Erstkontakt: VW Caddy 2020 – Alltagsperfektionismus

VW Caddy 2020

Der neue VW Caddy 2020 beherrscht im Namen der Familie, des Hobbys und des Unternehmens alles – seit jeher. In fünfter Generation – vor einigen Monaten seine Weltpremiere hinter sich gebacht – setzt der Caddy mit dem VW Golf 8 als Basis in puncto Technik und Sicherheit ein Statement.

Ein Fahrwerk ohne Blattfedern für die Hinterachse? Volldigitale Screenlandschaften fürs Auge? Eine neu entwickelte Lenkung, die das Caddy-Handling gravierend positiv verändert? Ein leichtgängiges und pflegeleichtes Seitentürenkonzept?

Wir testen einen Caddy im „Move“-Trim mit 2.0-Liter-TDI sowie 122 PS und DSG in den Serpentinen der Voralpen und auf der Autobahn. Preis für den Move: Ab 31.708 Euro.

Ein Satz vorab: Der Caddy war noch wie so sehr ein PKW wie jetzt und die „Golfisierung“ des Caddys bringt Fahrspaß, Technologie und Nutzwert unter einen Hut- pardon, ein Glasdach. Auch dies ist neu und wahrlich gigantisch – Zeit für einen detaillierten Blick.




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Exterieur – Funktionsorientiert und geschärft

In Conta Azul Metallic präsentiert sich der Testkandidat mit dem stylischen „Move“-Schriftzug. Das Launchmodell ist limitiert und weist Exterieurfeatures wie eine abgedunkelte Verglasung ab der B-Säule auf. Dazu kommen „Colombo“-Räder in 17 Zoll sowie ein festes Panoramadach, das sich bis auf die Höhe der Rückbank erstreckt.

Neu ist, dass nun auch 18-Zoll-Räder bestellbar sind. Im Design-Update aller Caddyvarianten wurden die Front und das Heck besonders fokussiert. Der Chefdesigner Albert Kirzinger kreiert dabei ein neues Antlitz, dessen Kühlergrill an Wabenstrukturen und auch Leiterplatinen erinnert. Modern-technische Linien, die sich in aktuellen Sportwagen wiederfinden können und dem Caddy optisch ausgezeichnet stehen.


VW Caddy 2020 Front
Kräftig Hand angelegt – Die Front des Caddy ist mehr denn je Richtung PKW designt.



Das LED-Licht mit LED-Tagfahrlicht ist ab „Style“ Serie und verfügt über einen hohen Wiedererkennungswert. Das Emblem wird durch Spangen in Aluoptik eingefasst, welche mittels LED optisch in die Scheinwerfer weitergeführt werden. Das wirkt moderner, edler und es betont die Breite, welche mit 1.86 Meter ohne Spiegel 62 Millimeter dazugewonnen hat. Gewachsen ist der Caddy in der Länge um 92 Millimeter auf 4.50 Meter in der Normalversion und beim Radstand um 73 auf 2.755 Millimeter. Innen wächst der Laderaum um 18 auf nun 1.797 Millimeter. 


VW Caddy 2020 schräg hinten rechts
Neu beim fünften Caddy: Jetzt gibt’s optional auch 18-Zoll-Räder.



Neu ist zusätzlich die breite Charakterlinie, welche recht tief angesetzt ist, um einen Kontrast zum hohen Fahrzeugaufbau zu erschaffen. Sie umspielt die Handgriffe und gibt dem Auge eine Guideline über die gesamte Seite. Knicke und Linien in der Schwellerregion untermauern eine dynamische Intention und ausgestellte Kotflügel bilden das Basisvokabular eines sportiv skizzierten Nutzfahrzeugs, der seine vormalige Wuchtigkeit ad Acta legt.


VW Caddy 2020 Heck
Viel Glas – Die große Heckscheibe verbreitert den neuen Caddy optisch zusätzlich.



Der Caddy wirkt neu erfunden und besonders die Heckansicht gefällt: Die vertikal angeordneten und sehr schmalen LED-Rückleuchten unseres „Move“ umspielen eine sehr dunkle Heckscheibe, welche nun wesentlich breiter verläuft.

Auffällig: Die Heckklappe wird nach wie vor mittels Schlaufe geschlossen, aber sie ist nun breiter und somit immer noch sehr gewichtig. Sobald die Tür ins Schloss fällt, fällt der Blick auf den neuen Schriftzug in Versalien unter dem Symbol: Ganz auf der Höhe der Zeit.


