VW Passat Facelift – Gereifte Tugenden

VW Passat Facelift

Seit 1973 gebaut und bis heute mit den Generationen gereift – als B8 zeigt das VW Passat Facelift, dass es nicht immer umfangreiche, optische Änderungen sein müssen, die einen Kassenschlager auf eine neue Ebene heben.

Wir haben den Dauerbrenner im Hause Volkswagen als Variant mit 240-PS-Diesel sowie als Alltrack mit 190-PS-Selbstzünder einem ersten Test unterzogen. Fahrbericht!

Design – Keine Experimente

Wie wir bereits in unserem ersten Bericht zum neuen Passat ausführlich feststellen konnten, offeriert das VW Passat Facelift keinerlei Design-Experimente. Dem geneigten Betrachter fällt zunächst die geänderte Frontpartie auf, die nun immer LED-Scheinwerfer beherbergt. Optional gibt es hier die IQ.Light Matrix-Scheinwerfer, die wir bereits aus dem Touareg kennen.

 

Passat Facelift Front seitlich
Optisch dezent geschärft – Das VW Passat Facelift.

 

Die Seite des Variant genannten Kombis zeigt derweil, dass etwaige Shootingbrake-Ambitionen ebenfalls unterlassen wurden — sehr zugunsten von Kopf- und Beinfreiheit, vor allem hinten. Eine recht breite Fensterfront sowie ein sich über die gesamte Seitenlinie erstreckender Falz sorgen für eine Prise Dynamik und unterstreichen zudem den sportlichen Auftritt unseres asphaltgrauen Testwagens.

 

VW Passat Facelift Heck seitlich
Mit einer Portion Dynamik – Die Silhouette des gelifteten Passat.

 

Am Heck weisen neu gestaltete Heckleuchten mit „Klick-Klack“-Funktion auf das Facelift hin. Der nun mittig platzierte Passat-Schriftzug beugt sich dem aktuellen Trend und gibt dem Betrachter den letzten Hinweis auf das neue Wolfsburger Raumwunder.

 

VW Passat Facelift Heck
Noch immer ein Raumwunder – Der Passat eignet sich besonders für Vielfahrer mit Platzbedarf.

 

Doch sind die inneren Werte ja meist viel entscheidender als nur das Äußere. Und hier muss man sich auf den ersten Blick ebenfalls mit weniger signifikanten Retuschen begnügen. Die einst zentral platzierte Uhr ist Geschichte, stattdessen prangt dort der Schalter für die Warnblinkanlage und ein Modellschriftzug, der seinen Fahrer immer wieder auf seinen Begleiter hinweist.

 

VW Passat Facelift Schriftzug Innenraum Armaturentafel
Die Uhr ist weg – Dafür thront hier nun ein Passat-Schriftzug.

 

Erst beim Druck auf den Startknopf werden alle Systeme wach und die neue Displaylandschaft zeugt vom Zuge der Digitalisierung. Den Anfang macht das sogenannte Digital Cockpit – ehemals Active Info Display. Voll digital stellt es auf Wunsch drei verschiedene Ansichten dar und lässt sich in vielen Punkten frei konfigurieren.

Eine Etage darüber werkelt das Head-Up-Display, welches seine Informationen auf eine elektrisch heuausfahrbare Plexiglas-Scheibe projiziert. Gestochen scharf und auch bei massiver Sonneneinstrahlung gut ablesbar, können wir hier eine absolute Empfehlung aussprechen.

 

VW Passat Facelift Innenraum Lenkrad
Gestochen scharf – Die Display-Landschaft im Kombi wirkt gefällig.

 

Der Zentralbildschirm ist in verschiedenen Größen erhältlich – stets in Abhängigkeit vom gewählten Infotainment. Im Falle unseres Test-Passat kam ein „Discover Pro“ System zum Einsatz, welches über einen 9,2 Zoll großen Touchscreen verfügt und sich recht harmonisch in die Mittelkonsole einfügt.

