Peugeot Rifter L2 – Praktikabilität in Verlängerung

Peugeot Rifter L2

Vor fast exakt einem Jahr fuhren wir bereits die normale Version des Hochdachkombis, welcher von diesem Peugeot Rifter L2 vor allem in seiner Länge nochmals übertroffen wird.

Was den Outdoor-Van mit verlängertem Radstand ausmacht, den man in unserer Redaktion von Anbeginn als XL-Rifter titulierte, sollte ein ausgiebiger Test zutage fördern. Zu diesem Zweck fuhren wir den Rifter L2 GT-Line als Diesel mit 130 PS. Was dabei ans Tageslicht kam, fasst dieser Fahrbericht zusammen.


Exterieur und Interieur

Die Langversion erkennt man – wie sollte es auch anders sein – vor allem in der Seitenansicht, die eine markant gestreckte Karosserie offenbart. Der Unterschied zum L1 beginnt nach den hinteren Türen. Ab hier zeigt der L2 mehr Fläche am hinteren Kotflügel. Auch das Fenster vor der D-Säule wurde um gut ein Drittel größer.


Peugeot Rifter L2 mit offenen Schiebetüren
Schiebetüren gibt es natürlich auch an der L2-Variante vom Rifter.



Ansonsten zeigt der Peugeot Rifter L2 von außen in den meisten Dingen klare Parallelen zu seinem kürzeren Pendant. Dabei trägt auch die XL-Variante diese leichte, aber erkennbare Offroad-Nuance in seiner DNA.

Im Innenraum kommt das Plus an Raum vor allem dem Kofferraum und optional auch einer dritten Sitzreihe zugute. Dabei handelt es sich im Test-Rifter beim Platz sechs und sieben wie auch bei allen anderen Plätzen um Einzelsitze. Diese Einzelsitze können in der zweiten und dritten Reihe mit wenigen Handgriffen aus- und wieder eingebaut werden.




Erfreulich ist dabei der Umstand, dass jeder Sitz gewichtstechnisch so moderat konstruiert wurde, dass selbst eine Person – ja auch als Frau – keine Probleme bekommt, die Sitzplatzanordnung nach den entsprechenden Wünschen zu konfigurieren. Allein aus diesem Grund ist diese dritte Sitzreihe für 750 Euro Aufpreis aus unserer Sicht eine sehr gute Investition für Familien mit entsprechendem Platzbedarf.


Schlaufe Heckklappe Rifter
Die große Heckklappe benötigt für das Schließen etwas Zugkraft an der Schlaufe.



Ebenso wie beim konventionellen Modell bleibt auch beim L2 die große Heckklappe und die sehr niedrige Ladekante erhalten. Extrem viele Ablagemöglichkeiten sichern dabei eine enorme Praktikabilität, doch fördern diese auch die Neigung, diverse Dinge in den vielen Möglichkeiten zumindest temporär verlorengehen zu lassen.




Im Übrigen erhält man auch im Peugeot Rifter L2 eine saubere Verarbeitung von ansprechenden Materialien und etwaiges Klappern oder Knarzen bleibt selbst auf schlechten Fahrbahnen im Innenraum aus.


Motor und Fahreigenschaften – Kultivierter Leichtöltanker

Anders als beim herkömmlichen Rifter, stand uns im L2-Fall ein Selbstzünder als antreibendes Aggregat zur Verfügung. Der Blue HDi 130 ist ein 1.5-Liter Turbodiesel mit 130 PS sowie 300 Newtonmetern maximales Drehmoment, die ab 1.750 Touren zur Verfügung stehen.


Motorraum Rifter Blue HDi
Leise und weise – Der Diesel entpuppte sich als idealer Begleiter für den Hochdachkombi.



