Renault Twingo Electric – Mini-Stromer für die City

Renault Twingo Electric

Der Renault Twingo Electric darf als französische Alternative zu einem waschechten Stadtflitzer verstanden werden.

Als kleinstes E-Auto im Portfolio von Renault kommt der E-Twingo mit einer 21,4-kWh-Batterie und erlaubt so eine Reichweite von rund 190 Kilometern. In knalligem Gelb fuhren wir den kleinen Stromer quer durch die Eifel und geben unsere Eindrücke im nachfolgenden Bericht wieder.


Exterieur & Interieur

Verspielt und knuffig – so könnte man den ersten Eindruck des Renault Twingo Electric beschreiben. Sein wonniges Gesicht mit den runden Kulleraugen bezirzt wohl überwiegend die weibliche Fraktion der City-Pendler, wenngleich auch einige männliche Kollegen durchaus Spaß am Twingo hatten, den wir bis dato auch als Verbrenner-Derivat testen konnten.

Renault Twingo Electric Front
Der Kleine wirkt auch als E-Derviat außerordentlich freundlich, gar knuffig.


Im Vergleich zum herkömmlichen Twingo zeigt sich das E-Pendant nur minimal verändert. Im Frontgrill prangen nun kleine, blaue Lamellen, während ein blau-weißer Streifen die Seiten verziert. Ansonsten gibt es noch Hinweise in Form von kleinen Badges an der B-Säule und am Heck.

ZE Badge
Die kleinen ZE-Badges verraten den „E-Status“ des kleinen Franzosen.


Ansonsten bleibt der Renault Twingo Electric ein schicker, urbaner Begleiter, der besonders in Mango-Gelb aus dem Einheitsbrei heraussticht. Die für einen Kleinstwagen üppig dimensionierten 16-Zoll-Räder lassen den E-Flitzer auch optisch satt auf der Straße stehen und das LED-Tagfahrlicht sorgt für hohen Wiedererkennungswert.

ZE-Streifen
Auch diese ZE-Streifen sind dem Elektro-Twingo vorbehalten.


Im Innenraum geht es derweil genauso farbenfroh weiter. Im gesamten Interieur finden sich immer wieder gelbe Akzente – etwa in Form von Einsätzen oder Applikationen, aber auch Kontrastnähte und abgesetzte Keder wurden verwendet. Alles in allem wirkt dies jugendlich-frisch und keinesfalls konservativ. Die Verarbeitung ist für ein Fahrzeug dieser Klasse mehr als akzeptabel, während die Materialauswahl auf den zweiten Blick etwas zu wünschen übrig lässt. Doch das ist sicherlich Jammern auf hohem Niveau, immerhin sprechen wir über ein Auto, das abzüglich Prämien ab rund 10.000 Euro zu haben ist.

Renault Twingo Electric Innenraum
Das farbenfrohe Interieur soll vor allem eine junge Zielgruppe begeistern.


Die Platzverhältnisse sind vorne gut, wenngleich man hier sicher keine Langstrecken verbringen möchte, was wohl auch niemand tun wird. Kürzere Etappen lassen sich derweil problemlos abspulen. Hinten geht es erwartungsgemäß enger zu, für Personen bis 1,75 Meter sollte der Platz jedoch reichen. Der Kofferraum bietet ein Volumen von 219 Litern – abzüglich der Filztaschen, welche die Ladekabel beinhalten. Dank umlegbarer Rücksitze kann der Stauraum auf bis zu 980 Liter erweitert werden, was für den kleinen Einkaufstrip wohl langen sollte.


Motor & Fahreigenschaften 

Angetrieben wird der Renault Twingo Electric von einem 82 PS starken E-Motor, der im Heck des Kleinstwagens untergebracht ist. Das Aggregat stellt 160 Newtonmeter ab der ersten Umdrehung zur Verfügung. Damit spurtet der Kleine in 4,2 Sekunden von Null auf 50 km/h beziehungsweise in 12,9 Sekunden auf 100 Sachen. Die Höchstgeschwindigkeit wurde zugunsten der Reichweite auf 135 Stundenkilometer begrenzt.

Renault Twingo Electric Cockpit
Das analoge Cockpit ist übersichtlich; bei Übernahme standen 138 Kilometer Reichweite.


