Besuch im Bentley Werk Crewe – Königliche Wiege besonderer Autos

Wenn das Bentley Werk Crewe zur Audienz lädt, gibt man sich voller Demut diesem außergewöhnlichen Empfang hin, und erlebt den Gipfel automobiler Manufaktur.

Auch wenn man um die allerhöchsten Ansprüche der Marke an sich selbst und der Exklusivität weiß, beeindruckte uns dieser Besuch dennoch auf derart positive Weise, dass wir die gewonnenen Eindrücke zunächst wie die Teeblätter eines Taylors of Harrogate im heißen Wasser ziehen lassen wollten.

Nun war es eine etwas längere Ziehzeit und wir befinden uns in der Zeit der Besinnung, der Ruhe und Entspannung. Es gibt wohl kaum bessere Zeitpunkte um in Gänze des Verweilens, des Genusses und der Einkehr, mit einer dazu genau passenden Lektüre, abzurunden.

Lassen Sie sich entführen in eine Welt der Perfektion, der Vollendung – die Welt des automobilen Hochadels.

Kaum ein anderer Hersteller darf sich derartiger Lorbeeren erfreuen, kaum ein Hersteller wird so respektvoll und erhaben geachtet – auch von seiner Konkurrenz – wie der offizielle Hoflieferant der britischen Königsfamilie: Bentley.

Und dies sieht man nicht nur den als Resultat entspringenden Modellen der Marke an. Nein. Bereits am Geburtsort eines Bentleys spiegelt sich allgegenwärtig der mit Höchstmaß gesetzte Anspruch. Nicht nur für Automobilisti ähnelt ein Ausflug zur Produktionsstätte von Bentley dem eines Ausflugs in die Genussmittelindustrie.

Seit 1919 besteht die Marke Bentley, damals noch nicht einmal mit dem Anspruch einer Luxusautomobilmarke, das kristallisierte sich erst später heraus. Einige der damals wie heute bemerkenswerten Modelle werden im Showroom des Bentleywerks in Crewe ausgestellt. Und diese Exponate können sich sehen lassen.

 

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Zeitreise – zunächst gab es im Werk einen Exkurs in die Geschichte von Bentley.

 

 

Mitten in einer britischen Provinz

Crewe liegt in einer Grafschaft namens Cheshire im Nordwesten Englands und im Gegensatz zu den in der Nähe befindlichen Orten Manchester oder Liverpool, sieht es hier eher provinzial aus. Doch die Auswahl des Standortes hatte einen in der damaligen Zeit überlebenswichtigen Hintergrund. Mit dem Bau des Werkes wurde 1938 begonnen und in weiser Voraussicht weit in den Westen geplant. Tief im Inland erbaut, vor deutschen Luftangriffen besser geschützt als entlang der Ostküste Großbritanniens.

Zu diesem Zeitpunkt diente das Werk mit der Fertigung von Flugzeugmotoren der Rüstungsindustrie. Nach dem Krieg zog 1946 die Automobilfertigung in Crewe ein und blieb es bis heute.

 

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Natürlich werden auch aktuelle Modelle im Showroom präsentiert.

 

Als 1998 der Volkswagenkonzern die Marke Bentley übernahm, hatte dies diverse Vorteile für die Luxusmarke. Eine davon war eine beträchtliche Investition der Konzernmutter in die Marke und somit auch in den Standort Crewe, welche den Status Quo überhaupt ermöglicht hat. Dazu profitiert Bentley von neuen Entwicklungen, Innovationen und Technologien des Konzerns – eine Symbiose, welche für eine im Vergleich zu anderen relativ kleinen Luxusmarken, einen nicht unbedeutenden Vorteil darstellt.

Weiterhin ermöglicht die Konzernmutter die Eigenständigkeit als Marke Bentley.

 

Alle Modelle mit W12 rollen aus dem Werk in Crewe

In diesem Werk werden alle Fahrzeuge der Marke montiert, dessen Herz der bärenstarke W12-Motor ist. Der neueste potenzielle Triumphator von Morgen ist der Bentley Bentayga. Das erste SUV von Bentley, dessen Fertigung ausschließlich in Crewe erfolgt. Ein außergewöhnliches SUV schlechthin, wie es in unserem Erstkontakt bereits eindrucksvoll beweisen konnte. Sein Erfolg soll vor allem die Produktion am Standort mittelfristig um gut 30 Prozent erhöhen.

 

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Der neue Bentayga – hier bei einem der vielen Qualitätschecks.

 

Die Karosserie des Bentayga wird aus einem konzerneigenen Werk angeliefert und mit dem modularen Längsbaukasten sowie dem Antrieb, hier in Crewe ‚verheiratet‘. So nennt man die Zusammenführung dieser Elemente im Automobilbau. Es gibt übrigens nur eine Karosserie, welche am Standort Crewe hergestellt wird – die des Bentley Mulsanne.

 

Bentleykunden – Individualisten und Perfektionisten zugleich

Ganz genau so, wie auch jeder Bentley einer ist. In Crewe werden über 4.000 Menschen bei Bentley beschäftigt. Bei einem Produktionspensum von aktuell gerade einmal 10.000 Fahrzeugen pro Jahr ist diese Anzahl an Mitarbeitern gewaltig. Der Grund ist einfach, denn die Exklusivität der Marke erfordert einen beträchtlichen Teil an Handarbeit. Keine Maschine ist in der Lage, die Wahrnehmung des menschlichen Auges oder die haptischen Fähigkeiten geschickter Hände von Näher, Sattler und vielen anderen, zu ersetzen.

 

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Handarbeit ist der Hauptbestandteil der Fertigung eines Bentley.

