Mercedes-Benz S 560 L – Gediegener Gleiter

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic

Kaum ein anderes Modell verkörpert die deutsche automobile Oberklasse besser als das Flaggschiff der Stuttgarter, welche in ihrer jüngsten Generation als Mercedes-Benz S 560 L 4Matic vor Kurzem zu einem Test antreten durfte.

Bereits seit 1972 bereichert die S-Klasse die Straßen dieser Welt um eine bis dato ungeschlagen komfortable Luxuslimousine. Doch geht die eigentliche Geschichte der staatstragenden Limousine mit der Bezeichnung „S“ sogar noch weiter bis ins Jahr 1965 zurück.

Heute, 53 Jahre später, steht das Facelift der zehnten Generation bei den Händlern und buhlt nach wie vor mit unübertrefflichem Komfort um die Gunst der Kunden.

Ob auch das neue Modell den modernen Ansprüchen gerecht werden kann? Der Alltagstest soll hierüber Aufschluss geben. Fahrbericht.

 

Exterieur – Klassik der Moderne

Der Mercedes-Benz S 560 L offeriert dem Betrachter bereits auf den ersten Blick eine Limousine aus dem Lehrbuch. Wohl proportioniert und mit der nötigen Präsenz zeugt unser in Obsidianschwarz lackierter Testwagen von einem beinahe majestätischen Antlitz und es bleibt kein Zweifel übrig, dass es sich hierbei um das Flaggschiff aus Stuttgart handelt.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic
Moderne Interpretation einer klassischen Limousine – Der Mercedes-Benz S 560 L 4Matic.

 

Die Front trägt mit Stolz den Mercedes-Stern und wartet mit einem massiven Kühlergrill auf, der im Falle des S 560 mit drei Lamellen bestückt ist. Darunter befinden sich feine, beinahe filigran gezeichnete Chromapplikationen, welche in die wabenartige Struktur der Lufteinlässe integriert wurden.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic LED Fackeln
Flaggschiff – Die drei LED-Fackeln sind exklusiv der S-Klasse vorbehalten.

 

Als Highlight und als markanteste Änderung des neuen Modells dürfen die überarbeiteten Scheinwerfer gelten. Wobei überarbeitet hier irreführend ist — eigentlich handelt es sich um komplett neu entwickelte Exemplare. Diese bieten als unverwechselbares Erkennungszeichen die drei „Fackeln“ — drei geschwungene LED-Leuchstreifen, die für Stand-, Tagfahrlicht und Blinker zuständig sind. Darüber hinaus markieren sie aufgrund ihrer Anzahl die Topstellung des Fahrzeugs. Die C- beziehungsweise E-Klasse müssen mit einer, respektive zwei Fackeln auskommen.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Felgen Seite
Stringente Linienführung – Nicht einmal die Felgen polarisieren im schwäbischen Spitzenmodell.

 

Von der Seite betrachtet, setzt sich die einst angesprochene Stringenz fort. Keine Spielereien, kein Kitsch und vor allem keine störenden Designeinflüsse — jeder Zentimeter des Mercedes-Benz S 560 L bietet dem geneigten Betrachter die Anmutung einer klassischen Limousine, die in ihren Grundzügen niemals mehr sein möchte, als die beste Staatskarosse — konkurrenzlos, versteht sich.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic
Staatstragend – Auch von hinten vermittelt die S-Klasse einen seriösen Eindruck.

 

Um diesem Anspruch auch bis zum Ende gerecht zu werden, verwundert es wenig, dass auch das Heck des Mercedes-Benz S 560 L mit Übermut glänzt. Ein geschwungener, nahezu schnörkelloser Abschluss ergibt sich durch klare Linien, ein wenig Chrom und harmonisch integrierte Heckleuchten.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Heckleuchten
Schnörkellos – Die LED-Heckleuchten bieten im neuen Modell eine Kristalloptik.

 

Das bildhübsche Stufenheck trägt ebenfalls den Stern am Kofferraumdeckel, während eine breite Chromleiste ebendiesen unterstreicht. Diese Designlinie wird weiter unten wieder aufgegriffen, indem die dezent proportionierten Endrohrblenden mit einer Chromspange verbunden werden. Um diese Symmetrie aufrechtzuerhalten, wurde der Modellschriftzug links und der Hinweis auf die 4Matic-Version rechts platziert.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Abgasendrohre
Understatement – Die Endrohre üben sich in Zurückhaltung.

 

Die LED-Heckleuchten bieten im Übrigen eine Art Kristalloptik, die bei genauerer Betrachtung würdevoll die schnörkeligen Pendants des Vorfacelifts ersetzt. Bei Ver- beziehungsweise Entriegeln des Fahrzeugs, werden sukzessive jede einzelne der drei Ebenen dynamisch ein- beziehungsweise ausgeschaltet.

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Interieur – Loungeambiente par excellence

Der Innenraum des Mercedes-Benz S 560 L definiert den Begriff „Wohlfühlambiente“ neu. Nimmt man das erste Mal in der schwäbischen Luxuslimousine Platz, so gleicht dies einem Eintritt in eine Welt der Noblesse.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Interieur
Rollende Wellness-Lounge – Das Interieur der S-Klasse wirkt zeitgemäß und modisch.

