Chevrolet Camaro Convertible – Mehr Sein als Schein

Dauertest Chevrolet Camaro Convertible V8

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16.02.2017 – km-Stand 4.488 | Mehr Sein als Schein

Temperaturen und Witterungsbedingungen zwangen uns dazu, den Camaro mal von einer ganz anderen Seite kennenzulernen – und das brachte Dinge zum Vorschein, die wir so nicht erwartet hätten.

 

Die Sprachsteuerung – Kommunikativer als mancher Beifahrer

Mehrfach nutzten wir die im Camaro Convertible verbaute Sprachbedienung, in erster Linie um der Navigation eine Zieladresse in den Block zu diktieren, aber auch, um Telefonanrufe über die Freisprechanlage zu tätigen.

 

Gedrückt – Ein Knopfdruck reicht; danach werden Kommandos über die Sprache gegeben

 

Sehr zu schätzen wissen wir den Eifer, mit dem das System auch bei kaltem (und sehr lautem) Motor ohne Fehl und Tadel Adressen erkennt und man folglich nur noch den Start-Button drücken muss, um die Navigation zu starten.
Sehr interessant ist hierbei, dass der Camaro nicht nur die Lautstärke der Musik herabsetzt, die Lüftung wird ebenfalls auf ein Minimum reduziert, sodass ein möglichst leiser Innenraum und dementsprechend wenig Störgeräusche die Folge sind.

Die Freisprechfunktion ist ebenfalls auf einem Level mit den Platzhirschen der Fahrzeugklasse. Kontinuierlich und ohne große Schwingungen in Tonlage und -ausprägung können so auch über längere Zeit angenehm Gespräche geführt werden. Lediglich hin und wieder kommt die Stimme des Gegenübers ein wenig blechern daher, das ist jedoch zum einen vom genutzten Provider abhängig und zum anderen eher zu vernachlässigen.

 

Genau – Die Sprachsteuerung versteht fast jeden Befehl, den man ihr ins System diktiert

 

Ebenfalls kann der Fahrer der Sprachsteuerung Musikwünsche mitteilen. Hierzu sollte man Titel und/oder Interpret jedoch kennen beziehungsweise wissen, wie diese Titel abgespeichert wurden. Auch hier leistet sich das System kaum Schwächen und kann im Alltag voll und ganz überzeugen.

 

Der Schnee/Eis-Modus – Sicherheit, die Vertrauen schafft

Aufgrund der eingangs erwähnten, winterlichen Bedingungen, haben wir die meisten Fahrten der letzten 2.000 KM im sogenannten Snow/Ice – Modus durchgeführt.

Doch wir wollten noch einen Schritt weiter gehen und haben den besagten Modus auf einer abgesperrten Strecke entsprechend ausgereizt. Das Ergebnis war schlicht verblüffend und trägt einen erheblichen Teil zum Vertrauensverhältnis zwischen Fahrer und Fahrzeug bei.

Angewählt wird der besagte Modus – wie auch die anderen drei Modi – über einen Wipp-Schalter unterhalb der Schaltkulisse. Adhoc färbt sich die Ambiente-Beleuchtung in ein frostiges Eisblau, im Kombiinstrument zeigt das hellblaue „S/I“-Symbol die Bereitschaft an.

 

Gewählt – Die verschiedenen Fahrmodi werden über einen Wippschalter eingelegt

 

Auf verschneiter Strecke bahnt sich unser Chevrolet Camaro dann die ersten Meter. Sofort fällt auf, dass die Gasannahme wesentlich kommoder arbeitet, nahezu zart Gasbefehle in Vortrieb umsetzt. Durch die erste Kurve lässt sich der 1,8-Tonnen-Bolide ebenfalls sehr handzahm dirigieren. Ausbrechen des Hecks? Fehlanzeige.

Das unterbindet die Elektronik bereits im Ansatz. Nach gut 100 Kilometern im Schnee/Eis-Modus halten wir in unserem Bordtagebuch fest: Das Camaro Convertible muss im Winter nicht in der Garage bleiben; auch bei widrigsten Bedingungen schafft es der Ami, stets Contenance zu wahren und seine Kraft wohldosiert an die Hinterräder zu leiten.

