Erstkontakt: VW Arteon Facelift – Zwei Antriebe im Test

VW Arteon Facelift

Nach seiner Markteinführung im Jahr 2017 ist der VW Arteon modernisiert nun auch als eHybrid sowie als Shooting Brake erhältlich.

Wir testen den aktuell stärksten Benziner mit 280 PS als R-Line und den neuen VW Arteon eHybrid als Shooting Brake. 

Die Preise starten ab 43.524 Euro für die Grundausstattung mit 2,0 l TDI und 150 PS sowie 7-Gang-DSG. Der Elegance beginnt bei 46.882 Euro und die R-Line gibt es ab 47.642 Euro. Momentan sind die Benziner und damit auch der eHybrid noch nicht konfigurierbar – dies dürfte sich aber alsbald ändern.

Ebenso stehen auch ein VW Arteon R und ein Arteon Shooting Brake R schon mit den Rädern wild scharrend in den Startlöchern, um im Frühjahr 2021 die Saison einzuleiten. Sie werden 320 PS generieren – und damit lässt die R-Variante des Arteon garantiert nichts anbrennen. Im Arteon R kommt übrigens der gleiche Motor zum Einsatz wie im VW Tiguan R




Exterieur – Mehr fürs Auge

Dass der VW Arteon eines der attraktivsten Maßanzüge der Mittelklasse trägt, steht außer Zweifel. In puncto Design ist das Facelift nur hauchzart in der Front- und minimalistisch in der Heckpartie verändert worden. Die athletische Linie mit dem dominanten Blick vorne und die sehr attraktive Seitenansicht mit den sehr stark ausgestellten Schultern bleiben erhalten.


VW Arteon Facelift schräg vorn rechts
Macht auch bei Regenwetter eine Topfigur: Das Facelift des VW Arteon.



Das Highlight: Die feinen Chromlinien, welche in der Lichteinheit weitergeführt werden, sind nun mit einer LED-Lichtleiste für die Topversion und optional für andere Versionen akzentuiert. Diese umspielt das VW-Logo, lenkt den Blick der Betrachter auf die sehr filigran skizzierte Front und bei Nacht betont es die Breite des VW Arteon Facelift.


VW Arteon Facelift Seite
Gestreckt – Auch die überarbeitete Version des Arteon erscheint optisch noch länger, als er es ist.



Die dominante Flächigkeit der Grillformation wird so auf einer neuen Ebene betont und das neue Design liegt damit ganz im Trend – bevor zugunsten der E-Mobilität die Hauben und der Grill an Wichtigkeit verlieren, wird der Lufteinlass zu unserer Freude mittels LED-Leisten in den Mittelpunkt des Frontdesigns gestellt – ganz großes Kino!

Die Frontschürze erhält unten neue Chromstreben und die R-Line eine umskizzierte Einfassung der seitlichen Lufteinlässe. Alles in allem ist bei diesem Modell der Strich etwas leichter, fließender und einen Hauch weniger technisch.


VW Arteon Facelift schräg hinten links
Die Chromeinfassungen umspielen die Fensterfront des Arteon seitlich.



Zur Größe des VW Arteon Facelift: Mit 2.840 mm ergibt sich ein sehr langer Radstand, wobei beide Karosserieversionen mit knapp 4.87 Meter gleich lang sind – neben einer identischen Breite und der gleichen Spurweite. Sie unterscheiden sich lediglich in der Höhe: Der Shooting Brake ist 19 mm höher als das Coupé.

Die Silhouetten unterscheiden sich im Heck und beim Greenhouse, denn der Shooting Brake verfügt über eine verlängerte Fensterfront, welche durch Chromeinfassungen betont wird. Das Dach mündet in einen kleinen Spoiler und die sehr ausgeprägte Schulterpartie um die Hinterräder wird nicht nur erhalten, sie wird durch die Charakterlinie und Taillierung oberhalb der Türgriffe nochmals untermauert.


VW Arteon Facelift Heck
Dreidimensional leuchtende LED-Einheiten bilden den Heckabschluss des Facelifts.



Das Heck präsentiert neu designte LED-Rückleuchten, welche eine filigrane und technisch-hochmoderne 3D-Formation für die Lichteinheit bilden.


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Interieur – Hohe Digitalisierung und neue Klimasteuerung

Neben den technischen Features ziehen neue Materialien in den stylishen Innenraum des VW Arteon Facelift. Neu ist, dass die Luftauslässe organischer designt wurden und die neuen Kunstlederoberflächen sowie solche in Softtouch aus dem VW Touareg Einzug halten. Dazu gehören das fantastische, offenporige Holz und die Metall-Inlets.


