Toyota RAV4 Modell 2016 – RAV and not rough

In der mittlerweile vierten Generation erhielt der Toyota RAV4 in diesem Jahr seine Modellpflege und stellt sich damit unserem Test.

Wenn Toyota eines seiner Modelle Recreational Active Vehicle nennt, was zu Deutsch so viel wie Aktives Freizeitfahrzeug bedeutet, ist der Anspruch entsprechend ausgerichtet. Die ‚4‘ weist auf den permanent aktiven Allradantrieb des Japaners hin, was aber nicht bei allen Modellvarianten der Fall ist. Wenn allerdings wie bei unserem Testwagen Allrad vorhanden ist, dann ist er für derartig vorgesehene Einsatzbereiche gut gerüstet.

 

Exterieur – Erwachsen gewachsen

Es fällt sofort auf, dass der RAV4 gegenüber seinen Vorgängern bedeutend an Größe zugelegt hat. Unser Testwagen im erfrischenden Novaweiß-Perleffekt wirkt fast riesig, aber ohne sich wuchtig oder plump darzustellen.

 

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Unwetterfest – Der RAV4 mit gefälliger Seitenlinie.

 

Der Toyota gefällt durch eine markant-elegante Linienführung und zeigt sich von vorne mit zusammen gekniffenen LED-Scheinwerfer-Augen, die das mittige Markenlogo fast wie eine Stupsnase einfassen.

Der angedeutete Unterfahrschutz in Alu-Optik verkündet selbstbewusst Offroad-Allüren. Die Motorhaube steigt zu den Seiten stark an und vereint sich mit den ebenso hochragenden und breit ausgestellten Kotflügeln, wodurch die opulente Formgebung muskulöse Eindrücke hinterlässt.

 

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Trotz scharfem Blick eine eher gutmütige Mimik.

 

Die dadurch hoch angesetzte A-Säule verläuft fließend in das durch die schwarz gehaltenen B-Säulen kuppelhaft wirkende Dach, welches sanft nach hinten abfällt und durch einen Dachspoiler dynamisch abgeschlossen wird.

Die 18-Zoll-Leichtmetallräder verlieren sich fast in den endlos erscheinenden Radhäusern – versprechen dem Betrachter aber dadurch entsprechende Fertigkeiten in unwegsamen Gefilden. Unterstützend bei dieser optischen Suggestion, wirken die Kunststoffverkleidungen der Radhäuser, der Schweller sowie der Front- und Heckschürze – letztere beide mit Unterfahrschutz-Applikationen.

 

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Not Asphalt only – Der RAV4 mag auch weniger gut ausgebaute Wege.

 

Die nach hinten ansteigende Gürtellinie in Form eines doppelten dezenten Kantenfalzes, stellt einen leicht geschwungenen Bogen dar und läuft in den großzügig dimensionierten LED-Heckleuchten aus, deren Design zumindest unbeleuchtet an das des aktuellen Hyundai Tucson erinnert. Dieses LED-Licht sorgt mit elegant geformten Stripes für einen hohen Wiedererkennungswert bei Dunkelheit.

 

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Night-View – die elegante Lichtsignatur des Kompakt-SUV.

 

Die Heckklappe reicht sehr weit nach unten, wodurch eine erfreulich niedrige Ladekante von gerade einmal 64,5 Zentimetern realisiert wurde. Ein Wert, den man bei anderen SUV so nicht findet.

Als typisch japanisch könnte man den links angeordneten Tankeinfüllstutzen bezeichnen. Ebenso das emotionslos nach unten gebogene Endrohr der Abgasanlage, was wir auch schon bei anderen japanischen Herstellern bemerkt hatten.

 

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Nur praktisch, nicht schön – das schmucklose Endrohr.

 

Zusammenfassend kann man die äußere Erscheinung des Toyota RAV4 als ein souverän dynamisches, recht großes und selbstbewusstes SUV bezeichnen.

 

Interieur – Sitzposition und Raumangebot in feudal

Dank schlüssellosem Komfortzugang entriegeln die Türen, sobald man den gut in den Händen liegenden Griff umfasst hat. Eine automatische Verriegelung während der Fahrt gibt es ebenso – allerdings verriegelt diese ungewöhnlicher Weise erst ab 25 km/h und damit deutlich über der sonst üblichen Schrittgeschwindigkeit.

