Mehrleistung durch Benzinkristalle? – Alchemie und Scharlatane

NewCarz-Ratgeber-Leistungso

Fast jeder hatte in der Vergangenheit schon einmal Kontakt mit Wundermitteln, die eine Leistungssteigerung versprechen.

Sei es in Form von ‚seriösen‘ Angeboten dubioser Händler oder nur als Witz oder Häme am Stammtisch für denjenigen, sich offenbarte oder der zum Selbstschutz jemanden kennt, der jemanden kennt, welcher sich offenbarte.

Wir wurden zu diesem Beitrag animiert, weil wir aktuell wiederholt Anfragen in unserem Postfach finden, in denen wir gebeten werden, Gastbeiträge zu veröffentlichen, deren Inhalte genau aus diesem Genre stammten.

Getriebespülungen für Automatikgetriebe, Kriechspannungstilger und andere ‚Helfer‘ sollten über unsere Plattform publiziert und angepriesen werden. Vorneweg – nein danke.

 

Die Angebotspalette der haarsträubenden und zum Teil gefährlichen Gimmicks schien schon früher endlos.

Verkaufsschlager tummelten sich in Anzeigen von Autozeitungen oder anderen Illustrierten und auch auf Webseiten oder in Flyern – am Briefkasten eingeworfen. Heute geht’s einfacher per E-Mail.

Angepriesen wurden beispielsweise Magnetstrahlen aus Benzinkristallen, die einmal um die Kraftstoffleistung gewickelt, den Durst des Motors extrem zügeln sollen. Oder geheimnisvolle Öl-Naniten, welche dem Getriebeöl zugemischt, die Reibung derart verringern, dass es ein Leistungszuwachs von zweistelligen Prozentraten gäbe.

Flagrationsverstärker erhöhen durch Beimischung zum Kraftstoff im Tank die Leistung, Zündungsbooster als kleine schwarze Würfel sollten um die Zündkabel geheftet werden – als Verstärkung der Zündfunken und einhergehender Verbesserung der Verbrennung und Leistung. Es geht noch schlimmer: Ominöse Energiefeldmatten für den Fußbereich sollen sicher vor Ermüdung und Sekundenschlaf schützen.

All dies bot man meist für extrem hohe Preise an und zeigte an hanebüchenen Aufrechnungen die Amortisierung und Einsparung durch den Hokuspokus, die in so gut wie allen Fällen keine war.

 

Doch die Zeiten haben sich geändert.

Wo einst diverse Dinge aus der esoterischen Riege ihre Hochkonjunktur feierten, sind es heute mehr und mehr Angebote mit einem scheinbar fachspezifischen Hintergrund.

Mit gefährlichem Halbwissen wird dem potentiellen Käufer suggeriert, dass das Angebotene unter wissenschaftlichen Aspekten getestet und für gut befunden sei. Sogar gefälschte Zertifizierungen und Gutachten sollen die Seriosität unterstreichen und die Wirkung beglaubigen.

Sicher gibt es unter den schwarzen Schafen auch graue bis dunkelweiße und harmlose Exemplare, deren Angebote womöglich sogar etwas bringen, dennoch in keinem Verhältnis zu dessen Anschaffung stehen.

Offizielle Leistungsbooster und Verbrauchsoptimierer wurden gar salonfähig, deren Anwendung aber bis heute kontrovers diskutiert wird. Ein Beispiel sind die Superkraftstoffe mit 100 und mehr Oktan und klangvollen Namen, welche Leistung und besonders hohe Qualität suggerieren sollen.

Es gibt diverse Nachweise über einen teilweise geringen Leistungszuwachs, meist jedoch weit unter den versprochenen Angaben. Und diese Mehrleistung fällt in den meisten Fällen so marginal aus, dass das Quäntchen Mehrleistung maximal als Placebo-Effekt bemerkt wird – man bildet sich ein, was nur zu messen, aber nicht zu spüren ist. Es ist aber ungefährlich und in erster Linie freut es die Mineralölkonzerne, wenn der geneigte Konsument auf den Powersprit schwört.

Im Gespräch mit einem Ingenieur aus der Gewinnung von Benzinen und Leichtölen einer Ölraffinerie, unterstrich er dies mit folgender Aussage: ‚Es bleibt in erster Linie ein Marketing-Streich. Das geringe Leistungsplus durch den erhöhten Oktanwert ist in seiner Wirkung so gering, dass man es getrost vernachlässigen darf.‘

Es bleibt jedem selbst überlassen, ob er den Aufpreis in erster Linie für ein gutes Gefühl zahlen möchte.

 

Bei den anderen, weitaus bedenklicheren Angeboten sieht das ganz anders aus.

Unsere Empfehlung an dieser Stelle ist eindeutig: Im Zweifel IMMER Finger weg! Um entsprechende Zweifel auszuräumen, sollten Sie vor dem Erwerb und vor allem vor dem Einsatz in erster Instanz den Hersteller Ihres Fahrzeugs konsultieren. Denn viele der angebotenen Dinge bewirken einfach nichts, oder – was viel schlimmer ist – stellen einen Eingriff oder eine Änderung der Parameter und Gegebenheiten dar, welche durchaus gefährlich – ja sogar lebensgefährlich – werden, und nebenbei sämtliche Garantie- und Gewährleistungsansprüche gegenüber dem Hersteller zum Erlöschen bringen können.

Lassen Sie sich niemals zum Kauf drängen, sondern holen Sie sich vorher Rat beim Fahrzeughersteller oder auch beim Verbraucherschutz oder Fachhändler.

Dann verschonen Sie zum einen Ihre Geldbörse vor unnützen Diätorgien und gefährden andererseits nicht Ihr Leib und Leben, sowie den Garantie- und Versicherungsschutz für Ihr heiliges Blechle.

Text: NewCarz

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