Opel Astra Sports Tourer – Behutsames Facelift

Alles neu macht nicht nur der Mai, sondern im Fall des Opel Astra Sports Tourer auch die Modellpflege, die wir zum Anlass nehmen, die Kombiversion der Rüsselsheimer Kompaktklasse einer genauen Untersuchung zu unterziehen.

Wie die Unschuld selbst, in der Farbe „Schnee Weiß“ rollte das Testexemplar auf unser Testgelände und stand in der Ausführung „Elegance“ mit einem 1.5-Liter Diesel und Automatik zur Verfügung. Fahrbericht.





Exterieur und Interieur – Homöopathie und Digitales

Außen halten sich die Modifizierungen zum Vorgängermodell des Opel Astra sehr dezent. Eine leichte Retusche am Frontgrill und an der Frontschürze, die nur im direkten Vergleich offensichtlich werden und ein verändertes Heckleuchtendesign – ebenso nur marginal ausfallend, das war‘s auch schon.


Front Astra
Kaum der Rede wert – Die optische Retusche fiel sehr zurückhaltend aus.



Damit bleibt der grundsätzlich unaufgeregte Charakter dieses Astra Sports Tourer praktisch unangetastet. Lediglich die recht großen Räder bringen etwas Dynamik ins Gesamtbild der klassischen Silhouette.

Auch im Innenraum bleiben die Facelift-Maßnahmen eher zurückhaltend. Lediglich der digitale Tacho im Kombiinstrument, den man zudem mit diversen Anzeigeparamatern flankieren kann, ist eine spürbare Neuerung im überarbeiteten Opel Astra Sports Tourer.


Interieur Astra K
Auf den ersten Blick fallen auch im Interieur nicht sofort Änderungen ins Auge.



Ein filigranes Ambientelicht sorgt für Atmosphäre und die hervorragenden AGR Sitze – viele Opel-Modelle vertrauten in der Vergangenheit bereits erfolgreich auf diese ergonomische Bestuhlung – vorn mit ihren schmeichelnd-weichen Alcantarabezügen sichern einen ausgeprägten Wohlfühlfaktor, der auch durch die großzügigen Platzverhältnisse unterstrichen wird. Hinten sitzt man auf den beiden äußeren Plätzen in einer Art Mulde, wodurch es auch hier genügend Seitenhalt gibt.




Am Ladeabteil hat sich nichts verändert. Das Volumen beträgt nach wie vor von 540 bis 1.630 Liter und liegt damit mittlerweile im guten Mittelfeld der Kompakt-Kombis.

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Der Opel und der Hai

Was wir keinesfalls vergessen möchten: Kein neuer Opel Astra Sports Tourer ohne Hai. Der Raubfisch ist auch an Bord von diesem Opel und zeigt sich als geprägte Silhouette im Boden der Getränkehalterung auf der Mittelkonsole. Diese Art „Easter-Egg“ ziert seit rund 15 Jahren alle neuen Opel-Modelle. Dabei ist der Hai mehr oder weniger versteckt und zeigt sich an den unterschiedlichsten Stellen.


Mittelkonsole Astra K
Mit geschlossenem Fach der Mittelkonsole bleibt auch der Hai in seinem „Aquarium“.



Der Ursprung geht zurück auf den damaligen Interieur Assistant Chief Designer Dietmar Finger, dessen Aufgabe es war, stabilisierende Lamellen am Außenfach des Handschuhfachs für den Opel Corsa zu gestalten. Beim Skizzieren warf dessen Sohn ein Blick auf dieselbe und schlug vor, doch einfach einen Hai zu malen. Finger fand diese Idee gut und stellte sie dem damaligen Chefdesigner des Corsa vor, dessen Begeisterung sofort auf seiner Seite war.


Hai im Opel
Erst beim Blick auf den Boden der Getränkehalterung zeigt sich „Sharky“.



Das war die Geburtsstunde des Hais, der damals erstmals im Handschuhfach des Corsa in Serie ging. Mittlerweile ist der Hai Kult. Mindestens ein Hai ist in jedem Opel und dessen Platzierung entscheidet grundsätzlich der jeweilige Interieur Chief Designer. Selbst die Führungsriege erfährt davon erst nach dem Launch.

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Motor und Fahreigenschaften – Das Trio Agilo

Die größte Änderung im Rahmen des Facelifts ist der neue Antrieb im Opel Astra Sports Tourer. War es im Vorgänger noch ein Vierzylinder Selbstzünder mit 1.6 Liter Hubraum, arbeitet nun ein Dreizylinder mit 1.5 Liter im Rüsselsheimer Kombi. Mit 122 PS und 285 Newtonmetern maximales Drehmoment auf dem Datenblatt, animiert er noch nicht zu Freudensprüngen.


