Ford Fiesta Hybrid – Der Ionen-Souffleur

Ford Fiesta Hybrid

Kleinwagen mit Mildhybridtechnik – der Ford Fiesta Hybrid wird genau dadurch in Bewegung gesetzt und stellt sich hier einem Test.

Seit rund einem Jahr auf dem Markt, vervollständigt die teilelektrifizierte Version des Fiesta die Modellreihe. Nun gibt es in der Leistungsspanne von 75 PS bis zu sportlichen 200 PS im Fiesta ST auch zwei Mildhybridvarianten mit 125 PS sowie 155 PS – letztgenannter ist unser Testkandidat.

Diesen fuhren wir in der Ausstattung ST-Line X und mit der Lackfarbe „Metropolis Weiß Metallic“ welche einem leichten Cremeweiß nahekommt. Fahrbericht.


 



 

Exterieur – Sportliche Spurenelemente dank ST-Line

Fords Kleinwagen ist eher der Pragmatiker und kein postmoderner City-Styler. Das extrem introvertiert wirkende Weiß trägt hier natürlich einen nicht unbedeutenden Teil zu diesem leicht biederen Eindruck bei. Generell könnte Ford die Farbpalette für den Fiesta gerne auch in Richtung Pepp & Style auffrischen; wie wäre es mit dem schicken Tropical Orange vom Mustang?


Ford Fiesta Hybrid Front
Nicht für den roten Teppich, aber auch keine graue Maus – Die Front des Fiesta Hybrid.



Optisch zeigt der Fiesta Hybrid wenige Unterschiede zu seinen Modellgeschwistern. Er bleibt modern, dabei aber unauffällig, jedoch auch nicht altbacken in seiner Erscheinung.

In der breiten Masse sticht er allerdings nicht hervor, daran ändert auch die ST-Line nichts, wobei sie zumindest im Ansatz für die eine oder andere dynamisch geprägte Note sorgen kann. Die Front wirkt recht knuffig, weil mit vielen Rundungen gesegnet, die Scheinwerfer sorgen dank spezieller LED-Tagfahrlichtsignatur für einen gewissen Wiedererkennungswert.


Ford Fiesta Hybrid Seite
Die steil nach hinten ansteigende Gürtellinie hat etwas von einer Van-Charakteristik.



Seitlich betrachtet, gibt’s eine ansteigende Gürtellinie, die dem Kleinen fast schon ein bisschen Van-Charakter verleiht – der verblichene C-Max lässt dezent grüßen. 


Ford Fiesta Hybrid Heck
Keine Experimente – Der Heckabschluss des Kleinwagens bleibt vollkommen unaufgeregt.



Am Heck bleibt der Ford Fiesta Hybrid ebenfalls unaufgeregt und die zum Einsatz kommenden Heckleuchten könnten ebenso gut zum Focus gehören. Das Endrohr gibt einen Hinweis auf das Leistungsplus und ein Emblem an der Heckklappe verrät derweil die Antriebssymbiotik.


Türkantenschoner
Die Türkantenschoner machen beim Anlegen an die Kante klapprige Geräusche.



Ziemlich praktisch, aber nach wie vor wackelig umgesetzt: Die Türkanten-Schoner mit ihrer mechanischen Steuerung. Andere Hersteller wie zum Beispiel Skoda, können das besser.


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Interieur – Kölsches Kleinwagenformat

Der Fiesta zeigt sich von innen gut sortiert, bietet für einen Kleinwagen angenehm viel Platz und gut geschnittene Sitze, vor allem vorne. Was noch fehlen würde, ist eine längs verschiebbare Armauflage auf der Mittelkonsole – diese hier ist fest installiert.


Interieur Kleinwagen Fiesta
Hinweise auf den Hybridantrieb? Fehlanzeige; hier wird damit nicht geworben.



Das Lenkrad liegt griffig in den Fahrerhänden und der Blick aufs Cockpit zeigt klassische Rundinstumente, welche aber in Summe mit dem Info-Display und großem Zentralbildschirm auf der Mittelkonsole ein neuzeitliches Flair vermitteln.




Zusammengefasst ist es hier sehr aufgeräumt, auch Neulinge, die bisher nie in einem Ford gesessen haben, finden sich binnen kürzester Zeit zurecht. Die Außenspiegel wirken recht klein – zumindest im Vergleich zum Polo und anderen Wettbewerbern.

Sinnvoll, weil die Übersicht verbessernd: Das kleine Fenster, welches in die A-Säule integriert wurde. Übrigens: Im Vergleich zum dreitürigen Fiesta, den wir bereits als Ford Fiesta ST fahren konnten, zeigt sich der Fünftürer durchaus praktischer – ob beim Einkaufen oder dem Transport der Verwandtschaft – vier Türen sind im Praxisalltag nun mal einfach nützlicher.


Lenkrad ST-Line
Toll – Das Lenkrad ist eine Wucht und der Ausstattungslinie ST-Line geschuldet.



Der Kofferraum ist in Standardkonfiguration mit 292 Litern geringfügig – nämlich 18 Liter – kleiner geworden, bleibt aber maximiert bei 1.093 Litern.


