Reifentest – Michelin Pilot Supersport

Aufgrund des anhaltenden Trends der Automobilhersteller zu hochwertigen Reifen von 17 Zoll und größer, soll neben dem mittlerweile mehrfachen Testsieger Michelin Pilot Sport 4 auch der Michelin Pilot Supersport einen Meilenstein im Premiumbereich setzen.

Dadurch will Michelin weitere Kunden in diesem Segment gewinnen und den Marktanteil sukzessive ausbauen.

Aus diesem gegebenen Anlass testen wir den Michelin Pilot Supersport im Rahmen eines Dauertests, bei dem es auch dem Einsatzbereich gerecht werdend sportlich zur Sache geht. Als gummierter Kontakt zur Straße dienen die Premium-Pneus auf keinem kleineren Fahrzeug, als einem Porsche Panamera Turbo S.

Wie sich der Reifen in unserem Test schlägt, zeigt der nachfolgende Testbericht.

 

Full Contact Sport

Auch wenn sich die bereits vorher montierten Reifen Michelin Pilot Sport sehr gut bewährten, ist der Unterschied zum Neuen deutlich.

Nach gut einem Jahr Einsatzzeit des Michelin Pilot Supersport, können wir dem Reifen mit der neben allen funktionalen Aspekten auch optisch sehr ansprechenden Profilgebung, eine überaus ausgeprägte Haftungswilligkeit bescheinigen.

 

MICHELIN Pilot Supersport
Satte Optik auch vom Profil her – der Pilot Supersport.

 

Vor allem bei trockener Fahrbahn überzeugt der Reifen mit einer chirurgisch anmutenden Umsetzung jedweden Fahrbefehls. Die Lenkung dirigiert mit skalpellgleicher Exaktheit jede Fahrtrichtungskorrektur, was durch den Michelin Reifen dank erstklassiger Seitenführung in einer sicherheitsschwangeren 1:1 Manier übertragen wird.

Besonders deutlich wurde diese Kontaktfreudigkeit zum Untergrund bei Verwendung der Launch Control. Bei diesem brachialen Einsatz von 550 PS und 750 Newtonmetern zeigten die Vorgänger immer einen Bruchteil einer Sekunde lang einen gewissen Schlupf, der mit dem Michelin Pilot Supersport vollkommen ausbleibt.

Bei Nässe zeigte uns die Aufnahme- und Ableitungsfähigkeit des Profils  vom Michelin Pilot Supersport zwar eingeschränkte, aber dennoch ausreichende Reserven. Bei Aquaplaninggefahr sollte man bei diesem Reifenmodell die entsprechenden Geschwindigkeitsbeschränkungen berücksichtigen.

Alles in allem besitzt der Pilot Super Sport für einen High-Performance-Reifen, dessen Hauptaugenmerk im Einsatz bei optimalen – also trockenen – Fahrbahnverhältnissen liegt, einen immer noch respektablen Sicherheitslevel bei Nässe, sodass man auch schwierige Situationen – wie beispielsweise wassergefüllte Senken oder Spurrillen – mit angepasster Geschwindigkeit problemlos durchfahren konnte.

Verständlicherweise kann er mit einem Allrounder oder gar Regenreifen bei diesen Testszenarien nicht mithalten. Und dennoch hätten wir von einem solchen hochperformanten Reifen mit einem noch nachteiligeren Verhalten bei Nässe gerechnet.

 

MICHELIN Pilot Supersport
Die brachiale Verzögerung der Keramikbremsen konnten die Pilot Supersport exakt umsetzen.

 

Ein schier unfassbares Potenzial zeigt dieser Reifen bei Bremsvorgängen auf trockener Fahrbahn. Die Verzögerungswerte erreichen hierbei fast schon Werte von sogenannten Slickreifen. Auch dabei zeigt sich der Unterschied zum Vorgängermodell nochmals spürbar.

