Werk Leipzig mit neuem Porsche Qualitätszentrum

Das im August 2002 eingeweihte Porsche Werk Leipzig erfuhr in den 14 Jahren seines Bestehens eine beispiellose Entfaltung und Erweiterung. Die neueste Expansion wurde in Form eines Qualitätszentrums realisiert, welches am 2. Juni 2016 offiziell eingeweiht werden soll.

NewCarz durfte vorab, mit als erste Externe überhaupt, die heiligen Hallen betreten.

Ob es Glück, Vision, Fügung oder Weitsicht war, die einst die Zuffenhausener dazu veranlasste, ein über 200 Hektar großes Gelände in Leipzig zu erwerben, kann heute bei Porsche niemand mit zufriedenstellender Sicherheit beantworten.

Ungeachtet dessen erwies und erweist sich dieser Umstand als äußerst vorteilhaft für eine stetige, ja fast exponentiell anmutende Expansion des Standortes.

 

Als Meilenstein stellt sich die letzte Investition in Form eines neuen Qualitätszentrums dar.

Dabei handelt es sich um eine über 6.000 m² große, rund 15 Millionen Euro teure Anschaffung – wohlgemerkt, ohne der hochtechnisierten Ausstattung gerechnet, welche den Preis sicherlich nochmals um einige Millionen erhöhen dürfte.

Dieses Qualitätszentrum dient der Zentralisierung der Qualitätssicherung und damit der Gewährleistung der stetig wachsenden Ansprüche der Kunden und Porsche selbst, in Bezug auf das angestrebte Qualitätsniveau.

Porsche Leipzig - Neues Qualitätszentrum
Kampf gegen zu große Spaltmaße und Passungen – auf höchstem Niveau.

Frank Moser, Leiter Unternehmensqualität bei Porsche sagt dazu, dass Porsche-Qualität auf einem vier Säulen Fundament basiert.

Die vier Säulen beinhalten:

  • Die emotionale Qualität, welche sich aus einer vielschichtigen Kombination von Design, Performance und Sound definiert. Sie ist seit jeher ein ganz wesentliches Charaktermerkmal für einen Porsche und ein wichtiges Kaufkriterium für die Kunden.
  • Die funktionale Qualität muss vor allen anderen die Erwartung erfüllen, dass ein Fahrzeug stets perfekt funktioniert. Sie setzt sich zusammen aus den Faktoren Zuverlässigkeit, Gebrauchsqualität und Alltagstauglichkeit.
  • Mit Schlagworten wie Haptik, Wertigkeit, Fugenbild sowie Liebe zum Detail erklärt sich die Anmutungsqualität. Das tadellose und optisch einwandfreie Erscheinungsbild sollen in der Summe einen Porsche perfekt machen.
  • Das i-Tüpfelchen der Porsche-Qualität stellt eine exzellente Servicequalität gegenüber den Kunden dar.

 

„Jede Säule muss kontinuierlich und nachhaltig immer weiter optimiert werden. Das Erreichte ist uns nie gut genug.“, sagte Moser.

 

Qualitätssicherung zentral gesteuert – dezentral realisiert

Bei Porsche wird der Qualitätsprozess zentral gesteuert, erlebt seine reale Umsetzung jedoch dezentral in den einzelnen Ressorts und Bereichen. Neben der Hauptabteilung Unternehmens-Qualität, gibt es eigene Qualitätsabteilungen innerhalb der Beschaffung, Entwicklung, Produktion und dem Vertrieb.

„Die Qualitäts-Kompetenz ist damit im gesamten Unternehmen angesiedelt und jeder Bereich hat eine hohe Eigenmotivation, die bestmögliche Qualität zu erzielen“, erklärte Moser. „Wir müssen bei Porsche niemanden dazu bringen, sich innerhalb seines Fachgebiets um Perfektion und Qualität zu kümmern.

 

Auf dem neuesten Stand

Zusammengefasst dient das Qualitätszentrum – mit aktuell 30 Mitarbeitern – der Fehler-Ursachen-Analyse und Bauteilqualifizierung in den Vorserien der Modelle bis zum End of Product. Zusätzlich werden umfangreiche präventive Analysen zur frühzeitigen Qualitätsoptimierung durchgeführt.

Neu eröffnetes Qualitätszentrum (QZ) der Porsche Leipzig GmbH am 02.05.2016
Feinfühlig – Messmaschinen tasten die Karosserie tausendfach ab.

In der neuen Halle steuern und überwachen Mitarbeiter unter anderem neun stationäre und fünf mobile, akribisch exakt arbeitende Messmaschinen – überwiegend der Marke Zeiss – beim Überprüfen sämtlicher Qualitätsmerkmale der Fahrzeuge.

Qualitätszentrum (QZ) der Porsche Leipzig GmbH
Auf den Punkt – Exakte Überprüfung aller Messpunkte auf Toleranzen.

 

Die wichtigsten Methoden und Aufgaben stellen sich wie folgt dar.

