstmaß an Traktion garantieren konnte. Neben der Vorteile abseits der besfestigten Strecken waren es onroad vor allem die schnellen Kurvendurchfahrten, bei denen der 4×4 einen wesentlichen Anteil dazu beitragen konnte, die jeweiligen Scheitelpunkte sauber zu durchfahren und auf Linie zu verlassen.


Digitales Cockpit Skoda
Im Sportmodus zeigt das Digitale Cockpit den Drehzahlmesser mit besonderer Präsenz.



Ebenso punktet der Skoda Karoq Sportline beim Thema Verbrauch, denn auch hier hält er sich mehr zurück, als erwartet. So fuhren wir das SUV im Drittelmix mit acht Litern auf 100 Kilometer. Die Sparrunde schaffte er sogar mit 6,9 Litern. Mit Bleifuß konnten wir den Verbrauch nahe der zehn Liter und kurze Zeit auch darüber bringen, was aber auch noch in Ordnung geht.


Skoda Karoq Sportline auf Pflaster
So moderat, wie die 190 PS hier wirken, fallen auch die Verbrauchswerte des Karoq aus.



Bei Bedarf „rennt“ der Tscheche 211 km/h. Im Test wirkte der Vortrieb bis Tempo 190 noch ganz gut, darüber wurde es allerdings zäh. Der Tacho zeigt als Top-Speed 218 km/h, wohingegen das GPS exakt 211 km/h vermeldete. Der Standardsprint auf Tempo 100 ist nach neun Sekunden erledigt. In der Praxis scheinen diese neun Sekunden länger zu vergehen – auch dabei lässt das Gefühl keine 190 PS an den Rädern vermuten.


Ausstattung, Komfort, Sicherheit – Auch simply clever

Im Falle des Skoda Karoq Sportline gibt es eine ganze Reihe an Helferlein und Assistenten – teils serienmäßig dabei, teils optional gegen Aufpreis – die den Insassen das Verweilen so angenehm wie möglich machen sollen und auch können. Angefangen beim DCC, dessen Fahrprogramme zusätzlich um einen Offroad-Modus ergänzt wurden, was man auch beim Karoq Scout und beim allradgetriebenen Karoq Diesel finden konnte.




So lässt sich die Liste weiter vergleichend zitieren. Das LED-Licht ist in seiner Klasse nach wie vor hervorragend und das Canton-Soundsystem spielt auch im Skoda Karoq Sportline sehr gut auf und entzückt die Insassen mit aktueller Schnittstellenkonformität und ehrlichem Klang. Ein Rollregler für die Lautstärke am Lenkrad hat uns gefallen. Am Zentralbildschirm gibt es dagegen leider nur noch Sensoren hierfür.


Canton Speaker
Empfehlenswert: Canton-Sound klingt hier richtig gut und kostet keine 500 Euro Aufpreis.



Das Digitale Cockpit bietet gleich fünf verschiedene Ansichten und bleibt dank des starken Neigungswinkels auch bei den ungünstigsten Lichteinfällen zu 100 Prozent blendfrei. Der aufpreispflichtige, aber empfehlenswerte Abstandstempomat machte auch in diesem Modell seine Aufgabe gut und reihte sich flüssig in den laufenden Verkehr ein.


Rückfahrkamera Karoq
Alles im Blick – Mit der Rückfahrkamera bleibt das auch beim Rückwärtsfahren bestehen.



Dank des scharfen Bilds der Rückfahrkamera – auch optional erhältlich, die übrigens eine eigene Waschdüse besitzt – wird das Rangieren zum Kinderspiel.


Varianten und Preise für den Skoda Karoq Sportline

Wer seinen Karoq als Sportline besitzen möchte, wird bei Skoda nicht zwangsläufig zum größten und stärksten Motor gezwungen. Denn die Ausstattungsvariante Sportline kann mit jeder der vier Motorisierungen kombiniert werden.