Ebenfalls Harmonie versprühend, erwiesen sich die Sitze nach dem ersten Platz nehmen und auch am Ende der Veranstaltung, dank AgR-Zertifikat, brauchen sich auch gestresste Vielfahrer nicht vor dem 500-Kilometer-Heimweg fürchten, sondern können eher frohlocken, wartet das Gestühl doch mit einem wirklich hohen Komfortfaktor auf.

 

VW Passat Facelift Innenraum
Never change a running Passat – Dies scheint die Devise für das Facelift gewesen zu sein.

 

Im Übrigen gibt es auch auf den hinteren Plätzen keinen wirklichen Grund für Kritik, die äußeren Plätze bieten ordentlich Bein- und Kopffreiheit, während der mittlere Sitz eher für Kurzstrecken gedacht ist.

 

VW Passat Facelift Rückbank
Ausreichend Platz – Nur zu fünft könnte es auf Langstrecken etwas eng werden.

 

Das Ladevolumen ist erwartungsgemäß gigantisch und während der gesamten Testfahrt kam das Bedürfnis auf, den Monatsvorrat an Getränken noch schnell mit einzukaufen. Schon bei 650 Litern ist dies vollkommen ausreichend. Wer dagegen die Rücksitze umklappt, erhält einen so gut wie ebenen Laderaum mit einem Volumen von maximal 1.780 Litern. Wer nur wegen Platzmangel über ein SUV nachgedacht hat, sollte definitiv einen Blick auf diesen Kombi werfen.

Motor & Fahreigenschaften – Benchmark verpflichtet

Angeboten wird das VW Passat Facelift mit insgesamt sieben Motorisierungen. 

Die Einstiegs-Aggregate werden erst zum Ende des Jahres angeboten und bestehen aus einem 1,5-Liter-Benziner mit 150 PS sowie aus einem 1,6-Liter-Diesel mit 120 Pferdestärken.

 

VW Passat Facelift Motor
240 PS aus vier Zylindern – Das toppt nur der 272 PS starke Benziner.

 

Ansonsten bietet Volkswagen seinen Kunden zwei 2,0-Liter-Diesel mit 190 und 240 PS sowie zwei Benziner mit 190 und 272 PS. Eine Sonderrolle nimmt derweil der VW Passat GTE ein, der den 1,5-Liter-Benziner mit einem E-Motor kombiniert und so eine Systemleistung von 218 Pferdestärken generiert.

Als erster Testwagen stand uns der 240-PS-Top-Diesel im auf 2.000 Exemplare limitierten Sondermodell „Edition“ zur Verfügung. Neben einer Vollausstattung offeriert der Kombi eine Lackierung in Mondsteingrau, abgesetzt mit schwarzen Zierelementen.

 

VW Passat Facelift Heckansicht
Schönheit in Asphaltgrau – Das Sondermodell wirkt schon im Stand dynamisch.

 

Schon auf den ersten Metern stellt der Biturbo-Diesel seinen Charakter zur Schau. Unauffällig in den unteren Drehzahlen und mit erhabener Laufruhe passieren wir ein kleines Örtchen unweit der Lorelei. Erst abseits urbaner Gefilde prescht der Kombi voran, dass man sich wirklich fragen muss, ob hier nicht doch der ein oder andere Zylinder mehr werkelt. Der Zweiliter ist wahrlich kultiviert, im Innenraum nur unter Vollast als Selbstzünder vernehmbar und lässt sich dank Allrad stets gut im Zaum halten.

Das Fahrverhalten in Kurven ist übrigens äußerst direkt und machte im Test schnell klar, dass die Abstimmung so neutral wie möglich gehalten wurde. Selbst in anderen Fahrmodi verliert der Passat nie seine Contenance und zirkelt auch durch enge, sogar sehr enge Kehren mit stoisch erscheinender Ruhe.

 

VW Passat Facelift Frontansicht
6,6 Liter – Der Verbrauch hielt sich im Test absolut in Grenzen.

 

Im Übrigen konnten auch die Bremsen in unserem kurzen Test durch einen klar definierten Druckpunkt überzeugen.