 

Dazu bietet Bentley seinen Kunden ein unermessliches Spektrum an Individualität, welches ohne die verschiedenen meisterhaften Handwerksbereiche freilich unmöglich wäre. Es gibt fast nichts, was Bentley seinen Kunden nicht erfüllen kann, so meint man beim Anblick der schier grenzenlosen Möglichkeiten bei der Auswahl von Materialien, Farben und Kombinationen.

 

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Allein die Farbauswahl für den Karosserielack ist gigantisch. Sogar persönliche Farbwünsche sind möglich.

 

Doch nicht allein die Außenfarben bieten bei Bentley Spielraum für Individualität en masse. Auch im Innenraum erwartet den geneigten und betuchten Interessenten unzählige Möglichkeiten, sowohl Materialien als auch deren Farben und Akzente selbst zu bestimmen. Wird der Kunde in der beindicken Katalogauswahl nicht fündig und wünscht sich eine komplett individuelle Ausstattung, wird sein zukünftiger Bentley aus der Fertigungsstraße entkoppelt und nach Komplettierung der individuellen Ausstattungen wieder in die Montagestrecke eingefügt.

Für derart spezielle Kundenwünsche ist die Mulliner-Abteilung zuständig. Mulliner Park Ward war einst ein Londoner Karossieriehersteller, welche zunächst zu Rolls Royce gehörte und seit der Trennung von Bentley und Rolls Royce nur noch für Bentley agiert.

Diese nicht weit verbreitete und sehr aufwändige Vorgehensweise bei der Erfüllung von Kundenwünschen ist ein nicht unerheblicher Grund der preislichen Gestaltung eines Bentley.

 

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Sehen aus wie normale Fertigungsstraßen – bewegen sich aber deutlich langsamer.

 

Gleichgültig wo man sich innerhalb der Werksmauern aufhält, überall herrscht eine entspannte, reine Atmosphäre mit einer guten Prise Akkuratesse und Gründlichkeit. Auch die helle Kleidung der Beschäftigten spiegelt dies stets freundlich und sauber wider. Dazu erreichen den Besucher in einigen manufakturähnlichen Bereichen durchaus vertraute Düfte und Gerüche. Je nachdem in welchem Bereich der Handwerkskunst man sich gerade aufhält, werben sofort entsprechende Duftnoten um die Gunst der Riechzellen – Leder und Hölzer sind dabei die hauptsächlichen Sinnesbetörer.

 

 

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Überwältigend: Allein 11.000 Stiche pro Bentley für die Kontrastnaht in Wunschfarbe – in Handarbeit.

 

Beim Materialeinsatz wird nichts dem Zufall überlassen. Das Leder für die edlen Bezüge zum Beispiel wird streng handverlesen und stammt ausschließlich von Rindern aus nördlichen Regionen, wodurch der parasitäre Befall und die damit verbundene potenzielle Beschädigung der Tierhaut klimabedingt stark vermindert ist.

Der in einem Bentley nicht wenig üppige Einsatz von edlem Holz, wird durch den Einkauf aus nachhaltiger Forstwirtschaft gewährleistet. Nachhaltigkeit bedeutet hier: Für jeden gefällten Baum werden drei neue gepflanzt. Hinzu kommt, dass dieser natürliche Rohstoff erstaunlich sparsam verwendet wird. Die hauchdünnen Furniere werden auf Trägermaterialien aufgebracht und suggerieren dadurch den üppigen Einsatz von Massivholz. Das gefällt dem Auge, erfüllt dem haptischen Anspruch und ermöglicht den effizienten Einsatz dieser Materialien.

 

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Echtholzfurnier wird fast papierdünn verarbeitet um gleiche Maserungen mehrfach zu verwenden.

 

Unser Besuch bei Bentley führte uns einmal mehr vor Augen, mit welcher Hingabe und Liebe zum Automobil ein Bentley entsteht. Es gibt keinen Platz für Toleranzen oder Divergenzen, wohl aber für Individualität, Liebe zum Detail, Ambition und Streben nach Vollendung. Dies spiegelt sich in jedem Bentley wider, der das Werk in Crewe verlässt. Alle hier tätigen Bentley-Mitarbeiter – jeder für sich scheint ein echter Meister in seiner jeweiligen Handwerkskunst zu sein – leben ihren Beruf mit Herzblut und Hingabe. Das sieht und spürt man in jeder Abteilung, an jedem Platz und jeder Station, ganz gleich ob es sich um die Kreation, die Produktion oder die Qualitätssicherung handelt.

Allerbeste Voraussetzungen also für Bentley, um seinen Kunden weltweit und vor allem dem wachsenden Markt in Osteuropa und Asien gerecht zu werden und zu bleiben.

 

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Mulliner ist der Inbegriff für höchste Individualität bei Bentley.

 

Dieser gewährte Einblick sensibilisiert um ein vielfaches für die facettenreichen Notwendigkeiten, welche für die Fertigung eines Premium-Automobils erhoben werden. Sie lassen einen noch besser diese gesetzten Ansprüche der Marke verstehen und verinnerlichen. Jede Begegnung mit einem Bentley wird dabei zu einem umso größeren Fest für alle Sinne.

 

 

Text: NewCarz / Fotos: NewCarz/Bentley

 

 

 

 

 

 

 

 

4 comments

Früher haben mir Bentleys eher weniger gefallen. Mittlerweile bin ich jedoch in einem Alter bei dem so ein Auto schon einen gewissen Reiz hat. Einfach extrem Komfortables reisen. Auch die neuen Designs gefallen mir sehr gut, auch wenn eigentlich wenig geändert wurde!

Gruß
Hannes

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