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Motor und Fahreigenschaften – 3+1 macht Fahrfreude

Es gibt wohl kaum jemanden, der erahnt, dass dieser kleine Fiesta mit einem 155 PS starken Dreizylinder mit Mildhybrid bestückt wurde, was sich in teilweise heruntergelassenen Kinnladen äußerte, wenn wir die Leistungswerte preisgaben.


Dreizylinder Motorraum
Bei Dreizylindern haben die Ford-Ingenieure stets gezeigt, wie es geht; das gilt auch hier.



Warum? Weil der Kölner sich so richtig agil und unheimlich drehfreudig erwies, was man ihm auf den ersten Blick sicherlich nicht zutrauen würde. Unterstützt wird der Verbrenner durch ein 48-Volt-Mildhybrid-System, was dem Kleinen beim Sparen helfen soll.

Bei aller Agilität möchte der Ford Fiesta Hybrid drehzahltechnisch gern bei Laune gehalten werden, sofern es sportiv zugehen soll. Nicht dass er in unteren Drehzahlen lahm wäre, allerdings führen niedrige Drehzahlen unweigerlich zu einem nörgelnden Brummen, was innerhalb urbaner Gefilde mitunter auf- und missfiel.


Schaltknauf
Knackig, kurz und sauber – Das Schaltgetriebe macht viel Spaß in diesem Fiesta Hybrid.



Sobald dann mehr als 2.000 Touren anliegen, stürmt der Fiesta eifrig voran und ahmt seinem ST-Pendant nach, giert stets nach dem nächsten Gang und lässt so manchen Vertreter der Kompaktklasse alt aussehen. Fahrfreude? Check! 8,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 fühlen sich hier subjektiv sogar schneller an.

Dazu gesellt sich eine sehr angenehme Lenkung, die ausreichend Feedback an den Fahrer weitergibt, ausgezeichnete weil unerwartet fein dosierbare und kräftige Bremsen sowie ein sehr gutes Getriebe mit kurzen Schaltwegen und satt einrastenden Gängen.


Endrohr Fiesta
Durchgereicht – Das einteilige Endrohr ist echt und erhielt sogar eine abschließende Blende.



Das Fahrwerk wurde ganz dem Namen der Ausstattungslinie ST-Line X entsprechend sportlich abgestimmt. Doch keine Sorge, es gibt noch ausreichend Restkomfort, sodass man auch weite Strecken in diesem Fiesta problemlos abspulen kann.


Fahrmodi
Drei Fahrmodi gibt es, wobei im Sportmodus der E-Support am deutlichsten spürbar wird.



Insgesamt gesehen ist von der elektrischen Unterstützung nur marginal etwas zu spüren. Die Reaktion beim Tritt aufs Gaspedal ist etwas zackiger – viel mehr spürt man nicht. Dafür soll die elektrische Unterstützung beim Spritverbrauch für Einsparungen sorgen.


Verbrauch Drittelmix Fiesta Hybrid
6,9 Liter im Drittelmix sind in Anbetracht der Leistung des Kleinen okay.



Der Verbrauch blieb im Drittelmix bei uns knapp unter sieben Litern auf 100 Kilometer, was in Anbetracht der Leistung anerkennenswert ist. Wer dem Kleinen, der übrigens bis zu 219 km/h schnell ist – ständig alles abverlangt, kommt auf knapp unter zehn Liter – das ist ebenso vorbildlich. Die Sparrunde durchfuhr der Kölner Kleinwagen mit 4,7 Litern auf 100 Kilometer, was eher ein durchschnittlicher Wert ist.


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Ausstattung, Technik und Komfort

Die ST-Line X ist ohnehin sehr gut ausgestattet und so wunderten wir uns nicht über so manches „Leckerli“ im Hybrid-Fiesta.


B&O
Klangtechnisch sehr ausgewogen und dabei auch dynamisch – Bang & Olufsen.



Das B&O Soundsystem ist hier beispielsweise bereits serienmäßig dabei und klingt richtig gut. Hier passt die Abstimmung und wer gerne musikalische Untermalung sucht, wird hieran seine helle Freude haben.

Das Ford Sync 3 Navigationssystem macht eine gute Figur, ist einfach zu bedienen und die Routenführung dürfte ebenfalls keine Fragen aufwerfen, ebenso wenig die vorbildliche Kartendarstellung.


Zentralbildschirm
Zentrale – Der aufgesetzte Bildschirm besitzt ein intuitiv ausgeführtes Bedienkonzept.



Das hier serienmäßig vorhandene Keyless funktionierte reibungslos – somit kann der Schlüssel in der Tasche bleiben. Die LED-Scheinwerfer dürfen als Empfehlung der Redaktion gelten; sie emittieren einen hellen, homogenen und weit reichenden Lichtteppich. Die 750 Euro Aufpreis sind überschaubar und on top gibt es sogar dynamisch pulsierende Blinker vorne


LED-Scheinwerfer
Freireflektorentechnik – Die LED-Scheinwerfer überzeugten im Praxistest in allen Bereichen.