  • So beginnt der Preis bei 30.870 Euro, wenn der geneigte Kunde den 1.5-Liter TSI mit 150 PS und 6-Gang-Handschaltung sowie Frontantrieb wählt. Soll es dagegen das 7-Stufen-DSG sein, sind es 1.800 Euro mehr.
  • Mit dem hier getesteten 2.0 TSI mit 190 PS, den man nur mit Allrad und DSG erhält, sind 37.220 Euro als Startpreis vorgesehen.
  • Als frontgetriebener Turbodiesel TDI mit 150 PS kostet der Karoq als Sportline ab 34.080 Euro. Mit DSG und Allrad – beides verpflichtet einander – werden 38.680 Euro fällig.
  • Der große Diesel, ein 2.0 TDI mit 190 PS und Allrad sowie DSG steht mit 40.030 Euro in der Liste.



Skoda Karoq Sportline offroad
Günstig ist er nicht, der Karoq als Sportline. Skoda verlangt selbstbewusste Preise.



Die Ausstattungsliste ist mittlerweile auch bei Skoda lang sowie gut gefüllt und so liegt ein Skoda Karoq Sportline als 190 PS Diesel mit allen Haken bei den möglichen Optionen bei gut 53.000 Euro – ohne Zubehör und Garantieerweiterungen.


Fazit – Den großen Bruder zum Vorbild

Als kleiner Bruder des Skoda Kodiaq blinzelt er als Sportline doch zur vorbildträchtigen RS-Version des Big Brothers und möchte mit geschärfter Optik außen und schicken Details im Inneren als sportlicher Player eine Delegation zur entsprechenden Riege erhalten.

Dabei macht auch das neue Modelljahr des Karoq seinen Geschwistern alle Ehre und positioniert sich als fescher Pragmatiker zwischen Ateca und Tiguan. Alleinstellungsmerkmale wie das üppige Raumkonzept sowie die Simply-Clever-Details bleiben dabei vollständig erhalten.


Skoda Karoq Sportline auf Wiese
Mit Cleverness bleibt der Skoda der Erwartungshaltung treu und rollt zusätzlich auf der „Sportline“.



Salopp gesagt, passt der Karoq auch als Sportline bestens in die Welt und echte Kritik muss er nur im Detail verbuchen. Die 190-PS-Motorisierung in Verbindung mit dem etwas trägen DSG wäre hingegen nicht unbedingt die erste Wahl der Redaktion, doch das Portfolio bietet hier eine reichhaltige Auswahl. Besonders der 150-PS-Benziner sowie der gleichstarke Diesel sollten genauer betrachtet werden.

Günstig ist das Kompakt-SUV aus Mlada Boleslaw jedoch nicht und scheint sich auch bei diesem Aspekt an seinem großen Bruder orientieren zu wollen: Für den Testwagen werden beispielsweise rund 45.000 Euro fällig und die 50.000-Euro-Marke ist bei der Neuwagenkonfiguration mit der Topmotorisierung problemlos zu durchbrechen, was Interessenten unweigerlich auch einen Blick auf die Konkurrenz werfen lässt.




Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

Technische Daten: Skoda Karoq 2.0 TSI Sportline

  • Farbe: Velvet-Rot Premium Metallic
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,38 x 1,84 (2,03 mit Außenspiegel) x 1,61
  • Radstand (mm): 2.6300
  • Antrieb: Reihenvierzylinder Ottomotor mit Abgasturbolader und OPF
  • Leistung: 130 kW (190 PS) bei 5.000 rpm
  • Hubraum: 1.373 ccm
  • Max. Drehmoment: 320 Nm bei 1.500 rpm
  • Getriebe: 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe DSG
  • Antrieb: Allrad 4×4
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 8,4 L/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 8,1 L/100 km
  • CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 189 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-Temp
  • Höchstgeschwindigkeit: 211 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 9,0 Sekunden
  • Wendekreis (m): 10,9
  • Max. Bodenfreiheit (mm): 172
  • Max. Böschungswinkel vorn/hinten: 18,4°/18,7°
  • Leergewicht (kg): 1.565
  • Zuladung (kg): 549
  • Kofferraumvolumen (l): 521 bis 1.630
  • Anhängelast ungebremst/gebremst bis 12 % (kg): 750/1.900
  • Stützlast (kg): 90
  • Dachlast (kg): 75
  • Kraftstofftank (l): 50
  • Kraftstoffart: Super E5/E10
  • Neupreis des Testwagens: ca. 45.000 Euro (Einstiegspreis Sportline 30.870 Euro)

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