SUV-Boom hält sich auf Europas Straßen

Porsche Cayenne S Diesel

Jedes vierte neu gekaufte Auto wird in diesem Jahr ein SUV sein – deutlicher kann ein SUV-Boom sich nicht widerspiegeln.


Vergangenen Juli verzeichnete die Europäische Automobilindustrie mit 1.19 Millionen SUV ein weiteres Zulassungsplus von 2.6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

 

Gipfelstürmer auf Europas Märkten

Der internationale Marktbeobachter Jato Dynamics in Limburg teilt mit, dass dies das beste Ergebnis eines Julis seit 2009 und des Weiteren der beste Wert für den Zeitraum Januar bis Juli seit 2008 darstelle. Wohlmöglich könnte dieses Jahr sogar das Spitzenergebnis von 2007 geknackt werden.

Trotz der Zahlen geht die Wachstumsgeschwindigkeit zurück, ein Ende des SUV-Booms ist aber in den nächsten Jahren nicht abzusehen. Mittlerweile sind die Verkaufszahlen so hoch, dass sie die der Kompaktklasse (unter anderem Golf und Audi A3) dieses- oder spätestens nächstes Jahr überholen werden.

 

Was uns am SUV so reizt

SUV´s sind in aller Regel geräumig. Es kommt sehr selten vor, dass man seinen Wochenendeinkauf inklusive mehrerer Getränkekisten in einem SUV nicht unterbringen könnte, und auch der Kinderwagen findet meist seinen Platz, was ihn zu einem interessanten Familienauto macht, sowie für jene, die bereits eine Familie planen.

Aber der Hauptgrund ist dann doch die Sitzhöhe in einem Sports Utility Vehicle. SUV-Fahrer lieben ihre erhöhte Sitzposition, das leichte Ein- und Aussteigen und den guten Überblick über den Verkehr.

 

Land Rover Discovery 2015
Hochbeinig ist in – Die Übersicht durch hohe Sitzposition ist einer der Hauptkaufgründe.

 

Manch einer schätzt auch die hervorragenden Zugeigenschaften, gerade wenn man Reitfreund oder Wohnwagenbesitzer ist, auch wenn das an der breiten Masse vorbeigehen dürfte.

Zu guter Letzt kommt das erhöhte Sicherheitsgefühl, wenn man in so einem SUV-„Panzer“ über die Straßen rollt. Gänzlich kann man das Plus an passiver Sicherheit durch die erhöhte Sitzposition und das Plus an verformbaren Blechkleid ringsum letztendlich eh nicht von der Hand weisen.

 

Die beliebtesten Modelle

Die meisten Neuwagenkunden entschieden sich im Juli nicht für die größten Versionen, sondern für einen Klein-, Kompakt- oder Midsize-SUV. Obwohl die meisten PKW-Segmente Einbußen erlitten, nahmen die SUV-Käufe um 18,3 Prozent auf über 350.000 verkaufte Fahrzeuge zu.

 

 

In Folge dessen verbuchen die SUV einen Rekord-Marktanteil von 29,4 Prozent. Mit rund einer Million verkauften Fahrzeugen seit Jahresbeginn knacken die kompakten SUV die Zehn-Prozent-Marke und mit einem Absatzzuwachs um 16 Prozent wurden allein  im Juli 12.100 Fahrzeuge verkauft.

Ganz besonders trugen der Toyota C-HR, der Audi Q2, der Opel Crossland X, als auch der Mini Countryman dazu bei.

 

Japanischer Verkaufsschlager – der C-HR geht „wie geschnitten Brot“.

 

Im Volkswagen-Konzern musste eine Reduktion des Marktanteils von 24.8 auf 24.5 verbucht werden. Trotzdem stieg der Absatz um 1.2 Prozent, was sich vor allem auf die SUV’s der gut abschneidenden Marken Seat mit dem Ateca und Porsche mit dem Macan und dem Cayenne zurückführen lässt.

 

SUV-Zahlen in der EU

In Frankreich legte der Absatz im Juli gegenüber dem Vorjahresmonat um ganze 10,8 Prozent zu. Dadurch trägt Frankreich wesentlich zum positiven Gesamtergebnis in Europa bei. Gründe für diesen starken Anstieg sind ein verbessertes Privatkundengeschäft und auch eine größere Nachfrage nach den eigenen Marken.

 

Seat Areca vorne
Erfreut eine große Anzahl SUV-Fans – der Seat Ateca.

 

In Polen ist der Anstieg mit rund 17 Prozent noch größer, wodurch Polen nun dank zunehmender Geschäftskundenzahlen zu den sechs größten europäischen Fahrzeugmärkten zählt. Lediglich in Großbritannien ist ein Rückgang der Zulassungen um 9,3 Prozent festzustellen. Aufgrund der durch den Brexit anhaltenden Unsicherheit, hält man sich mit Autokäufen im Vereinigten Königreich zurück.

 

Folgen für das Klima

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) warnt vor dem SUV-Boom. Der steigende Kauf von größeren und somit mehr Treibstoff verbrauchenden Fahrzeugen stehe laut dieser Agentur mit den EU-Klimazielen für 2021 im Konflikt.

Sofern sich das Kaufverhalten der Deutschen sich nicht zugunsten von kleineren Fahrzeugen und alternativen Antrieben verändert, prognostiziert die Dena einen durchschnittlichen Emissionswert der Gesamtfahrzeugflotte von 111 Gramm, anstatt der zu erreichenden 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer.

Ob der anhaltende SUV-Boom letztendlich das Zünglein an der Waage sein soll, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Text: NewCarz / Bilder: Jato Dynamics, NewCarz

Schreibe einen Kommentar