 

Feinstes Leder, Aluminium und Echtholz wechseln sich gekonnt ab und offerieren dem künftigen Besitzer eine Symbiose des Luxus, die in ihren Wesenszügen noch immer konservativ gehalten ist. Doch auch die Moderne wurde hier gekonnt integriert. So bietet ein 12,3 Zoll großes Zentraldisplay den Überblick über alle wichtigen Informationen und auch die Tachoeinheit — sieht sie auch noch immer analog aus — besteht aus einem ebenfalls 12,3 Zoll großen Display. Der Clou ist das gemeinsame Deckglas, welches die beiden Displays optisch zu einer Landschaft verschmelzen lässt.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Zentralbildschirm
Großer Screen – Ablesbarkeit und Darstellung der Menüs sind weitgehend intuitiv.

 

Die Sitze sind in unserem Testwagen in Porzellan-Weiß ausgeführt und mit Nappaleder bespannt. Die Kontrastfarbe ist ein klassisches Schwarz, welches insbesondere den unteren Bereich der S-Klasse sowie den Dachhimmel gekonnt in Szene setzt. Für die Armaturen wurde ein dunkelbraunes Echtholz mit einer speziellen Maserung verwendet. Hierbei handelt es sich um ein Wurzelnuss-Holz, welches im Innenraum der Limousine adäquat zur Geltung kommt.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Sitze Porzellan
Porzellan – Die Lederfarbe passt gut zum ansonsten dunkel gehaltenen Innenraum.

 

Im Übrigen bestechen die Sitze vorne wie hinten mit einem enormen Komfortlevel und dürfen in puncto Bequemlichkeit und Ergonomie als State-Of-The-Art-Gestühl angesehen werden. Darüber hinaus warten die vorderen und die hinteren Plätze mit einer Sitzheizung sowie auf Wunsch mit einer aktiven Sitzklimatisierung auf. Auch sind die Armauflagen beheizt und lassen sich über das Zentraldisplay mit der Sitzheizung koppeln.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Lenkrad
Haptisch einwandfrei – Das Lederlenkrad des Mercedes-Benz S 560 L 4Matic.

 

Das Lenkrad des Mercedes-Benz S 560 L 4Matic liegt ausgesprochen gut in der Hand und wartet darüber hinaus mit integrierten Touch Control Buttons auf. Diese schwarzen, berührungssensitiven Tasten funktionieren wie der Touchscreen eines Smartphones und so können mittels Wischen mit dem Daumen diverse Befehle gegeben werden, ohne die Handstellung am Lenkrad erheblich zu ändern.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Touch Control Button
Touch Control Buttons – Die schwarzen Tasten reagieren auch auf Wischbewegungen.

 

Ansonsten ist der Arbeitsplatz eines S-Klasse-Fahrers durch und durch aufgeräumt und strukturiert. Es gibt eine Handvoll Schalter in der Mittelkonsole, die weitestgehend für die Bedienung der Klimaeinheit zuständig ist. Eine weitere Knopfleiste befindet sich links vom Lenkrad und aktiviert beziehungsweise deaktiviert unter anderem Nachtsichtassistent, Head-Up-Display oder Lenkassistent.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Displays
Display-Landschaft – Zentraldisplay und Tachoeinheit verschmelzen optisch miteinander.

 

Das massive Cockpit wirkt für die ersten Minuten wie eine Festung. Hoch gebaut und mit massivem Charakter, erweist sich der Innenraum als erheblich präsenter als beispielsweise im BMW 7er, bei dem wiederum alles etwas niedriger und fahrerzentrierter angeordnet ist. Doch schon nach kurzer Zeit hat man sich an die hohe Anordnung gewöhnt und kommt nach und nach in den Genuss der vielen Annehmlichkeiten.

Apropos: Die Mittelkonsole beherbergt eine weitere Besonderheit des Mercedes-Benz S 560 L 4Matic. Über ein Touchpad lassen sich nun auch Fahrzeugfunktionen steuern, was nach einiger Übung für weniger Ablenkung beim Fahrer sorgt.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Touchpad
Eingewöhnung nötig – Danach lassen sich die meisten Befehle mittels Touchpad steuern.

 

Da es sich beim unserem Testwagen um die Langversion handelt, möchten wir uns nachfolgend noch einmal mit dem Fond befassen.

Hier wartet unser Testwagen unter anderem mit USB-Anschlüssen, elektrisch verstellbaren Sitzen sowie Sitzheizung und Sitzbelüftung auf. Wir gehen davon aus, dass die meisten Langversionen darüber hinaus mit einem Fond Entertainment Paket sowie Massagesitzen hinten ausgerüstet werden. Im Falle unseres Testwagens war dies jedoch nicht der Fall.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Schminkspiegel hinten
Vom Feinsten – Die hinteren Passagiere kommen in den Genuss eigener Schminkspiegel.