Zunächst möchten wir erwähnen, dass insgesamt drei Rekuperationsstufen bereitstehen, von denen die stärkste dem „Ein-Pedal-Fahrbetrieb“ schon sehr nahe kommt. Ein zusätzlicher Eco-Modus begrenzt den Topspeed auf 105 km/h.

Renault Twingo Electric Sitze
Die Sitze sind schmal geschnitten, bieten mäßigen Seitenhalt, sind aber überraschend bequem.


Wir bewegen den kleinen Stromer zunächst in urbanen Gefilden, wo er – das nehmen wir vorweg – auch hingehört. Schnell fällt auf, dass die Geräuschkulisse sehr ruhig ist, man nimmt außer dem Abrollen der Reifen und dem lärmenden Verkehr draußen nicht viel wahr. Schaltet man das Radio ein, werden auch die genannten Geräusche übertönt. Ein Blick zum Verbrenner-Twingo zeigt schnell, dass dies auch anders gehen kann. Der hier eingesetzte Dreizylinder-Benziner ist – vorsichtig ausgedrückt – recht vibrationsfreudig, was sich im direkten Vergleich deutlich bemerkbar macht. So nehmen wir in unserem stummen Begleiter Kurs in Richtung Euskirchen und möchten nicht unerwähnt lassen, dass der extrem kleine Wendekreis von unter 9 Metern fast einzigartig ist und sogar 180-Grad-Wenden auf einer zweispurigen Straße ermöglicht.

Renault Twingo Electric Heck
Der extrem kleine Wendekreis beträgt hier gerade einmal 8,60 Meter.


Abseits urbaner Gefilde legt der E-Twingo noch immer ein ganz passables Spurtvermögen an den Tag und beschleunigt recht solide bis Tempo 100. Doch bereits hier vernehmen wir die schmelzende Reichweite – dazu später mehr. Erst einmal können wir vermelden, dass es nicht wenig Spaß macht, den Kleinen in die ein oder andere Kurve zu werfen, denn dank der Akkus im Boden liegt der Schwerpunkt schön tief, was in Kombination mit Heckantrieb schon immer ein Garant für Fahrspaß war. Allerdings greift das ESP recht früh ein und jegliche Form von Drifts werden meist schon im Keim erstickt.

Gangwahlhebel
Über diesen Wahlhebel werden die Gänge eingelegt.


Ein Wechsel auf die Autobahn soll zeigen, ob der Renault Twingo Electric auch bei Richtgeschwindigkeit stabil bleibt. Und das tut er. Die Windgeräusche nehmen zwar zu und das fällt aufgrund des fehlenden Motorgeräuschs umso deutlicher auf, doch insgesamt hält sich die Geräuschkulisse in Grenzen. Weniger schön ist die nunmehr stark abnehmende Reichweite, womit wir beim nächsten Punkt wären.

Twingo Fenster hinten
Die hinteren Fenster können nicht geöffnet, sondern nur ausgestellt werden.


Renault gibt an, dass der E-Twingo 190 Kilometer kombiniert und bis zu 270 Kilometer innerorts schaffen soll. Das könnte sogar hinkommen, allerdings nur bei stark zurückhaltender Fahrweise. Wir haben den Stromer mit vollem Akku übernommen und bereits zu diesem Zeitpunkt wurden uns maximal 138 Kilometer angezeigt. Dieser Wert ist auch durchaus realistisch, sofern man mit dem Fahrzeug eher ex-urban unterwegs ist. Auf der Autobahn dürften indes kaum mehr als 100 Kilometer drin sein. Daher ist die Zielgruppe schnell ausgemacht: Eine urbane Klientel, die mit dem Fahrzeug überwiegend innerorts unterwegs ist oder aber generell einen begrenzten Aktionsradius hat.

Ladeklappe Twingo Electric
Der E-Twingo wird dort geladen, wo der konventionelle Franzose betankt wird.


Geladen werden kann der Twingo Electric übrigens nicht mittels Schnelllader. Es gibt hier weder für Geld noch für gute Worte eine CCS-Schnelllademöglichkeit. Im Gegensatz dazu kann der Kleine dann doch mit maximalem Wechselstrom geladen werden, was bedeutet, dass bis zu 22 kW möglich sind. Sollte dieser Ladestrom bereitstehen, ist der Akku in rund einer Stunde wieder zu 80 Prozent geladen. An der Haushaltssteckdose vergehen übrigens locker 11 Stunden, sodass sich bei regelmäßiger Nutzung auch für Daheim eine Wallbox empfiehlt.