Weit öffnende Türen ermöglichen einen bequemen Zu- und Ausstieg auf allen Plätzen. Auffällig waren die bei unpässlichen Fahrbanhnbeschaffenheiten sehr stark verschmutzenden unteren Türinnenkanten.

 

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Versammlungsort – Schmutz an der Innenkante der Türen.

 

Die Sitze bieten ausreichend Komfort, selbst für längere Strecken scheinen die Polster genug Reserven zu besitzen. Die elektrischen Sitzverstellungselemente der Vordersitze wirken ein wenig wackelig und nicht hochwertig, wogegen die Sitze dies durchaus vermitteln.

 

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Platzwunder – keine Einengung auf den Sitzplätzen des Toyota.

 

Vorne und auch auf der Rückbank verblüffen großzügige Platzverhältnisse – selbst für den mittleren Sitzplatz hinten bietet Toyota überdurchschnittlich großzügigen Freiraum. Auch größere Passagiere dürfen sich über ausreichend Kopf- und Beinfreiheit freuen.

 

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Auch hinten regiert ein fast verschwenderisches Raumgefühl.

 

Der Armaturenträger wirkt aufgrund der erhöhten Sitzposition fast flach. Durch das stimmige Lederlenkrad ruht der Blick auf dem Kombiinstrument mit den beiden analogen Uhren und dem mittigen farbigen Multifunktions-Display, welches beim Einstieg als Willkommensgruß den RAV4-Schriftzug in einem explodierenden Funkenregen animiert.

 

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Meine Damen und Herren, die Übersicht.

 

Die Lüftungsöffnungen sind in zwei verschiedenen Formen gestaltet – links und rechts kreisrund, sowie die beiden neben dem Sieben-Zoll-Screen in Trapezform angeordnet. Darunter liegt auf der Beifahrerseite eine in Richtung Fahrgastraum ragende Art Lehne in Leder-Optik.

 

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Aufgeräumt – das Armaturkonzept wirft keine Fragen auf.

 

Sämtliche Materialien wurden gegenüber dem Vorgänger haptisch verbessert – man berührt sie gerne. Soft-Touch-Oberflächen überall und sauber verarbeitete Materialien vermitteln einen hochwertigen Eindruck.

Der farbige Touchscreen wurde zentral im Armaturenträger positioniert, ist jedoch bei geöffnetem Schiebedach und ungünstig einfallendem Sonnenlicht nicht ablesbar.

Unterhalb des Armaturenträgers, direkt am Ende der Mittelkonsole finden sich die Bedienelemente für die Sitzheizungen, eine Sporttaste, die Deaktivierung für die Start/Stopp-Funktion und drei Schnittstellen – USB, AUX-In und 12-Volt-Dose.

 

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Souterrain – Bedienelemente ganz unten.

 

Die Mittelkonsole beherbergt einen ‚echten‘ Handbremshebel und die Schaltbox, mit jeweils einer Getränkeaufnahme davor und dahinter. Die nicht verstellbare Armauflage dient auch als Verschlussdeckel für ein recht großes Ablagefach, in dem in unserem Testfahrzeug der WLAN-Router untergebracht war. Ein wenig fummelig gestaltet sich das Öffnen dieses Faches, weil das Öffnen des Deckels zunächst ein flaches Fach direkt unter dem Ablagedeckel freigibt.

 

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Echter Handbremshebel – heutzutage fast schon ein Seltenheitswert.

 

Die Rundumsicht ist vor allem nach hinten durch die sehr breiten C-Säulen eingeschränkt. Doch insgesamt vier Kameras sorgen für einen 360-Grad Rundumblick, was das Parken und Rangieren zum Kinderspiel werden lässt.

Die Motorhaube ist relativ schwer und muss ohne Dämpferunterstützung per Hand geöffnet und mittels Haltestab arretiert werden. Besonders kleinere und weniger kräftige Personen dürften damit eventuell Schwierigkeiten haben.