R-Line Interieur
Im R-Line erwarten einen Integral-Sportsitze mit stark ausgeprägter Konturierung.



Die Türgriffe und die Kunstledereinsätze in den Türen erhalten ebenfalls ein neues Design, erstere fügen sich nun nahtlos in die Optik der Türen ein, wodurch ein harmonisch-technisches Gesamtbild entsteht. Ebenso neu ist die Klimaautomatik, welche überwiegend problemlos mittels digitaler Slider bedient wird. Das A und O – die Sitzheizung – wird eigens über ein Touchfeld mit drei Stufen aktiviert und muss nicht im Menü eines Untermenüs des Infotainments gesucht werden – Bravo!


Klimabedienteil
All in one – Klimabedienung und separierte Sensortasten für Sitzheizung & Co im Arteon.



Am hervorragend-griffigen Lenkrad des getesteten R-Line findet sich das Touchfeld der sehr angenehmen Lenkradheizung. Das Digital Cockpit Pro ist nun serienmäßig, denn die gesamte Cockpitlandschaft wurde überarbeitet. Somit gehört das rein analoge Kombiinstrument der Vergangenheit an.


R-Line Lenkrad
Ein Fest für die Hände – Das dick gepolsterte Lederlenkrad der R-Line.



Wohlig gewärmt, fehlt nur noch die Einstellung des Sounds und der Navigation: Die Musik liefert das 700 Watt starke Soundsystem aus dem Hause Harman/Kardon, welches sehr ausgewogen klingt und variabel in vier verschiedenen Klangspektren – beispielsweise live – eingestellt werden kann. Das Smartphone findet in einem recht schmalen Ablagefach Platz, welches leicht geschlossen werden kann. Ein spontaner Griff ist bei großen Handys aber nicht so einfach möglich wie beispielsweise beim neuen VW Caddy.


Ambientelicht
Ambiente der besonderen Art – Die Beleuchtungsatmosphäre im Arteon wirkt hochwertig.



Die neue Ambientebeleuchtung bietet bis zu 30 Farben und illuminiert in gleichem Stil wie vorne auch die zweite Sitzreihe. Das Kofferraumvolumen beträgt beim Shooting Brake bis zu 565 Liter beziehungsweise bei maximaler Konfiguration bis zu respektablen 1.632 Liter – die Fastback genannte Limousine offeriert maximal 1.557 Liter. Die Ladefläche ist bei beiden Karosserievarianten 2.092 mm lang. 


Kofferraum Arteon
Raumwunder – Ob Fastback oder Shooting Brake – Das Platzangebot für Gepäck ist riesig.




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Motor und Fahreigenschaften des VW Arteon Facelift mit 280 PS

Wir testen in den Serpentinen und Landstraßen des Harzes den aktuell stärksten Benziner und den eHybrid. Der R-Line mit 280 PS aus dem 2.0 TSI sowie serienmäßigem 4Motion und DSG generiert ein Drehmoment von 350 Newtonmetern und hat einen gezügelten Benzindurst: Bei einer Teststrecke von 150 Kilometern mit viel Landstraße und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 45 Km/h ergibt sich ein Verbrauch von 9,4 Litern.


Verbrauch Arteon
Trotz viel Leistung kann es bei einstelligen Verbrauchswerten bleiben.



Bei gutem Auslauf auf 150 Kilometern Strecke auf einer freien Autobahn ergibt sich ein Wert von 11,7 Litern – sofern man viele Kilometer jenseits der 200 km/h abspult. In puncto Fahreigenschaften ist das VW Arteon Facelift ein Hochgenuss: Ob man nun mit dem Travel Assist entspannt cruisen möchte und das Sicherheitsgefühl schnell zu schätzen lernt oder ob man die Einsamkeit der freigeräumten linken Spur genießt – der Wolfsburger GT kann beides sehr gut und braucht sich in der Topversion technisch vor der Premiumliga aus dem Süden kaum zu verstecken.


Verbrauch 280 PS
Lässt man es manchmal krachen, steigt der Verbrauch erwartungsgemäß.



Neben dem optimierten DCC und der nun nachgebesserten Bremsanlage für eine noch idealere Dosierbarkeit der selbigen, fällt vor allem ins Auge, dass die Assistenzsysteme das Fahrerlebnis um ein Vielfaches steigern. Der Arteon bietet als 280-PS-Varinate Bissigkeit und sportiven Übereifer bis zur Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h, aber auch eine hohe Präzision, extrem viel Feedback übers Popometer und grundsätzlich vom Anfahren bis zum Topspeed eine beispielhafte Verschmelzung von Mensch und Maschine.