Den Verbrauch haben mit wir mit 6,6 Litern notiert, das ist ein absolut angemessener Wert. Voll beladen sollte der große Kombi nach unserer Schätzung immer noch mit reichlich sieben Litern zu bewegen sein.

Das VW Passat Alltrack Facelift

Wir konnten im Rahmen unseres Erstkontaktes auch die beplankte Version des Wolfsburger Kombis mit dem Namen Alltrack testen. Angetrieben wurde dieser von einem ebenfalls zwei Liter großen Selbstzünder, der in diesem Fall ohne Biturbo-Aufladung daherkommt und in Summe 190 Pferdestärken generiert.

Um es auf den Punkt zu bringen: Dieser Motor passt aus unserer Sicht hervorragend zum Kombi, mehr muss es nicht wirklich sein. Lediglich in den höheren Geschwindigkeitsbereichen fehlt es etwas an Druck. Wer jedoch nicht vorrangig auf der Fastlane beheimatet ist, wird diesen Mangel an Punch kaum vermissen.

 

VW Passat Alltrack Facelift
Kleine Insignien – Ein Unterfahrschutz ist beim Alltrack Serie.

 

Interessant ist, dass sich die Spreizung der einzelnen Fahrmodi auch beim Offroad-Kombi signifikant verbessert hat. So wartet der Sportmodus mit einer gesunden Härte auf, die trotz des Zuwachses an Bodenfreiheit für eine bemerkenswerte Performance sorgt. Auf der anderen Seite zeigt sich der Komfortmodus sehr ausgeglichen. Starke Neigungen oder Wankbewegungen sind eher die Seltenheit — hier muss man den VW Passat Alltrack schon deutlich an seine Grenzen bringen.

Etwas abseits der Zivilisation zeigt der Soft-Offroader mit seinem 4Motion genannten Allradantrieb die ihm eigene Sonderstellung in der Passat-Riege. Ganz gleich, ob Feldwege, Wiesen oder anderes leichtes Terrain, das Fahrzeug meisterte diese Wege in unserem kurzen Test sehr souverän. Und falls es einmal etwas steiniger wird, gibt es einen zusätzlichen Offroad-Modus.

 

VW Passat Alltrack Facelift 4Motion Schriftzug
Sicherheitsgarant – Der 4Motion Allrad gehört beim Alltrack zur Serienausstattung.

 

Zwar ist der Passat Alltrack sicherlich kein Geländewagen, doch alleine der serienmäßige Allradantrieb sowie die dezente Beplankung ringsum sollten vor dem ein oder Kratzer schützen.

Im Übrigen wird das VW Passat Alltrack Facelift ausschließlich mit drei Motorisierungen angeboten: Neben den beiden Selbstzünder mit 190 und 240 PS, gibt es den Crossover auch mit dem 272 PS starken 2.0 TSI.

Technik & Assistenz – Bestens vernetzt

Technisch bietet das VW Passat Facelift eine ganze Bandbreite an Neuerungen, die insbesondere Technik-Fans zufriedenstellen dürfte. Dabei sind die klassischen Ausstattungslinien ab sofort passé. Die Basisversion des Raumwunders heißt nun schlicht „Passat“, darüber rangiert „Business“ und die Topversion trägt den Namen „Elegance“. Dieses Vorgehen kennen wir bereits aus dem Touareg und gibt einen Ausblick auf die künftige Ausstattungs-Hierarchie bei Volkswagen.

 

VW Passat Facelift Matrix LED-Scheinwerfer
Aus dem Touareg – Das Passat Facelift ist der zweite Volkswagen mit Matrixlicht.

 

Die markantesten Neuerungen sind unter anderem die neuen IQ.Light LED-Matrixscheinwerfer, die wir ebenfalls bereits aus dem Touareg kennen. Im Passat sind diese erwartungsgemäß etwas reduziert und müssen mit „nur“ 44 LEDs pro Scheinwerfer auskommen. Im Rahmen unseres Erstkontakts konnten wir die Ausleuchtung der Scheinwerfer jedoch nicht testen.