 

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Muckis vonnöten – Die Motorhaube ist übergewichtig und hat keine Öffnungshilfe.

 

Der Laderaum ist mit 547 Litern Volumen erwartungsgemäß üppig und besonders die niedrige Ladekante entlastet die Wirbelsäule beim Be- und Entladen. Die geteilt umlegbaren Rückenlehnen erschaffen eine kantenfreie Ebene mit sagenhaften 1.746 Litern Ladevolumen.

Damit befördert sich der RAV4 zum üppig platzbietenden Frachter.

 

Wem das noch nicht ausreicht, montiert einfach die abnehmbare Anhängevorrichtung und freut sich über weitere zwei Tonnen Anhängelast – gebremst und bis maximal 12 Prozent Steigung.

 

Motorisierung und Fahreigenschaften – Schwaches Herz im Alloundtalent

Genügsam und die Ruhe selbst sollte man sein, wenn man als Motorisierung des Toyota RAV4 den 2.0-Vierzylinder Benzinmotor auswählt. Er kann, oder besser will, einfach keine merkliche Kraftentfaltung zulassen. Die 152 PS und 196 Newtonmeter sind kaum spürbar. Im Gegenteil – versucht man dem Vierzylinder die Sporen zu geben, fühlt sich dieser freudlos an und quittiert die Drängelei ab 4.000 Touren mit gequältem Dröhnen. Dynamik und Kraft kann er auch bei solch hohen Touren nur in Nuancen liefern.

 

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Kann und will nicht – der Benziner wirkt jederzeit angestrengt.

 

Überholmanöver werden dadurch zum fast aussichtslosen Unterfangen oder besitzen zumindest höchsten Seltenheitswert. Steigungen erfordern viel Schaltarbeit, vor allem im beladenen Zustand macht der Benziner einen überforderten Eindruck.

Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 185 km/h ist mit viel Anlauf und wenig Zuladung zu erreichen. Der Kraftstoffverbrauch beträgt dann mehr als zehn Liter. Wir finden einstimmig – dieser Motor ist für den RAV4 nur eine Wahl, wenn man es generell sehr ruhig angehen möchte und Kraftentwicklung als drittrangig ansieht.

 

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Eile mit Weile – der RAV4 mit Benzinmotor mag es zurückhaltend.

 

Das Fahrwerk wirkt durchaus komfortabel und schluckt, mit einigen Ausnahmen wie beispielsweise großen Querfugen, so ziemlich alles an schlechten Untergründen. Bei normalem Fahrverhalten gibt es sich auch keinen unangenehmen Wankbewegungen hin – es sei denn man versucht sich mit rennfahrerischen Einlagen. In dem Fall neigt sich der RAV4 gehörig in die kurvenäußere Richtung, zeigt sich im Grenzbereich untersteuernd bevor das ESP jede Form von Stunt-Einlage bereits im Keim erstickt.

Die Lenkung reagiert präzise, wenn auch eine Spur zu leichtgängig, aber vermittelt stets einen guten Kontakt zur Straße. Das Bremssystem benötigt etwas höheren Kraftaufwand, gefällt aber durch genaue Dosiermöglichkeit.

Die Standfestigkeit nimmt bei burschikosen Bremsmanövern im beladenen Zustand jedoch spürbar ab. Ist man mit voller Zuladung erst einmal mit mehr als 120 km/h unterwegs, haben im Wiederholungsfall die vier Zangen alle Hände voll zu tun, diese bei Gefahr wieder einzufangen. Das gelingt anfangs noch sehr gut, verringert sich aber mit jeder weiteren Vollbremsung spürbar durch Fading.

 

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Keine Trauerweide – so lange es nicht auf die Autobahn geht.

 

Eine Anfahrschwäche fiel oftmals auf, die auch auf eine sehr kleine Schwungmasse des Motors hindeutet. Gemeinsam mit der sehr spät kommenden Kupplung gab es daher auch nach mehreren hundert Kilometern immer wieder ruckelige Anfahrmomente. Umso vorteilhafter zeigt sich hier die exakt arbeitende Berganfahrhilfe, welche den RAV4 bei Steigungen nicht über das notwendige Maß hinaus in die Zange nimmt.

