Dieser Bugatti W16 Mistral „La Perle Rare“ scheint durch die Automobilgeschichte wie ein kunstvoll geschliffener Edelstein mit Straßenzulassung zu schweben.
Mit ihm endet die legendäre W16-Ära von Bugatti. 16 Zylinder, vier Turbolader, eine Ära voller Geschwindigkeitsrekorde und Ingenieursmythen. Der Mistral ist das letzte offene Kapitel dieses Motors. Und „La Perle Rare“ ist seine wohl poetischste Fußnote.
Geboren auf dem Rasen von Pebble Beach
Die Geschichte beginnt im August 2023 beim Pebble Beach Concours d’Elegance. Zwischen perfekt frisierten Klassikern und pazifischer Meeresbrise traf Jascha Straub, Leiter des Sur Mesure-Programms, auf jenen Kunden, der nicht einfach ein Hypercar wollte, sondern ein rollendes Manifest.
Sur Mesure bei Bugatti bedeutet nicht nur Individualisierung. Es bedeutet: Träume werden in Metall, Lack und Licht gegossen. Und manchmal auch in Perlmutt.
Zwei Farben, ein Gedanke: Erde küsst Himmel
Inspiriert von der handgemalten „Vagues de Lumière“-Lackierung entwickelte das Designteam eine zweifarbige Komposition, die das Fahrzeug optisch in zwei Sphären teilt. Oben ein warmer, goldener Ton. Unten ein edles Warmweiß. Dazwischen fließen weiße und goldene Linien, die das Licht einfangen, als hätten sie ein Eigenleben.




Die Farbsuche war kein Spaziergang im Musterkatalog. Aus einem silbernen Konzept wuchs Schritt für Schritt ein Spiel aus warmen und kühlen Weißnuancen, durchzogen von feinen Metallflocken. Wochen der Abstimmung, unzählige Lackmuster, Gespräche über Nuancen, die das menschliche Auge kaum in Worte fassen kann. Am Ende entstanden zwei völlig neue, maßgeschneiderte Farbtöne. Keine Kompromisse, nur Präzision.
Bugatti W16 Mistral „La Perle Rare“: Unendliche Handarbeit
Die charakteristischen Linien wurden im Bugatti Design Studio in Berlin realisiert. Wochenlanges Abkleben von Hand, präzises Maskieren, Lackieren unter permanenter Begleitung des Designteams. Hunderte Stunden Arbeit, damit jede Kurve exakt die gewünschte Spannung trägt.

Die diamantgeschliffenen Leichtmetallfelgen erhielten eine speziell entwickelte Farbmischung, die Gold und Weiß der Karosserie aufgreift. Selbst im Stand wirkt das Auto, als würde es Licht atmen.
Ein Cockpit wie ein Juwel
Im Innenraum setzt sich das Thema fort. Weiß lackierte Carbonkomponenten formen ein Cockpit, das eher an eine Schmuckschatulle erinnert als an einen Fahrerarbeitsplatz. Die Türverkleidungen tragen abwechselnde weiße und warmgoldene Linien, die den skulpturalen Flächen folgen wie Pinselstriche auf Leinwand.
Eine warme Ambientebeleuchtung verstärkt die Lichtreflexionen und lässt das Interieur sanft schimmern. Polierte Aluminiumelemente, vom Lenkrad bis zu den Türgriffen, greifen das Motiv auf. Jede Oberfläche ist so veredelt, dass sie das Licht einfängt und mit ihm spielt.
Und dann die Signatur: „La Perle Rare“ in Straubs eigener Handschrift. Sie zieht sich über Ziernähte, Gravuren auf der weiß-goldenen Motorabdeckung und sogar unter den Heckflügel. Persönlicher wird es nur mit Fingerabdruck.
Der tanzende Elefant als Brücke zur Geschichte
Als Hommage an das Markenerbe erscheint Rembrandt Bugattis ikonische Skulptur „Tanzender Elefant“ im Gehäuse des Gangwahlhebels und hinter den Vorderrädern. Ein Kunstwerk im Kunstwerk. Vergangenheit und Gegenwart reichen sich hier die Hand, während 16 Zylinder im Hintergrund ihre mechanische Sinfonie proben.

NewCarz meint dazu:
Der W16 Mistral „La Perle Rare“ ist nicht einfach ein weiteres Einzelstück in der Welt der Hypercars. Er ist das Resultat eines Dialogs zwischen Kunde und Kreativteam, zwischen Tradition und Vision, zwischen technischer Höchstleistung und ästhetischer Feinarbeit. Wenn kunstvolle Kreativität auf Ingenieurskunst trifft, entsteht manchmal Geschwindigkeit. In diesem Fall entstand eine Perle – eine sehr schnelle Perle.
Quelle & Fotos: Bugatti / Text: NewCarz

Unser Chefredakteur erstellt seit 2015 schwerpunktmäßig Fahrberichte und testet alle Fahrzeuge akribisch – mit Liebe zum Detail – auf Herz und Nieren. Dabei entgeht ihm nichts. Seine Objektivität bewahrt er dabei kompromisslos. Robertos Spezialgebiete sind neben SUVs und Kombis die alternativen Antriebskonzepte. Sein Herz schlägt aber auch gern im V8-Takt.