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Interieur – Quadratisch und praktisch

Der neue VW Caddy verfügt nun über eine um 57 Millimeter erweiterte Laderaumbreite und die Hecköffnung wächst um 51 auf 1.234 Millimeter. Das Ziel war dabei, eine Europalette quer im Caddy transportieren zu können. Ebenso neu: Die Schiebetüren und die Ladefläche des Caddy Cargo Maxi sind verbreitert worden, sodass eine zweite Europalette quer hineinpasst. Apropos: An der gewohnten Stelle erhellt nun LED-Licht den Kofferraum, beim Caddy Cargo gibt es neue Bodenbeläge und eine 230V-Steckdose. 


Interieur
Raumgefühl? Hat der Caddy – und das zur Genüge.



Nun zu den Passagieren und dem Gepäck. Die Piloten hinter dem neuen Sportlenkrad eines Move erfreuen sich am Digital Cockpit, ansonsten natürlich über die bewährten analogen Instrumente, wenn man die Basis auswählt. Ebenso halten viele Features des neuen VW Golf 8 Einzug: Das Tastenmodul mit allen Lichtfunktionen, das mit Slidern ausgestattete neue Infotainment plus Klimasteuerung und besagtes neues Lenkrad mit den Tasten für den neuen Travel Assist. 


Instrumententafel
Das digitale Zeitalter macht auch vor dem Caddy nicht Halt: Eine Screenlandschaft informiert.



Ebenso bekannt ist das DSG mit digitalisierter Shift-by-Wire-Schaltung, welches durch das sehr schlanke Design eine extreme Ordnung und mehr Platz auf die Mittelkonsole bringt. Es ist auch ungemein schnell beim entsprechendem Wechsel der Fahrstufen und verschafft dem Caddy einen gigantischen Pluspunkt bei der innerstädtischen Parkplatz-Schlacht.


Fondbereich Caddy 5
Auch auf zweiter Reihe kann sich das Platzangebot im Caddy Jahrgang 2020 sehen lassen.



Im Testkandidaten sind zwei USB-C-Eingänge und eine sehr individuell designte Ladestation fürs Handy zu finden, welches in eine Art Schale hineingelegt wird – ein Umherrutschen ist unmöglich und große Smartphones werden herrlich sicher gebettet. Als „Dach“ und zusätzlicher Schutz dient eine Klappe mit rutschfestem Gummi. Die induktive Ladefunktion erfüllte ihre Mission in diesem Test sehr gut.


Sensortasten Licht
Auch die Bedienelemente für’s Licht bestehen nur noch aus Sensortasten.



Gewöhnungsbedürftig ist zugegebenermaßen das ‚Air Care Climatronic’ mit Slidern, dem alle Knöpfe zum Opfer fallen. Der extrem cleane Look und die absolute Reduktion aller Funktionen auf die digitale Landschaft dieser hohen Ausstattungslinie bringt viel Extraraum für Ablageflächen. Die herrliche Offenheit und Reizreduktion fürs designaffige Auge ist ein weiterer Plus- sowie Streitpunkt, denn die Abkehr vom Knopf und Taster prägt die moderne Wolfsburger Flotte und wird gleichsam vielfach diskutiert.

Die neuen Stoffsitze sind im Vergleich zum Vorgänger aus 2003 sehr straff und sie bieten auch eine annehmbare Konturierung, welche die fahrdynamischen Aspekte des weitaus dynamischeren Caddys gut abfängt. Die Sitzkonfiguration ist bewährt und unverändert, mittels zweier Einzelsitze in der dritten Reihe wird der Caddy zum Siebensitzer.


Kofferraum Caddy 5
Das Ledaabteil hält auch in 5. Generation sein Versprechen mühelos.



Die Rückbank ist klappbar und kann ohne Kraftaufwand komplett nach vorn angehoben werden, sodass die Ladefläche stark vergrößert wird. Nun sind auch die Einzelsitze in Reihe Nr. 3 leichter zu entnehmen, da die Arretierung optimiert wurde.

Es sitzt sich nicht nur vorzüglich im neuen Caddy, das Glasdach bringt dazu noch eine enorme Helligkeit und Luftigkeit – der Innenraum wirkt optisch viel größer, als vorher. Die Materialqualität ist gänzlich anders als im Vorgängermodell ab 2003 und dessen Facelift, denn die neuen Oberflächen erhalten vielfältige Strukturen mit einem semimatten Finish. Dies gefällt dem Auge sowie den Fingerspitzen und wirkt einzigartig, aber zeitgleich strapazierfähig. 


