Opel Mokka – Der starke Kleine?

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Das Feld der SUV ist bekanntermaßen ein sehr lukratives für die Automobilindustrie. Da die größeren Derivate schon längst ihre Nische gefunden haben, gesellten die Konstrukteure dem Antara einen kleinen Bruder hinzu: Den Mokka. Doch ist der Mokka wirklich klein, was taugt er im Gelände, ist er ein reines Stadt-SUV und wie fährt er sich? All diese Fragen beantwortet der ausführliche Fahrbericht.

Ja, er ist eigentlich klein und ja, er soll einen Offroader mimen. Aber so ganz nimmt man dem Mokka nicht ab, dass er auch in fiesen Schlammlöchern oder Kiesgruben zu Hause ist. Zwar gibt es, den von uns gefahrenen 1.4 Turbo, auch mit Allradantrieb, der dient aber mehr der Fahrsicherheit, als der Geländetauglichkeit. Es stimmt also nicht verwunderlich, dass der kleine Kraxler sein Revier eigentlich im urbanen Raum sieht und für diesen Verwendungszweck auch bestens gerüstet ist.

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Optik

Das Design lehnt sich aber dennoch an den Einsatz abseits befestigter Wege an; deutlich zu erkennen an der robusten Kunststoff-Beplankung rundum. Ergänzt wird diese Optik von der groben Dachreling und dem Unterfahrschutz vorn, wie hinten, der im kernigen Alu-Look daher kommt.

Nichts desto weniger erkennt man auf den ersten Blick die Markenzugehörigkeit: Ein Opel, der ins Bild passt. Der große Kühlergrill mit dem typischen Opel-Blitz, eine skulpturale Motorhaube und unten angeschnittene große Scheinwerfer erwecken einen erwachsenen und fast schon aggressiven Eindruck.

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Seitlich verweilt der Blick auf den großen Radkästen, in denen die  – immerhin 17 Zoll große – Testbereifung etwas verloren wirkt. Diese Bereiche werden zusätzlichen von den kurzen Überhängen und der modellierten Sicke im unteren Türbereich hervorgehoben und erzeugen einen stämmigen, aber auch stimmigen Look. Was verwundert, führt man sich nochmals vor Augen, dass es sich hier um ein SUV handelt, ist die vergleichsweise geringe Bodenfreiheit: Ein weiteres Indiz für den urbanen Einsatz. Der hintere Bereich der Seitenansicht ist geprägt von der sehr breiten C-Säule und den ausgestellten hinteren Kotflügeln, die auch – zur weiteren Betonung – die Rückleuchten beherbergen. In Verbindung mit der ansteigenden Fensterlinie entsteht ein dynamischer Auftritt, der am Heck von der klein dimensionierten Heckscheibe aufgegriffen wird.

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Karosserie

Der dynamische Look wird oftmals mit knappen Platzverhältnissen gleichgesetzt, doch das ist im Fall des Mokka schlicht weg falsch – man kann durchaus von einer gewissen Großzügigkeit sprechen. Sind die Insassen von durchschnittlicher Größe, kann auf keinem der Plätze über einen Mangel an Bewegungsfreiheit genörgelt werden – vorausgesetzt, man reist zu viert. So steht jedem Fahrgast genügen Beinraum, vor allem aber reichlich Luft über dem Scheitel zur Verfügung.

Leider geriet der Kofferraum nicht überdimensional groß, sodass eine vierköpfige Familie mindestens mit einer Dachbox vorlieb nehmen sollte. Hinzu kommt, dass das Schloss an Kofferraumklappe befestigt ist, diese nicht hoch genug öffnet und so bei Großgewachsenen zu Kopfschmerzen führen kann. Lobend zu erwähnen sind hingegen die weit öffnenden Türen, die großen Außenspiegel, die die stark modellierten hinteren Kotflügel kompensieren und vor allem der bequeme Einstieg durch die erhöhte Bauweise.

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Letztendlich ist es vor allem ein Punkt, der bei der Karosserie missfällt: Die Rundumsicht. Der Sichtbereich wird durch die eingangs erwähnten breiten C-Säulen und die kleine Heckscheibe, die auch noch unglücklich hoch endet, enorm eingeschränkt. Nach vorn ergibt sich ein besseres Bild: Die Frontscheibe ist nahezu riesig, was nur leider nicht wirklich hilft, da die Front vanartig stark abfällt und so der Einsicht entzogen bleibt. Alternativ bietet sich nur die Ausstattung mit empfehlenswerten Einparkhilfe an, die sowohl für die Front, als auch für das Heck erhältlich ist. Aufrüsten kann man dieses Extra mit einer Rückfahrkamera, deren Bild zügig im optionalen Navigationsbildschirm angezeigt wird, der es aber leider etwas an Kontrast fehlt. Unsere Meinung: Die Einparkhilfe für vorn und hinten reicht völlig aus.

