Dacia Sandero – Alltagstauglicher Sparfuchs

Erstmals auf dem Genfer Autosalon 2008 vorgestellt, rollt nun seit 2012 bereits die zweite Generation des Dacia Sandero vom Band.

Oftmals als Mauerblümchen bezeichnet und nicht selten nur zur Randfigur degradiert, überraschte uns der Sandero im Test doch mehr als erwartet.

Wie der von uns getestete Rumäne mit 90 PS starkem Dieseltriebwerk den Alltag bewältigte, zeigt der Fahrbericht.

 

Exterieur – Erwachsen und dezent

Die Optik des Sanderos ist durchdacht und wohlproportioniert, geradezu erwachsen, aber ohne großes ‚Tam-Tam‘. Der Kleine wirkt in ‚Arktis Weiß‘, mit Stoßfängern in Wagenfarbe und dezenten Kantenführungen ringsum sehr schick.

Schmale Spoilerlippen an Front und Heck zaubern eine dezente Dynamik. Die Halogenscheinwerfer fügen sich harmonisch in dezent-sportlicher Linie in die Front ein und werden in besagter Ausstattungslinie serienmäßig durch Nebelscheinwerfer ergänzt.

 

 

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Dicke Schlappen? Fehlanzeige! – Optional rollt der Dacia Sandero auf 15-Zöllern

 

Die optional erhältlichen 15-Zoll-Leichtmetallräder ‚Lauréate‘ bilden ein kleines optisches Highlight, denn diese ergänzen die metallisch glänzenden Elemente an Front und Heck. Insgesamt weist der Testwagen eine angenehme, moderne, durchaus sportive Erscheinung auf.

 

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Kein Schnickschnack – Der Rumäne kommt auch ohne Prunk gut zurecht

Interieur – Erstaunlich viel Platz

Der rund vier Meter lange Dacia Sandero bietet Platz für bis zu fünf Personen. Aufgrund seiner Höhe von gut 1,50 Meter steht nicht nur für Fahrer und Beifahrer sondern auch für die Fondpassagiere ausreichend Bein- und vor allem Kopffreiheit zur Verfügung. Insbesondere vorne kommen auch groß gewachsene Personen in den Genuss eines großzügigen Platzangebotes.

 

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Kleines Raumwunder – Der vier Meter lange Kompakte bietet viel Platz im Innenraum

 

Der Stoffbezug der Sitze und der Kunststoff der Verkleidungen entsprechen dem Preis-Leistungsverhältnis, ohne dabei minderwertig oder gar billig zu wirken. Sie erfüllen ihren Zweck, ohne dabei im Wesentlichen optische Einsparungsmaßnahmen zu offenbaren. Auch auf längeren Autobahnetappen kam während unserer Testfahrten nie Müdigkeit auf, Sitzkomfort und Seitenhalt gehen für ein Fahrzeug der Kompaktklasse völlig in Ordnung.

 

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Viel Stauraum – Der Sandero fasst bei umgeklappter Rückbank bis zu 1.200 Liter

 

Für die Sicherheit der kleinen Passagiere sorgen Isofix-Halterungen an den beiden äußeren Sitzen der Rückbank. Selbige lässt sich zudem umklappen, wodurch sich das Ladevolumen von 320 auf bis zu 1.200 Liter erhöht. Der Dacia erlaubt eine Zuladung von bis zu 482 Kilogramm – für Besatzung und Gepäck hinreichend.

 

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Solides Interieur – Die Haptik geht in Ordnung, das große Lenkrad stört

 

Zur Serienausstattung des Dacia Sandero gehört die vordere Mittelarmlehne samt integriertem Staufach. Selbiges lässt sich in der Praxis ideal als Aufbewahrungsmöglichkeit für das per Bluetooth mit dem Fahrzeug gekoppelte Smartphone nutzen.

 

Technik & Assistenz – Ausstattungsvariante ‚Lauréate‘ mit vielen Extras

Das aufpreispflichtige Navigationssystem ‚Media-Nav-Evolution‘ verfügt über einen sieben Zoll großen Touchscreen und Kartenmaterial für Deutschland, Österreich und die Schweiz, sowie für die Beneluxstaaten. Im Praxistest konnte das System vor allem durch die intuitive Bedienung überzeugen.