Das Testfahrzeug war mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe ausgerüstet. Der Rückwärtsgang des Schaltgetriebes scheint weder über schrägverzahnte Räder zu verfügen noch synchronisiert zu sein. So jammert und jault das Getriebe bei Rückwärtsfahrten und erinnert ein bisschen an Schaltgetriebe der 80-er. Das können andere Wettbewerber deutlich weniger geräuschintensiv realisieren. Ansonsten gelingen die Schaltwechsel einfach und sauber – wobei der Schalthebel etwas lange Schaltwege zurücklegen muss.

Unser RAV4 besaß als Modell mit Allradantrieb die serienmäßig damit verbundene Längssperre, womit die Kraftverteilung je zur Hälfte auf die beiden Achsen verteilt wird. Bis zu 30 km/h bleibt diese Sperre aktiv und sichert dadurch ein solides Vorankommen abseits befestigter Straßen. Wir haben das aufgrund der anhaltend trockenen Witterung während unseres Testzeitraumes nur auf einer im Morgentau feuchten Wiesenanhöhe getestet, worauf der RAV4 absolut keine Gripeinbußen zeigte.

Die Geräuschentwicklung hält sich bei niedrigen Geschwindigkeiten und Drehzahlen noch zurück. Der Motor wandelt seine Erscheinung von dezent vernehmbar spätestens ab 4.000 Touren in angestrengt dröhnend laut. Windgeräusche treten erst jenseits der 160 km/h in den Vordergrund, was zumindest bei dieser Motorisierung eher selten der Fall sein dürfte.

Sehr gefallen hat die Start-Stopp Automatik, welche blitzschnell reagiert und auch bei Lenkbewegungen oder dem Ablegen des Gurtes den Motor wieder startet. Das Info-Display leistet in solchen Fällen seinem Namen alle Ehre. So wird stets der jeweilige Grund des Restarts im Multifunktions-Display angezeigt.

Während des gesamten Testzeitraumes verbrauchte der Toyota RAV4 im Durchschnitt 8,8 Liter auf 100 Kilometer. Dabei bestand die Strecke aus 40 Prozent Autobahn, 35 Prozent Stadtverkehr und 25 Prozent Landstraßen. Das sind stolze zwei Liter mehr, als der Hersteller angibt.

 

Assistenz und Sicherheit

Der durch uns getestete Toyota RAV4 besaß ein umfangreiches Portfolio an Assistenten, welche den Fahrer in sämtlichen Fahrsituationen unterstützen.

Besonders hervorzuheben ist die dank der vier Außenkameras verfügbare 360-Grad Rundumsicht. Diese wird sogar als animierte 3D-Ansicht aus der Vogelperspektive gezeigt. Selbst ein Rundumblick aus Fahrerperspektive – durch eine transparente Karosserie mit angedeuteten Rädern – ist auf Knopfdruck möglich. Diese Animationen werden übrigens nur angezeigt, wenn gleichzeitig die Handbremse angezogen ist.

 

 

Die Ansichten der Front- und Seitenkameras können automatisiert, per Häkchen im Bedienfeld aktiviert, immer ab einer Geschwindigkeit von weniger als zehn km/h auf dem Touchscreen angezeigt werden. Im Zusammenspiel mit den Parksensoren vorn und hinten, wird dadurch jeder Rangier- oder Parkvorgang zum Kinderspiel.

Der Totwinkelassistent mit den Warnleuchten in den Außenspiegeln reagiert angenehm zeitig und erweist sich als ein hoher Sicherheitsgewinn. Dieselben Sensoren warnen während der Rückwärtsfahrt auch vor sich näherndem Querverkehr hinter dem Fahrzeug.

 

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Pünktlich – der Totwinkelwarner arbeitet sehr zuverlässig und warnt frühzeitig.

 

Der adaptive Tempomat mit Abstandshaltung und Bremsassistent ist Bestandteil des Toyota Safety Sense Systems und wird durch einen etwas unvorteilhaft angeordneten Hebel an der Lenksäule bedient, was sich zusätzlich als wenig intuitiv und etwas umständlich erweist.