Motorenraum Opel Astra Sports Tourer
Unerwartet – Die Kraftentfaltung des Dreizylinders suggeriert deutlich mehr als das Datenblatt.



Doch die Praxis unterscheidet sich wie so oft gehörig von der Theorie. Denn dieser Motor ist ein echtes Sahnestückchen. Extrem agil und zackig wie ein Jagdhund kurz vor der Treibjagd, setzt der Turbodiesel jeden Gasbefehl spontan und unverzüglich in Vortrieb um.

Dabei bleibt die Leistungsentfaltung über den gesamten Drehzahlbereich erstaunlich homogen und fühlt sich eher nach 150 bis 160 PS an. Ebenso neu an Bord ist das sehr gut damit harmonisierende 9-Stufen-Automatikgetriebe – Serie ist übrigens ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Die Automatik fand im Test zu jeder Zeit die passende Fahrstufe, verhaspelte sich praktisch nie und kombinierte stets bestmögliche Kraftentfaltung mit moderaten Drehzahlen.


Wahlhebel Automatik
Sehr empfehlenswert – Die Automatik mit ihren neun Stufen findet stets die optimale Gangart.



Einzig der sehr raue Lauf des Top-Diesel im Opel Astra wirkt mitunter störend. Vor allem in der Kaltstartphase schüttelt sich und rüttelt der Diesel gehörig an der Karosserie, was man bis in den Innenraum spürt. Fällt er in dieser Zeit beim Halt in den Leerlauf, hat man mitunter das Gefühl, der Motor ist kurz vor dem Absterben, wird sogleich ausgehen.

Gegebenenfalls liegt dies hier auch an einer zu niedrig eingestellten Leerlaufdrehzahl. In anderen Drehzahlbereichen und nach Erreichen der Betriebstemperatur waren diese Beobachtungen kein Thema mehr.


Opel Astra Sports Tourer Seite
Nach einem raubeinigen Kaltstart wird der Lauf des Diesels deutlich ruhiger.



Das Fahrwerk des Opel Astra Sports Tourer wird dem Namen vollkommen gerecht, denn dieses wurde straff abgestimmt und lässt dadurch auch zügige Kurvenfahrten sowie eilige Lastwechsel zu, ohne sogleich aus dem Konzept zu geraten. Es gibt keine Fahrmodi und auch keine Möglichkeiten zur Fahrwerksadaption. Vermisst haben wir das hier aber auch nicht. Alles passt und der Astra fährt sich jederzeit sehr entspannt.


Opel Astra Sports Tourer schräg hinten links
Der Astra federt recht straff, jedoch ohne dabei den Komfort außen vor zu lassen.



Dazu passen gut dosierbare Bremsen, die ein bisschen mehr Kraftaufwand benötigen, als es bei anderen Autos dieser Klasse der Fall ist. Das ist nicht schlimm und erleichtert sogar die Dosierung. Lässt man die Bremsen außen vor und beschleunigt den Kombi bis zum Anschlag, erreicht er 205 km/h, bei denen der Tacho 210 anzeigt. Bis 180 geht das ziemlich flott, darüber ist die Leichtfüßigkeit verschwunden und die Stundenkilometer werden spätestens kurz vor der 200 mehr erkämpft als erfahren.


Verbrauch Astra Diesel
Zurückhaltung wird belohnt – Zaghafte Fahrweise resultiert bei fünf Litern pro 100 Kilometer.



Auch beim Verbrauch kann sich der Dreizylinder einige Schulterklopfer ergattern. Im Drittelmix waren es glatte sechs Liter auf 100 Kilometer. Auf der Sparrunde schafften wir fünf Liter und bei wirklich dauerhaft anliegendem Vollgas, lag der Diesel bei rund neun Litern.


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Ausstattungshighlights, Technik und Sicherheit

Einige Neuerungen können auch in diesem Kapitel vermerkt werden. So ist beispielsweise das Multimedia Navi Pro ein Novum im Astra. Es kostet zwar außer im Topmodell extra, ist aber sehr empfehlenswert, weil das aus dem Insignia stammende System durch extrem schnelle Berechnungszeiten und eine sehr genaue Routenführung brilliert. Dabei werden Verkehrsstörungen zuverlässig und schnell berücksichtigt.


Navi im Astra
Detailliert und übersichtlich – Die Routenführung des Navigationssystems im Astra.



Doch auch Spritpreise der Tankstellen in der Umgebung können angezeigt werden. Inklusive ist hier außerdem das DAB+ und eine sehr gute, weil im Test alles problemlos verstehende Sprachsteuerung.