Endrohre R-Line mit 280 PS
Schade: Trotz 280 PS Leistung keine echten Endrohre. Ob es die R-Version besser macht?



Der TSI ist wie ein perfekt abgerichteter Schäferhund – kontrollierbar, kraftvoll, athletisch und auf Knopfdruck eine asphaltfressende Maschine ohne überbordende Ambitionen. Der Arteon ist noch immer primär ein Langstreckenschiff, das seinen Piloten mit stoischer Ruhe ans Ziel bringt und diesem die Chance auf Entspannung bietet. Darüber hinaus wirkt er im direkten Vergleich zum Vorgänger, den wir ebenfalls als 280-PS-Benziner testen konnten, nochmals geschliffener.


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Technik, Sicherheit und Assistenz im VW Arteon Facelift

Die besagte Entspannung hat eine primäre Quelle: der Travel Assist. Das System ist in einer ähnlichen Form aus der Oberklasse bekannt und erreicht im neuen VW Arteon ein beeindruckend hohes Level, welches reichlich ausgereift wirkt. In den Geschwindigkeitsbereichen zwischen 0 km/h und 210 km/h unterstützt es beim Lenken, Bremsen und Beschleunigen.


VW Arteon Facelift auf Pflasterstraße
Den Travel Assist haben wir nur innerorts weggelassen – überall sonst konnte er überzeugen.



In unserem Test auf den kurvigen Landstraßen der Harzregion war das Bedienfeld am Lenkrad im Dauereinsatz, denn der Clou ist, dass es Kurven im Cockpit anzeigt und eine für die jeweilig anstehende Kurve treffgenaue Geschwindigkeit wählt, auf die das Fahrzeug selbstständig herunterbremst. Fährt man ohne Ortskunde, ist es sehr realistisch, dass man eher stärker anbremsen würde, als es sein muss.

Um nicht übermäßig, sondern passgenau zu verzögern und somit auch nachhaltig zu fahren, ist der Travel Assist eine Offenbarung. Ein sachtes und angemessenes Herausbeschleunigen am Scheitelpunkt gehört für den Arteon zum guten Ton. Die Technik wirkt ausgereift, verlässlich und extrem sicher, wobei eine gewisse Freude über die Präzision und Verlässlichkeit das positive Gesamtbild abrundet.


Interieur Arteon 2021
Arteon innen: Sauber, wie aus einem Guss, mit integrierten Lüftungsdüsen und klaren Strukturen.



Lediglich beim Passieren von Städten wurde der Assistent während unserer Testfahrten deaktiviert. Dass die neue Kamerageneration des Spurhalteassistenten Lane Assist nun noch viel besser die Spuren erkennt und auch Rasenkanten und andere Begrenzungen in ihre Berechnungen einbindet, ist einer der Gründe für die hohe Qualität des assistierten Fahrens.

Die neue Kameratechnik und Online-Infos verbessern indes die Verkehrszeichenerkennung, wodurch Ortsschilder und Hinweise unter den Schildern erkannt werden. Insgesamt ist dies nur ein grober Überblick über das reichliche Angebot der technischen Features. Ein detaillierter Blick auf das VW Arteon Facelift folgt später in einem ausführlichen Fahrbericht.


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VW Arteon Shooting Brake eHybrid im Test

Zum Test hat sich auch ein in Eisvogelblau Metallic lackierter VW Arteon Shooting Brake eHybrid eingefunden, der im Hybridmodus auf einer Strecke von 36 km Landstraße laut Bordcomputer 4,8 Liter Benzin verbraucht hat. Der reine E-Modus wurde dabei nicht genutzt, jedoch konnten wir diesen bereits in Modellen wie dem VW Golf GTE testen.


VW Arteon Shooting Brake
Neu und aufregend: Als Shooting Brake macht der Arteon gehörig einen auf GranTurismo.



Der VW Arteon eHybrid bietet eine Systemleistung von 218 PS und kann maximal rund 58 Kilometer im reinen E-Modus zurücklegen, was absolut realistisch ist, sofern man umsichtig und gezügelt fährt. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 222 km/h und das maximale Systemdrehmoment 400 Nm. Auch beim Arteon kann geboostet werden, sodass beide Antriebe harmonisch zusammenwirken, um kraftvoll zu beschleunigen.


eHybrid
Im eHybrid gibts auch den E-Mode für das rein elektrische Fahren.



Das Digital Cockpit Pro zeigt den Hinweis READY an und zeigt die potenziellen Reichweiten individuell. Sehr kompakt, perfekt designt und für Hybridfahrer auch sofort intuitiv verständlich, ist hier die Powermeter-Anzeige mit blauem Bereich für die Beschleunigung mit E-Motor, den grünen Charge-Bereich und dem kompakten Drehzahlmesser.