Wie bei allen Modellen mit manuellem Schaltgetriebe, ist der Einsatz eines adaptiven Tempomats nur mit Komforteinschränkungen nutzbar. Denn jedes Kuppeln und Schalten deaktiviert den Assistenten sofort. Gerade bei einer schwachen Motorisierung wird das Benutzen des Assistenten somit zum Geduldsspiel.

 

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Kameras, Radar und Laser nutzen diverse der Assistenzsysteme.

 

Der Spurhalteassistent warnt den Fahrer beim Verlassen der Spur neben der optischen und akustischen Variante zusätzlich mittels einem Lenkimpuls. Dieser ist sehr zurückhaltend und geht bei unebener Fahrbahnbeschaffung auch schon mal unter. Der Vorteil ist dabei jedoch, dass der Eingriff nicht mit solcher Vehemenz erfolgt, wobei sich der Fahrer irritiert fühlen könnte. Dies war bei anderen Modellen anderer Hersteller mitunter der Fall, wodurch manche Fahrer unserer Redaktion diesen Assistenten gleich gänzlich deaktivierten. Anders hier im Toyota.

Ein Verkehrszeichenassistent ist ebenso an Bord, verwunderte jedoch mitunter durch eigenartige Interpretationen. So kam es beispielsweise vor, dass die zulässige Höchstgeschwindigkeit innerhalb einer geschlossenen Ortschaft mit 110 km/h angezeigt wurde.

 

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Neue StVO? – Verkehrszeichenerkennung sieht 110 km/h innerhalb der Ortschaft.

 

Sehr vorbildlich arbeitete hingegen der Fernlichtassistent, der während des gesamten Testzeitraumes keinerlei Anlass zur Kritik gab und zuverlässig für ausreichend Sicht sorgte, ohne den Gegenverkehr zu blenden. Die Lichtautomatik arbeitet unabhängig vom Lichtsensor, der die Helligkeit der Instrumente regelt. Dadurch kann es mitunter sein, dass im Interieur bereits Nachtmodus herrscht und zeitgleich die Hauptscheinwerfer noch deaktiviert bleiben.

Apropos Licht – die Voll-LED-Scheinwerfer erfreuten über eine überdurchschnittliche Lichtausbeute, welche die Fahrbahn homogen und weit ausleuchteten. Auch das Fernlicht bietet keinerlei Anlass zur Kritik. Unverständlich hingegen ist, dass weder Kurven- noch Abbiegelicht verfügbar sind – auch gegen Aufpreis ist an dieser Stelle leider nichts zu machen.

 

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Homogene Ausleuchtung, egal ob mit Abblend-…
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…oder Fernlicht durch die Voll-LED-Scheinwerfer.

 

Der RAV4 besitzt insgesamt neun Airbags – darunter einen Knie-Airbag für den Fahrer – und erreichte bereits vor drei Jahren fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest.

 

Ausstattung und Komfort

Da unser Testfahrzeug in der höchsten Ausstattungsvariante und mit allerlei weiteren Merkmalen ausgerüstet war, konnte man sich in puncto Komfort nicht beschweren.

Das Toyota Touch2 Multimedia-System überzeugt zum Beispiel mit einem 7-Zoll Farbdisplay, welches jeden Touch souverän und exakt ausführt.

 

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Lichtschutzfaktor nötig – bei direkter Sonneneinstrahlung erkennt man auf dem Screen nichts.

 

Der Sound der Audioanlage überraschte mit einem sehr voluminösen, bassigen und sauberen Klang, der in dieser Klasse beispielhaft gelten darf und durchaus mit namhaften Markensystemen mithalten kann. Nur der mit einer deutlichen Verzögerung reagierende Drehregler für die Lautstärke trübte das Bild des Audiosystems etwas. Dieselbe Verzögerung zeigt übrigens auch die Lautstärkeregelung am Multifunktionslenkrad.

