Kia Sorento 2020 im Erstkontakt – Neue Tugenden

Kia Sorento 2020

Was vor rund 18 Jahren begann, setzt der neue Kia Sorento 2020 in vierter Generation mit neuem Antlitz und einer Armada an Technik fort.

Wir schreiben das Jahr 2002, als der erste Sorento das Licht der Welt erblickte. Schon damals als Fullsize-SUV kreiert und mit soliden Geländefähigkeiten gewappnet, schlug sich der Koreaner in einem zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu stark besetzen Segment wacker.

Fast zwei Jahrzehnte später sieht die Welt schon anders aus. SUVs dominieren den Markt, die Zulassungszahlen reißen nicht ab und das Segment ist mehr als hart umkämpft. Neue Modelle müssen sich erst einmal behaupten, um überhaupt eine Chance zu bekommen, hier dauerhaft bestehen zu können.

Wir fuhren den neuen Kia Sorento mit 2,2-Liter-Diesel und Allradantrieb. Ob er sich gegen die Konkurrenz behaupten und sich vom Mainstream abgrenzen kann? Fahrbericht.


Exterieur & Interieur – Ein Statement

Optisch präsentiert sich der Kia Sorento 2020 im schicken Gewand, zeigt sich schon auf den ersten Blick deutlich kantiger und maskuliner als sein Vorgänger und hat jedwede Form asiatischer Verspieltheit abgelegt. Die Front blickt seriös drein und der markante Kühlergrill wirkt riesig, während die markentypische Tigernase deutlich erkennbar bleibt. Hinzu kommen formschön integrierte LED-Scheinwerfer, die mit markanter Lichtsignatur aufwarten.

Kia Sorento 2020 Front
Markant – Die Frontpartie wirkt wesentlich eigenständiger und kantiger als die des Vorgängers.


Besonders auffällig ist die Schulterpartie, die sich quasi einmal um das Auto herumzieht und für einen starken Auftritt garantiert. Die Seitenpartie zeigt ein ausgewachsenes Exemplar eines echten Fullsize-SUVs ohne, dass man hier irgendwo anecken könnte. Kia kommuniziert explizit, dass die Sorento-typische Fensterlinie beibehalten und nahtlos integriert wurde. Auf Wunsch rollt der Kia mit Felgengrößen bis 20 Zoll vor und der sportlich angehauchte Kunde sollte diese auch wählen, denn wirklich überdimensioniert wirken diese nicht.

Kia Sorento 2020 Seite
Fullsize – Die Seitenansicht zeigt die Silhouette eines typischen Fullsize-SUVs.


Am Heck spaltet der Sorento sicherlich Gemüter – wir jedenfalls finden das neue Design cool. Abgesehen davon, dass der neue Hintern genauso massiv wirkt, wie der Rest des Fahrzeugs, erinnern die vertikalen Rückleuchten ein wenig an einen Cadillac Escalade. Und auch insgesamt können wir uns von dem Eindruck nicht lösen, dass der neue Sorento zwar keinen asiatischen, dafür nun aber einen amerikanischen Touch bekommen hat. So oder so – gefällig wirkt er aus fast jeder Perspektive und die Abgrenzung zu anderen Modellen ist vollumfänglich gegeben.

Kia Sorento 2020 Heck
Ein bisschen US-Style – Das Heck polarisiert; uns gefällt der neue Look.


Im Innenraum zogen neue Instrumente und ein neuer Zentralbildschirm ein. Unter Letzterem befindet sich die Klimaeinheit, welche selbsterklärend ist. Sämtliche fahrrelevante Systeme hat man indes in die Mittelkonsole verschoben – aus Sicht der Redaktion sinnvoll. Generell wirkt der Innenraum aufgeräumt und strukturiert, was den ersten Eindruck auch hier positiv ausfallen lässt.

Kia Sorento 2020 Innenraum
Aufgeräumt und strukturiert – Im Innenraum findet man sich sofort zurecht.


Neue Stoff- und Lederbezüge halten ebenfalls Einzug und das Topmodell rollt gar mit einer Nappaleder-Ausstattung vor. Sitzheizungen gibt es nicht nur vorne sondern auch hinten und die beiden vorderen Plätze können auf Wunsch mit einer Sitzbelüftung ausgerüstet werden.

Kia Sorento 2020 Rückbank
Opulent – Die Platzverhältnisse im Fond sind als üppig zu beschreiben.


