Audi A7 Sportback – Gediegenheit aus Ingolstadt

Audi A7 Sportback

Drei Jahre nach dem Marktstart der zweiten Generation testen wir hier das Einstiegsmodell unter den Benzinern des Audi A7 Sportback. Ein interessanter Einblick nach der im letzten Jahr erfolgten Modellpflege.

Diese betraf insbesondere den Antrieb und soll den eleganten Ingolstädter noch effizienter machen. Für diesen Fahrbericht testeten wir den A7 Sportback als 45 TFSI in einem intensiven Tangorot Metallic.


 



 

Exterieur – Extravaganz auf Rädern

Der Audi A7 Sportback ist allein durch seine Größe eine auffällige Erscheinung – man kann sich seinem Exoten-Status kaum entziehen. Er ist als viertüriges Coupé mit knapp fünf Metern Länge ein Garant für Polarisierung. „Hate it or love it“ heißt es daher nicht selten. Doch wir schließen uns gerne der zweiten Gruppe an, denn die extrem geschwungene Formgebung hat aus unserer Sicht eine positive Ausstrahlung mit einer Art Suchtfaktor.


Audi A7 Sportback Front
Ernst dreinblickend mit typischem Single-Frame-Grill – Der Audi A7 Sportback.



Ein bisschen Yacht-Flair wohnt dem vom Kraftfahrt-Bundesamt offiziell als Kombilimousine titulierten Audi – weshalb, erschließt sich uns nicht – ringsum immer noch inne und dieser überaus eigenständige Auftritt macht ihn zu einem Eyecatcher der ersten Stunde.

Die Front trägt einen großen Single-Frame Kühlergrill mit markanten Scheinwerfern, die in unserem Fall über Matrixtechnologie verfügen und dem roten Riesen ein eindrucksvoll dreinblickendes Antlitz verleihen.


Audi A7 Sportback Seite
Long, longer, A7 – Die gestreckte Linienführung verleiht dem Audi noch mehr Präsenz.



Seitlich betrachtet, gibt es eine geduckt gehaltene, nahezu lauernd erscheinende Silhouette einer flachen Limousine beziehungsweise eines viertürigen Coupés, welches gewissermaßen betörend wirkt. Rahmenlose Türenfenster gehören hier ebenfalls dazu und unterstreichen abermals die Coupé-DNA dieses Autos.


Audi A7 Sportback Heck
Wie aus einem Guss – Der gefällige Heckabschluss des A7 ist überaus gut gelungen.



Am Heck gibt es dann Extravaganz á la Carte: Eine durchgehende LED-Leiste verbindet zwei superschicke LED-Heckleuchten, die jeweils aus 13 Segmenten bestehen und wie eine Einheit wirken. Ein im Stillstand perfekt integrierter Heckspoiler fährt ab 120 km/h aus – oder wahlweise per Knopfdruck – und wird erst dadurch sichtbar.




Endrohre gibt es bei der Einstiegsmotorisierung nicht, man belässt es bei nur angedeuteten Endrohrblenden.


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Interieur – Analogien zum A6 und A8

Der Innenraum unseres Testwagens zeigt sich weniger verspielt und ähnlich klassisch und organisiert, wie bei den Brüdern A6 und A8. Die Verarbeitung ist durchgehend hochwertig und der Materialeinsatz zeigt selbst bei der Einstiegsmotorisierung die Zugehörigkeit zur Oberklasse. Wenngleich viele Details wie die Ambientebeleuchtung hier Aufpreis kosten, ist der erste Eindruck durchgehend positiver Natur.


Interieur Audi
Welcome Home – Der ausgeprägte Wohlfühlfaktor ist im Innenraum des A7 omnipräsent.



Der Wohlfühlfaktor ist mit erstem Blickkontakt sehr hoch angesiedelt und bleibt beständig, gleichgültig, wohin das betrachtende Auge wandert. Das Raumgefühl ist ausnahmslos opulent und auch im Fond gibt es mehr als genug Platz, sodass Reisen mit vier Personen ungeachtet der Körpergröße stets mit Gelassenheit und hohem Komfort unternommen werden können.




Das gute Platzangebot setzt sich auch im Gepäckabteil fort, welches in Standardkonfiguration bereits stolze 535 Liter offeriert. Klappt man die Rückenlehnen um, erweitert sich der Kofferraum auf 1.390 Liter. Für diese Karosserieform ist das ein absolut guter Wert. Lediglich die etwas hohe Ladekante stört ein bisschen.