Das integrierte Navigationssystem benötigt am Start etwas lange für die Berechnung einer Route. Überzeugte aber dann durch eine glasklare und exakte Routenführung sowie ein enormes Reaktionsvermögen bei einer erforderlichen Neuberechnung der Route. Die Anzeige der Karte ist übersichtlich und kann dank einer reichhaltig gefüllten Infodatenbank mit einer Vielzahl von POI ergänzt werden. Eine solch umfangreiche Sammlung sorgt bei Aktivierung sämtlicher POIs allerdings für eine gewisse Unübersichtlichkeit.

Leider gehörte eine Sprachbedienung nicht zur Ausstattung unseres Toyotas und konnte somit nicht getestet werden.

Die Sprachführung der Navigation klingt etwas zu digital, die Worte werden mitunter zu eng aneinandergereiht, sodass Silben fast verschluckt werden. Während der Navigationsansagen wird die Media-Lautstärke auch zu wenig ausgeblendet, was ab und an zu akustischen Verständnisproblemen führt.

Alle gängigen Schnittstellen, wie Bluetooth, USB und AUX-In sind vorhanden. Ein CD-Laufwerk war nicht Bestandteil der Ausstattung unseres Testwagens. Der USB-Port verträgt Speichermedien bis maximal 16 GB, ab einer Kapazität von 32 GB wurden Sticks nicht mehr erkannt.

Die Verbindung zu Smartphones via Bluetooth funktionierte binnen weniger Sekunden und funktionierte absolut reibungslos. Lediglich beim Starten des Systems, benötigt die Freisprecheinrichtung relativ lange um ein bereits laufendes Gespräch zu übernehmen. Dafür ist die Sprachqualität der Freisprechanlage sehr gut, Fremdgeräusche werden sauber herausgefiltert und ermöglichen ein ausgezeichnetes Verständnis bei Gesprächspartnern während der Fahrt.

Auch ein WLAN-Hotspot besitzt der Toyota RAV4 und sorgt dadurch für bestmögliche Vernetzung unterwegs. Der Router liegt versteckt im Staufach unter der nicht verstellbaren Armauflage. Aufgrund der großzügigen Dimensionen dieses Stauraums, wird der Platz durch diese Installation nur vernachlässigbar geschmälert.

 

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Wie zu Hause – der Hot Spot im Ablagefach sorgt für W-LAN Freuden im Auto.

 

Die Zweizonen-Klimaautomatik arbeitete auch bei Außentemperaturen von knapp 30 Grad Celsius und direkter Sonneneinstrahlung sehr zuverlässig und schaffte den großvolumigen Innenraum, auch ohne separate Lüftungseinrichtung für die zweite Sitzreihe, innerhalb von wenigen Minuten auf erträgliche Werte herunter zu kühlen.

Die Lehnen der Sitze auf der zweiten Reihe kann man in der Neigung verstellen. Genau mit diesen an der Seite befindlichen Hebeln legt man die Sitze auch nach vorne um und modelliert dadurch einen komplett ebenen Laderaum.

Über das 4,2-Zoll Informations-Display im Kombiinstrument lassen sich diverse Fahrzeugparameter anzeigen. Vom Bordcomputer mit den dafür typischen Trip-Anzeigen, über Neigungswinkel, Kraftverteilung und Lenkeinschlag, bis hin zu Navigationsbefehlen, Start-Stop-Telemetrien, Spurhaltestati und diverse weitere Informationen lassen sich über die Wippenkreuztasten am Lenkrad aufrufen.

 

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Linientreue – der Spurhalteassistent hilft auch optisch.

 

Die elektrische Heckklappe öffnet und schließt sehr langsam und quittiert die jeweilige Funktionsaufnahme mittels Piepton. Ein Verriegeln des Fahrzeuges ist bei geöffneter und bei sich aktuell schließender Heckklappe nicht möglich. Man muss also den in einem solchen Fall endlos scheinenden Schließvorgang abwarten, bevor man verriegeln darf.

Zusätzlich zum automatisch abblendenden Innenspiegel, können die Außenspiegel elektrisch beheizt, verstellt und angeklappt werden. Letzteres funktioniert nur, solange die Zündung eingeschaltet ist. Zudem sind die dazugehörigen Bedienelemente nicht beleuchtet, wodurch man bei Dunkelheit und angeklappten Spiegeln erst einmal die Taste für diese Funktion suchen muss.