Immer noch erwähnenswert sind die Intelli-Lux LED-Scheinwerfer, welche bei Dauerfernlicht andere Verkehrsteilnehmer bei Bedarf ausblenden. Dies geschah im Test zuverlässig, wenn auch etwas grober, als in anderen Systemen. Zu Blendungen kam es allerdings in keinem Fall. Dieses Ausstattungsdetail war zur Modelleinführung ein Alleinstellungsmerkmal in dieser Klasse. Mittlerweile gibt es auch im Wettbewerb vereinzelt diese Technologie. Die Leuchtkraft und die Ausleuchtung sowie die Reichweite erhalten hier ebenfalls Bestnoten.


IntelliLux Matrix LED
In Standby – Die Matrix-LEDs machen ihre Arbeit in puncto Ausblendefunktion sehr gut.



Annehmlich vor allem in der kalten Jahreszeit ist die schnelle, sehr gleichmäßig erwärmende Lenkradheizung, was ebenso für die Sitzheizungen gilt. Die elektrische Windschutzscheibenheizung ist zudem ein echter Vorteil, wenn das Auto frühmorgens überfroren nach dem Eiskratzer schreit. Die aktivierte Heizung schaffte es in unter einer Minute die Frontscheibe abzutauen.




Vermisst haben wir eine Beleuchtung der Multifunktionstasten des Lenkrades, die bei Dunkelheit leicht verwechselt werden können. Ebenso wünschten wir uns Keyless-Sensoren auch an den hinteren Türen und eine Auto-Hold-Funktion gab es auch nicht, obwohl auch die Feststellbremse elektronisch geregelt wird.

Über die Möglichkeit der Erstellung verschiedener Fahrprofile, kann man die präferierte Einstellung diverser Dinge individualisieren und mittels einem Knopfdruck aufrufen. Die Außenspiegel klappen nur per Tastenbefehl ein, eine Kombination mit der Zentralverriegelung ist leider nicht möglich.


Fahrprofil im Astra
Viele Parameter lassen sich über ein Fahrprofil speichern und schnell abrufen.



Das Bose Soundsystem spielte mit einem ausgewogenen und natürlichen Klang, wobei die sonst für Bose so typische Bassbetonung hier fast vollständig ausblieb. USB-Anschlüsse gibt es mehrere, Apple CarPlay und Android Auto funktionierten reibungslos und die induktive Ladestation für 150 Euro extra ist empfehlenswert, weil sie das Telefon rutschsicher aufnimmt und den Ladevorgang so zu 100 Prozent absichert.




Der adaptive Tempomat lieferte im Praxistest eine einwandfreie Arbeit ab, unterließ abrupte Manöver vollständig und glich Geschwindigkeitsdifferenzen sanft aus. Der Spurhalteassistent griff dagegen mit relativer Vehemenz ein, wenn man vom Weg abkam und besonders löblich: Die Verkehrszeichenerkennung leistete sich im Test keine einzige Fehlinterpretation.


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Varianten und Preise für den Opel Astra Sports Tourer

Auch im Kombi unter den Mittelklassemodellen der Rüsselsheimer gibt es seit dem Facelift nur noch die neuen Motoren mit drei Zylindern. Als Benziner gibt es einen 1.2-Liter mit wahlweise 110, 130 oder 145 PS, die alle mit einem 6-Gang-Schaltgetriebe kombiniert werden und einen 1.4-Liter mit 145 PS in Verbindung mit einem stufenlosen CVT-Automatikgetriebe.


Opel Astra Sports Tourer Elegance
Beim getesteten Astra handelte es sich um eine „Elegance“-Ausführung.



Als Diesel steht der auch hier getestete 1.5-Liter Turbodiesel bereit, den es in den Leistungsstufen 105 und 122 PS gibt. Diese beiden erhalten ebenfalls das 6-Gang-Schaltgetriebe als Kraftverteiler und der stärkere Diesel erhält auf Wunsch und gegen Aufpreis auch das 9-Gang-Automatikgetriebe.

