Volkswagen Golf GTE – Vorbericht aus dem Werk

Dass er ein Golf ist, der im Alltag mit all seinen typischen Vorzügen glänzt, ist nichts Besonderes. Dass Volkswagen nun aber mit einem Plug-In-Hybrid in der Kompaktklasse zum Angriff bläst, ist neu. Bekannt ist auch, dass die Wolfsburger für neue Konzepte bislang immer etwas länger gebraucht haben, dafür aber umso kräftiger zugeschlagen haben – so auch beim GTE. Wir waren im Stammwerk der Niedersachsen und haben uns die Produktion des neuen Hybriden angesehen.

Produktionsstraßen, halbfertige Autos, die an den Decken ihres Weges ziehen, fleißig arbeitende Roboterarme und konzentrierte Mechatroniker: Die Produktion des Bestsellers Golf ist nach wie vor ungebremst. Über 800.000 produzierte Kompaktklasse-Modelle konnte der Global-Player 2013 absetzen und die Zahlen für das aktuelle Geschäftsjahr werden sogar noch rosiger prognostiziert.

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Was ist also verkehrt daran, das Golfportfolio noch auszuweiten? Was bislang fehlte war ein Hybrid, wie ihn asiatische Hersteller schon seit geraumer Zeit anbieten. Der Volkswagen-Konzern konzentrierte sich bislang auf die Derivate Golf, Golf Sportsvan, GTI, GTD und R. Doch man hat seine Hausaufgaben gemacht: Anstatt einfach einen gewöhnlichen Hybrid zu entwickeln, machten die Wolfsburger aus dem Golf GTE ein Meisterstück. Es ist nicht nur die Leistung von insgesamt 204 Pferdestärken, die für große Augen sorgt. Für Staunen sorgt vor allem der Elektromotor: Ohne zusätzliche Hilfe des 1.4TSI-Motors mit 110 kW, kann er bis zu 50 Kilometer rein elektrisch fahren. Erhöht man die Geschwindigkeit, bleibt der Elektromotor am Zug: 130km/h sind möglich, bevor sich das Otto-Aggregat zuschaltet.

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Diese Eigenschaften prädestinieren den Golf mit den zwei Herzen für den Stadtverkehr: Laut Nachforschungen bewegt sich die avisierte Zielgruppe etwa 47 Kilometer im urbanen Getümmel. Erreicht man abends sein Heim, verbindet man dem GTE mit einer Steckdose und lädt den Akku einfach wieder auf.

Darüber hinaus kann auch der Benziner – im Zusammenspiel mit dem Elektromotor – weiterhelfen. Legt man es darauf an, beschleunigt der Kompakte in zügigen 7,6 Sekunden auf 100km/h und erreicht bei Bedarf eine Höchstgeschwindigkeit von 222km/h. Lotet man dieses Potenzial voll aus, lassen sich die 940 Kilometer maximale Reichweite natürlich nicht realisieren. Lässt man aber den Elektromotor viel der Arbeit verrichten und streichelt das Gaspedal, sollten sich 1,5 Liter/100km Durchschnittsverbrauch (NEFZ) ermöglichen lassen.

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Doch genug zu den Fahrleistungen: Wir waren in Wolfsburg und haben uns in der Produktion umgesehen. Fakt ist, dass auch der GTE ein fast klassischer Golf ist. Er wird, ebenso wie seine ausschließlich verbrennenden Brüder, auf derselben Produktionsstraße hergestellt, feiert ebenso wie diese die Hochzeit der Karosserie mit dem modularen Querbaukasten (MQB) und besteht auch sonst aus vielen bereits bekannten Teilen.

Andererseits will ein solches Modell gut geplant sein, sodass bereits beim Entwurf des MQB auf die Strukturen und Erfordernisse geachtet werden musste. Der Unterboden des GTE ist dafür ein gutes Beispiel, da er sich grundlegend von seinen Plattformbrüdern unterscheidet. Auch die Unterbringung des Akkus im Kofferraumboden will lange geplant sein. Überraschend aber, wie unsichtbar die gesamte Technik für den Endverbraucher bleibt, da der Akku zum einen das Ladeabteil nicht einschränkt – wie es bei anderen Hybriden der Fall ist – und zum anderen keine Behelfslösung beim Getriebe gefunden werden musste.

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Alle Volkswagen GTE werden serienmäßig mit einem 6-Gang-DSG-Getriebe ausgestattet, das für seine schnellen Schaltzeiten und die nahezu unbemerkten Gangwechsel bekannt ist und optimal zu diesen Gran Tursimo passt. Dabei verfügt das Doppelkupplungsgetriebe über eine zusätzliche Trennkupplung, um den TSI auszukuppeln und rein elektrisch zu fahren. Doch von diesen Abläufen soll der Fahrer nichts merken, wie es im Werk heißt. Ob und wie der neue Wolfsburger überzeugen kann, zeigt der bald kommende Fahrbericht.

Redaktion: Adam Meyer / Bilder und Video: Mikhail Bievetskiy Photography

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