Das Triebwerk arbeitet angenehm vibrationsarm und hält sich akustisch weitgehend zurück. Dank des zeitig verfügbaren Drehmoments schiebt der Selbstzünder bereits kurz über Leerlaufdrehzahl an. Ebenso zum frühen Einsatz des Drehmoments passt das lang übersetzte 6-Gang-Handschaltgetriebe. Zeitiges Hochschalten ist in diesem Rifter kein Problem, der Vortrieb bleibt jederzeit solide verfügbar. Das kleine Lenkrad, bekannt aus vielen anderen Peugeot-Modellen, vermittelt zudem sogar im Rifter fast eine Art Go-Kart-Feeling.


Lenkrad Rifter
Typisch Peugeot – Das superkleine und überaus handliche Lenkrad findet sich auch im Rifter.



Was dieser Turbodiesel allerdings überhaupt nicht mag, sind hohe Drehzahlen. Hier wirkt der Motor irgendwie gequält und liefert anstelle von Leistung eher ein Klagelied gegen derartige Behandlungen. Glücklicherweise muss man aber diese Drehzahlbereiche, welche ab spätestens 4.000 Umdrehungen pro Minute beginnen, so gut wie nie aufsuchen, da der Turbodiesel wie beschrieben seine Trümpfe bereits viel eher ausspielt.

Der gewachsene Radstand von stattlichen knapp 20 Zentimetern, wirkt sich auch spürbar auf das Fahrverhalten aus. Vor allem der Geradeauslauf wird im Peugeot Rifter L2 nahezu stoisch und ruhig, wie die spiegelglatte Oberfläche eines Bergsees an einem windstillen Morgen. Auf Langstrecken ein immenser Vorteil, durch den es fast schon gemütlich über mehrere hundert Kilometer gehen kann. Beim Parken oder Rangieren fordert der längere Radstand wiederum etwas mehr Lenkarbeit.


Peugeot Rifter L2 schräg hinten rechts
Gelassenheit auf Rädern – Als Langversion liegt der Rifter noch ruhiger auf der Fahrbahn.



Das Fahrwerk bleibt dabei komfortorientiert und passt zu ebendieser Fahrweise bestens. Bei sportlicher Herangehensweise empört sich der Rifter L2 mit entsprechenden Wank- und Nickbewegungen – allesamt nicht in dramatisch-theatralischer Form, doch genügend ausgeprägt, um freiwillig wieder zu einer eher asketischen Fahrweise zurückzukehren.

Das Bremssystem arbeitete im Test vorbildlich, konnte standfest und leicht dosierbar auch die voll beladene Fuhre adäquat verzögern. Übrigens: Wer mit sieben Personen unterwegs ist, sollte darauf achten, die maximale Zuladung nicht zu überschreiten, denn diese ist bei voller Anzahl an Passagieren, sofern es sich nicht zum Großteil um Kinder handelt, nicht mehr allzu groß.


Vorderrad Rifter L2
Nichts zu sehen aber bestens zu spüren: Die Bremsen im Rifter können überzeugen.



Beim Verbrauch gingen die Werte für diesen kleinen Motor doch recht weit auseinander. Das macht aber nichts und spielt zum Teil nur im Rahmen eines solchen Tests eine Rolle, denn im Alltag wird kaum einer mit permanentem Bleifuß den Rifter über die Straßen jagen. Tut man das, verlangt der Diesel durchaus auch zehn Liter und gar mehr.


Verbrauch Rifter Diesel
Wer nur Kurzstrecke fährt, kommt nicht unter sieben Liter mit dem Dieselantrieb.



Im Alltag hingegen genehmigte sich der Rifter im Drittelmix – also zu je einem Drittel Stadt, Landstraßen und Autobahn – durchschnittlich 6,4 Liter. Laut NEFZ-Wert soll der Rifter L2 nur 4,5 Liter auf 100 Kilometer benötigen. Das haben wir nicht einmal auf der Sparrunde geschafft, wo der Konsum bei durchaus respektablen 4,9 Litern lag.


Ausstattung, Komfort, Sicherheit

Ausstattungstechnisch gibt es im Peugeot Rifter L2 einiges zu erwähnen. Wie üblich bei einem Hochdachkombi, bildet die Raumorganisation eine der Kernkompetenzen. Hier glänzt der Rifter auch in der XL-Variante und bietet eine Vielzahl an Ablagen und verschließbaren Fächern, teilweise mit großem Volumen, wie die Lösung im Dach.