Interieur

Genug zum Äußeren des Rüsselsheimer: Zugestiegen, Tür zugezogen und Platz genommen auf den aufpreispflichtigen AGR-Sitzen. Dieses Gestühl wurde mit dem Siegel „Aktion gesunder Rücken“, kurz AGR, ausgezeichnet und soll ein besonders rückenschonendes, sowie ermüdungsfreies Fahren ermöglichen. Speziell die ausziehbare Schenkelauflage ist ein großes Plus dieser Sitze, die langen Strecken den Schrecken nimmt, da das Bein optimal gestützt wird. Auch die straffe Polsterung und der große Verstellbereich sind auf der Habenseite zu verbuchen, nicht jedoch der Seitenhalt. Im oberen Rückenbereich ist das Gestühl schlicht zu eng gebaut, um einen größeren Passagier aufzunehmen. Im unteren Rückenbereich fehlt hingegen schlicht die seitliche Abstützung, obwohl genügend Breite vorhanden ist.

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Ein weiteres Manko stellt die Mittelarmlehne dar: An und für sich ist diese vorhanden, allerdings nur für den Fahrer nutzbar und leider zu auch tief angebracht.

Auf der Rückbank fühlen sich Erwachsene, bezüglich der Platzverhältnisse, zwar gut untergebracht, jedoch erzeugen weder die hochgezogene Fensterlinie, noch die steil stehende Rücksitzlehne Wohlfühlatmosphäre. Eine neigbare Variante wäre hier von Vorteil, da so – je nach Gebrauch – auch das Kofferraumvolumen besser genutzt werden könnte.

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Zurück zum Cockpit: Das dynamische Äußere findet sich auch hier wieder. Die in Tuben gelegenen Rundinstrumente wissen mit ihrer Optik zu gefallen und sind im Allgemeinen gut ablesbar. Auf den zweiten Blick irritieren aber die enge Skalierung und die Beschriftung sowohl im Inneren des jeweiligen Instruments, als auch im äußeren Ring. Hier wäre weniger mehr gewesen. Lässt man den Blick schweifen, bleibt dieser fast automatisch am schönen Dekor hängen: Die Leisten sind zwar aus Kunststoff gefertigt, aber die Ausführung, mit ihrem Look gebürsteten Aluminiums und der kalten, metallischen Haptik erfreut Auge und Hand zugleich. Leider zieht sich dieser Qualitätseindruck nicht durch den gesamten Innenraum. Auf der Oberseite des Armaturenbretts verarbeitete Opel noch weichen unterschäumten Kunststoff, im unteren Bereich fiel die Wahl aber leider auf schnödes Hartplastik, das auch durch viele kleine Chromzierteile nichts von seiner Rustikalität verliert. Versöhnlich stimmt da eher die routinierte Verarbeitung mit genauen Spaltmaßen und dem Fehlen jeglicher Klappergeräusche. Was jedoch nicht fehlt ist die Vielzahl an Taste und Knöpfen.

Bedienung

Kein Touchscreen, keine Bündelung der Bedieneinheit, nur eine kleine Tastenflut auf der Mittelkonsole. Viele Funktionen haben eine eigene Taste, die auf Anhieb zu erreichen sind und nicht erst in Untermenüs gefunden werden müssen. Auch die Bedienung der Fahrassistenzsysteme wurde auf diese Weise gelöst, ist logisch bedienbar und sowohl auf dem Lenkradkranz, als auch im unteren Bereich der Mittelkonsole zu finden.

Selbst bei der Radio-Navigationseinheit  ist das erhöhte Aufkommen an Tasten recht eingängig. Zwei Drehräder, eines für die Lautstärke, eines für die Menüstruktur, dessen Kranz zum Bestätigen betätigt werden muss, ein übersichtlicher Aufbau und die Alternative, über das Multifunktionslenkrad zusätzlich in das Geschehen eingreifen zu können, zeugen ebenso von Praktikabilität, wie der weit oben montierte Bildschirm. Dank der großen und klar beschrifteten Tasten ist der Umgang mit diesem System intuitiv und recht zügig erlernt. Eine weitere Möglichkeit der Bedienung zeigt sich in der Lenkradbedienung: Hier sind alle Elemente übersichtlich angebracht und können, ohne die Hände vom Kranz zu nehmen, betätigt werden.

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Allerdings wusste der Bordcomputer  mit seinen verschiedenen Ebenen anfangs ein wenig zu verwirren. Die Bedienung erfolgt über den Lenkstockhebel und bedarf zweier Tasten, sowie eines Drehrades: Ein etwas komplizierter Vorgang.

Letztendlich ist das Gesamtkonzept aber gelungen und man kann froh sein, nicht permanent einen möglichen Touchscreen putzen zu müssen. Auch die Handhabung der Klimaautomatik geriet sehr intuitiv und erfrischend einfach.