Besonders interessant ist Kias Ansatz, den Ansprüchen der Mitfahrer gerecht zu werden. Kurzerhand hat man also Cupholder in die hinteren Türen integriert. Diese sind massiv und eine deutlich bessere Lösung als wackelige Pendants in einer Mittelarmlehne. Zu guter Letzt kommt jeder Mitreisende in den Genuss eines eigenen USB-Ports – ganz gleich, ob das Fahrzeug als Fünf- oder Siebensitzer bestellt wurde.


Der Kofferraum schluckt zwischen 705 und 2.100 Litern als Fünfsitzer beziehungsweise zwischen 616 und 2.011 Litern als Siebensitzer.


Motor & Fahreigenschaften – Selbstzünder-Qualitäten

Angetrieben wird der Kia Sorento 2020 vom altbewährten 2,2-Liter-Diesel, der im neuen Modell 202 PS leistet. Der Motor wurde umfangreich überarbeitet und hat durch die Verwendung von leichteren Materialien ordentlich Gewicht verloren. Gekoppelt ist der Selbstzünder an ein neues Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, dessen Kupplungen in einem Ölbad laufen, was neben einer sehr sanften Schaltcharakteristik auch eine höhere Lebensdauer verspricht. Außerdem erhöht sich die Anhängelast von zwei auf 2,5 Tonnen.

2.2 CRDi Motor
Ausgeglichen – Der 2,2-Liter-Diesel glänzte im Erstkontakt mit Laufruhe.


Auf unseren ersten Fahrten können wir dem nur im Kaltstart als Diesel zu entlarvenden Sorento einen ausgesprochen kultivierten Charakter attestieren. Die Laufruhe ist für einen Vierzylinder bemerkenswert und die Gasannahme besonders im Sportmodus sehr spontan.

Kia Lenkrad
Griffig und beheizt – Das Lenkrad fiel im Test positiv auf; die Lenkung ebenso.


Das neue Doppelkupplungsgetriebe hält derweil, was es verspricht und hatte stets den passenden Gang parat. Zudem gefällt die Übersetzung der einzelnen Gänge. Neben nahtlosen und ohne Zugkraftunterbrechung vonstatten gehenden Gangwechsel, zeigt dieses Getriebe auch eher die Charakteristik eines Wandlergetriebes, was dem geneigten Kunden sicherlich gefallen dürfte.

Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe nass
Shift-by-wire – Per Drehregler wird das Getriebe in die gewünschte Stellung gebracht.


Ansonsten glänzte Kias Flaggschiff im Erstkontakt mit jeder Menge Komfort, die wohl als Maxime bei der Entwicklung galt. Wirklich sportlich fühl sich der neue Sorento nie an, wenngleich er auch die ein oder andere schnell durchfahrene Kurve souverän meistert. Nur im Grenzbereich merkt man ihm sein Gewicht an, was durch leichtes Untersteuern wieder in Erinnerung gerufen wird.

Kia Sorento 2020 Graphite Metallic
Massive Erscheinung – Aus jeder Perspektive wirkt der neue Sorento wuchtig.


Im Alltag wird man hiervon nichts merken, sondern genießt vielmehr die Ruhe im Innenraum. Auch hier wurde nachgebessert und so fährt der Koreaner in Bezug auf die Innenraumakustik mittlerweile fast auf Augenhöhe mit der Premium-Konkurrenz.

Tigernase
Tiger nose – Auch der Sorento bekommt die markentypische Tigernase.


Valide Verbrauchsangaben haben wir keine ermittelt, im Durchschnitt genehmigte sich der große Kia rund siebeneinhalb Liter bei gemischter Fahrweise und teils sportlicher Behandlung.


Der Kia Sorento 2020 im Gelände

Viele Fahrzeuge im SUV-Segment buhlen mit ihrem Allradantrieb um die Gunst der Kunden. Vom kleinen Suzuki Ignis bis zum großen BMW X7 ist ein solcher zu bekommen. Meist benötigt man diesen ohnehin nur selten bis gar nicht. Dennoch gab es im Rahmen der Präsentation des neuen Sorento die Möglichkeit, die Offroad-Qualitäten des großen Südkoreaners zu testen.

Kia Gelände
Kraxler – Steile Hänge meisterte der große Kia souverän.


Soviel vorab: Erwartet haben wir weit weniger als das, was der Sorento in der Lage war, zu leisten.

AWD
Alle Viere – Dank Allradantrieb ist Traktion in jeder Lebenslage gegeben.