Klimatisierung Fond Rifter L2
Fast eine dritte Klimazone. Zumindest den Luftstrom kann man im Fond autark variieren.



Sehr vorteilhaft fanden wir den Aspekt, dass die Klimaautomatik in drei Stufen in ihrer Intensität voreingestellt werden kann. So versorgt sie den Innenraum entweder Soft, Normal oder mit Nachdruck in der Einstellungsoption Fast.

Ein echtes Ärgernis war hingegen der Fakt, dass die einstufige Sitzheizung immer erst Minuten nach dem Start ihren Dienst antrat und manchmal auch gar nicht. Wenn es denn mal geklappt hat, ließ sie sich nach einer Abschaltung – beispielsweise nach einem kurzen Tankstopp – nicht mehr aktivieren. Dies beobachteten wir auch beim Rifter L1. Hier besteht klarer Nachbesserungsbedarf.


Sitzheizung Rifter
Störrisch, wie ein Esel: Die Sitzheizung im Peugeot Rifter.



Mal abgesehen von der ergonomisch vollkommen unsinnigen Positionierung des Tastschalters am Seitenrand der Sitzverkleidung, die man einerseits schlecht erreicht und andererseits zum Blick auf die im Taster verbaute LED – übrigens die einzige Möglichkeit der Funktionskontrolle, außer der Wärme am Hinterteil selbst – den Kopf inklusive Rumpf derart verrenken muss, dass dies während der Fahrt fast gefährlich wird, bleibt diese Art der Funktionsweise ein Rätsel.


Navi im Rifter L2
Wirft keinerlei Fragen auf – Die Routenführung im Rifter klappte stets bestens.



Ganz und gar konträr dazu belohnt der Zentralbildschirm mit seiner guten Ablesbarkeit und der intuitiven Menüführung. Die Routenführung des Navigationssystems ist übersichtlich und zeigt Verkehrsstörungen frühzeitig inklusive Entfernung und Zeitverlust an – bei Bedarf mit dem Vorschlag zu Alternativrouten.




Ein schlüsselloser Zugang ermöglichte den Verbleib des Autoschlüssels in der Hosentasche. Die Außenspiegel klappten beim Verriegeln automatisch mit ein – ein Vorteil in engen urbanen Parkzonen.


Scheinwerfer Rifter L2
Dank Ellipsoid-Technik hat der Rifter das beste Halogenlicht unter den Hochdachkombis.



Das Lichtkonzept besteht auch hier aus Ellipsoidscheinwerfer mit Halogen-Leuchtmittel. Den modernen Lichttechnologien können diese nicht das Wasser reichen, stellten aber im Vergleich zu anderen Halogenscheinwerfern der Hochdachkombis das beste Licht zur Verfügung. Wer überwiegend innerorts unterwegs ist, kann diesen Aspekt allerdings mehr oder weniger vernachlässigen.


Varianten und Preise für den Peugeot Rifter L2

Als XL-Variante beginnt der Rifter L2 in der Ausstattungsvariante Active und kostet ab 24.150 Euro – das sind 1.500 Euro mehr als die L1-Variante in derselben Ausstattung aufruft. Darüber positionieren sich noch die Allure und Allure mit GT-Line-Paket für ab 28.740 beziehungsweise 30.690 Euro.


Peugeot Rifter L2 schräg vorne rechts
Gut 30.000 Euro muss man mindestens berappen, wenn es ein GT-Line werden soll.



Als Motorisierungen kommen auch hier drei Varianten in Frage. Der Benziner PureTech 130 mit 130 PS ersetzt den PureTech 110 seit dem vergangenen Jahr. Bei den Dieseln bleibt es bei den Blue HDi mit 100 und 130 PS. Die Übersetzung übernimmt beim kleinen Diesel ein 5-Gang-Handschaltgetriebe, beim großen Diesel das hier getestete 6-Gang-Handschaltgetriebe oder wahlweise eine 8-Stufen-Automatik. Der Benziner wird ausschließlich mit dieser Automatik kombiniert.