  • Das Cubing, ist die Vorgehensweise zur Vorserienqualifizierung von Anbauteilen im Exterieur und Interieur. Dabei kommt eine aus massivem Aluminium gefräste Karosserie in Realgröße zum Einsatz. Sie dient beim Serienanlauf eines Modells der Optimierung und Qualifizierung von Montageteilen und der Funktionsanalyse von Anbauteilen. So können ein in der eigenen Sattlerei beledertes Cockpit oder Komponenten wie Scheinwerfer auf Passgenauigkeit, Fugenbild, Optik und Anmutung überprüft werden. Abweichungen lassen sich selbst im Zehntelmillimeterbereich feststellen.
  • Der Außenmeisterbock dient der Vorserienqualifizierung von Karosserieteilen hinsichtlich Passung, Fugen und Übergängen sowie Anpassung von Karosserie und Montageteilen. Die Präzision der Gesamtkarosserie steht hier im Fokus. Das heißt, hier wird unter anderem analysiert, wie verschiedene Bauteile insgesamt zusammenpassen, obwohl sich jedes Teil für sich innerhalb der Toleranz befindet. Betrachtet werden etwa Bündigkeitsverläufe und Fugenbild – ebenfalls auf den Zehntelmillimeter genau
  • Der Fügemeisterbock sichert die Vorserienqualifizierung von strukturrelevanten Karosserieteilen hinsichtlich der Passung und Fügbarkeit.
  • Eine Gesamtfahrzeuganalyse mit mobiler und stationärer Messtechnik bildet das Vor-Finish.
  • Die Schwarzkarosserie als Vorserienqualifizierung von Blechteilen ermöglicht das exakte Beurteilen der Karosserie-Außenhaut und deren Oberflächen. Nichts entgeht hier dem geübten Auge der Spezialisten.
  • Am Ende erfolgt eine Gesamtfahrzeugaudit, bei der das jeweilige Fahrzeug nochmals in allen Belangen überprüft wird.

 

Erlkönig-Alarm

Ein Pilotzentrum, in dem bis zu zwei Vorserienfahrzeuge pro Tag komplett aufgebaut werden können, gehört ebenso zum neuen Qualitätszentrum. Hier werden die neuen Modelle kurz vor ihrer Serienreife komplett gefertigt und starten von hier aus die umfangreichen und weltweit stattfindenden Tests.

Porsche Leipzig GmbH
Herr des Qualitätszentrums – Dr. Andreas Schmidt, Leiter Qualität Porsche Leipzig

Herr Dr. Andreas Schmidt, Leiter Qualität am Standort Leipzig zeigte sich sichtlich stolz zur neuen Investition auf dem Gelände. „Qualität ist kein Zufall. Sie ist aber vor allem auch Teamwork.“, erläutert Schmidt. „Jeder einzelne Mitarbeiter trägt und lebt den Qualitätsanspruch der Marke Porsche. Ohnedem wäre es nicht möglich, ein derart hohes Niveau zu gewährleisten.“

Neu eröffnetes Qualitätszentrum (QZ) der Porsche Leipzig GmbH am 02.05.2016
Die Gesamtfahrzeuganalyse bei genormten Lichtverhältnissen.

Alle an den Standorten Zuffenhausen und Leipzig verbauten Fahrzeugteile der Baureihen und Derivate werden mit den oben genannten Instrumenten und Methoden – und nicht nur letztendlich, sondern vor allem durch motivierte Mitarbeiter qualifiziert und analysiert.

 

Diese Qualitätsmethoden tragen Früchte

Bei einem Porsche handelt es sich aktuell bei etwa 80 Prozent aller Fahrzeugteile um Kaufteile, die der Hersteller durch Zulieferer erwirbt.

Allein dadurch ist dieses Qualitätskonzept unerlässlich und bewährt sich bereits seit geraumer Zeit.

NewCarz bei Porsche Leipzig
Bestanden – nach der Gesamtfahrzeuganalyse geht es zur Gesamtfahrzeugaudit.

Alle Fahrzeuge von Porsche erhielten in der Vergangenheit diverse Preise und Auszeichnungen. Auch das neueste Modell aus Leipzig, der Porsche Macan bekam auf Anhieb 2015 den Titel ‚Bestes Fahrzeug im Segment‘ im Bereich Kompakt-SUV ,vom wichtigen Marktforschungsinsitiut J.D. Power, verliehen.

Dies unterstreicht den Anspruch und das Bestreben des erfolgreichen Sportwagenproduzenten einmal mehr. Damit dies auch zukünftig so bleibt, dafür tragen derartige Investitionen bei, die wiederum dafür Sorge tragen, dass die Gesamtkosten durch ausbleibende Nachbesserungen und teure Anpassungen deutlich geringer ausfallen.

Aber auch die Offenheit gegenüber neuen, zukünftigen Herausforderungen wie beispielsweise Digitalisierung, Smart Mobility und Elektromobilität. Diese perfekt ins Fahrzeug zu integrieren und gleichzeitig die Produktqualität in seiner Gesamtheit weiter zu steigern, ist eine der klar definierten Hauptaufgaben des Unternehmens.

 

Mit Porsche Qualitätszentrum einmal mehr auf bestem Wege

Es war sehr interessant bei Porsche auch hinter die Kulissen schauen zu dürfen. Auch wenn es nicht bis in jedes Detail gereicht hat.

Zum Beispiel bis zum neuen Porsche Panamera, der im Juni offiziell vorgestellt wird. Der stand auch im Qualitätszentrum, oder besser einige der neuen Karosserien – abgedeckt oder nicht einsehbar. Schade eigentlich.

Verraten wurde nur, dass der ‚Neue‘ momentan für die Premiere Ende Juni in Berlin fertiggestellt wird. Sogar die Farbe des Vorstellungsfahrzeuges steht schon fest. Doch auch die bleibt bis dahin eines der bestgehüteten Geheimnisse des Unternehmens.

Wir bleiben neugierig und sind zur Premiere in jedem Fall dabei und werden selbstverständlich darüber berichten.

 

Porsche Leipzig GmbH
Last Check – als Gesamtfahrzeugaudit besteht ein Macan letztmalig die Qualitätskontrolle.

 

Text: NewCarz / Fotos: Porsche

 

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