Pannenset
Das Pannen-Equipment verschwindet platzsparend in der Seitenverkleidung.



Zwischenfazit: Das Glasdach ist ein Game Changer, der extrem reduzierte Look gefällt und die Technik des Golf 8 katapultiert das (Ex-)Nutztier in die nächste Liga.


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Motor und Fahreigenschaften – Bewährtes bleibt, Hybrid und CNG kommt

Zum Launch des neuen VW Caddy 2020 der fünften Generation sind drei bewährte TDI-Motoren mit zwei Litern Hubraum und 75 PS, 102 PS sowie 122 PS verfügbar. Das neue Twindosing-SCR-System mit doppelter AdBlue-Einspritzung zählt nun zu den wichtigsten Features des Selbstzünders unter den VW Caddys.

Ein 1.5-Liter-Turbobenzinmotor, bekannt als TSI, bietet 114 PS und die Zylinderabschaltung ACT. Später kommt noch ein 1.5-Liter-Turbo-CNG-Motor. Der Erdgas-Motor wird als TGI kommen und 130 PS bieten. Es ist abzusehen, dass diese Variante allen Sparfüchsen mit Familie, Hobbys und Unternehmen Fahrfreude sowie gewisse finanzielle Vorteile bescheren wird. Dies dürfte ebenfalls für den geplanten Plug-In-Hybridantrieb mit DSG gelten, der als VW Caddy eHybrid in viele Einfahrten einziehen wird.


VW Caddy 2020 Seite
Neben konventionellen Antrieben gibt’s für den fünften Caddy auch CNG oder eHybrid.



Der getestete 122-PS-Caddy überzeugt mit einem gänzlich anderen Handling als dessen Vorgänger. Am gravierendsten ist dabei die neue Hinterachse, welche die rustikalen und starren Blattfedern ablöst. 
Die Hinterachse erhält einen Panhardstab, eine Schraubenfeder-Konstruktion mit längslenkergeführter Starrachse. Diese Bauweise ist kompakter und erlaubt so die nun höhere Durchladebreite des Kofferraumes. Dies bedingt auch, dass Allrad- und alternative Antriebssysteme sowie Anbauten nun Einzug halten können.

Spürbar weniger Wankbewegungen, eine höhere Kurvengeschwindigkeit und mehr Federung auf unebenen Gründen sind die löblichen Ergebnisse dieser neu entwickelten Hinterachse. Die sehr harte, wenig nachgiebige und kutschenartige Federung gehört nun der Vergangenheit an, wenngleich sie auch den Charme des Caddys ausmachte.

Dieser schreibt auch in puncto Lenkung ein ganz neues Kapitel: Die um Längen direktere Lenkübersetzung versetzt den Caddy in eine Liga mit kompakteren Gefährten. Nur noch 2,5 und nicht mehr drei Lenkradumdrehungen sind für einen Donut vonnöten. Wer den 2003er Caddy kennt, der weiß, dass Parken und Kurbeln hier zum Workout mutierten.


Caddy 5 Verbrauch
Mit dem stärksten verfügbaren Diesel betrug der Durchschnitt exakt sechs Liter.



Im neuen Caddy ist in überschaubaren Kurven kein Nachgreifen vonnöten, das neue Fahrwerk perfektioniert die Kurvenfahrt und eine bisher ungeahnte Kompaktheit und Leichtigkeit prägt das Fahrerlebnis – vom rustikalen Charme bleibt wenig erhalten.

Der Wendekreis selbst beträgt 11,4 Meter, womit man sich an Tiguan und Co. anschließt. Der Allradantrieb 4MOTION wird für die 122-PS-TDI-Modelle erhältlich sein. Auf unserer Testfahrt über die A9 sowie etliche Landstraßen der Voralpen verbrauchte der Testcaddy auf 180 Kilometern bei 71 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit 6,0 Liter laut Bordcomputer.


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Technik und Assistenz – VW Caddy 2020 mit Golf 8-Technik

Einzug hält jetzt bei entsprechender Konfiguration das 10.25 Zoll große Digital Cockpit, die We-Connect-Dienste sowie das Infotainment Discover Pro, allesamt aus dem Golf 8 bekannt. Dies bringt jetzt auch die Funktion App-Connect Wireless, mit der sich Apple CarPlay ohne Kabel bedienen lassen kann – im VW Tiguan funktionierte das hervorragend und endlich verschwindet das unansehnliche Kabel auch aus dem superminimalistischen Interieur des VW Caddy.