 

Dafür befand sich das sogenannte Chauffeur Paket an Bord, welches dem Passagier hinten rechts ermöglicht, den Beifahrersitz um bis zu 7,7 Zentimeter weiter nach vorne zu bewegen. Hierdurch entsteht ein großes Plus an Beinfreiheit. Darüber hinaus wartet der hintere rechte Sitz mit einer elektrisch ausfahrbaren Fußstütze auf.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Mittelarmlehne hinten
Staufach und Cup Holder – Die Mittelarmlehne kann auf Wunsch nach hinten geklappt werden.

 

Ebenfalls optional ist der Executive Sitz, der quasi eine Erweiterung des Chauffeur Paketes darstellt. Per Tastendruck lässt sich der rechte Fondsitz in eine Liegeposition bringen, welche durch die elektrische Fußstütze des Chauffeur Paketes und die hochgefahrene Beinauflage eine ganzheitliche Lösung für entspanntes Reisen verkörpert. Hierfür werden rund 1.130 Euro fällig.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Fond
Fond de Luxe – In der langen S-Klasse herrschen majestätische Platzverhältnisse.

 

Ein weiteres Beispiel für überlegenen Komfort auf den hinteren Plätzen ist der sogenannte First-Class Fond, der seinem Namen augenscheinlich auch gerecht zu werden scheint. Mit diesem Ausstattungspaket wird der Mercedes-Benz S 560 L 4Matic zu einem Viersitzer, eine durchgängige Business-Konsole bietet eine deutliche Abgrenzung zum Nachbarsitz.

Ebenfalls Bestandteil dieses rund 1.370 Euro teuren Paketes sind zwei temperierte Getränkehalter samt blauer beziehungsweise roter Funktionsbeleuchtung — je nachdem, ob das Getränk gekühlt oder gewärmt wird — sowie einem beleuchteten Ablagefach, zwei 12-Volt-Steckdosen und je einem USB- und AUX-In-Anschluss.

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Motor & Fahreigenschaften – Kraftvolles Understatement

Mit dem Einzug der neuen S-Klasse wurden auch die Modellbezeichnungen geändert, was sich bereits im Namen unseres Testwagens widerspiegelt. Hieß das Vorgängermodell mit potentem V8-Motor noch S 500, trägt diese Bezeichnung nun ein 435 PS starker Reihensechszylinder mit 520 Newtonmetern.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Motor
Kraftpaket – Der Vierliter-V8 leistet mit Unterstützung eines Biturbo 469 PS.

 

Doch der besagte Achtzylinder existiert nach wie vor. In unserem Mercedes-Benz S 560 L 4Matic schlägt ein Vierliter-V8 mit Biturbo-Aufladung und 469 PS sowie einem maximalen Drehmoment von 700 Newtonmetern als kraftvolles Herz. Die Bezeichnung 4Matic verrät, dass die Kraftübertragung über einen permanenten Allradantrieb auf alle vier Räder stattfindet.

Wir beginnen unseren Test mit einer Fahrt aus der Redaktionstiefgarage und stellen erstaunt fest, dass das Fahrzeug dank seiner Allradlenkung erstaunlich wendig wirkt. Zugegeben, beim Rangieren macht sich nach wie vor die Länge des Fahrzeugs bemerkbar, doch in Anbetracht der Abmessungen von knapp 5,26 Meter Gesamtlänge, wirkt dies durchaus agil.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Schriftzug
Sicherheitsgarant – Der permanente Allradantrieb verteilt die 700 Nm auf alle vier Räder.

 

Im innerstädtischen Bereich macht der Achtzylinder kaum auf sich aufmerksam, was wir bereits in der Tiefgarage im Bordbuch notierten. Kein heiseres Bellen, kein sonores Blubbern. Absolutes Understatement also. Möchte man den Achtzylinder akustisch wahrnehmen, so muss man fast schon bodennah an den Endrohrblenden horchen — erst dann vernimmt man ein leichtes, V8-typisches „Bollern“, das jedoch eher einem zarten Säuseln gleichkommt. Dies kennt man äußerst selten von einem Achtzylinder.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Startknopf
Edler Taster – Der Startknopf fügt sich harmonisch und hochwertig in seine Umgebung ein.

 

Doch ist dies besonders für die Ruhe im Innenraum von erheblicher Bedeutung. Während unserer Fahrt durch den dichten Feierabendverkehr einer deutschen Großstadt, herrscht im Innenraum absolute Stille, die weder durch Abrollgeräusche, noch durch eine säuselnde Klimaanlage unterbrochen wird. Die Lenkung zeigt sich sehr leichtgängig und das Fahrwerk scheint auf jede Art von Unebenheiten bestens geschult worden zu sein. Fahrbahnrillen, Gullydeckel und sogar Kopfsteinpflaster dringen so gut wie überhaupt nicht in den Innenraum vor, was bis dato kaum eine Luxuslimousine in ähnlicher Manier vorweisen konnte.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Wurzelnuss Holz
Hölzern-schön – Das Wurzelnuss Holz harmoniert mit dem hell abgesetzten Leder.

 

Hieran ist ein Ausstattungsumfang maßgeblich beteiligt: Das sogenannte Magic Body Control samt Road Surface Scan. Wie der Name bereits vermuten lässt, handelt es sich hierbei um ein aktives Luftfahrwerk mit variablen Dämpfern, die kontinuierlich auf die entsprechende Situation reagieren. Das sogenannte Road Surface Scan sorgt derweil für Vorausschau.