VW Arteon Shooting Brake Seite
Allein die Seitenlinie suggeriert das opulente Pralzangebot im Shoting Brake.



Sehr gut gelöst ist die Anordnung der Knöpfe für den Hybrid-Modus, die Fahrmodi und den E-Modus nebst Wählhebel. Beim neuen Golf eHybrid und dem GTE müssen ein Touchfeld und das Infotainment bedient werden. Beim VW Arteon Facelift eHybrid ist es ein schneller Knopfdruck – sehr gefällig in einer Zeit des überbordenden, technischen Minimalismus. In puncto Gesamtreichweite wird werksseitig der Wert von 940 Kilometern im Gran Turismo und 905 Kilometern im Shooting Brake angegeben.


eHybrid Verbrauch
Unterwegs im Hybridmodus bleibt der Verbrauch gern unter fünf Litern.



Getestet wurde hauptsächlich die neue prädiktive Hybridstrategie, welche das Ziel der maximalen, elektrischen Reichweite und dem niedrigsten Verbrauch bis zum im Navi hinterlegten Ziel verfolgt. Dazu nutzt der Arteon die aktive Navigationsführung und Kartendaten sowie das GPS.

Im Cockpit erscheinen Hinweise zu Kurven mit einer Geschwindigkeitsempfehlung für die sinnvollste Verzögerung und damit einhergehend auch die höchste Rekuperation – je nach gewählter Stufe von stark bis schwach. Wir haben die neue Hybridstrategie mit dem ACC – nicht dem Travel Assist – kombiniert. Das Ergebnis: Ein sehr kultivierter Antrieb mit einem sehr hohen Autonomielevel ergibt eine für den Piloten ausgesprochen entspannte Fahrt, welche bereits mit dem Anspruch der aus der Oberklasse bekannten Technik kompatibel zu sein scheint.


Shooting Brake im Wald
Im prädiktiven Hybridmodus berücksichtigt der Arteon die per Routenführung gewählte Strecke.



Fakt ist: Selbst als leidenschaftlicher Selbstfahrer gewöhnt man sich schnell an das assistierte Fahren und lernt es zu genießen, mit einem niedrigeren Puls anzukommen, als er es bei Fahrtantritt noch war.


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Fazit – Premium und Effizienz nähern sich an

Das VW Arteon Facelift überzeugt im Erstkontakt: Mit ansprechendem Design inklusive markanter LED-Leiste im Grill, einer Armada an digitaler und assistierender Technik und einem noch exklusiveren Interieurdesign voller neuer Features.


VW Arteon Facelift vor Spiegel
Konnte im Erstkontakt überzeugen: Ob nun als „herkömmlicher“ Arteon oder als…



Begeisternd ist der neue Travel Assist, besonders auch in Kombination mit der Hybridstrategie im VW Arteon eHybrid. Selten fühlt es sich bereits nach der ersten Kurve so surreal an, in einer Mittelklasse zu sitzen. Der neue Arteon strebt Höheres an und offeriert ein enorm hohes Sicherheitsgefühl.


Shooting Brake in Eisvogel Blau
…oder als neu hinzugekommene Karosserievariante Shooting Brake.

 

Mit dem großen Benziner und dem großen Diesel gesellt sich zur Fahrperfektion auch noch ein gehöriger, sportiver Biss – auf Abruf. Aber nur dann. Sehr spannend ist auch die kommende R-Version des VW Arteon Facelift, die noch einmal ein weiteres Kapitel aufschlagen wird.




Text: NewCarz

Fotos: NewCarz / Volkswagen

Kamera: Canon EOS 6D

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Technische Daten: VW Arteon Facelift R-Line 280 PS (Werte in Klammern für eHybrid)

  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,87 x 1,87 mit Außenspiegel x 1,46
  • Radstand (mm): 2.635
  • Antrieb: Vierzylinder Reihenmotor mit Abgasturbolader und OPF (+E-Motor)
  • Leistung: 280 PS (218 PS)
  • max. Drehmoment: 350 Nm ab 1.700 rpm (400 Nm)
  • Hubraum: 1.984 ccm (1.395 ccm)
  • Getriebe: 7-Gang-DSG (6-Gang-DSG)
  • Antriebsart: Allrad 4Motion (Front)
  • Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (222 km/h)
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: k.A. (7,8 Sekunden)
  • elektrische Reichweite: 0 (59 km)
  • Kofferraum Fastback (l): 563 bis 1.557 (445 bis 1.427)
  • Kofferraum Shooting Brake (l): 565 bis 1.632 (445 bis 1.497)
  • Kraftstofftank (l): 66 (k.A.)

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