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Motor und Fahreigenschaften – Viel mehr, als ein Einstieg

Der 2.0-Liter Benziner hat im letzten Jahr eine Mildhybrid-Verstärkung erhalten. Anders als bei den größeren Motoren mit 48-Volt-Hybrid, wird für diesen Vierzylinder eine 12-Volt-Technik verwendet.


Motorraum A7 Vierzylinder
Überraschend leise, überraschend sparsam, überraschend agil – Der Vierzylinder überzeugte.



Der 45 TFSI kommt als Einstieg bei den Benzinmotoren nun auf 265 PS – 20 PS mehr als im Vorgänger ohne Mildhybrid – und die fühlen sich auch sehr solide an. Ausgesprochene Sportvibes kommen hier zwar nicht auf, doch man hat zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, untermotorisiert unterwegs zu sein.

Das siebenstufige Doppelkupplungsgetriebe schaltet sehr schnell und ohne die bei anderen Marken bekannten Ruckler oder Gedenksekunden. Nur wenn es aus dem Segelbetrieb – also wenn der Motor beim Ausrollen abgeschaltet wurde – zurück zum Vortrieb geht, gibt es einen spürbaren Ruck, den man bei einer Wandlerautomatik so nicht erleben muss.


DSG Schaltknauf
Allürenfrei – Das DSG schaltet im Audi zackig schnell und ohne Ruckeln oder Verzögerungen.



Die Gasannahme erfolgt blitzschnell, der Antrieb reagiert auf jede Pedalbewegung hellwach. Dennoch: Als 45 TFSI zeigt sich der A7 von seiner Gran-Turismo-Seite. Lange Reisen werden weder für Geldbörse noch für die Insassen zur Stressprobe. Stattdessen geht es kommod und auf Wunsch bis Tempo 250 auch zügig voran.


Fahrprogrammschalter
Direkt über dem Startknopf wechselt man ins gewünschte Fahrprogramm des Audi.



Dank adaptiven Dämpfern lässt sich eine gut spürbare Spreizung des Fahrwerks realisieren, sodass der A7 auch fahrtechnisch seiner S-Line würdig wird. Doch wir befanden während unserer Testfahrten, dass es sich im Comfort-Modus mit diesem Auto am besten reist. Wer es noch komfortabler mag, erhält für den A7 auch ein Luftfahrwerk mit entsprechend noch stärker ausgeprägtem Komfortniveau.


Lenkrad
Tolle Haptik und eine exzellente Lenkung bilden die Schnittstelle zwischen A7 und Fahrer.



Die Progressivlenkung erwies sich als angenehm direkt und geizte nie mit Feedback. Sehr handlich fühlt sich der Ingolstädter auch aufgrund seiner Allradlenkung an. Dieser möchten wir in jedem Fall eine Empfehlung aussprechen. Auch die Bremsen konnten jederzeit durch Souveränität und gute Dosierbarkeit überzeugen. Mitunter störte nur der vielfältige Eingriff der vielen Assistenzsysteme ein wenig die fahrerische Freiheit, dazu später mehr.


Endrohr A7
Verkürzt – Das echte Endrohr mündet unsichtbar vor dem Fahrzeugheck.



Aufgrund der Einstiegsmotorisierung darf sich der geneigte Interessent auch über moderate Trinkgewohnheiten des durchaus lebendigen Vierzylinders freuen. Im Drittelmix erfuhren wir einen Durchschnitt von 7,7 Litern auf 100 Kilometer und unterboten damit sogar den WLTP-Wert des Herstellers ganz knapp.

Noch beeindruckender wurde es auf unserer Sparrunde, auf der wir jedes Testfahrzeug 20 Kilometer in einem Mix aus Landstraße und kleinen Ortschaften mit diversen Zwangsstopps an Ampeln und Vorfahrtsstraßen nicht schneller als 90 km/h fahren: Hier begnügte sich der 45 TFSI mit vorbildhaften 4,9 Litern auf 100 Kilometer.


Sparrunde Verbrauch Audi A7 Sportback 45 TFSI
Beeindruckende Vorstellung auf unserer Sparrunde – Der A7 kann richtig sparsam.



Nur wer dem Audi A7 Sportback 45 TFSI permanent alles abverlangt, schafft auch zweistellige Werte. In unserem Dauervollgastest auf nächtlich freier Autobahn zeigte der Ingolstädter einen Maximalverbrauch von 11,4 Litern.