Das Fahrassistenz-Paket mit ACC, Frontkollisionswarner und Co. wird für 900 Euro angeboten und sollte von Vielfahrern investiert werden. Das Winter-Paket für 500 Euro mit beheizbaren Vordersitzen und elektrischer Frontscheibenheizung beschert ein großes Plus an Komfort.




Im Test hatten wir witterungsbedingt mehrfach eine gefrorene Frontscheibe – die elektrische Beheizung machte diese innerhalb einer Minute eisfrei – toll! Auch eine Lenkradheizung gehört zu diesem Paket und diese wärmte schnell und ganzflächig.


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Varianten und Preise des Ford Fiesta Hybrid

Der Kleinwagen wird in zwei Hybridvarianten angeboten, wobei es sich immer um Mildhybrid-Versionen handelt. Der kleinere Hybrid wird mit 125 PS in Kombination mit einem 6-Gang-Handschaltgetriebe angeboten. Der größere ist dieser hier gefahrene Testkandidat mit 155 PS – beide Modelle besitzen einen 1.0-Liter-Dreizylinder Turbobenziner und Frontantrieb. Die stärkere Version wird ebenfalls ausschließlich mit dem 6-Gang-Handschaltgetriebe kombiniert.


Ford Fiesta Hybrid ST-Line
Als ST-Line und gut ausgestattet nähert sich der Fiesta der 30.000-Euro-Grenze.



Es gibt zudem sechs Ausstattungen: Trend, Cool & Connect, Titanium, ST-Line, Active und Vignale. Außerdem gibt es noch die soganannten X-Versionen bei Titanium, ST-Line und Active mit nochmals verbesserter Ausstattung.

Der Einstiegspreis für den kleinen Hybriden beginnt bei 22.150 Euro als 3-Türer in der Ausstattung Titanium. Als 5-Türer wird es um 400 Euro teurer. Hier muss noch die Förderung abgezogen werden, welche aktuell rund 2.300 Euro beträgt.

Der stärkere Hybrid startet ab 23.650 Euro als Fünftürer; für unseren Testwagen waren als ST-Line X ab 26.150 Euro fällig.


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Fazit – Unbeobachteter Geheimtipp

Der Ford Fiesta Hybrid konnte sich im Test als absolut solider Kleinwagen beweisen, der dem Credo „Mehr Sein als Schein“ folgt. Sein Antrieb ist kraftvoll, der Nutzwert hoch. Es gibt keine ernsten Kritikpunkte, außerdem erledigt der Kleinwagen seine Aufgaben nicht nur im Alltag unaufgeregt und bleibt dabei sparsam.


Ford Fiesta Hybrid schräg oben links hinten
Macht seinen Weg – Pragmatisch, sparsam und kraftvoll erobert der Fiesta als Hybrid die Herzen.



Ein aktuell geltender Preisnachlass von 2.310 Euro schürt die Attraktivität des Ford Fiesta Hybrid nochmals und neben diesem monetären Anreiz kann der Kleine auch durch Effizienz im alltäglichen Einsatz sowie eine breit gefächerte Ausstattung punkten.

In Summe eignet er sich für eine breite Klientel, die es vorzieht, nicht unbedingt aufzufallen und dennoch einen souveränen Kleinwagen ihr Eigen zu nennen, der, ohne groß Blicke auf sich zu ziehen im Verkehr mitschwimmt und wenn es drauf ankommt, auch an dem ein oder anderen dynamisch vorbeizieht.




Text/Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

 

 

 

Konkurrenz:
Suzuki Swift Hybrid, Fiat Panda Hybrid Hyundai i20, VW Polo, Opel Corsa, Renault Clio

 

 

Technische Daten: Ford Fiesta Hybrid1.0 EcoBoost ST-Line X

  • Farbe: Metropolis Weiß Metallic
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,04 x 1,74 (1,94 mit Außenspiegeln) x 1,48
  • Radstand (mm): 2.493
  • Antrieb: Dreizylinder Ottomotor mit Turbolader und OPF
  • Hybridsystem: 48-Volt-Mildhybridsystem mit Riemenstartgenerator
  • Leistung: 114 kW (155 PS) bei 6.000 rpm
  • max. Drehmoment: 240 Nm bei 2.500 rpm
  • Hubraum: 998 ccm
  • Getriebe: 6-Gang-Handschaltgetriebe
  • Antriebsart: Front
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 5,1 l/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 6,8 l/100 km
  • CO2-Emissionen (Werksangabe): 115 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM
  • Höchstgeschwindigkeit: 219 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 8,9 Sekunden
  • Wendekreis (m): 10,4
  • Bodenfreiheit (mm): 124.
  • Kofferraumvolumen (l): 292 bis 1.093
  • Leergewicht (kg): 1.214
  • Zuladung (kg): 471
  • mx. Anhängelast ungebremst/gebremst bis 12% (kg): 605/1.000
  • max. Stützlast (kg): 45
  • max. Dachlast (kg): 50
  • Tankinhalt (l): 42
  • Kraftstoffart: Benzin E5/E10 mind. 95 Oktan
  • Neupreis des Testwagens: ca. 29.350 Euro (Einstiegspreis Fiesta Hybrid ab 21.300 Euro)

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