Kommen wir zunächst zu den Zutaten, die wir für den Offroad-Ritt zugrundelegen. Der Kia Sorento 2020 bietet mindestens 174 Millimeter Bodenfreiheit, der Diesel sogar zwei Millimeter mehr. Mit Böschungswinkeln von 16,8 Grad vorn beziehungsweise 21,3 Grad hinten sowie einem Rampenwinkel von 16,5 Grad sind definitiv mehr als nur seichte Feldwege zu meistern.

Kia Sorento offroad
Geländeking? – Nicht ganz, aber die harschen Passagen meisterte der Kia erstaunlich gut.


Gesagt, getan. Im Offroad-Park am Nürburgring haben wir den großen Koreaner über nahezu alle erdenklichen Hindernisse gescheucht. Steile Abfahrten, tiefes Wasser und aufgeschütteter Sand waren nur ein Teil davon. Bemerkenswert war der Umstand, dass der Sorento all dies nicht nur gut bis sehr gut absolvierte sondern dabei auch eine stoische Gelassenheit an den Tag legte – beinahe analog zu den Fahrten auf befestigten Wegen.

Sorento im Wasser
Bugwelle – Auch durch flaches Wasser kraxelt der Koreaner mühelos.


Der einzige Kritikpunkt, den wir hier ausmachen konnten, war die Fahrzeuglänge sowie der recht lange Radstand. Was dem Fahrkomfort auf Langstrecken sehr zuträglich ist, erweist sich im harschen Gelände als signifikanter Nachteil. Doch muss sich der Sorento hier nicht als Konkurrent zu einem Lada 4×4 behaupten. Vielmehr gab dieser Exkurs einen interessanten Einblick in das, was mit dem Fahrzeug möglich ist. In der Praxis werden wohl die wenigsten Sorento-Kunden ihren Begleiter auf solch extremem Terrain bewegen.


Technik & Assistenz – Maximal aufgerüstet

Bisher warteten alle von uns getesteten Kia-Modelle mit vernünftigen und weitestgehend einfach zu bedienenden Assistenzsystemen auf. Im neuen Sorento hieß die Maxime wohl „Einmal alles, bitte“. Je nach gewählter Ausstattungslinie, offerieren die Koreaner ein regelrechtes Feuerwerk an Features, von denen wir nachfolgend nur einige behandeln. Im Rahmen eines ausführlichen Einzeltestes werden wir diese wie auch die übrigen noch genauer beleuchten.


Der aktive Totwinkel-Assistent mit Monitoranzeige

Ein echtes Highlight. Hier wird beim Blinken unter Zuhilfenahme der in den Außenspiegeln integrierten Kameras der Tote Winkel im rechten oder linken Rundinstrument angezeigt.

Kia Sorento 2020 Aktiver Totwinkel-Assistent
Highlight – Der Totwinkel-Assistent mit Monitoranzeige dürfte schnell zum Liebling werden.


Das hilft sowohl beim Rangieren als auch beim Erkennen von Fahrzeugen im Toten Winkel. Noch mehr Sicherheit schafft das System beim Abbiegen: Insbesondere hier können beispielsweise Fahrradfahrer oder E-Scooter-Fahrer rechtzeitig erkannt werden.


Der Ausstiegsassistent

Auch hier setzt Kia auf Sicherheit und spendierte dem neuen Sorento ein System, welches verhindert, dass Fondpassagiere beim Öffnen der Tür ein herannahendes Fahrzeug übersehen und es so zum Unfall kommt. In so einem Fall verriegelt das Fahrzeug selbständig die Türen und gibt sie erst wieder frei, wenn die Gefahr vorbei ist.


Der Insassenalarm

Sollte man Kind oder Tier mal auf einer der beiden Rückbänke vergessen und das Fahrzeug bereits verriegelt haben, weist der Insassenalarm auf diesen Umstand hin. Besonders im stressigen Alltag ein sinnvolles Helferlein, welches gegebenenfalls auch größeren Familien, deren Kinder gern mal Verstecken spielen, unter die Arme greift.


Der Querverkehrswarner hinten

Auch sehr hilfreich ist der hintere Querverkehrswarner, welcher beim rückwärtigen Rangieren enorm unterstützt. In Verbindung mit dem Kollisionsvermeidungsassistent sorgt er für bestmögliche Sicherheit und löst bei einer drohenden Kollision eine Vollbremsung aus.