Eine Stereokamera „scannt“ die Straße und erkennt deren Beschaffenheit inklusive Unebenheiten, Schlaglöchern oder ähnlichem und leitet diese Informationen an das Fahrwerk weiter. Dieses wiederum ist in der Lage, jedes einzelne Rad auf die kommende Fahrbahnsituation einzustellen und stets den bestmöglichen Fahrkomfort herbeizuführen.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Automatik Wählhebel
Saubere Schaltung – Die 9G-Tronic wies im Test keinerlei Schwächen auf.

 

Auf der Landstraße zeigt sich der Mercedes-Benz S 560 L 4Matic wenig überraschend noch immer so leise wie in urbanen Gefilden. Während der Achtzylinder bei rund 1.200 Umdrehungen die benötigte Leistung eher locker aus dem Ärmel schüttelt als sich wirklich anzustrengen, darf sich der Fahrer über absolute Spurtreue und ein sehr neutrales Fahrverhalten freuen. Auch die Länge macht sich nur in sehr engen Kehren bemerkbar, ansonsten unterstützt die Vierradlenkung maßgeblich.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic LED Heckleuchten
Wiedererkennungswert – Die drei LED-Ebenen greifen das Design der Frontscheinwerfer auf.

 

Möchte man etwas an der S-Klasse kritisieren, so ist dies höchstens der Mangel an sportlichen Ambitionen, was sich vor allem in zügig durchfahrenen Kurven bemerkbar macht. Sobald ein Ausbrechen droht, reagieren verschiedene Systeme und regeln die Leistung sofort herunter, sodass der Fahrer binnen Sekundenbruchteilen wieder die volle Kontrolle über das Fahrzeug hat. Was der Sicherheit maßgeblich zuträglich ist, hemmt den Fahrspaß gewissermaßen. Doch hier endet auch die Kritik, denn ist eine Luxuslimousine per definitionem anderen Tugenden verpflichtet.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Schaltwippen
Vorhanden, wenn gewünscht – Die dezent platzierten Schaltwippen hinterm Lenkrad.

 

Die Autobahn darf gut und gerne als favorisiertes Territorium des Mercedes-Benz S 560 L 4Matic angesehen werden. Hier spielt die deutsche Luxuslimousine ihre Vorzüge in vollem Maße aus und so verwundert es wenig, dass selbst 800 Kilometer am Stück wie im Fluge vergehen und nicht einmal bei den hinteren Insassen den Hauch von Kritik zurücklassen.

Doch nicht nur der Langstreckenkomfort ist an dieser Stelle bemerkens- und erwähnenswert. Auch die Beschleunigung ist  — gelinde gesagt — brachial. Der Schub, den der V8 der gut 2,1 Tonnen schweren Limousine verpasst, ist derart stark, dass selbst der Fahrer die positiven G-Kräfte deutlich spürt. Im Übrigen ist das schnelle Beschleunigen samt hohem Ausdrehen der Gänge der einzige Moment, in dem man den V8 akustisch bei seiner Arbeit vernehmen kann. Doch selbst hier hält sich Achtzylinder dezent zurück und legt seine Energie lieber in Vortrieb als in eine ausgefallene Klangkulisse.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Modellbezeichnung
Standesgemäße Motorisierung – Der S 560 ist der neue S 500 mit V8-Aggregat.

 

Um den Vortrieb noch einmal auf den Punkt zu bringen: Von Null bis Tempo 100 vergehen gerade einmal 4,6 Sekunden, bei 250 km/h wird die S-Klasse elektronisch abgeregelt. Übrigens: Dank der hochmodernen Neungang-Automatik stehen bei 170 km/h gerade einmal 2.000 Umdrehungen pro Minute auf dem Drehzahlmesser, bei 200 Sachen sind es nicht einmal 300 Umdrehungen mehr.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Hochleistungs-Bremsen
Hochleistungs-Bremsanlage – Die gelochten Scheiben verraten die vehementen Varianten.

 

Bei derartigen Geschwindigkeiten sind gute Bremsen einer der wichtigsten Sicherheitsgaranten des Fahrzeugs. Im Falle unseres Testwagens kamen wir in den Genuss von üppig dimensionierten, innenbelüfteten und gelochten Scheibenbremsen vorne und hinten. Selbst nach insgesamt fünf Bremsungen aus hohen Geschwindigkeiten konnten wir nicht einmal annähernd Leistungsverlust feststellen.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Individual Modus
Auf Wunsch konfigurierbar – Der Individual Modus.

 

Doch bei all der Leistung zeigt sich die S-Klasse nach wie vor nicht so fahraktiv und sportlich wie beispielsweise der BMW 7er. Der Mercedes-Benz S 560 L 4Matic ist der Inbegriff von Reisekomfort und wurde von allen Redakteuren unisono als „Sänfte par excellence“ tituliert. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen mit Ausnahme einer neuen Technik mit dem Namen „Kurvenneigefunktion“.

