Jaguar F-Pace – Mit kosmetisch geölten Tatzen

Jaguar F-Pace D300

Fast vier Jahre ist es her, dass wir den Jaguar F-Pace einem ersten Test unterzogen haben; nun hat das SUV eine Modellpflege erfahren – Zeit für einen erneuten Test.

Genauer gesagt, erfolgte das Update zum Modelljahr 2021, welches ab September 2020 begann und dieses fiel doch recht umfangreich aus, wie wir in diesem Fahrbericht nachfolgend erläutern möchten.

Für unseren Test stand uns ein F-Pace als R-Dynamic mit dem D300 zur Verfügung, der in einem leuchtenden Metallic-Rot die Iris aller Betrachter stimulierte.




Exterieur – Piekfeine Katzenpflege für den Jaguar F-Pace

Dank Facelift genießt die Raubkatze nun einen sichtlich frischeren Look, der sich absolut zeitgemäß zeigt. Topmoderne, sehr flach integrierte Scheinwerfer in Voll-LED-Technik samt neuer Lichtsignatur, die zusammen mit der überarbeiteten Front dynamischer wirken und das SUV darüber hinaus breiter erscheinen lassen.


Jaguar F-Pace Front
Gelungen – Das Facelift tut der Fahrzeugfront ungemein gut, macht diese deutlich frischer.



Aus unserer Sicht sollten Kunden, die eine helle Lackfarbe bevorzugen, das Black Pack wählen, da die Kontrasteffekte hier sehr gut zur Geltung kommen. Diese rund 500 Euro sind definitiv gut investiert.

Die Seitenpartie blieb von den Modernisierungsmaßnahmen weitgehend unberührt, mit Ausnahme der Seitenschwellerkonturierung und der neuen Felgendesigns, die bis zu 21 Zoll groß sein dürfen.


Jaguar F-Pace Seite
Die Seitenansicht bleibt unaufgeregt, wobei die Schwellerkontur nun etwas dezenter ausfällt.



Am Heck gibt es schmalere Leuchten, die ein wenig an die des neuen F-Type und des elektrischen I-Pace erinnern und dem SUV auch einen überaus attraktiven Rücken verleihen.




Das „Italian Racing Red“ steht der Raubkatze übrigens wirklich gut und hebt ihn auch dadurch aus der SUV-Masse hervor. Ebenfalls als cooles „Outfit“ für den F-Pace: die jeweils gut 5.500 Euro teuren SVO-Lackierungen wie beispielsweise Velocity Blue, Sanguinello Orange und British Racing Green.


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Interieur – Komplett auf links und zurück

Im Innenraum fiel das Facelift deutlich umfangreicher aus. Der extragroße Zentralbildschirm ist eine der wichtigsten Neuerungen, die auch sofort ins Auge sticht. Die Menüführung für die Kommandozentrale erhielt ebenfalls ein Update, sodass sich der F-Pace nun wesentlich intuitiver bedienen lässt. Erfreulich registrierten wir auch, dass man bei Jaguar weiterhin an physischen Schaltern und Tasten festhielt – ebenfalls ein Garant für eine leichte Bedienung.




Sehr auffällig ist auch der Einsatz der verwendeten Materialien, denn während wir hier bei der ersten Generation noch so einiges zu beanstanden hatten, kommen nun feines Leder, hochwertiges Aluminium und viele Softtouch-Oberflächen in fast überschwänglichen Mengen zum Einsatz. Genau auf diese Art gehört es sich für einen echten Jaguar!




Ansonsten gibt es optisch erstklassige und zudem sehr bequeme Ledersitze, die vorn auf Wunsch mit Massage, Heizung und Kühlung aufwarten. Das Platzangebot ist vorne sehr gut und auch hinten sitzen Passagiere mit einem angenehmen Raumgefühl. Sehr schön: auch die äußeren Fondsitze werden beheizt.

Der Kofferraum schluckt ausreichend viel Gepäck und die Fondsitze lassen sich zudem umklappen, wodurch das Volumen auf über 1.400 Liter steigt.


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Motor und Fahreigenschaften – Domestizierte Diesel-Power

Der D300 erwies sich bereits nach kurzer Zeit als favorisierter Antrieb für die große Katze; statt dem V6 verrichtet seit dem Facelift ein Reihensechszylinder seine Arbeit. Die Souveränität und auch die Laufruhe dieses Motors sind absolut tadellos.


