So funktioniert ein Automobiltest laut ZDF: BMW vs. Mercedes

CLS 63 AMG

Manchmal traut man seinen Augen nicht, wenn man den Fernseher mal wieder anschaltet. Eine Automobilsendung zur Prime-Time? Im Öffentlich-Rechtlichen? Da muss man einfach zuschalten – und wird überrascht. Leider mehr negativ als positiv, wie die Dreiviertelstunde am heutigen Abend zeigt.

Im deutschsprachigen Fernsehen erwartet man natürlich auch ein Automobil aus Deutschland. BMW gegen Mercedes lautet das Duell. Wieso Audi nicht dabei ist, scheint sich mir auch nach längerem Zuschauen nicht zu erschließen. Man lanciert einen Premium-Vergleich und lässt einen der wichtigsten Hersteller für den deutschen Markt unter den Tisch fallen. Gut, sei es drum – vielleicht nächsten Monat. München gegen Stuttgart lautet die Wahl des Abends. Dem geneigten Zuschauer wird aber schon nach wenigen Minuten an den Kennzeichen auffallen, dass einige Teile der Tests mit Mietwagen durchgeführt werden. Ein Zeichen? Es wird noch besser. Viel besser.

Ab auf die Rennstrecke – Fahrzeugart? Egal.

Die Sendung hat ihre Momente, wirklich. Zwei Familien mit Kindern, die jeweils eingefleischte Mercedes- bzw. BMW-Fans sind, sollen jeweils die andere Marke fahren. Zwei Wochen lang – schließlich wolle man einen „Dauertest“ starten. Kurzer Hinweis am Rande: Unsere getesteten Autos werden auch zwei Wochen lang gefahren. Die einzige Ausnahme bleiben Tagestermine, jedoch erlauben wir uns bei diesen NIE eine abschließende Meinung. Schließlich bleiben auch bei zwei Wochen noch einige Faktoren einfach unentdeckt, weshalb größere Redaktionen ihre Dauertests auf mindestens ein Jahr beschränken. Ich möchte aber nicht kleinlich sein, schließlich wird ja schnell deutlich, dass Mercedes- und BMW-Fahrer sich gegenseitig einfach nicht gern haben.

Damit nicht genug, wagt man sich auf eine Rennstrecke, um Assistenzsysteme zu zeigen. An dieser Stelle bleibt nur leider fragwürdig, wieso diese Tests nicht auch von jenen Familien durchgeführt werden? Ganz zu schweigen davon, dass den meisten Zuschauern der Name dieser Systeme einfach nichts sagt. Hier wäre an der einen oder anderen Stelle eine Erklärung der ganzen Fremdwörter und Techniken angebracht.

Vergleich mal anders.

Stattdessen zieht man lieber Vergleiche der Markenimages zur Nazi-Zeit und lässt auf der Rennstrecke Oberklasse-Limousinen gegeneinander antreten, deren Gewicht jenseits von Gut und Böse liegt. Zweck verfehlt, liebes ZDF. Und als wäre das noch nicht genug, präpariert man Mietwagen mit Defekten und testet die Service-Hotline. Traurig wird es aber erst dann, wenn man die falsche Rufnummer des 24-Stunden-Services raussucht.

Zum Schluss soll ein repräsentativer Vergleich alles richten. Öffentliche Straße, Blitzer aufstellen und Strichliste machen. Wer ist denn nun der Raser? Offenbar merkte man aber schon früh, dass der Zuschauer durchschauen würde, wie wenig repräsentativ doch in Wirklichkeit ist. Ein O-Ton musste also her, um zu zeigen, das die eigenen Tests mehr können, als eingangs gezeigt.

Glücklicherweise weiß ich nun, wohin meine GEZ-Gebühren fließen. Solche Formate gehören ganz sicherlich nicht in die Prime-Time. Und am Besten gar nicht in’s Fernsehen.

About Mikhail Bievetskiy

Mikhail Bievetskiy ist Gründer von NewCarz.de und war vorher bereits auf vielen anderen Magazinen und Blogs tätig. Er schreibt hier über das Thema Automotive und schildert seine Erfahrungen mit Fahrzeugen aller Art.

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