Wie dieser bereits verrät, handelt es sich hierbei um eine Art Wankstabiliserung, welche die Karosserie bis zu 2,65 Grad zum Kurveninneren neigen kann. Auf diese Weise werden die auf die Passagiere wirkenden Querkräfte bei schneller Kurvenfahrt minimiert, was wir während unseres Testes oftmals erfahren konnten und als eines der sinnvollstes Features der neuen S-Klasse deklariert haben.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Comfort Modus
Die ideale Wahl für den komfortable S-Klasse – Der Comfort Modus.

 

Der Mercedes-Benz S 560 L 4Matic verfügt über verschiedene Fahrmodi. Neben dem Modus Comfort, stehen ein Eco sowie ein Sport und ein Individual Modus zur Verfügung. Wir können bereits jetzt verraten, dass das am besten zum Fahrzeug passende Fahrprogramm den Namen Comfort trägt. Hier ist die S-Klasse genau das, was sie sein soll und wofür sie schon seit Jahrzehnten steht: Ein komfortabler Gleiter mit äußerst potentem Antrieb, der in seinen Grundfesten jedoch stets den Fokus auf Fahrkomfort und weniger auf Sportlichkeit legt.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Eco Modus
Sparsames Vorankommen trotz V8 – Der Eco Modus.

 

Möchte man zusätzlich Kraftstoff sparen, empfiehlt sich der Eco Modus. In diesem Programm werden verschiedene Parameter heruntergefahren, um den Verbrauch zu senken. Dies geschieht größtenteils für den Fahrer unmerklich, lediglich die Gasannahme reagiert ein wenig verzögert beziehungsweise benötigt mehr Pedalweg, um den gewohnten Vortrieb zu generieren. Auch beherrscht die S-Klasse das sogenannte „Segeln“. Hier wird quasi ausgekuppelt und das Fahrzeug rollt bis das Gaspedal erneut betätigt wird.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Sportmodus
Der Dynamik zuträglich, aber wenig zum Charakter passend – Das Fahrprogramm Sport.

 

Der Sportmodus hingegen härtet unter anderem Fahrwerk und Lenkung und sorgt für ein höheres Ausdrehen der einzelnen Gänge. Was bei vielen Fahrzeugen ein gern gewählter Modus sein mag, ist bei der S-Klasse aus Sicht der Redaktion nicht zwingend erforderlich. Hier versucht das Fahrzeug etwas zu sein, was es nicht ist und dies wird dem erfahrenen Fahrzeugführer in einigen Situationen bewusst.

Das extrem komfortable Fahrwerk wartet auch im Sportmodus nicht mit der nötigen Agilität auf, die man beispielsweise aus dem BMW 7er kennt, sondern wirkt gewissermaßen „künstlich erhärtet“ und auch das hohe Ausdrehen der Gänge ist aufgrund des bärenstarken Drehmomentes überhaupt nicht nötig. Während unserer Testfahrten auf der Autobahn wurde uns in vielen Situationen klar, dass die S-Klasse sich hier nichts beweisen muss und so schalteten alle Redakteure regelmäßig wieder zurück in das Fahrprogramm Comfort.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Verbrauch
Gemäßigter Verbrauch – Knapp zwölf Liter sind für die gebotene Leistung absolut akzeptabel.

 

Bei einer derartigen Leistung und hohen Geschwindigkeiten gingen wir — realistisch betrachtet — von einem Verbrauch um die 15 Liter pro 100 Kilometer aus. Doch weit gefehlt. Der Achtzylinder des Mercedes-Benz S 560 L erwies sich tatsächlich als eines der sparsamsten V8-Triebwerke und kam mit durchschnittlich 11,7 Litern Super pro 100 gefahrener Kilometer aus. Im Rahmen unserer Verbrauchsfahrten haben wir zudem festgestellt, dass bei gewähltem Eco-Programm und gemäßigtem Gasfuß auch eine Acht vor dem Komma nicht unrealistisch ist. Unser Minimalverbrauch lag sogar bei 7,9 Litern pro 100 Kilometer trotz Nutzung von Klimaanlage, Sitzheizung, Abblendlicht, Massage und Radio.

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Technik & Assistenz – Die höchste Messlatte

Bereits in der Basis ist der Mercedes-Benz S 560 L mit einer üppigen Ausstattung bestückt, die sich jedoch auf Wunsch nach Belieben erweitern und so noch üppiger gestalten lässt.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Burmester Surround Soundsystem
Akustische Oberliga – Das Burmester Surround Soundsystem im S 560.

 

An Bord unseres Testwagen befand sich das Burmester Surround Soundsystem, welches quasi das „Kleine“ der beiden angebotenen Systeme darstellt. Doch wer nun an ein Standard-Soundsystem denkt, der liegt gehörig falsch. Die feine Auflösung, welche bereits durch die ersten Klänge ertönen, sind weit, meilenweit entfernt von Standard und sprechen eine eindeutige Sprache. Selbst die erste Ausbaustufe der Burmester-Anlage spricht für das Berliner Unternehmen, die nur eine Handvoll Automarken mit ihren High-End-Systemen bestücken.

Sei es die zärtlich-dramatische Stimme Lily Kershaws in ihrem Song „As it seems“ oder die heftige Dynamik von „Faith, Hope, Love“ der Band Starsailor — diese Lautsprecher fürchten weder Genre noch Lautstärke und selbst arg bassbetonte elektronische Musik wird 1:1 wiedergegeben — ohne jedwede Verzerrungen.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Knopfleiste Mittelkonsole
Eine Handvoll Tasten – Der Rest wird über das Infotainment gesteuert.