V6 Turbodiesel
Glanzvolle Vorstellung – Der R6 ist kraftvoll, laufruhig und sehr sparsam.



Dank eines 48-Volt-Bordnetz mit Riemenstartgenerator reagiert das Start-Stopp-System blitzschnell und derart kultiviert, dass man das permanente Motor-an-Motor-aus kaum bemerkt. Dadurch allein ist dieses Mildhybrid-System ein echter Gewinn.


Wählhebel
Treffsicher – Die Automatik wechselte die acht Gänge zu allen Zeiten sehr passend.



Wir hatten bereits das Vergnügen mit den Vierzylinder-Benzinern – zum Beispiel im Vorgängermodell als P250 – und können nun festhalten, dass der große Diesel ideal zum F-Pace passt. Wer hingegen nur wenige Kilometer absolviert und / oder urbane Gefilde nicht oft verlässt, kann natürlich weiterhin mit den kleineren Aggregaten liebäugeln.


Endrohr
Links die genutzte Endrohrblende, rechts die elektrisch versteckte Anhängerkupplung.



Die Achtgang-Automatik überzeugt mit sanften Schaltvorgängen, welche stets passend zur jeweiligen Anforderung passierten. Die Bremsen sind angenehm zu dosieren, bieten einen klaren Druckpunkt und packen bei Bedarf kräftig zu. Die Lenkung vermittelt nun ein klareres Feedback und ist feinfühliger im Setup als beim Vorfaceliftmodell.


Jaguar F-Pace schräg hinten rechts
Dank überarbeitetem Fahrwerk ist der F-Pace nun ein noch ausgewogeneres SUV.



Das Fahrwerk erfuhr ebenfalls eine massive Modernisierung und so kann man nun von einem sehr ausgewogenen und stimmigen Gesamtpaket sprechen. Eine gesunde straffe Grundabstimmung ist dem sportlichen F-Pace dabei nicht abzusprechen, doch die meisten Unebenheiten werden nicht an die Insassen kommuniziert. Das ändert sich nur, wenn der Fahrer in den Dynamic-Modus wechselt, denn dann werden die Dämpfer spürbar härter, die Katze geht in Lauerstellung und sprintet auf Wunsch recht vehement los.


Fahrmodi Drehregler
Die Fahrprogramme werden über diesen Drehregler in der Mittelkonsole gewählt…



Dieser Modus eignet sich aus Sicht der Redaktion überwiegend fürs sportliche Fahren, für zügige Überholvorgänge oder schnelle Etappen auf der Autobahn. Ansonsten ist man mit den anderen Modi besser bedient, da es hier deutlich harmonischer und komfortabler voran geht – quasi mit britischer Contenance.


Fahrprogramm
…und die entsprechende Wahl im Cockpit angezeigt.



Beim Verbrauch zeigte der bärenstarke Diesel eine hervorragende Effizienz: Im Drittelmix liefen lediglich 6,8 Liter durch die sechs Brennkammern des V6 – für ein SUV dieser Größe ist das überaus bemerkenswert. Auf der Sparrunde purzelte der Leichtölkonsum nochmals um fast anderthalb Liter auf 5,4 Liter pro 100 Kilometer. Selbst bei einer Vollgasfahrt und permanenten Tempi von deutlich über 200 km/h kamen wir nicht über 12,6 Liter.


Sparrunde Verbrauch Jaguar F-Pace D300
Zurückhaltung in XXL: Auf der Sparrunde knauserte der V6 vorbildlich.



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Ausstattung, Komfort, Technik im Jaguar F-Pace

Als „SE“ stellte unser Testwagen die goldene Mitte der drei Ausstattungslinien und war mit einigen weiteren bemerkenswerten Dingen gesegnet. Dazu gehören unter anderem die extrem guten Pixel-LED-Scheinwerfer, die in puncto Ausleuchtung und Homogenität keine Wünsche offenlassen. Die Reichweite ist enorm, die Ausblendfunktion arbeitete reaktionsschnell und zielsicher. Die Blinker zeigen übrigens animiert die Richtungsänderungen an.


Pixel-LED
Die Pixel-LED-Scheinwerfer sorgen in jeder Hinsicht für erhellende Momente.