Das Wälzen von dicken Handbüchern erübrigt sich nahezu gänzlich und festigt genau das, was ein Dacia einem vermitteln möchte: Reinsetzen – Losfahren. Die akustisch angenehme Navigationsführung ist zwar hilfreich, sie warnt allerdings vor Verkehrsstörungen oftmals erst dann, wenn man bereits im Stau steht.

 

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Up-to-date – Das Navigationssystem des Dacia überzeugte im Alltagsgebrauch

 

Das in der Ausstattungslinie ‚Lauréate‘ serienmäßige ‚Dacia Plug & Radio‘ spielt jede Art von MP3-Dateien problemlos ab, zeigt Musiktitel an und verfügt darüber hinaus über einen USB-Anschluss und einen AUX-Eingang. Einwandfrei beschallte uns die Musikanlage mit einem recht dünnen Klang, der jedoch bei etwas höher gestelltem Bass kaschiert werden kann.

Die Bluetooth Freisprecheinrichtung verbindet sich bereits beim ersten Anlauf problemlos mit dem Smartphone und erlaubt eine sichere Bedienung über den Touchscreen. Rechts hinter dem Lenkrad sitzt das Bedienelement für die Telefonfunktionen und die Lautstärkeregelung.

 

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Freisprechen, bitte – Die Bluetooth-Verbindung klappt auf Anhieb

 

Die Klimaanlage macht in puncto intuitive Bedienung keine Ausnahme und quittierte auch bei hochsommerlichen 35 Grad Celsius nicht den Dienst.

 

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Renault-Erbe – Die kleine Fernbedienung sitzt nicht am sondern hinterm Lenkrad

 

Die zur Sonderausstattung gehörende Einparkhilfe ist eine nützliche und sehr empfehlenswerte Ergänzung zum Dacia Sandero. Obwohl man im Rumänen nicht die schlechteste Rundumsicht hat, sorgt diese für zusätzliche Sicherheit beim Parken und Rangieren.

Serienmäßig hingegen ist die Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung. Für alle Fahranfänger ist ebenfalls gesorgt – ESP ist stets mit an Bord. Ein weiteres Plus an Sicherheit bilden Front- und Seitenairbags für Fahrer und Beifahrer.

 

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Touch to honk – Die Hupe sitzt – etwas ungewöhnlich – am Ende des Blinkerhebels

 

Der durch einen Schalter an Mittelkonsole und Lenkrad bedienbare ‚Tempopilot‘ mit Geschwindigkeitsbegrenzer arbeitete durchweg fehlerfrei. Die Platzierung des Kippschalters neben dem der elektrischen Fensterheber erlaubt die Bedienung während der Fahrt nur durch vorheriges Ertasten. Die Haptik ist aber leicht zu unterscheiden, sodass dies nach kurzer Eingewöhnung problemlos zu bewältigen ist. Insgesamt muss man keine Einbußen in Sachen Technik und Assistenz hinnehmen, der Dacia weist in der von uns getesteten Variante viele nützliche Extras auf.

 

Motor & Fahreindrücke – Gemütlicher Gefährte

Angetrieben wird der Dacia Sandero dCi 90 von einem Reihenvierzylinder mit 1.461 cm³ Hubraum und 90 Pferdestärken. Unter Berücksichtigung des recht geringen Leergewichts von gut 1,1 Tonnen vollbringt der Kompakte zwar keine Höchstleistungen in Sachen Sprint und Durchzug, steht aber dennoch leistungsmäßig gut im Futter – nicht zuletzt aufgrund der 220 Newtonmeter, die an den Vorderrädern zerren.

 

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Kleiner Diesel – Der Vierzylinder generiert 90 PS und schickt 220 NM an die Vorderachse

 

Um im Stadtverkehr mitzuschwimmen oder auch auf der Autobahn nicht als Verkehrshindernis aufzufallen reicht die Leistung allemal. Immerhin rennt der Dacia Sandero gut 173 km/h. Im Test zeigte der Tacho bei leicht abfallender Strecke sogar 194 km/h an. Der Sprint bis zum Erreichen der magischen 100 km/h-Marke gelingt in ungefähr 12 Sekunden – reicht.

 

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Übersichtlich – Die Tachoeinheit zeigt alle relevanten Informationen an; Ablesbarkeit? Sehr gut.