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Ausstattung, Technik und Komfort

Unser Testwagen fuhr als S-Line vor und damit gehörte eine sportiv geprägte Note zur Serienausstattung. Zu dieser S-Line gehören zwei Pakete: Das Exterieurpaket für 1.850 Euro umfasst diverse S-Line-Details, wie Seitenschweller, Stoßfänger mit Wabenstruktur, dazugehörige S-Embleme und ein schwarzer Diffusor plus simulierten Endrohrblenden.


Vorderrad
Aufgrund der Winterbereifung stand der A7 auf 19-Zoll-Rädern. Als S-Line sind 20 Zoll Serie.



Das S-Line Sportpaket fällt umfangreicher aus, kostet dafür 4.150 Euro. Dafür gibt’s 20-Zoll-Räder – optional sind übrigens bis zu 21 Zoll möglich – ein Sportfahrwerk, Sportsitze mit Bezügen aus einem Alcantara-Leder-Mix und weitere spezielle S-Line-Details.


Scheinwerfer Matrix-Laser-LED
Die blaue Spange unter dem hübschen Tagfahrlicht verrät die Laserlichtunterstützung.



Die phänomenal ausleuchtenden HD Matrix-LED-Scheinwerfer mit Laserlicht, die mit zu den besten ihrer Art gehören, kosten inklusive der Voll-LED-Heckleuchten und Scheinwerferreinigungsanlage zwar 2.650 Euro Aufpreis, sind diesen aufgrund des enormen Sicherheitsplus allerdings auch durchaus wert.


Centerscreen
Digitalisierung total: Gleich zwei Bildschirme gibt’s im Testwagen mit guter Bedienstruktur.



Für die akustische Untermalung zeichnet sich ein B&O Premium Soundsystem verantwortlich, das für 1.150 Euro als Einzeloption mittels 16 Lautsprechern und 705 Watt Leistung einen ausgewogenen Klang inklusive 3D-Effekt in den hübschen Innenraum des A7 bringt. Für eine audiophile Klientel eignet sich noch besser die größere Ausbaustufe, das B&O Advanced Soundsystem für 6.450 Euro, welches mit 19 High-End-Lautsprechern und einer Gesamtleistung von 1.820 Watt einen ausgefeilten Hörgenuss garantierten wird.




Das Infotainment inklusive MMI Navigation und „virtual cockpit“ warf in puncto Bedienung so gut wie keine Fragen auf. Audi darf sich hier als intuitivster Hersteller im gesamten VW-Konzern behaupten. Und das trotz diverser Sensortasten und -flächen. Vor Freude schmunzelnd, fanden wir den immer noch haptisch einfach unersetzbaren Drehregler für die Lautstärke.




Die zugfreie Klimaautomatik besaß im Testwagen vier Zonen und hatte die Temperierung bestens im Griff. Die elektrische Heckklappe öffnet und schließt leise und schnell – beides im praktischen Einsatz sehr willkommene Kriterien. Aufgefallen: Die Sitzheizung erwärmte die Sitz- und Lehnenflächen spürbar intervallartig, was vereinzelt als unangenehm empfunden wurde.

Die Armada an Assistenzsystemen im Audi A7 Sportback kann man als umfassend bezeichnen. Dabei wird der Lenkeingriff zur Spurhaltung in Verbindung mit dem Vibrieren des Lenkrads auch bei zu hoher Geschwindigkeit und dem Abbremsen des aktiven Tempomaten vor Kurven oder anderer Gegebenheiten mitunter als etwas zu viel des Guten empfunden.


Audi A7 Sportback schräg vorne rechts
Helfer überall – Bis zu 39 Fahrerassistenzsysteme sollen den Piloten des A7 unterstützen.



Nichtsdestotrotz funktionieren alle Assistenten sehr gut und der Sicherheitsfaktor ist entsprechend hoch. Dennoch sollten einige Eingriffe vielleicht etwas dezenter geschehen, so zumindest urteilten unsere Testfahrer im Tenor über den Audi A7 Sportback. Übrigens sind bis zu 39 Fahrerassistenzsysteme für den A7 verfügbar.

Dass man beim A7 – der ja zur Oberklasse gehört – sogar die Rückfahrkamera nur als kostenpflichtige Option anbietet, hat uns doch verwundert. Im Testwagen war diese auch nicht dabei, wodurch der Gesamteindruck ein wenig getrübt wurde.