Schaltknauf Rifter
Die Handschaltung passt zum Diesel. Schaltfaule können auch eine Automatik ordern.



Einen Allradantrieb gibt es nach wie vor nicht. Alternativ kann man für 320 Euro eine sogenannte Advanced Grip Control ordern, welche bei schwierigen Fahrbahnverhältnissen mit einer über Bremseingriffe gesteuerten Sperrfunktion der Vorderachse die Traktion verbessern soll. Dieses System verfügt auch über eine Bergabfahrhilfe. Im Testfahrzeug war diese Hilfe nicht an Bord.

Komplett ausgestattet mit großem Diesel und Automatik kommt man auf insgesamt knapp 39.000 Euro für den Peugeot Rifter L2, was monetär eine echte Alternative zu den meist deutlich teureren SUVs mit vergleichbarem Platzangebot darstellt.


Fazit – Gewachsen unterm Hochdach

Der Peugeot Rifter L2 überzeugte im Test durch Platz en masse, einem durchdachten Ablagenkonzept sowie einem handfesten Antrieb und entschied zudem das Kostenkapitel klar für sich. Die Stärken der Langversion mit seinem exorbitanten Platzangebot machen sich besonders bei Nutzung durch größere Familien bemerkbar, wodurch die Kombination aus SUV und Van immer wieder das ein oder andere SUV schnell alt aussehen lässt.


Peugeot Rifter L2 onroad
Für größere Familien ein idealer, weil großer und praktikabler Begleiter: Der Peugeot Rifter L2.



Und um beim Aussehen zu bleiben: Zwar ist der Rifter kein Trendsetter der ersten Stunde, doch macht er mit seinem Outdoor-Chic keineswegs einen altbackenen Eindruck. So wird der Outdoor-Van durchaus auch interessant für den Outdoor-Fan, sofern sich dieser nicht ausschließlich im Offroad-Terrain fortbewegt.

Der größte Nachteil ist nach wie vor die fehlende Option auf Xenon- oder LED-Scheinwerfer; auch ein Allradantrieb wäre zumindest als Option wünschenswert und würde die Zielgruppe entsprechend vergrößern. Wer auf beides verzichten kann, erhält mit dem Peugeot Rifter L2 einen gelungenen Begleiter für Kind und Kegel.




Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

Konkurrenz: Opel Combo, Citroen Berlingo , VW Caddy, Renault Kangoo, Dacia Dokker

Technische Daten: Peugeot Rifter GT-Line L2 BlueHDi 130

  • Farbe: Platinum Grau
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,74 x 1,85 (2,11 mit Außenspiegel) x 1,88
  • Radstand (mm): 2.975
  • Antrieb: Reihenvierzylinder Commonrail Dieselmotor mit Abgasturbolader
  • Leistung: 96 kW (130 PS) bei 3.750 rpm
  • Hubraum: 1.499 ccm
  • Max. Drehmoment: 300 Nm bei 1.750 rpm
  • Getriebe: manuelles 6-Gang-Getriebe
  • Antrieb: Front
  • Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 4,5 L/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 6,3 L/100 km
  • CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 118 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-Temp
  • Höchstgeschwindigkeit: 183 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 10,6 Sekunden
  • Wendekreis (m): 11,5
  • Leergewicht (kg): 1.602
  • Zuladung (kg): 548
  • Kofferraumvolumen (l): 850 bis 2.693
  • Anhängelast ungebremst/gebremst bis 12 % (kg): 600/1.450
  • Stützlast (kg): 74
  • Dachlast (kg): 100
  • Kraftstofftank (l): 50
  • AdBlue Tank (l): 17
  • Kraftstoffart: Diesel
  • Neupreis des Testwagens: 33.340 Euro (Einstiegspreis L2 24.150 Euro)

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