Opel Cascada – Mittelklasse zum Preis von Kompaktklasse

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In letzter Zeit waren die positiven Schlagzeilen in den Medien um Opel eher die Ausnahme. Ob Werkschließungen oder andere Krisen: meistens traf es Rüsselsheim. Nachdem der ADAM nun so gut anlief, erhofft man sich mit dem Opel Cascada nun noch mehr Absatz.

 

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Ein Mittelklasse-Cabriolet, das die Gene des Astras inne hat, ist der neue Hoffnungsträger von Opel. Der Anspruch der Designer ist klar definiert: sowohl geschlossen als auch offen muss das Cabrio gut aussehen. Die Frage ist, ob gutes Aussehen reicht, um zum Bestseller zu werden. Welche Qualitäten hat der Cascada noch zu bieten?

Opel Cascada - Rear

Preis

Ab 20. April ist der Opel Cascada bereits zu einem Preis von 25.945€ zu haben. Das klingt zunächst nicht nach wenig, jedoch sollte man im Hinterkopf behalten, dass es sich um ein klassisches Mittelklasse-Cabrio – von den Features und Abmaßen – handelt. Angesiedelt ist das Fahrzeug mit viel Zusatzausstattung in etwa im Segment der „Premium“-Fahrzeuge wie Audi A5 und BMW 3er Cabrio im Basispreis. Entscheidet man sich für die „nackte“ Variante, so kann es beispielsweise mit einem Golf Cabrio aus der Kompaktklasse konkurrieren. Hat sich hier Opel also ein kleines Upgrade von „Kompakt-“ zu „Mittelklasse“ erlaubt? Preislich gesehen gesehen mag das stimmen. Betrachtet man zusätzlich noch die Länge des Cascada mit 4,70m (Audi A5: 4,63 m; BMW 3: 4,61m) wird klar, dass Opel ernst macht.

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Exterieur

Der Cascada wirkt einfach erwachsen. Das fällt bereits beim ersten Einstieg in das Fahrzeug auf. Endlich kann man in einem Cabrio entspannt sitzen, obgleich vorne oder hinten. Selten saß ich so bequem im Fond eines Cabrios. Bei geschlossenem Verdeck dringen jedoch die ersten Mängel durch. Die Kopffreiheit wird auf den hinteren Sitzplätzen etwas eingeschränkt. All das befindet sich noch im Rahmen. Leider bewirkt die Schließung des Verdecks auch eine erhebliche Sichtbeeinträchtigung nach hinten. Die Rückscheibe ist nämlich alles andere als übersichtlich. So muss man sich dann während der Fahrt auf die Außenspiegel verlassen oder für das Einparken die Rückfahrkamera verwenden, die übrigens nur eine Darstellung in schwarz/weiß ermöglicht.

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Vom Design her ist der Cascada in meinen Augen sehr gelungen. Natürlich fallen auch starke Gemeinsamkeiten zur Front vom Astra auf. Dies ist aber nicht weiter verwunderlich, da die Designer in Rüsselsheim Hand in Hand arbeiten und natürlich an Erfolge anknüpfen wollen.

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Positiv fällt die Geschwindigkeit des Verdecks auf, die eine komplette Schließung/Öffnung in nur 17 Sekunden ermöglicht. Dies kann auch während der Fahrt bis zu einer Geschwindigkeit von 50 km/h passieren. Sobald das Verdeck geschlossen ist, sollte man lieber keinen Blick in den Kofferraum wagen.

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Interieur

Hier scheiden sich die Geister wohl am meisten. Positiv fällt zunächst die tolle Materialauswahl auf. Weiches Nappa-Leder mit feinen Konturen. Kein Klappern weit und breit. Und dann sieht man das Lenkrad und die Mittelkonsole. Eine Armada an Bedienelementen baut sich vor dem Fahrer auf. Völlig verunsichert sucht man nach einer Funktion, die teilweise doppelt belegt ist und mit kleinen Piktogrammen versucht, seine Bedeutung zu erklären. Hier müssen die Bedienelemente dringend einer Entschlackung unterzogen werden. Einige Funktionen fielen im Test doppelt auf – andere waren so gut versteckt, das sie erst nach langer Suche gefunden wurden.