Fahreindrücke

Genug der Rede über ein stehendes Auto, was jetzt zählt, ist die Essenz des Fahrens: Es geht um das Zusammenspiel aus Motor, Getriebe, Fahrwerk und Lenkung. Unser Mokka war mit dem 140PS starken 1.4 Liter Turbo-Aggregat und Allradantrieb ausgestattet. Doch den Turbolader merkt man dem Rüsselsheimer nicht an, was positive, aber auch negative Aspekte aufweist. Lobenswert sind die Homogenität, mit der die Maschine arbeitet, sowie der weiche Lauf. Zu kritisieren ist, dass von den 140 Pferden, die unter der Motorhaube zu Werke gehen sollten, anscheinend nicht alle übermäßig motiviert waren. Das zeigt sich in einer müden Kraftentfaltung und der Notwendigkeit des Ausdrehens, um zügiges Vorankommen zu ernten. Eine Folge daraus ist der erzielte Testverbrauch von gut 8,5 L/ 100km.

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Mit daran Schuld scheint die Getriebeabstufung zu sein: Sind die ersten beiden Gänge noch recht kurz ausgelegt, was sich am häufig einsetzenden „Bonanza“-Effekt zeigt, attestieren wir den restlichen vier Gängen eine zu lange Übersetzung. Häufiges Zurückschalten, teilweise um mehrere Gänge gleichzeitig, ist nötig, um das Aggregat bei Laune zu halten. Allerdings erfreut die Schaltbarkeit des Getriebes: Die Wege sind recht kurz und der jeweilige Gang ist direkt eingelegt – eine gute Vorstellung.

Gut gefiel uns auch die Auslegung des Fahrwerks, welches von Haus aus zwar eher straff ausgelegt ist, es aber trotzdem nicht vergisst, grobe Verwerfungen im Straßenbelag herauszufiltern. Gerade bei zügiger Autobahnfahrt – und dazu ist der Mokka tatsächlich im Stande – gefällt die gute Rückmeldung bei gleichzeitig hohem Komfort. Den einzigen Wermutstropfen markiert das Abrollverhalten der Testbereifung. Wie anfangs erwähnt, wirkt die Radkombination eher schmächtig, gibt mit ihrem geringen Querschnitt aber ein hölzernes Abrollen wieder, das durch größere Räder weiter gesteigert würde. Alles in allem zielten die Entwickler also, abgeleitet vom dynamischen Äußeren, auch auf eine sportliche Abstimmung, die mit der Lenkung ihre Vollendung findet.

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Zügige Richtungsänderungen und der kleine Wendekreis überzeugten ebenso, wie die Leichtgängigkeit der Auslegung. Negativ fiel auf, dass durch eben jene Leichtgängigkeit der Fahrbahnkontakt fehlte. Unterstützt wird dieses Phänomen durch ein recht spitzes Ansprechverhalten bei niedrigen bis mittleren Geschwindigkeiten. Erhöht man das Tempo, nimmt auch die Giftigkeit ab und ein harmonischeres Bild entsteht.

Fazit

Ein SUV für die Stadt? Nun, kein SUV im Flugzeugträger-Format freilich, sondern eines im Westentaschenformat. Die Vorteile des hohen Sitzens und der guten Raumausnutzung liegen hier auf der Hand und werden aufgrund der Kürze des Rüsselsheimers zur optimalen Ausstattung für die Stadtcentren. Einer ausgesprochenen Wendigkeit und der attraktiven Optik steht die müde Motor-/ Getriebekombination gegenüber. Aber die Opelaner waren nicht untätig und führten unter anderem mit dem 1.6 SIDI eine vielversprechende neue Motorengeneration und ein nochmals moderneres Bedienkonzept ein. Wann diese Errungenschaften im Mokka erscheinen, ist noch unklar; gut zu Gesicht stehen würden sie ihm allemal.

Bilder: Mikhail Bievetskiy / Canon 1D-X / 24-70 ƒ2.8

[alert alert_type=“info“ ]Fahrzeugschein Opel Mokka 1.4

Länge x Breite x Höhe (m): 4,28 x 1,78 x 1,66
Motor: 4-Zylinder Reihenmotor, 1364 cm³, Abgasturbolader
Leistung: 140 PS (103 kW) bei 4900 U/min
Max. Drehmoment:  200 Nm bei 1850 U/min.
Verbrauch (NEFZ): 6,4
CO2-Emissionen: 149 g/km
Höchstgeschwindigkeit: 190 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h): 10,4 Sek.
Leergewicht / Zuladung: 1354kg / 504 kg
Max. Anhängelast: 1200 kg (gebremst)
Kofferraumvolumen: 356 – 1372 Liter
Wendekreis: 10,9 m
Basispreis: 26.325 € [/alert]

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