Der Remote Parkassistent

Auf Wunsch parkt der Kia Sorento 2020 von alleine ein. Der Fahrer kann indes außerhalb des Fahrzeugs stehen und selbiges – beispielsweise in eine enge Parklücke – ferngesteuert manövrieren. Bis vor kurzem war ein solches Feature nur der Ober- respektive Luxusklasse vorbehalten, wie beispielsweise einem BMW 7er.

Kia Sorento Kameras
Rückfahr- oder 360-Grad-Kamera? – Aus Sicht der Redaktion sollte es mindestens Erstgenanntes sein.


Hinzu kommen noch weitere Assistenten, wie unter anderem ein ACC mit Stop&Go-Funktion, ein Stauassistent samt intelligentem Geschwindigkeitsassistent, ein aktiver Spurhalteassistent sowie ein Autobahnassistent, der mehrere Systeme miteinander vereint. 

Aufmerksamkeitsassistent
Überwacht konstant – Der Müdigkeitswarner hat das Fahrverhalten stets im Blick.


Ein Müdigkeitswarner sowie ein Frontkollisionswarner sind ebenfalls erhältlich und wer Wert auf gutes Licht legt, dem sei gesagt, dass der Sorento mit Voll-LED Scheinwerfern samt Fernlichtassistenten vorrollt.

Sorento LED-Scheinwerfer
Drei mal Lux – Die LED-Scheinwerfer konnten wir noch nicht testen.


Ein kleines Manko können wir während unserer ersten Testfahrten dennoch ausmachen: Wie bei fast allen asiatischen Fahrzeugen, frönt auch der neue Kia Sorento 2020 emsigem Piepen und Tuten, wo immer dies möglich ist. Von eingeschaltetem Licht, dem Öffnen der Tür bei laufendem Motor, dem Schließvorgang der elektrischen Hecklappe und vielem mehr – alles wird von akustischen Warntönen begleitet, was mal mehr und mal weniger hilfreich ist, teilweise aber auch einfach nervt.

Kia Logo
Camera ahead – Die Frontkamera ist besonders beim Rangieren hilfreich.


In Summe jedoch ein verschmerzbarer Kritikpunkt, für Fahrer asiatischer Fahrzeuge aus Gründen der Gewöhnung sowieso. 


Fazit zum Kia Sorento 2020

Mit dem Kia Sorento 2020 dürften alle jene Kundenwünsche in Erfüllung gehen, die sich über die letzten Jahre angehäuft haben. Technik satt, dazu eine vernünftige Bedienung und ein – noch immer gefragter und sauberer – Diesel, der das Fullsize-SUV adäquat in Bewegung setzt und gleichzeitig bewusst konsumiert, sind schon für sich genommen zwei gute Kaufgründe.

Kia Sorento Wald
Potenzial gegeben – Der neue Sorento dürfte das Zeug zum Kassenschlager haben.


Hinzu kommen die bei Kia üblichen sieben Jahre Garantie sowie der in Relation gesehen günstige Anschaffungspreis. Viel falsch machen kann man hier nicht, so das Resümee unseres Erstkontaktes mit Kias neuem Flaggschiff.

Sorento Schriftzug Heckklappe
Ob er sich im Markt etablieren kann, wird die Zeit zeigen. Wir wünschen ihm viel Erfolg!


Wer hingegen auf alternative Antriebe setzt und von der staatlichen Förderung profitieren will, der sollte einen Blick auf den kommenden Plug-in-Hybrid werfen. Es wird sicherlich spannend, wie gut sich ebendieser im Vergleich zum ausgewogenen Diesel schlagen wird.

Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D



Technische Daten: Kia Sorento 2.2 CRDi AWD

  • Farbe: Graphite Metallic
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,81 x 1,90 x 1,70
  • Radstand (mm): 2.815
  • Motor: Vierzylinder-Reihen-Motor
  • Leistung: 148 kW (202 PS)
  • Hubraum: 2.151 ccm
  • Max. Drehmoment: 440 Nm
  • Getriebe: Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe
  • Antrieb: Allradantrieb
  • Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 6,0 L/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 7,5 L/100 km
  • CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 158 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d
  • Höchstgeschwindigkeit: 202 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 9,2 Sekunden
  • Kofferraumvolumen (l): 705 – 2.100
  • Leergewicht (kg): 1.852
  • Kraftstoffart: Diesel
  • Kraftstofftank (l): 67
  • Neupreis des Testwagens: ca. 55.056 Euro (Grundpreis Sorento: 41.418 Euro)

Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere die Datenschutzhinweise