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Varianten und Preise des Audi A7 Sportback

Das viertürige Coupé wird in diversen Ausbaustufen angeboten. Die Leistung der Antriebe reicht von 204 Diesel-PS im Einstiegsmodell, dem 40 TDI bis zu 600 PS im RS7. Bis auf den kleinsten Benziner und Diesel, welche nur optional mit Allradantrieb angeboten werden, besitzen alle anderen Motorisierungen serienmäßig das Quattro-Emblem.

Auch zwei Plug-in Hybridmodelle stehen zur Auswahl: Der 50 TFSI e und der 55 TFSI e leisten jeweils 299 und 367 PS Systemleistung.


Audi A7 Sportback schräg hinten links
Knapp unter 60.000 geht’s beim 45 TFSI los. Mit vielen Optionen landet man weit darüber.



Der Einstieg beginnt als Audi A7 Sportback 40 TDI bei 58.940 Euro, Allradantrieb kostet 2.050 Euro mehr. Der hier getestete kleinste Benziner 45 TFSI startet ab 59.940 Euro, der Allrad-Aufpreis beträgt bei diesem 2.750 Euro.

Als S-Modelle steht der Audi S7 Sportback TDI mit 344 PS und 700 Newtonmetern ab 83.340 Euro bereit und das Flaggschiff, der RS7 mit 600 PS und 800 Newtonmetern wird ab 122.500 Euro angeboten.


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Fazit – Der vielleicht schönste Audi

Der Audi A7 Sportback konnte im Test zeigen, dass er mit Extravaganz, topmoderner Technik und genügsamen Verbrauchswerten einen besonderen Platz in der automobilen Riege einnimmt. Manche mögen sagen, er sei „nicht Fisch, nicht Fleisch“, andere hingegen lieben ihn vom ersten Augenblick an.


Audi A7 Sportback on road
Superschick, aber kein Schnäppchen – Das gilt auch für den kleinsten Benziner.



Wie auch immer das Urteil ausfallen mag, rein objektiv präsentiert sich der Ingolstädter als eigenständiger, moderner Gran Turismo mit dem Zeug zum Neoklassiker. Ob ein Vierzylinder hier die ideale Motorisierung für jedermann darstellt, lassen wir offen. Seine Aufgaben erfüllte er allerdings im getesteten Modell überraschend souverän.


Audi A7 Sportback schräg hinten rechts
Mit ein bisschen Ausstattung ist man schnell über 90.000 Euro für das Schmuckstück.



Daher könnte so manchen dieses Gesamtpaket überzeugen. Wer mehr möchte, dem bietet Audi auch noch Diesel und Benziner mit Sechszylindern sowie den bärenstarken RS7 an, der dann letztendlich alle Bedenken bezüglich Leistungsdefiziten aus dem Weg räumt.




Text/Fotos: NewCarz

Kameras: Canon EOS 250D und Canon EOS 5D Mark III

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Konkurrenz:
BMW 8er Gran Coupé, Porsche Panamera, Mercedes-Benz CLS

 

 

Technische Daten: Audi A7 Sportback 45 TFSI quattro S-tronic

  • Farbe: Tangorot Metallic
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,97 x 1,91 (2,12 mit Außensiegeln) x 1,42
  • Radstand (mm): 2.926
  • Antrieb: Vierzylinder Turbo-Ottomotor mit 12-Volt-Riemenstartgenerator
  • Leistung: 195 kW (265 PS) bei 5.250 bis 6.000 rpm
  • Drehmoment (Nm): 370 bei 1.750 bis 4.300 rpm
  • Hubraum: 1.984 ccm
  • Getriebe: 7-Stufen DSG Doppelkupplungsgetriebe
  • Antriebsart: Allrad quattro
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 7,6 l/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 7,4 l/100 km
  • CO2-Emissionen (Werksangabe): 173 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM
  • Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h: 6,2 Sekunden
  • Wendekreis (m): 12,2
  • Bodenfreiheit (mm): k.A.
  • Kofferraumvolumen (l): 525 bis 1.390
  • Leergewicht (kg): 1.835
  • Zuladung (kg): 550
  • max. Anhängelast ungebremst/gebremst bis 12% (kg): 750/2.000
  • max. Stützlast (kg): 95
  • max. Dachlast (kg): 90
  • Tankinhalt (l): 73 (Standard: 63)
  • Kraftstoffart: Benzin E5/E10 ab 95 Oktan
  • Neupreis des Testwagens: 90.309,99 Euro (Basispreis 45 TFSI: 59.940 Euro)

 

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