 

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Tasten tasten – alle Spiegelbedienelemente bleiben nachts unbeleuchtet.

 

Aus diesem Grund sollte man sich vor Fahrtantritt im Dunkeln einen Überblick im Innenraum verschaffen – was wiederum recht einfach ist. Denn die Innenbeleuchtung aktiviert sich bereits bei Annäherung an den Toyota automatisch – sofern man den Schlüssel in der Tasche dabeihat, versteht sich.

 

Varianten und Preise

Den Toyota RAV4 bekommt man in drei verschiedenen Motorisierungen:

  • Als Benziner – wie unser Testfahrzeug, den man ausschließlich mit Allradantrieb ordern kann.
  • Der neue Dieselmotor 2.0-Liter D-4D, mit 143 PS bei 320 Newtonmetern, ist seit der Modellpflege dabei, stammt von BMW und ist nicht mit dem Allradantrieb kombinierbar.
  • Die Hybrid-Version gewährleistet ihren Vortrieb durch einen 2.5-Liter Benzinmotor mit 155 PS bei 210 Newtonmeter und zwei Elektromotoren, einer mit 143 PS / 270 Nm an der Vorderachse und der andere mit 68 PS / 139 Nm an der Hinterachse. Der RAV4 Hybrid ist wahlweise mit Front- oder Allradantrieb bestellbar.

Dazu kommen vier Ausstattungslinien:

Die Basisversion ‚RAV4‘ gibt es nur als Benziner und Diesel in Verbindung mit manuellem Schaltgetriebe. Der Einstiegspreis für den Diesel liegt bei 27.290 Euro und damit 700 Euro unter der Benzin-Variante.

Ab der ‚Comfort‘-Ausstattung sind unter anderem 17-Zoll-Räder, Regensensor, Tempomat, 7-Zoll-Touchscreen mit Rückfahrkamera und für das Hybridmodell zusätzlich Voll-LED-Scheinwerfer und ein Smart-Key-System verfügbar. Preislich geht es ab 29.790 Euro für den Diesel los, der Benziner verlangt ab 30.490 Euro und der Hybrid startet bei 31.990 Euro.

In der nächsthöheren Variante ‚Edition‘ gibt es on top die Privacy-Verglasung, 18-Zoll-Räder und Optionsmöglichkeiten wie ein elektrisches Glasschiebedach. Auch hier ist der Diesel mit 30.690 Euro der günstigste Einsteiger, gefolgt vom Benziner ab 31.390 Euro und der Hybrid-Version ab 32.890 Euro.

Die Top-Variante ‚Executive‘ bietet zusätzlich die Voll-LED-Scheinwerfer, eine Voll-Lederausstattung mit elektrischer Sitzverstellung und das Digitalradio DAB+ als Serienausstattung. Der Hybrid kann optional mit einem JBL-Soundsystem ausgerüstet werden. Für die Top-Version werden als Dieselvariante ab 34.490 Euro aufgerufen. Der Benziner ist wieder ab 700 Euro mehr zu haben und der Hybrid verlangt ab 36.090 Euro – mit Allrad ab 39.090 Euro.

 

Was sagen die Kunden?

In unserer nicht repräsentativen Stimmungsanalyse in deutschsprachigen Netzwerken fanden wir heraus, dass die Kunden den Hybrid als die attraktivste Version des RAV4 finden und dabei von „Lexustechnik zu Toyotapreisen“ sprechen. Besonders hervorgehoben wird am Hybrid, dass die Geräuschentwicklung stets stark zurückhaltend ist und jederzeit – auch aus dem Stand – ausreichend Vortrieb verfügbar sei.

Bemängelt wird hingegen das Wegfallen diverser Ablagemöglichkeiten im Vergleich zum Vorgänger und der auch uns aufgefallenen starken Verschmutzung der unteren Türkanten auf deren Innenseite.

Das Design wird kontrovers diskutiert und scheint durchaus zu polarisieren. Dass ein RAV4 kein purer Allradler ist, wie es ursprünglich in der ersten Generation der Fall war, wurde vereinzelt bedauert.