 

Ein noch darüber platziertes und absolutes High-End-Erlebnis bietet derweil das Burmester High-End 3D-Surround-Soundsystem, welches mit gut 7.600 Euro zu Buche schlägt.

Der DAB+ Empfang konnte im Test ebenfalls positive Kritik für sich verbuchen. Selbst auf empfangsschwachen Strecken blieb der DAB-Empfang nie länger als zwölf Sekunden aus.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Fond Sitze
Volles Programm – Für den Fond gibt es Sitzheizung und -belüftung, Massage und vieles mehr.

 

Selbstverständlich verfügt der Mercedes-Benz S 560 L auch über eine Lenkradheizung, die jedoch nicht zur Serienausstattung gehört und auch nicht an Bord unseres Testwagens war. Dafür gab es eine sehr rasch agierende Sitzheizung, die über den Zentralbildschirm entsprechend konfiguriert werden kann. Neben der Heizungsverteilung zwischen Rücken und Sitzfläche, steht auch eine Flächenheizung bereit, welche die Armlehnen ebenfalls zügig erwärmt.

Die Sitzbelüftung verrichtet ihre Arbeit beinahe geräuschlos und kühlt sowohl Rückenlehne als auch Sitzfläche in weniger als 20 Sekunden angemessen herunter. Selbstredend gibt es sowohl Heizung als auch Belüftung für die vorderen und für die hinteren Sitze.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Massage
State-Of-The-Art-Massage – Die „Hot-Relaxing“ Massage mauserte sich zum favorisierten Programm.

 

Gleiches gilt für die Massagefunktion der S-Klasse. Hier wird eine Vielzahl an Massageprogrammen geboten, die für jede Präferenz eine passende Option bietet. Eine besondere Empfehlung sprechen wir für die „Hot Relaxing Massage“ aus, die einer konventionellen Hot-Stone-Massage ähnelt. Erwärmte, runde Elemente werden mit der gewünschten Intensität in den Rücken gedrückt und sorgen so für maximale Entspannung. Wir möchten an dieser Stelle erwähnen, dass der Mercedes-Benz S 560 L von allen bisher getesteten Fahrzeugen die besten Massagesitze offeriert.

Sehr einfallsreich ist darüber hinaus die Auswahl aus verschiedenen „Mood-Programmen“, welches Bestandteil der sogenannten Energizing Komfortsteuerung ist. Diese Ausstattung vernetzt verschiedene Komfort- und Entertainmentsysteme im Fahrzeug miteinander und schafft so das ideale Wohlfühlambiente für die aktuelle Stimmung von Fahrer oder Passagieren. So bietet alleine die optionale Ambientebeleuchtung 64 Farben und zehn Farbwelten. Darüber hinaus greift das System auch auf Klimaanlage, Sitzheizung und -belüftung, Massage, Musik und sogar auf die Flächenheizung zu.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Wärme
Wärme – Dieses Programm spendet Licht und beheizte Flächen im gesamten Fahrzeug.

 

Im Hintergrund wird gespeicherte Musik derweil auf die „beats per minute“ analysiert und den Programmen entsprechend zugeordnet.

So wartet das Programm „Behaglichkeit“ mit Sitzheizung, wohligen Klängen und einer entspannenden Massage auf, während „Vitalität“ die Sitzbelüftung aktiviert, House Musik spielt und die Temperatur der Klimaanlage erheblich senkt.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Behaglichkeit
Behaglichkeit – Sanfte Farben und wärmende Massagen steigern das Wohlbefinden.

 

Was im ersten Moment nach einer überflüssigen Spielerei klingt, erwies sich in der Praxis als durchaus praktisch. Daher gehen wir davon aus, dass Kunden Gefallen an diesem System finden dürften, sofern sie erst einmal ihr Lieblingsprogramm gefunden haben. Im Übrigen erübrigt dies dann auch die Aktivierung einzelner Systeme, was nicht nur Zeit spart, sondern auch dem Anspruch der S-Klasse gerecht wird.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Freude
Freude – Sommerliche Musik und helles Licht erzeugen ein positives Ambiente.

 

Auch eine Beduftung des Innenraums ist für die S-Klasse erhältlich und ist Bestandteil des Air Balance Pakets. Verschiedene Düfte sorgen hier in einem Glasflakon für deutlich wahrnehmbare olfaktorische Untermalung, die im Falle unseres Testwagens den Namen „Freeside Mood“ trug und auf durchweg positive Resonanz stieß.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Vitalität
Vitalität – Sitzbelüftung, kräftiges Licht und schnelle Elektro-Beats garantieren Lebensfreude.

 

Eine kleine, aber nicht zu verachtende Ausstattung ist das soggenante Magic Vision Control. Sie umfasst beheizte Scheibenwischer, Wischwasserbehälter und -schläuche. Über kleine Düsen wird die Flüssigkeit direkt vor den Wischerblättern auf die Scheibe gesprüht und gleich darauf weggewischt. So wird die Scheibe effektiver gereinigt und der Rest des Fahrzeugs wird vor etwaigen „Wischwasserduschen“ verschont.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Frische
Frische – Kühlende Winde aus der Lüftung, markante Musik & eine starke Beduftung erfrischen.