 

Der kompakte Rumäne ist recht weich abgestimmt und federt komfortabel. Die Bremsen reagieren in allen alltäglichen Situationen verlässlich und gut dosierbar. Durch die leichtgängige, hydraulische Servolenkung lässt sich das Auto präzise steuern, das unschön große Lenkrad schränkt jedoch subjektiv die Wendigkeit ein. Die Schaltung des 5-Gang-Getriebes ist mäßig präzise, aber akzeptabel. Lediglich der Rückwärtsgang hakt gelegentlich und benötigt mitunter mehrere Versuche des Gangeinlegens.

 

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Manchmal klemmt´s – Der Rückwärtsgang möchte gelegentlich nicht eingelegt werden

 

In puncto Verbrauch zeigt sich der Dacia Sandero von seiner Schokoladenseite. Angegeben mit 3,4 Litern Diesel pro 100 Kilometer, erreichten wir im Testzeitraum bei durchschnittlich 4,5 Liter, wobei Stadtgebiet und Autobahn die Hauptreviere waren. So oder so ein respektabler Wert. Das Tankvolumen von 50 Litern reicht folglich für über 1.000 Kilometer ohne Tankstopp.

Positiv ist der mit 90 g/km recht geringe Co²-Ausstoß, die strenge Euro-6 Norm wird ebenfalls erfüllt. Die im Testwagen verbaute Start-Stopp-Automatik reanimiert den Motor beim Durchtreten der Kupplung zügig, sodass das Anfahren ohne störende Trägheit gelingt. Apropos Anfahren: Die Kupplung erleichtert durch einen deutlichen Schleifpunkt das Anfahren und erweist sich dadurch ideal für Fahranfänger und Gelegenheitsfahrer.

 

Fazit – Der günstige Alltagsbegleiter

Abschließend möchten wir sagen, dass der Dacia Sandero ein rundum stimmiges Gesamtbild zeigt, welches sich ganz und gar nicht verstecken muss. Insbesondere in der von uns getesteten Ausstattungsvariante ‚Lauréate‘ bietet er viele überzeugende Argumente.

Das Preiswunder ist darüber hinaus sehr alltagstauglich und erfüllt die Ansprüche seiner Zielgruppe mit Bravour – er ist eindeutig der Siegertyp im Preis-/ Leistungsvergleich. Der Sandero eignet sich besonders für junge Menschen und kleine Familien.

 

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Kein Mauerblümchen – Der Dacia Sandero ist eine echte Alternative in seiner Klasse

 

Aufgrund seiner intuitiven Bedienung und dem stimmigen Antrieb eignet er sich ebenso als ein ideales Anfänger- und Einsteigerauto. Die kleinen Wermutstropfen wie der hakelige Rückwärtsgang oder die etwas unglücklich platzierten Schalter der Fensterheber, dürfen in dieser Preisklasse gut und gern vernachlässigt werden.

Die Bezeichnung als Sparfuchs bedient hier keinerlei negative Aspekte, hat uns doch das Auto mit rumänischen Wurzeln nie im Stich gelassen und dabei noch mit seinem niedrigen Verbrauch überzeugt. Das Basismodel Dacia Sandero Essentiel 1.2 16V 75 ist bereits ab 6.890 € zu haben.

Für diejenigen, die ein praktisches, sparsames und dennoch gut ausgestattetes Auto suchen, ist der Dacia Sandero ein echter Geheimtipp!

Text / Fotos: NewCarz

Konkurrenz: Hyundai i20, Opel Karl, Peugeot 208, Renault Clio

 

Technische Daten: Dacia Sandero dCi 90 Start & Stop

Länge x Breite x Höhe (m): 4,06 x 1,73 x 1,53

Motor: Reihen-Vierzylinder-Turbo-Diesel

Leistung: 66 KW (90 PS)

Hubraum: 1.461 ccm

Max. Drehmoment: 220 Nm

Getriebe: 5-Gang-Handschaltgetriebe

Antrieb: Frontantrieb

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 3,5 L/100 km

CO2-Emissionen: 90 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 173 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 12,2 Sekunden

Leergewicht: 1.108 kg

Kofferraumvolumen: 320 – 1.200 l

Kraftstofftank: ca. 50 Liter

 

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