Technik & Assistenz im Renault Twingo Electric

Insgesamt stehen für den Renault Twingo Electric aktuell drei Ausstattungslinien zur Wahl. Wir fuhren die mittlere Linie mit dem Namen „Intens“, die bereits eine recht umfangreiche Optionsliste bereithielt. So rollt diese Linie bereits mit einem Infotainment samt 7-Zoll-Bildschirm, einer zugfrei arbeitenden Klimaautomatik, einem Tempomat sowie elektrischen Außenspiegeln zum Kunden. Außerdem dabei ist ein Licht- und Regensensor und ein Lederlenkrad.

Klimaautomatik
Die Klimaautomatik arbeitete während unserer Testfahrt zugfrei.


Zusätzlich wurde unser Testwagen mit einem Deluxe-Plus-Paket für 590 Euro ausgestattet, das getönte Scheiben hinten, die schicken 16-Zöller und Nebelscheinwerfer enthält. Die markanten, farbigen Applikationen im Innenraum schlagen mit weiteren 200 Euro zu Buche und auch das Schuko-Kabel kostet stattliche 460 Euro. Die Stoff-Kunstleder-Mischung bleibt derweil bei günstigen 150 Euro.

Sitzheizung
Die Sitzheizung ist einstufig, arbeitet aber zügig und kostet 290 Euro.


Wer möchte, bekommt auch ein Navigationssystem samt solide klingendem Soundsystem für weitere 700 Euro. Die Routenführung erwies sich in unserem kurzen Test als gut, ja nahezu narrensicher, wenngleich die Bedienung zunächst etwas Eingewöhnung benötigt. Empfehlenswert ist zudem die Sitzheizung für die vorderen Plätze, die zwar nur über eine Stufe verfügt, dafür jedoch recht emsig ackert und 290 Euro aufruft. Wenngleich bei einem Kleinstwagen nicht notwendig, aber dennoch hilfreich, ist die optionale Rückfahrkamera samt Parkpiepsern für 390 Euro. Die Lackierung in Mango-Gelb kostet übrigens 290 Euro.

Halogenscheinwerfer
Auch der Twingo Electric kommt ausschließlich mit Halogenscheinwerfern.


So ergibt sich ein Testwagenpreis von 27.000 Euro vor Förderung. Abzüglich aller Prämien werden dann rund 17.000 Euro fällig.

Kofferraum Twingo Electric
Der Kofferraum offeriert 219 Liter in Standard-Konfiguration.


Serienmäßig und ohne Option auf ein Upgrade sind die Halogenscheinwerfer, die in der Praxis zwar weder mit Xenon- noch mit LED-Scheinwerfern konkurrieren können, im gewünschten Einsatzgebiet jedoch ihren Zweck erfüllen. Allerdings benötigen diese auch bedeutend mehr Strom als Pendants in LED-Technik.

Renault Twingo Electric Fond
Im Fond sollten nur Personen Platz nehmen, die die 1,75 Meter nicht überschreiten.


Übrigens: Wer seinen E-Twingo zum Semi-Cabrio umfunktionieren will, erhält für 1.100 Euro ein elektrisches Faltschiebedach.


Fazit zum Renault Twingo Electric

Der Renault Twingo Electric erwies sich in unserem Test als prädestinierter City-Flitzer mit allen Vorzügen, die man sich hier vorstellen kann. Ein ultra kleiner Wendekreis, ausreichend Leistung und kompakte Abmessungen sorgen für Fahrspaß innerorts und hinterlassen auch keine Schweißperlen auf der Stirn aufgrund von Reichweitenmangel.

Renault Twingo Electric Mango Gelb
Der Renault Twingo Electric ist ein Fahrzeug, das definitiv in die City gehört.


Anders sieht dies bei größeren Distanzen aus. Hier sollte im Vorfeld gut geplant werden – insbesondere, da jede Form von Schnellladen entfällt. Wer des Öfteren längere Strecken absolviert, sollte lieber auf ein anderes Fahrzeuge zurückgreifen, wie beispielsweise den Renault Zoe. Allen jungen und jung gebliebenen Städtern empfehlen wir derweil, einen Blick auf den hippen Kleinstwagen aus Frankreich zu werfen.

Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

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