 

Rund um das Thema Erreichbarkeit bietet Mercedes verschiedene Versionen seiner Telefonie-Pakete an. An Bord unseres S 560 befand sich die Multifunktions-Telefonie, welche eine kabellose Verbindung des eigenen Mobiltelefons mit der LTE-fähigen Außenantenne des Fahrzeugs herstellen kann. Darüber hinaus kann das Smartphone — ebenfalls kabellos — geladen werden.

Optional steht für rund 1.130 Euro die Business-Telefonie zur Wahl. Diese inkludiert einen Bluetooth-Bedienhörer samt Ladeschale in der Fondarmlehne und ermöglicht eine Gesprächsübergabe von vorne nach hinten und andersrum.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Head-Up-Display
Detailliert und informativ – Das optionale Head-Up-Display ist eine Empfehlung der Redaktion.

 

Als überaus hilfreich erwies sich das optionale vollfarbige Head-Up-Display, welches mit rund 1.200 Euro zu Buche schlägt. Aus unserer Sicht sollte das Kreuz auf der Ausstattungsliste bei diesem Punkt nicht fehlen.

Selbstredend kommt im Mercedes-Benz S 560 L 4Matic die neueste Lichttechnik zum Einsatz. Diese heißt bei den Stuttgartern jedoch nicht Laserlicht, sondern Multibeam LED. Diese Voll-LED-Scheinwerfer verfügen über 84 LEDs pro Scheinwerfer und über sogenanntes Ultra Range Fernlicht. Letzteres erreicht bisweilen die zulässige Obergrenze, sodass erst in über 650 Metern der Referenzwert von einem Lux unterschritten wird.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Multibeam LED Abblendlicht
Extrem hell und homogen – Das Abblendlicht der Multibeam LEDs lässt keine Wünsche offen.

 

In der Praxis bieten die Multibeam LED Scheinwerfer ein breites und extrem weites Abblendlicht mit einer homogenen Leuchtcharakteristik. Das Fernlicht fügt sich nahtlos ein und ergänzt das Abblendlicht quasi, ohne etwaige Flecken oder Übergänge erkennbar zu machen. Das sogenannte Ultra Range Fernlicht kann man dabei recht einfach erkennen: Bei vollständig aktivem Fernlicht handelt es sich hierbei quasi um ein Zusatzlicht, welches die Reichweite abermals erhöht. Im Vergleich zum Laserlicht des BMW 7er, können die Multibeam LEDs hier auch ohne Unterstützung von Lasertechnik absolut mithalten.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Multibeam LED Fernlicht
Ultra Range – Das Zusatzfernlicht darf sich gut und gerne als Benchmark behaupten.

 

Eine weitere Sicherheitsausstattung bei Nachtfahrten ist der Nachtsichtassistent Plus inklusive automatischer Aktivierung und speziellem Markierungslicht – nachfolgend von uns markenübergreifend „Danger-Spot“ genannt. Die hierfür aufgerufenen 2.427 Euro sind aus unserer Sicht bei bereits vorhandenen Multibeam LED Scheinwerfern eine gute, aber nicht zwingend erforderliche Ausstattung, die ausschließlich bei häufigen, beziehungsweise überwiegenden Nachtfahrten sinnvoll ist.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Nachtsichtassistent Plus
Virtual Nightlife – Der Nachtsichtassistent ist eine gute Ergänzung zu den Multibeam LEDs.

 

Darüber hinaus verfügte unser Mercedes-Benz S 560 L 4Matic über den aktiven Abstands-Assistenten Distronic, welcher bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h den Abstand zum Vordermann einhält.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Nachtsichtassistent Wärmebildkamera
Mit eigener Waschdüse – Die Wärmebildkamera des Nachtsichtassistenten im S 560.

 

Ebenfalls Bestandteil des Fahrassistenz-Paketes ist der sogenannte Aktiver Brems-Assistent samt Kreuzungsfunktion und Stauende-Notbremsfunktion. Dank des aktiven Geschwindigkeitslimit-Assistenten werden auf Wunsch per Kamera oder per GPS erfasste Tempolimits erkannt und als neue Geschwindigkeit für das Abstandsregeltempomat übernommen.

Im Übrigen sorgt die streckenbasierte Geschwindigkeitsanpassung dafür, dass bei Kurven, Kreisverkehren und anderen Vorkommnissen die Geschwindigkeit bei aktiviertem Tempomat angepasst wird.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Tastenleiste links
Touch to activate – Die Tastenleiste links vom Lenkrad aktiviert die wichtigsten Assistenten.

 

Der Aktive Nothalt-Assistent greift ein, sobald der Fahrer diversen optischen und akustischen Warnungen nicht mehr nachkommt und folglich nicht mehr aktiv ins Geschehen eingreift. Der Assistent bremst das Fahrzeug dann auf der eigenen Spur bis zum Stillstand ab.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Frontkamera
Hidden Champion I – Die Frontkamera wartet hinter einer Blende auf ihren Einsatz.