Das Infotainment „Pivi Pro“ mit dem riesigen 11.4-Zoll-Bildschirm ist ab sofort permanent online und versorgt die Insassen mit einer Heerschar an Onlinefunktionen. Die beiden Schnittstellen Android Auto und Apple CarPlay benötigen keine Kabelverbindung mehr und dank einer separaten Stromversorgung dieses Multimediasystems ist es sofort nach dem Fahrzeugstart bereit – nervende, weil lang andauernde Bootvorgänge gibt es daher nicht.




Die intuitive Bedienung des Infotinments setzt sich leider nicht in diesem Umfang beim Einstellen des digitalen Cockpits fort. Hier muss man einfach zu viel Aufmerksamkeit der Justage opfern – da besteht noch Luft nach oben.


Meridian
Zwölf Lautsprecher plus Subwoofer beschallen den Innenraum adäquat.



Das 400 Watt starke Meridian Soundsystem mit 13 Lautsprechern befüllt den Innenraum mit einem sauberen, definierten Klang und sollte das Gros aller Hörer problemlos befriedigen können. Wer audiophil höchste Ansprüche stellt, darf auch einen Blick auf das Meridian Surround-Soundsystem werfen.


Glasdach
Das Glasdach besitzt eine halbtransparente, elektrisch betätigte Abdeckung.



Hinweis am Rande: Das Panorama-Dach im Testwagen versorgte den Innenraum mit viel Licht, ist allerdings feststehend. Wer das verglaste Dach auch gerne öffnen möchte, sollte unbedingt die rund 300 Euro mehr investieren und das Panorama-Schiebedach bestellen.

Tatsächlich muss die schnell und flächendeckend wärmende Lenkradheizung hier für 265 Euro extra bestellt werden. Die ebenfalls sehr zügige Sitzheizung und -kühlung überzeugte im Praxistest, wobei sich auch die Geräuschkulisse der Lüfter in den Sitzen angenehm dezent zeigt.


HUD
Selbst bildhafte Darstellungen beherrscht das hervorragende Head-up Display im F-Pace.



Das große Head-Up-Display, welches die Informationen gestochen scharf in die Windschutzscheibe projiziert, ist eine große Fahrerhilfe und sorgt ungemein dafür, dass der Blick auf der Straße bleibt.

Wer mit dem Jaguar F-Pace gerne Anhänger zeihen möchte, bekommt für rund 1.300 Euro eine elektrisch ausfahrbare Anhängerkupplung – bis zu 2,4 Tonnen nimmt der große Brite damit an den Haken.


Anhängerkupplung
Auf Knopfdruck – Die Anhängerkupplung fährt elektrisch aus und ein.



Bei den Assistenten möchten wir noch den sehr flüssig und exakt arbeitenden Abstandstempomaten und den Totwinkel-Warner erwähnen. Letztgenannter schaltet sich übrigens nicht sofort mit der Zündung ab, sondern warnt beim Benutzen der Türgriffe auch bei ausgeschaltetem Motor beispielsweise vor herannahenden Fahrradfahrern.


360-Grad-Kamera
Diverse Kameraperspektiven plus 360-Gard-Ansicht machen ds Parken kinderleicht.



Parkvorgänge verlieren dank des hochauflösenden 3D Surround-Kamerasystems jedweden Schrecken und lassen das SUV sehr feingranular manövrieren. Das kabellose Aufladen von Mobilgeräten funktionierte ohne Unterbrechungen und daher hervorragend.


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Varianten und Preise des Jaguar F-Pace

Die modernisierte Raubkatze beginnt nun bei 54.000 Euro für das Einstiegsmodell mit dem kleinsten Motor, einem Diesel mit der Bezeichnung D165 – wobei die Zahl für die jeweilige Leistung steht.

Als Motoren stehen drei Benziner – ein Reihenvierzylinder P250, ein V6 namens P400 und ein V8 als P550 – sowie drei Diesel – die Reihenvierzylinder D165 und D200 sowie der V6 als D300 – zur Verfügung. Die Leistungsspanne reicht damit von 165 bis 550 PS.


Jaguar F-Pace D300 R-Dynamic
Der Testwagen kostete als R-Dynamic in Verbindung mit der „SE“ Ausführung knapp 90.000 Euro.



Neben dem Einstiegsmodell gibt es noch den hier getesteten R-Dynamic ab 60.400 Euro, den R-Dynamic Black ab 63.620 Euro und den SVR für mindestens 105.450 Euro.