Erklären lässt sich das wie folgt: Die einzelnen Parameter des Snow/Ice-Modus orientieren sich im Kern an denen des Tour-Modus, sind jedoch noch weiter in Richtung Fahrstabilität optimiert. So stehen keinerlei Performance-Features zur Verfügung, die Klappen im Auspuff sind geschlossen und die Automatik schaltet so früh wie möglich in den nächsthöheren Gang.

 

Gesichert – Im Schnee/Eis-Modus verliert der Camaro nie die Contenance

 

Auf abgesperrter Strecke haben wir dem Camaro Convertible dann mal so richtig die Sporen gegeben. Das Ergebnis: Völlig egal, wie viel Gas man gibt, der Camaro reduziert die Leistung umgehend. Auch bei Vollgas steht dann nur so viel Kraft bereit, wie das Fahrzeug benötigt, um vom Fleck zu kommen.

Das wahnsinnig hohe Drehmoment wird entsprechend sanft auf die beiden hinteren Räder verteilt, sodass ein eventuelles Ausbrechen gemindert beziehungsweise durch das sehr rasch eingreifende ESP komplett verhindert wird. In zügig gefahrenen Kurven führt das dazu, dass die Elektronik den Boliden stets auf Kurs hält und nicht einmal den Anflug von Traktionsverlust toleriert.

Ein solch hohes Maß an Fahrstabilität hätten wir unserem Dauertester wirklich nicht zugetraut!

Im direkten Vergleich mit dem Tour-Modus – der in der Praxis leichte Heckschwänzler zulässt – sorgt das von uns liebevoll „Wintermodus“ getaufte Fahrprogramm für ein Höchstmaß an Sicherheit und steigert so unweigerlich das Vertrauen vom Menschen zur Maschine.

 

Das Fahrverhalten – Unter Vollast ein Rowdy

Auf der Autobahn gibt es für den Chevrolet Camaro vor allem ein präferiertes Verkehrsschild: Das Streckenaufhebungszeichen. Hier offenbart der Ami wieder einmal seine rustikal-raubeinige Seite, die Fans wohl lieben, Komfort-Liebhaber hingegen ein wenig verärgern dürfte. Bei einem Kickdown im Geschwindigkeitsbereich um die 100 km/h haut das Getriebe derart ruppig in einen unteren Gang, dass es selbst der Kaffeebecher im Getränkehalter schwer hat, seinen Inhalt bei sich zu behalten.

 

Gewaltig – Das Getriebe nimmt beim Kickdown keine Rücksicht auf Verluste

 

Ob das tatsächlich so sein soll, konnten wir zunächst nicht sagen. Nach Rücksprache mit dem Händler handelt es sich hierbei tatsächlich um eine Charaktereigenschaft des hubraumstarken Amerikaner, welche die sportliche Abstimmung abermals unterstreichen soll.

 

Der Verbrauch – Von gezügeltem Durst und europäischen Manieren

Ganz im Gegensatz zu der im vorherigen Absatz angesprochenen Thematik erweist sich das Chevrolet Camaro Convertible auch bei widrigen Bedingungen als größtenteils alltagstauglich. Mit gezügeltem Gasfuß ist das Cruisen durch deutsche Innenstädte ebenso wenig ein Problem für den Amerikaner wie der Ausritt über verschneite Landstraßen. Aufgrund nahezu permanent niedriger Drehzahlen, wird der V8 insbesondere bei Überlandfahrten zum richtigen Leisetreter.

Hier wird wieder einmal deutlich, dass der Camaro dem Fahrer stets vermitteln möchte: Alles kann, nichts muss. Die Verbindung zweier grundlegend verschiedenen Charaktereigenschaften schafft eine verblüffende Symbiose aus europäischen Manieren und abrufbarer Brachialgewalt.

 

Gereizt – Die Optik des Camaro Convertible sorgt immer wieder für Aufsehen – und Respekt

 

Eine wichtige Information zum Thema Verbrauch vorab: Das im letzten Beitrag veröffentlichte Bild zeigt einen Durchschnittsverbrauch von 39,9 Litern pro 100 Kilometer auf die letzten gefahrenen 43 Kilometer. Hierbei ist zu erwähnen, dass es sich um die ersten 43 Kilometer handelt.

Durch die vielen Kurzfahrten unter anderem im Hafengelände, in Hallen und unter ähnlichen Bedingungen ergibt sich so dieser horrende Verbrauch. Ein Vergleich ist der Folgende: Sie kaufen sich ein Camaro Convertible und fahren mit ihm jeden Tag zum eine Straße weiter befindlichen Bäcker – ausschließlich. Das macht natürlich niemand und somit ist dieser Kraftstoffkonsum auch keineswegs praxisrelevant.