 

Bei unserem Mercedes-Benz S 560 L 4Matic gibt es einen Unterschied zwischen Spurhalte- und Lenkassistent. Während der sogenannte Aktive Lenk-Assistent den Fahrer dabei unterstützt, die Spur mittig zu halten, warnt der Aktive Spurhalte-Assistent optisch und mittels einseitigem Bremseingriff und trägt mit Letzterem dazu bei, das Fahrzeug wieder in die eigene Spur zurückzuführen.

Während unserer Testszenarien erwies sich letzteres Assistenzsystem allerdings eher störend, da es beispielsweise in Baustellen oft eingriff und durch den eingeleiteten Bremseingriff zur abrupten Verringerung der Geschwindigkeit und damit einhergehend zu Irritationen beim nachfolgenden Verkehr kam.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Rückfahrkamera
Hidden Champion II – Auch die Rückfahrkamera ist dank eigenem Fach vor äußeren Einflüssen geschützt.

 

Ein großes Lob verdient derweil der Aktive Spurwechsel-Assistent, der in Eigenregie souveräne Überholvorgänge absolvieren kann. Dazu muss lediglich der Blinker gesetzt werden und die anderen Assistenzen — insbesondere der Totwinkel-Warner — grünes Licht geben. Dann wird der Spurwechsel nicht besonders schnell, aber dafür sehr akribisch vom Fahrzeug in Eigenregie durchgeführt. Diese Funktion steht dem Fahrer im Geschwindigkeitsbereich zwischen 80 und 180 km/h zur Verfügung.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Lenkradtasten
Via Lenkrad – Die meisten Assistenzfunktionen können bequem übers Lenkrad gesteuert werden.

 

Apropos: Der Aktive Totwinkel-Assistent warnt nicht nur vor Fahrzeugen im Toten Winkel sowie vor schnell herannahenden Fahrzeugen, im Zweifelsfall greift das Fahrzeug auch mit einem gezielten einseitigen Bremseingriff ein, um eine seitliche Kollision im Rahmen der Möglichkeiten zu vermeiden.

Last but noch least unterstützt der Ausweich-Lenkassistent den Fahrer bei einem Ausweichmanöver, indem das Fahrzeug mit erhöhter Aufmerksamkeit bereit ist, nach dem Ausweichen die sofortige Stabilität wiederherzustellen.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic NFC Verriegelung
NFC regelt – Auf Wunsch kann das Fahrzeug mit dem Smartphone ver- und entriegelt werden.

 

Neben den üblichen Helferlein in Form von Kameras und Parksensoren, kann der Fahrer seine S-Klasse auf Wunsch auch mittels Remote Parking ferngesteuert einparken. Hierzu bedarf es einer App, mit welcher das Fahrzeug gekoppelt werden muss. Doch im Vergleich zum BMW 7er, konnte unser Mercedes-Benz S 560 L 4Matic nicht nur vor und zurück fahren, sondern sich selbständig in Längs- und Querparklücken hineinmanövrieren. Doch auch das Ausparken gelang in allen 25 Versuchen problemlos und ohne jedwede Kaltverformung.

 

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Fazit – King of Comfort

Ungeschlagen. Dieses Resümee bezieht sich in erster Linie auf das Komfortniveau, welches der Mercedes-Benz S 560 L bietet. Mit sänftenartigem Fahrwerk, einem enorm kräftigen, omnipotenten Antrieb und einer Ausstattung, die allen erdenklichen Luxus bietet, der aktuell erhältlich ist, positioniert sich die S-Klasse ganz weit oben im Segment. Durch ihre Sonderstellung in puncto Komfort ist sie mit Ausnahme von Bentley Mulsanne und Rolls-Royce Phantom — die jedoch in einer anderen Liga fahren — ungeschlagen, weder Audi A8 noch BMW 7er reichen hier heran.

 

Mercedes-Benz S 560 L 4Matic Stern
Wird dem Stern absolut gerecht – Der Mercedes-Benz S 560 L 4Matic.

 

Der Charakter des Fahrzeug ist ausgeglichen und es gibt wohl nur wenige Fahrzeuge, die sich mit der schwäbischen Eminenz messen können. Der Titel „King of Comfort“ ist ihm in jedem Fall sicher.

Text / Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 6D

 

 

Technische Daten: Mercedes-Benz S 560 L 4Matic

Länge x Breite x Höhe (m): 5,26 x 1,90 x 1,49

Motor: Achtzylinder-V-Motor mit Biturboaufladung

Leistung: 345 kW (469 PS)

Hubraum: 3.982 ccm

Max. Drehmoment: 700 Nm

Getriebe: Neungang-Automatikgetriebe

Antrieb: Allradantrieb

Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 8,8 L/100 km

Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 11,7 L/100 km

CO2-Emissionen (Herstellerangabe): 200 g/km

Abgasnorm: Euro 6d-Temp

Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h

Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 4,6 Sekunden

Leergewicht: 2.125 kg

Laderaumvolumen: 530 Liter

Kraftstofftank: ca. 80 Liter

Neupreis des Testwagens inklusive Sonderausstattung: ca. 150.416 Euro (Mercedes-Benz S-Klasse ab 90.481 Euro)

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