Sechs Ausstattungen stehen insgesamt zur Auswahl:

  • Sports Tourer – Die Basisversion kostet nun ab 21.490 Euro – das sind rund 2.500 Euro mehr, als der Vorgänger aufrief.
  • Business Edition – Mit 21.495 Euro fast ebenso teuer wie das Basismodell gibt es hier Parksensoren hinten, Nebelscheinwerfer, ein Lichtpaket und Sichtpaket sowie ein Sicherheitsnetz für gerade einmal fünf Euro mehr.
  • Edition – Ab 23.250 Euro erhält man in dieser Variante zusätzlich ein Lederlenkrad, eine verschiebbare Mittelarmlehne, Parksensoren zusätzlich vorne, Leseleuchten im Fond, 16-Zoll-Leichtmetallräder und einiges mehr.
  • 2020 – So nennt man bei Opel die nächste Ausstattungsstufe und bietet on top Opel Einstiegsleisten, AGR Komfortsitze mit sportlicher Stilistik, Parkpilot, Frontkamera mit Fußgängererkennung, LED-Scheinwerfer und spezielle 16-Zoll-Räder ab 24.600 Euro an.
  • Elegance – Für zusätzliche Dinge wie Rückfahrkamera, Ambientebeleuchtung, 2-Zonen-Klimaautomatik, Schallschutz-Frontscheibe, elektrische Parkbremse und elektrische Außenspiegel werden mindestens 25.330 Euro fällig.
  • Business Elegance – Die Topausstattung kostet ab 27.245 Euro und bringt zusätzlich die Intelli Lux Matrix LED-Scheinwerfer, LED-Rückleuchten, das Multimedia Navi Pro, DAB+ und das Keyless System ab Werk mit in den Kombi.

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Fazit – Underdog der Kompaktklasse

Unser Fahrbericht lässt folgendes Resümee zu: Das Opel Astra Sportstourer Facelift zeigte sich im Test nicht nur als des Vertreters Liebling, sondern vielmehr als der gut abgestimmte Allrounder, der durch sein stimmiges Gesamtpaket eine breite Zielgruppe bedient. Vom Pragmatiker mit Platzbedarf über Singles mit Hunden bis hin zur kleinen Familie – sie alle treffen mit dem Astra ST eine gute Wahl.


Opel Astra Sports Tourer schräg vorn
Bleibt auf Augenhöhe mit der Konkurrenz: Der Astra Sports Tourer schindet im Test Eindruck.



Wer folglich die Platzverhältnisse vom Insignia nicht benötigt, sollte definitiv einen Blick auf den überarbeiteten Astra Sports Tourer werfen. Er präsentierte sich als sehr wertiges Auto zu einem in Anbetracht der üppigen Ausstattung recht fairen Preis. Der Wertverlust hält sich hier genauso in Grenzen wie der Verbrauch und zudem ist dieser Astra einer der letzten mit der typischen Aufmachung aus dem Hause General Motors.

Am Ende werfen wir noch einmal einen Blick auf den Claim zur damaligen Einführung des neuen Astra. „…ärgert die Oberklasse“ – lautete dieser. Das tut dieser Opel natürlich noch immer nicht wirklich, aber er setzte und setzt ein Zeichen in Bezug auf Ausstattungen, die bis dato nur der Oberklasse vorbehalten waren.


Heck des Astra Kombi
Ein potenzieller Garagenanwärter ist der Kompakt-Kombi in jedem Fall.



In seiner aktuellen Generation ist er somit noch immer auf Höhe der Zeit und rollt als smarter Kompakt-Kombi mit keinen nennenswerten Schwächen zu seinen Kunden. Der Opel Astra ist demzufolge auch als Sports Tourer weiterhin ein ernstzunehmender Golf-Gegner – insbesondere für den Golf Variant.




Text / Fotos: NewCarz
Kamera: Canon EOS 6D

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Technische Daten: Opel Astra Sports Tourer 1.5 Diesel Elegance Automatik

  • Farbe: Schnee Weiß (Uni)
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,70 x 1,81 (2,04 mit Außenspiegel) x 1,51
  • Radstand (mm): 2.662
  • Antrieb: Dreizylinder Commonrail Turbodiesel mit SCR-Kat und DPF
  • Leistung: 90 kW (122 PS)
  • Max. Drehmoment: 285 Nm bei 1.500 bis 2.750 rpm
  • Hubraum: 1.496 ccm
  • Getriebe: 9-Stufen- Automatik
  • Antrieb: Front
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 5,3 L/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 6,0 L/100 km
  • CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 140 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-ISC
  • Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 10,8 Sekunden
  • Wendekreis (m): 11,05
  • Leergewicht (kg): 1.395
  • Zuladung (kg): 525
  • Kofferraumvolumen (l): 540 bis 1.630
  • Anhängelast ungebremst/gebremst bis 12 % (kg): 660/1.350
  • Stützlast (kg): 75
  • Dachlast (kg): 75
  • Kraftstofftank (l): 48
  • Füllmenge AdBlue (l): 13,5
  • Kraftstoffart: Diesel
  • Neupreis des Testwagens: ca. 39.735 Euro (Einstiegspreis ab 21.490 Euro)

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