 

Getrieben – Fast 4.500 Kilometer hat unser Dauertester bereits auf dem Buckel

 

Nach nunmehr gut 4.400 Kilometern können wir dem Camaro entgegen vieler Annahmen einen für seine Motorisierung recht verhaltenen Durst bescheinigen. Exemplarisch hierfür ist eine recht flotte Autobahnfahrt (70%), ein kurzes Stück Landstraße (10%) und eine Fahrt im dichten Stadtverkehr (20%). Rund 12,8 Liter stehen dann auf der Uhr bei einer Außentemperatur von durchschnittlich -4 Grad Celsius. Das ist ein sehr respektabler Wert für einen 6,2-Liter-V8-Motor, der immerhin ein Leergewicht von knapp 1,8 Tonnen bewegt.

 

Genügsam – Für V8-Verhältnisse geht der Verbrauch vollkommen in Ordnung

 

Wir werden im Laufe unseres Dauertestes regelmäßig weitere Verbrauchsangaben veröffentlichen – immer unter verschiedenen Bedingungen.

Text/Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

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8 comments

Hallo Herr Engel,

Lang habe ich nach einem deutschsprachigem Test des Camaro gesucht. Ok, ist natürlich einfach es in der hiesigen Suchmaschine einzugeben, aber egal was man liest, wird immer eine Art Seitenhieb losgelassen, der so gar nicht nötig wäre.
Ich glaube aber mittlerweile verstanden zu haben, dass Chevrolet mit der 6. Generation und zu dem Preis (die V8 Variante), sehr wohl auf Augenhoehe mit hiesigen Premiummodellen zu sein scheint. Und all die getreuen Magazine der deutschen Automobilindustrie findet überall ein Haar in der Suppe. Oder vergleicht Aepfel mit Birnen (M4 mit Competitionpaket, anstatt Serien M4, Tohuwabohu um Audis digitalen Anzeigen, die der Camaro „einfach so“ mitbringt).
Sei es drum, zum Glueck habe ich Ihre Artikel gefunden und habe schon sehnsüchtig auf diesen Update-Artikel gewartet. 😉

Vielen Dank fuer die neutrale Herangehensweise. Liest sich prima. Natürlich lese ich nicht ohne Hintergedanken, habe ich mir die 50th Edition gerade erst bestellt. Und ich kann es kaum erwarten Ihre Erfahrungen selbst zu machen.

Und da es mit der Lieferung noch dauert, wart ich ungeduldig auf ihren nächsten Bericht. 😉

Viele Gruesse und weiterhin viel Spaß beim Testen.

Hallo Herr Taha,

vielen Dank für das angenehme Lob.

Es ist grundsätzlich unsere Maxime, die gesammelten Eindrücke stets neutral wiederzugeben – ohne wenn und aber. Die (Serien-) Ausstattung des Chevrolet Camaro ist in der Tat sehr umfangreich und die Verarbeitung wesentlich besser als noch jene vom Vorgängermodell. Unserer Ansicht nach ist der Camaro der sechsten Generation durchaus auf der Höhe der Zeit und kann mit etablierten Modellen in der Sportwagen-Liga mithalten.

Darüber hinaus gratulieren wir zum neuen Camaro! Wir sind uns sicher, dass Sie mit dem achtzylindrigen Boliden Ihre helle Freude haben werden. 🙂

Weiterhin viel Freude auf unserer Seite und beim Lesen der Testberichte!

Ihr Angelo Engel & NewCarz-Team

Hallo Herr Engel,

ich möchte mich hiermit an den Ausführungen von Herrn Taha anschliessen, auch ich warte auf ein von mir im August bestelltes Cabrio!
Der von ihnen publizierte Dauertest ist für Uns eine Bestätigung, das Richtige bestellt zu haben!!
Bitte weiter so mit ihrem sachlichen Dauertest.

herbys

Hallo Herr Schmidt,

auch Ihnen gratuliere ich im Namen der gesamten Redaktion zum neuen Camaro Convertible! Vielen Dank für das Lob! Der nächste Beitrag ist bereits in Arbeit und wir hoffen, dass Sie auch weiterhin viel Freude an unserer Berichterstattung haben.

Ihr Angelo Engel & NewCarz-Team

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