Das Platzangebot findet durchweg Lob, wohingegen die Verkleidungsmaterialien im Laderaum bemängelt werden, welche minderwertig erscheinen und viel zu leicht Gebrauchsspuren erfahren.

Der ‚laute‘ Rückwärtsgang taucht ab und an als Kritik auf. Das CVT erntet hingegen zum Großteil positive Resonanz.

 

Fazit – Solides SUV mit der Motorisierung Ying oder Yang

Der Toyota RAV4 ist in der Gesamtheit ein Kompakt-SUV mit viel Platz und einem Vernunftfaktor – wobei bisher Vernunft im Zusammenhang mit SUV wohl stets als Paradoxon galt.

Doch der RAV4 ist ein vernünftiges Auto, weil er ausstattungstechnisch sehr viel zu bieten hat, seine Insassen mit viel Platz verwöhnt und den Laderaum zu einer echten ebenerdigen Frachtfläche verwandeln kann. Das alles zu einem moderaten Preis und moderat laufenden Kosten. Denn ein Toyota ist ebenso bekannt für seine Langlebigkeit und Zuverlässigkeit. Für schnelles Vorankommen und den hauptsächlichen Einsatz auf Autobahnen ist er nicht gemacht.

 

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Der Toyota RAV4 kann – ausgenommen sein Antrieb mittels Benzinmotor – überzeugen.

 

Das Testfahrzeug als Benzin-Variante bestätigte dieses Urteil leider auch durch seine schwächelnde Art und dem damit einhergehenden Eindruck der fortwährenden Untermotorisierung. Sicher wird aber auch diese Antriebsvariante seine Interessenten finden, welche mit einer beneidenswerten Genügsamkeit in puncto Fahrdynamik ausgestattet sein sollten.

Der RAV4 ist eher für den gemäßigten Alltagseinsatz – sowohl in der Stadt, aber vor allem auch Über- und auf dem Land gemacht; mit allen dort auffindbaren fahrtechnischen Untergründen.

Dank Allradantrieb und dem recht kurz übersetzten ersten Gang, darf man den Toyota auch ohne schlechtes Gewissen auf unbefestigten Wegen einsetzen – ohne dass er dabei zu ‚rough‘ wirken würde. Im Gegenteil – eine ruppige, holprig ungehobelte Art ist dem RAV4 auch abseits asphaltierter Wege völlig fremd. Umso mehr finden wir es schade, dass der neue Dieselantrieb nicht als Allradmodell erhältlich sein wird.

Doch unterm Strich vergeben wir dem Toyota RAV4 den Titel ‚Universeller Allrounder‘, lassen aber auch den selbst verliehenen Titel ‚RAV‘ – Aktives Freizeitfahrzeug voll und ganz gelten.

Wir würden – sofern wir die Wahl hätten – den Hybrid als erste Wahl sehen. Wer den Allradantrieb nicht als primären Aspekt auf seiner Wunschliste stehen hat, sollte sich aber auch den Diesel genauer anschauen.

 

 

Text/Fotos: NewCarz

 

 

 

 

Technische Daten: Toyota RAV4 2.0 VALVEMATIC Executive

Länge x Breite x Höhe (m): 4,60 x 1,85 x 1,71

Motor: Vierzylinder in Reihe Benzin-Saugmotor 16V mit VALVEMATIC

Leistung: 111 kW (151 PS) bei 6.200 rpm

Hubraum: 1.987 ccm

Max. Drehmoment: 195 Nm bei 4.000 rpm

Getriebe: 6-Gang manuelles Schaltgetriebe

Antrieb: Allrad AWD

Durchschnittsverbrauch (NEFZ-Norm): 6,8L/100 km

CO2-Emissionen: 158 g/km

Abgasnorm: Euro 6

Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 9,9 Sekunden

Leergewicht: 1.490 kg

Kofferraumvolumen: 547 l (1.746 l bei umgeklappten Sitzen)

Höhe Ladekante: 64,5 cm

Kraftstofftank: 60 Liter

Preis des Testwagens: 40.417 Euro (laut Konfigurator)

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