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Auf der anderen Seite muss man bedenken, welch großartigen Features man unter anderem verbaut hat. Vom elektrischen Gurtgeber über die Sitzlüftung bis hin zur Lenkradheizung ist alles dabei. Eine Fülle von Funktionen, wie man sie nur aus der Mittel- und Oberklasse kennt.

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Fahrverhalten

Opel hat den Cascada in mehreren Motorisierungen vorgestellt. Getestet wurde der 1,6-Liter-Motor mit 170 PS. Des Weiteren bietet Opel noch einen 1,4-Liter-Benziner mit wahlweise 88 kW/120 PS oder 103 kW/140 PS und zwei Diesel an. Diese haben beide 2,0 Liter Hubraum und stehen mit 121 kW/145 oder 143 kW/165 PS zur Auswahl.

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Der 1.6 Liter SIDI Turbo liefert ein maximales Drehmoment zwischen 260 Nm und 280 Nm bei 1.650 und 3.200 Umdrehungen. Diese Angabe kann ich nicht bestätigen. In den Bergen von Nizza gab es genügend Gelegenheiten, das Auto durch die engen Kurvenstraßen zu fahren. Dort merkt man schnell, dass der Cascada an seine Grenzen stößt. Die Gänge mussten beinahe bis 4000 Umdrehungen ausgefahren werden, damit ein ordentliches Vorankommen schon bei leichten Steigungen möglich war. Ein weiteres Detail fiel in der Berglandschaft auf: der große Wendekreis von 12,2 Metern. So erforderte es etwas Übung, durch die engen Kurven von Nizza zu fahren, ohne mehrmals zurückzusetzen.

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Großartig hingegen finde ich das Fahrwerk. Dieses hat jedes Schlagloch herausgefiltert und so konnte man wirklich entspannt cruisen, ohne das Auto zu fordern. Und das ist der Cascada mit dem 1,6-Liter-Motor auch. Ein echter Cruiser einfach.

Fazit

Mit dem Cascada hat Opel ein tolles Auto in Petto. Dieses soll bei der Mittelklasse-Konkurrenz wildern und dort mit dem Preis gewinnen. Mit dem günstigen Einstiegspreis von nicht einmal 26.000€, kann man sich so einige Zusatzausstattungen leisten. Wer ein Auto zum Cruisen sucht, sollte den Cascada auf jeden Fall auf dem Zettel haben.

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Disclosure zur Transparenz: Opel hat NewCarz zur Fahrveranstaltung nach Nizza eingeladen und alle Kosten übernommen. Dies hat den Eindruck nicht beeinflusst.

 

Mehr zum Opel Cascada gibt es bei Mario.

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Technische Daten
Motor-Bauart: Reihen-4-Zylinder-Ottomotor | Direkteinspritzung & Turboaufladung
Hubraum: 1.598 cm³
Leistung: 125 kW / 170 PS bei 6.000 U/min
max. Drehmoment: 260 Nm bei 1.650–3.200 U/min  (280 Nm mit Overboost)
Antriebsart: Frontantrieb
Getriebe: 6-Gang-Schaltgetriebe
Beschleunigung 0–100 km/h: 9,6 s
Höchstgeschwindigkeit: 222 km/h
Länge / Breite / Höhe: 4696 mm / 2020 mm / 1443 mm
Leergewicht: 1.733 kg
max. Zuladung: 407 kg
Kofferraum-Volumen: 280 l offen / 380 l geschlossen
Verbrauch innerorts/außerorts: 8,0 l/5,3 l Super
Verbrauch gesamt: 6,3 l Super
CO2-Emissionen: 148 g/km
Grundpreis Cascada 1.6 SIDI Turbo: 28.245,- €
Testwagenpreis: ca. 38.000,- €

About Mikhail Bievetskiy

Mikhail Bievetskiy ist Gründer von NewCarz.de und war vorher bereits auf vielen anderen Magazinen und Blogs tätig. Er schreibt hier über das Thema Automotive und schildert seine Erfahrungen mit Fahrzeugen aller Art.

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