Zurück zum System: Die höchste wählbare Ausstattungsstufe ist das Innovision Cockpit, das auch die Navigationskarte über die gesamte Breite präsentieren kann. Ein Head-up-Display wäre das Tüpfelchen auf dem i, aber aktuell breitet sich nur eine riesige Ablagefläche hinter dem Lenkrad aus.


VW Caddy 2020 auf Wiese
Mit dem Allradantrieb 4Motion kann sich der Caddy auch auf nasse Wiesen trauen.



Eine detaillierte Aufzählung des Umfangs von den We Connect-Diensten würde den Rahmen dieses Erstkontakts sprengen, daher folgt dies in einem ausführlichen Fahrbericht.
 Fünf neue Assistenzsysteme sind im neuen VW Caddy 2020 erhältlich: Dazu gehört der von uns bereits getestete Travel Assist und der Trailer Assist.

Darüber hinaus offeriert die neue Multifunktionskamera eine sehr gute Verkehrszeichenerkennung. Neu ist die sehr sinnvolle 180-Grad-Rückfahrkamera mit ihren detaillierten Hilfslinien. Eine direkt messende Reifendruckkontrollanzeige ist die fünfte Innovation, welche sich im Segment des Caddy als sehr sinnvoll und einzigartig erweisen dürfte.


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Ab sofort erhältlich – Der neue VW Caddy California

Während das Jahr 2020 im Griff einer Pandemie feststeckt, boomt das Business der Anbieter von Wohnmobilen, -wagen und allen Hybridformen, um die Urlaubssehnsucht im eigenen Land zu stillen. Da der neue Caddy mit neuem Fahrwerk, neuen Sitzen und einem sportiven Biss auch zum Langstreckenbomber wird, lohnt der Blick auf den California.

Er ist der Nachfolger des VW Caddy Beach und bietet ein ausklappbares Bett mit Tellerfedern und einer Matratze im Maß 1.980 x 1.070 Millimetern. Ungenutzt liegt es zusammengeklappt im Kofferraum, sodass nun die zweite Reihe frei bleiben kann – eine sinnvolle Optimierung.


Glasdach
Ein exorbitant großes Glasdch sorgt für eine umfassende Lichtdurchflutung im Caddy 5.



Eine Miniküche ist auch an Bord: Ist die Heckklappe geöffnet, kann man sie ausziehen. Oben ist ein einflammiger Gaskocher, unten ist ein Besteckkasteneinsatz mit Stauraum. Hinter der Küche ist eine abgeschlossene Box inklusive Bodenentlüftung, welche die Gasflasche sicher einbettet. Gut aufbewahrt sind auch die Dinge im Stautaschensystem, das an den hinteren Seitenfenstern hängt und diese zeitgleich abdunkelt. Die anderen Scheiben werden mittels optimiertem Gardinen- und Magnetsystem blickdicht gemacht.

Neu sind ebenso die Belüftungsöffnungen mit integriertem Fliegengitter für vorne, sodass die Luftfeuchtigkeit reguliert werden kann. Außerdem hält optional ein neues modulares Zeltsystem Einzug, das bis zu sechs Personen bettet. Es kann mittels verschließbarer Schleuse abgetrennt werden und auf dem Campingplatz stehen bleiben, während der Caddy on Tour ist.


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Fazit – Rustikaler Charme gehört der Vergangenheit an

Der neue VW Caddy 2020 ist mehr PKW denn je und so agil, sicher und technologisiert wie ein Golf – nur mit viel mehr Platz. Charmante Caddy-Features wie die Blattfedern der Hinterachse und ein bodenständiges Handling gehören nun der Vergangenheit an.


VW Caddy 2020 schräg vorne rechts
So viel PKW wie nie zuvor: Der VW Caddy 5.



Der VW Caddy 2020 ist als „Move“ mit 122-PS-TDI und DSG sehr agil, wendig und mit dem Glasdach sowie dem Innovision Cockpit ein Highlight, das auch gestandene Caddyfans innerhalb kurzer Zeit zu überzeugen vermag. Sehr interessant dürften die CNG-Variante und der eHybrid sein, welche zum Nutzwert auch noch das Sparpotential addieren. Eines ist sicher: Diese Caddy-Generation ist ein Quantensprung und einen detaillierten Blick wert.

Text: NewCarz / Fotos: NewCarz + Volkswagen Nutzfahrzeuge

Kamera: Canon EOS 6D

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