Mit Ausnahme des SVR lassen sich alle Modelle in drei Ausstattungsklassen „S“, „SE“ und „HSE“ unterteilen, wodurch das Ausstattungsvolumen entsprechend vorgewählt werden kann. Alle Jaguar F-Pace sind nach der Modellpflege ausschließlich mit Allrad und der 8-Gang-Automatik ausgestattet.


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Fazit – Katzenwäsche auf Höchstniveau

Das Jaguar F-Pace Facelift konnte im Test anfängliche Voreingenommenheit durch das Vorgängermodell ausräumen und zeigte sich als ausgereiftes und kraftvolles SUV, das sich mit stolzer und edler Miene der Konkurrenz stellen kann.


Jaguar F-Pace Frontbereich
Jungbrunnen – Der Jaguar F-Pace hat sich dank Modellpflege gehörig gemausert…



Wenngleich unser Testwagen mit knapp 90.000 Euro sicherlich kein Schnäppchen ist, so kann er im Wettbewerb mit anderen SUVs in dieser Motorenklasse vollumfänglich mithalten. Mehr noch, er verschafft sich durch seine technologischen Raffinessen und seinen hohen Qualitätsanspruch eine Art Alphastellung.

Wer dies auch antriebsseitig wünscht, der erhält mit dem SVR eine 550-PS-Fahrmaschine mit kräftigem V8 und einer Portion britischem Understatement.


Jaguar F-Pace schräg hinten links
…und fährt neben dem optischen Refresh dank modernster Technologien auch wieder ganz vorne mit.



Summa summarum dürfte sich die Erfolgsgeschichte mit dem neuen F-Pace nicht nur fortsetzen, sondern weiter Fahrt aufnehmen. Die Raubkatze hat durch diese umfassende „Katzenwäsche“ das perfekte Rüstzeug in petto.




Text/Fotos: NewCarz

Kamera: Canon EOS 5D Mark III

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Pro und Contra

Pro:

  • topmoderne, hochwertige und luxuriöse Ausstattung
  • starker, kultivierter, sehr sparsamer Diesel
  • langstreckentauglich
  • sparsamer Verbrauch

Contra:

  • hoher Preis
  • umständliche Bedienung des digitalen Cockpits

 

 

 

 

 

Technische Daten: Jaguar F-Pace D300 R-Dynamic SE

  • Farbe: Italian Racing Red Metallic
  • Länge x Breite x Höhe (m): 4,75 x 1,94 (2,18 mit Außenspiegeln) x 1,66
  • Radstand (mm): 2.874
  • Antrieb: R6 Turbodiesel mit SCR-Kat und DPF
  • Hybridart: Mildhybrid 48-Volt
  • Leistung: 221 kW (300 PS) bei 4.000 bis 6.000 rpm
  • max. Drehmoment (Nm): 650 bei 1.500 bis 2.500 rpm
  • Hubraum: 2.996 ccm
  • Getriebe: 8-Gang-Automatik von ZF
  • Antriebsart: Allrad
  • Durchschnittsverbrauch (WLTP): 7,4 l/100 km
  • Durchschnittsverbrauch (NewCarz): 7,7 l/100 km
  • CO2-Emissionen (Werksangabe): 194 g/km
  • Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM
  • Höchstgeschwindigkeit: 230 km/h
  • Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (sec): 6,4
  • Wendekreis (m): 12,2
  • Bodenfreiheit (mm): 213
  • Böschungswinkel vorn/hinten: 22,5°/22,9°
  • Rampenwinkel: 19°
  • Wattiefe (mm): 500
  • Kofferraum (l)): 470 bis 1428
  • Leergewicht (kg): 2.038
  • Zuladung (kg): 577
  • Anhängelast ungebremst/gebremst (kg): 750/2.400
  • max. Stützlast (kg): 100
  • max. Dachlast (kg): 75
  • Tankinhalt (l): 66
  • AdBlue Tank (l): 17
  • Kraftstoffart: Diesel
  • Neupreis des Testwagens: 89.872,86 Euro (Basispreis D300: 69.800 Euro)

 

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2 comments

Beim getesteten Triebwerk handelt es sich – seit dem Facelift – um einen 3 Liter Reihensechszylinder und nicht wie im Artikel fälschlicherweise angegeben um einen V6. Dem Autor ist hier offensichtlich ein kleiner Fehler unterlaufen.

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