Damit wird das enorme Bremsvermögen dieses Reifenmodell auch in unserem Test bestätigt. Uns verwundert der Weltrekord von 2011 nun auch nicht mehr, bei dem der Michelin Pilot Supersport auf einem Koenigsegg Agera R in Ängelhorn, Schweden die Verzögerung von 300 auf 0 km/h innerhalb von unfassbaren 6,66 Sekunden absolvierte.

 

 

High Speed ohne Wachstum

Ein physikalisches Phänomen in Form von „Reifenwachsen“, welches bei hohen Geschwindigkeiten durch die enormen Zentrifugalkräfte auftritt und Formänderungen am Reifen erzeugen – dabei verringert sich die Kontaktfläche zur Fahrbahn und man verliert Grip – wurden beim Michelin Pilot Supersport durch einen besonderen Materialeinsatz minimiert.

Durch eine sogenannte Hybrid-Gürtellage, bei der eine Mischung aus Aramid und Nylon in der Reifenkarkasse eingesetzt wird, bleibt die größtmögliche Kontaktfläche zur Fahrbahn auch bei Höchstgeschwindigkeiten erhalten. Ein Ergebnis der Zusammenarbeit von den Entwicklungsingenieuren von Michelin mit namhaften Automobilherstellern, bei denen auch viel know-how aus dem Motorsport eingeflossen sind. Diese Technologie kommt übrigens auch beim Michelin Pilot Sport 4 zum Einsatz.

Wir können den dadurch gewonnenen Sicherheitszuwachs bei High-Speed-Fahrten bestätigen, wobei vor allem in Bereichen jenseits der 300 km/h ein deutlicher Stabilitätsgewinn gegenüber dem Vorgänger festzustellen war. Die Kurvensicherheit und die Fahrstabilität bewegen sich auf derart hohem Niveau, dass man durchaus den Eindruck gewinnt, man wäre gut 100 km/h langsamer unterwegs – was immer noch sehr schnell wäre.

 

Lang lebe der Michelin Pilot Supersport

Ebenfalls sehr interessant ist der Aspekt, dass dem Testkandidat trotz seiner ausgesprochen überzeugenden Gripwerte eine ebenso ausgeprägte Ausdauer innewohnt.

 

MICHELIN Pilot Supersport
Auch wenn 550 Pferde daran zerrten, bleiben nach 10.000km noch 5 mm auf den Hinterreifen…

 

MICHELIN Pilot Supersport
…und vorne existieren sogar 6 mm Restprofil.

 

Während unseres Testzeitraumes fuhren wir mit der Bereifung 10.000 Kilometer und die Bereifung besitzt noch eine Restprofiltiefe von fünf Millimeter an den Reifen der Hinterachse und sogar sechs Millimeter an der Vorderachse.

 

Fazit – Eine Speerspitze im High-Performance-Bereich

In der Disziplin „Trockene Fahrbahn“ brillierte der Testkandidat derart, dass man getrost bereits von einem Rennreifen für die Straße sprechen könnte. Seine Kurvenstabilität und das phänomenale Bremsverhalten setzt Maßstäbe, die seinesgleichen suchen.

Zudem zeigt er durch für diesen Typus noch akzeptable Fahreigenschaften auf nasser Fahrbahn eine gewisse Ausgewogenheit und beweist zudem durch eine überdurchschnittliche Langlebigkeit, dass ein hohes Gripvermögen nicht zwangsläufig mit einem erhöhten Verschleiß einhergehen muss.

Resümierend können wir den Michelin Pilot Supersport eine dem Namen alle Ehre machende, vorbehaltlose Empfehlung aussprechen.

Text/Fotos: NewCarz

Daten zum Reifentest

Reifentyp: MICHELIN Pilot Supersport N0

Testfahrzeug: Porsche Panamera Turbo S

Reifengröße Vorderachse: 255/40 ZR20 101Y

Reifengröße Hinterachse: 295/35 ZR20 105Y

Testzeitraum: 9. März 2016 bis 20.Mai 2017

Teststatus: fortlaufend

Gefahrene Teststrecke: 10.000 km

aktuelle Profiltiefe: vorn 6 mm / hinten 5 mm

 

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