Ebenfalls neu ist die sogenannte natürliche Sprachsteuerung. Diese reagiert auf „Hallo Volkswagen“ und arrangiert beispielsweise die Zielführung der Navigation oder spielt eine vorhandene Playlist ab. Allerdings konnte diese im Test nicht ganz so flüssig arbeiten, wie die der Konkurrenz, die größtenteils ohne viele Quittierungen alles ausführte, was man ihr so in den Block diktierte.

 

VW Passat Facelift MIB3
MIB3 – Der Passat nutzt als erster VW die dritte Generation des MIB.

 

Das VW Passat Facelift ist im Übrigen das erste Modell der Wolfsburger, welches die dritte Generation des Modularen Infotainmentbaukastens – kurz MIB3 – nutzt. Dieses ist dank integrierter SIM-Karte immer online und OCU – Online-Connectivity-Uni – stets vernetzt. Auf Wunsch können zudem Datenpakete hinzu gebucht werden, sodass das Smartphone auch für etwaiges Streamen von Musik nicht mehr benötigt wird.

Im Rahmen der „Volkswagen-We“-Strategie kann das VW Passat Facelift auch als „mobile Postbox“ dienen und etwaige Pakete, bestellte Blumensträuße oder auch die gebügelten Hemden können direkt in den Kofferraum geliefert werden.

 

VW Passat Facelift
Sorgsamt – Dank üppiger Sicherheitsausstattung ist der Passat das ideale Familienauto.

 

Ebenfalls ein Novum ist der sogenannte Travel Assist. Wie wir bereits in unserem ersten Bericht zum VW Passat Facelift erwähnt haben, offeriert der Bestseller die aktuell höchste Ausbaustufe des IQ.Drive. Hierin inkludiert ist ebendieser Travel Assist, welcher per se eine Erweiterung des bisherigen Stauassistent darstellt. Letzterer fungierte gerade einmal bis 60 km/h, nun sind maximal 210 Stundenkilometer möglich. Durch die Erweiterungen und das Zusammenspiel von ACC und Lane Assist erreicht das VW Passat Facelift nun die Autonomiestufe 2.

Fazit – Noch immer ein Passat

Am Ende eines Tages mit dem VW Passat Facelift können wir reinen Gewissens ein sehr solides Fazit ziehen. Viel hat sich beim Wolfsburger Zugpferd nicht geändert — auf den ersten Blick jedenfalls. Und das ist auch gut so.

 

VW Passat Facelift Draufsicht
Hübsche Konstante – Das VW Passat Facelift.

 

Der seit 1973 gebaute Ur-Volkswagen ist in seiner neuesten Generation ausgereift und erwachsen, zeugt von uneingeschränkten Langstreckenqualitäten und bis auf den recht hohen Preis lassen sich kaum Mängel feststellen.

Dies verwundert wenig, angesichts der Tatsache, dass hier nur in Nuancen nachgeschärft wurde. Technisch ausgereift und mit gezielten Optimierungen versehen, ist er noch immer der langstreckenliebende Großraumkombi, den Außendienstler gleichermaßen zu schätzen wissen wie Familien mit entsprechendem Platzbedarf. Dass dabei die äußere Erscheinung nicht leiden muss, zeigt unser in Mondsteingrau lackierter Testwagen im R-Design-Dress.

 

VW Passat Facelift Heckansicht seitlich
Teuer, aber wertstabil – Das Sondermodell kostet gut 63.000 Euro.

 

Dem hohen Anschaffungspreis – unser Testwagen schlägt als limitiertes „Edition“ Modell mit 63.700 Euro zu Buche – rechtfertigt der Wolfsburger mit einer absoluten Vollausstattung sowie mit niedrigen Betriebs- beziehungsweise Unterhaltskosten sowie der überdurchschnittlichen Wertstabilität.

Text: NewCarz

Fotos: NewCarz / Ingo Barenschee 

Schreibe einen Kommentar

Ich akzeptiere die Datenschutzhinweise